Dienstag, 8. Dezember 2009

Grundelemente der Schwertkampfkunst

Grundelemente des Iaido und des Iai-jutsu sind Kata - vorgegebene Bewegungsablaufe, die den Verlauf einer Auseinandersetzung mit einem oder mit mehreren Gegnern beinhalten. Beim Iaido wird ohne Partner zumeist in einem geschlossenen Raum geübt. Übungen mit einem Partner werden mit dem Bokken durchgeführt (Katachi oder Kumidachi). Sie dienen der Verdeutlichung von Funktion, Abstandsverhältnis, Timing und Dynamik einer Kata. Vorgeschrittene üben mit dem Bokken unter anderem Tachi Uchi no Kurai - 太刀打之位 - einer Form von Kumitachi (Partnerübungen mit Schwert), die von vielen Iaido Schulen praktiziert wird.

Der Aufbau
Im Iaido, Iai-jutsu als auch im Ken-jutsu teilt sich jede Kata in vier Hauptbereiche:
1. Nukitsuke — das Ziehen
2. Kirioroshi — der Schnitt
3. Chiburi — Blut abschlagen
4. Noto — das Schwert in die Saya zurückführen

1. Nukitsuke
Nuite tsukeru = das Schwert ziehen und schneiden.
Das Schwert ziehen und den ersten Schnitt machen nennt man Nukitsuke. Das Iaido lebt durch die Bewegung des Nukitsuke. Bei dieser Bewegung ist es sehr wichtig, in dem Moment, wo die Katana das Koiguchi verlässt, die ganze Konzentration völlig auf das Ziel zu richten. Mit voller Kraft die Katana aus der Saya zu zerren ist nicht gut. Seit alters her wird Nukitsuke mit dem Begriff „Johakyu" gelehrt. Das bedeutet, dass das Ziehen progressiv erfolgt. Es ist wichtig die Schwertspitze zuerst zu bewegen. Wenn der Geist nicht bis in die Schwertspitze fließt, hat Iaido keinen Wert.

Metsuke
Me o tsukeru = die Augen auf etwas richten, den (geistigen) Blick auf den oder die Gegner richten.
Gerade im Metsuke druckt sich aus, dass das Bewusstsein auf den Gegner gerichtet ist. Beim Sitzen wird ein Punkt ca. 4-5 m vor einem auf dem Boden fixiert, aber so, als ob man Berge in der Ferne betrachtet. Die Augen sind halb geöffnet. Es ist wichtig, das Blickfeld vom Gefühl her nach rechts und links zu erweitern, so dass man alles überblicken kann. Wenn man die Augen weit aufreißt und etwas starr fixiert, wird man völlig von einem Punkt in Anspruch genommen. Dann ist es schwer die gesamten Bewegungen zu erfassen und man kann leicht überrascht werden. Wahrend der Bewegungen richtet man den Blick auf den imaginären Gegner. Nach dem Schneiden richtet man den Blick auf den gefallenen Gegner oder vielmehr 4-5 m vor einem auf den Boden, was den gestürzten Gegner einschließt. Man darf den Kopf nicht zu sehr senken.

2. Kirioroshi
Kirinagara orosu = schneiden und dabei das Schwert senken.
Beim Kirioroshi Schultern und Arme locker lassen. Beide Arme weit strecken, so dass man das Gefühl hat, mit Hilfe der Zentrifugalkraft einen großen Kreis zu ziehen. Ringfinger und kleine Finger fest schließen und beide Hände leicht nach innen drehen, als ob man etwas auswringt. Dabei ist das Schwert waagrecht oder die Schwertspitze leicht gesenkt.

3. Chiburui
Chi o furu = das Blut abschütteln
Am Beispiel bei der 1. Kata - Ippon me mae:
Wenn man Kirioroshi ausgeführt hat, nimmt man die linke Hand vom Schwertgriff und legt sie auf die Saya. Die Kraft der rechten Hand lockern. Die rechte Hand kippt die Klingeleicht nach rechts in die beginnende Bewegungsrichtung. Anschließend wird das Schwert mit einer schwungvollen Bewegung nach schrag rechts oben geführt. Dann bringt man den Schwertgriff über den Kopf. Beim Aufstehen das hintere linke Bein zum vorderen heranziehen. Dabei die Schwertspitze rechts über den Kopf kreisen lassen. In dem Moment, wo man steht, das Schwert in einem Zug nach schräg rechts vorne so herabschwingen, dass man auf etwas vor sich stechen konnte.

4. Noto
Katana o osameru = das Schwert in die Saya führen
Aus der Haltung des Chiburui das rechte Bein weit nach hinten ziehen. Beide Fußspitzen zeigen nach vorne. Die Ferse des hinteren Beines ist leicht gehoben. Das Gewicht ist auf beide Beine gleich verteilt. Der Oberkörper ist aufrecht.
Den Mittelfinger der linken Hand zur Hälfte um den Koiguchi legen und die Saya fassen. Den Koiguchi mit Zeigefinger und Daumen verschließen, so dass ein Loch entsteht, das kleiner als der Koiguchi ist. Die Saya weit nach rechts führen. Die Katana mit dem Mune zum linken Oberarm führen und leicht auflegen.
Durch ein Zurückführen der Saya nach links und der Schwertbewegung nach rechts bringt man die Kissaki in den Koiguchi, fast ohne dass die Klinge die linke Faust berührt (Sekiguchi-Sensei meint: "no touch").
Dann ruhig und mit ausreichend Zanshin das Schwert vollständig in die Saya bringen. Während des Noto das Knie beugen. In dem Moment, wo das Knie den Boden erreicht, ist gleichzeitig das Schwert vollständig in der Saya.
Am Ende des Notos ist das Schwert waagrecht und die Tsuka zeigt nach rechts.

Zanshin
Zanshin = Kokoro o nokosu = das Herz zurücklassen
Das Herz (oder Gefühl) in gespannter Aufmerksamkeit zu lassen bedeutet, auch wenn man den Gegner zu Fall gebracht hat, weiter das Herz auf den Gegner gerichtet zu lassen, so dass man, falls der Gegner noch einmal angreift, ihn sofort kontrollieren kann.
Im laido bedeutet Zanshin, dass man auch, nachdem man den Gegner zu Fall gebracht hat und Noto durchführt, keinen Moment mit der Aufmerksamkeit nachlässt, auch wenn das Schwert schließlich ganz in der Saya steckt.
Es bezeichnet also einen Zustand, wo man äußerlich und innerlich die Haltung gegenüber dem besiegten Gegner (gelösten Problem) aufrechterhält.
Ein japanisches Sprichwort meint "Wenn du die Schlacht gewonnen hast, binde den Helm fester."

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