Sonntag, 27. Dezember 2009

Genji-Mon und Koh-Do

Das japanische Buch Genji Monotagari (源氏物語,) „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, verfasst von der Hofdame Murasaki Shikibu (ca. 978–ca. 1014) besteht aus 54 Kapiteln. Diesen 54 Kapiteln werden Symbole zugeordnet die als genji-mon bezeichnet werden.
Die Samurai liebten seltene Düfte und Weihrauch. Es gehörte zum guten Ton an Duftspielen und Duftzeremonien teilzunehmen. Im Vergleich zur japanischen Teezeremonie ist der Weg des Weihrauchs kohdo im Westen weniger bekannt. Bei diesem Ritual werden mit Hilfe feiner Utensilien kostbare Duft- und Aromahölzer erhitzt. Der koh-do Meister und seine Gäste genießen gemeinsam den herrlichen Wohlgeruch und „lauschen dem Duft“. Deshalb werden die genji-mon auch als genji-koh bezeichnet.



Genjiko ist ein altes Spiel um Weihrauch zu genießen. Es ist interessant, dass nur wenige Japaner je von der japanischen Weihrauch Zeremonie kodo gehört haben, während sie gleichzeitig mit den genji-mon vertraut sind, die von den alten Weihrauchmeistern den einzelnen Kapiteln der "Geschichte vom Prinzen Genji" zugeordnet wurden, um das Weihrauchspiel "genji-ko" zu spielen. Genji-ko ist eines von mehreren "Duftspielen" die unter dem Namen "kumiko" zusammengefasst sind.
Die genji-mon tauchten auf den ukiyoe Holzschnitte der Edo-Zeit (1603-1867) auf und viele Menschen verbinden die genji-mon eher mit dem Kapitel der Genji-Geschichte als mit kodo.


 genji-mon 32, umegae, Pflaumenzweige


Kumiko sind die Duftspiele die während einer kodo Zeremonie gespielt werden. Diese Spiele sind eine unterhaltsame und vergnügliche Art und Weise die Freuden des Weihrauchs gemeinsam mit der Familie und Freunden zu erleben.
Es gibt unzählige Varianten kumiko zu genießen. Traditionelles kodo bestand aus dem Verbrennen von drei bis sechs Sorten frischem Aloeholz und gelegentlich auch Sandelholz.
Die Duftspiele bezogen sich oft auf saisonale Themen, auf Geschichte, klassische Literatur, waka-Dichtung, oder auf Reisen.
Im kodo wird der Begriff "dem Duft lauschen" verwendet und symbolisiert die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit die jedem Duftholz während der Zeremonie gezollt wird.
Die Idee bei allen Duftspielen Prozess des Lauschens auf jeden einzelnen Duft zu genießen. Es sind keine Wettbewerbe, sondern einfach nur Methoden die Düfte zu genießen und den eigenen Geruchssinn wieder zu erwecken. Es gibt im kodo weder Gewinner noch Verlierer, nur die schlichte Eleganz des Genießens feinen Weihrauch.

Es gibt zwei verschiedene traditionelle Schulen des koh-do:
  • shino, der strengere auf spirituelle Entwicklung ausgerichtete Weg
  • oie, die poetisch-spielerische Form, bei der gesellschaftliche Aspekte und dichterisches Empfinden im Vordergrund stehen.

Bei diesen Erkennungsspielen werden die genji-mon benutzt um die Duftfolge und Zuordnung aufzuschreiben.
Das Grundprinzip ist einfach und genial. Bei jedem Duft malt man einen senkrechten Strich. Düfte, von denen man meint sie wären gleich, verbindet man oben mit einem waagerechten Strich. Die Schreibrichtung ist wie in Japan üblich von rechts nach links.



Beispiel bei drei Düften:
Duft 1 und 3 sind gleich


Beispiel bei fünf Düften:
Duft 1 und 3 sind gleich.
Duft 2, 4 und 5 sind gleich.



