Mittwoch, 30. Dezember 2009

明けましておめでとうございます



Werter Leser dieses Blog, ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes お正月 o-shōgatsu und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2010, das Jahr des Tigers!

明けましておめでとうございます

Was man auch immer von Astrologie halten mag, hier einige Infos zum Jahr des Tigers:

Am 14. Februar 2010 beginnt das chinesische Jahr des Metall Tigers. Während das Jahr 2009 vom trägen Büffel dominiert wurde, der Zähigkeit, Disziplin und Geduld verlangt, sprüht das Jahr des Metall Tigers nur so vor Energie und Abenteuerlust. Entsprechend unruhig werden die Zeiten sein, die da auf uns zukommen. So manche emotionale Achterbahnfahrt ist zu erwarten und so manche riskante Transaktion wird uns in Aufregung versetzen. Aber wer mit Risikofreude ausgestattet ist und turbulente Abwechslung liebt, wird das Jahr des Tigers schätzen. Zum Mut und der Verwegenheit des Tigers gesellt sich noch die Schärfe des Elements "Metall", was die Unruhe unterstreicht und ihr eine heftige Note verleiht. Sturm ist also angesagt! Es kann durchaus zu radikalen Entscheidungen kommen, im positiven Sinne zu mutig entschlossenem Durchgreifen und Umsetzen. War 2009 ein gefühlter Monsun ist 2010 ein schneidender Polarwind.

Ni-Tombo

Kuji (九字印) – Neun mystische Gesten

Diese Handgesten, von den alten Indern auch mudra genannt, sind in Japan unter dem Begriff inkei o musubu bekannt und werden auch als die „Gesten der Neun Silben“ bezeichnet. Interessanterweise hat fast jede Kultur im Laufe der Geschichte ganzunterschiedliche Ansätze und Interpretationen von Handgesten überliefert. Der Gebrauch derartiger Gesten ist somit nicht auf Japan oder Indien beschränkt, sondern weltweit auf die eine oder andere Art und Weise bekannt.
In Europa wurden diese Gesten im Zusammenhang mit der Kampfkunst durch die ersten Ninja-Filme bekannt, speziell durch den Film „Enter the Ninja, 1981“ mit Franco Nero in der Hauptrolle.

Die kuji Szene:



Wenn diese Handgesten richtig und von einem Meister ausgeführt werden, wird der Wille eins, alle weltlichen Gedanken fallen von einem ab und das Selbst wird ausgelöscht. Es besteht ein feiner Unterschied zwischen dem vergessen (boga) des Selbst und dem auslöschen (muga) des Selbst. Das Vergessen des Selbst kann als Beginn der Auslöschung betrachtet werden. Jemand der mit abwesendem Blick leer ins Nichts starrt, so als bade er in den Strahlen des Sonnenlichts ist ein gutes Beispiel für das Vergessen des Selbst. Unterstützend wirkt das zu jedem kuji gehörende mantra, das während der Ausführung der Geste rezitiert wird.
Die kuji sind ein guter Weg um den Zustand des muga willentlich zu erlangen. Jedoch ist das Beschreiten dieses Weges ein harter und trainingsreicher Pfad.
Etwas weltlicher betrachtet sind diese Gesten eine hervorragende Übung um die Muskeln und Gelenke vor dem Training auf schnelle und effektive Art und Weise warm und geschmeidig zu machen. Ich empfehle diese Übung vor jedem training auszuführen. Durch ständige Wiederholung werden die Gesten bald fast automatisch ablaufen und man kann beginnen sich mit den metaphysischen