In den Erkennungsspielen verbrannten die Teilnehmer Kombinationen von fünf Hauptdüften aus 25 verschiedenen Paketen Weihrauch, von denen jedes mit einem eindeutigen Symbol markiert war. In späteren Zeiten wurde die Anzahl der Päckchen auf 54 erhöht um den Kapiteln des Genji Monotagari gerecht zu werden. Jedes der genji-mon besteht aus fünf vertikalen Linien mit unterschiedlichen Anordnungen einer oder mehrerer horizontaler Verbindungslinien





Japanisches "Heftchen" in dem die Bedeutungen der einzelnen Sybole erklärt werden.

Die genji-mon finden also Verwendung im kodo und sie werden auch als Verzierung verwendet, z.B. auf tsuba oder kimono . Was hat es damit auf sich?
Zu Zeiten der Samurai wurden der Lebensstiel und das Verhalten vom sozialen Status diktiert. Somit war unter anderem auch die Kleidung von der Tradition bestimmt. In einer kollektivistischen Gesellschaft wie dieser, mag der Wunsch nach Individualismus wie wir ihn heute kennen wahrscheinlich gar nicht existiert haben. Stattdessen drückte der Krieger seine Individualität in der Verschönerung seiner Rüstung, des Schwertes oder der Kleidung aus, indem er ein tsuba mit einem bestimmten genji-mon darauf wählte.

Zwei tsuba mit genji-mon aus je vier Linien

Der Träger des tsuba war stark mit den Idealen des auf dem tsuba dargestellten genji-mon verbunden. Um dies zu verstehen hier eine kurze Zusammenfassung des Kapitel 33 der Geschichte vom Prinzen Genji:
Es wird die Geschichte des kranken Kaiser Suzaku erzählt, der sein Ende nahen sieht. Der Kaiser hat eine Tochter, die als die „Dritte Tochter“ bezeichnet wird. Sie ist unverheiratet und würde so nach dem Tod ihres Vaters ohne einen angemessenen Ehemann in den wirtschaftlichen Ruin geraten. Diese Situation lässt den Kaiser nach Prinz Genji rufen. Der Kaiser weiß von Genjis Ruf als Frauenheld, sieht jedoch darüber hinweg, da Genji auch den Ruf hat sich um die Frauen die in seinem Leben eine Rolle spielen zu kümmern.
Das Grundthema in diesem Kapitel ist Selbstlosigkeit. Die eigene Hingabe zum Wohle anderer. Das Muster auf seinem tsuba erinnerte den Samurai an seine Rolle in der Gesellschaft und drückte seine Ideale aus. Gleichzeitig drückt der Samurai mit der Wahl eines oder mehrerer genji-mon auch seine Verbindung zu den anderen dem Symbol zugeordneten Aspekten aus. Jedes Symbol ist nicht nur mit einem Kapitel des Buches assoziiert sondern auch mit einem Duftstoff, der mit einer Pflanze oder einem Holz in Verbindung steht. Auch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Duft einer der stärksten und archaischsten Auslöser in unserem Gehirn ist. Jeder Duft löst Assoziationen und Gefühle in uns aus, die wir nicht steuern können.


Räucherstäbchenhalter in der Form eines Pfeil-Köchers mit dem genji-mon 29, miyuki

Die genji-mon eignen sich natürlich auch hervorragend zur Verschlüsselung von Botschaften und sie wurden auch in den esoterischen Überlieferungen und Praktiken Japans verwendet. Hier werden die genji-mon die aus fünf Strichen bestehen gemeinsam mit den zwanzig ähnlichen Symbolen die aus vier Strichen bestehen und mit den acht Trigrammen, die das Grundgerüst der 64 Hexagramme des I Ging bilden, benutzt.



Die Geschichte vom Prinzen Genji wurde in mehr als 200 Sprachen übersetzt. Leider basiert die Deutsche Ausgabe von Herlitschka auf der Übersetzung einer Übersetzung ist daher zum einen nicht vollständig und auch nicht authentisch.

1 Kommentar:

  1. sehr interessantes thema! danke fuers einstellen. ich waere ueber quellen ueber koh do dankbar.

    busterfriendly@gmx.net

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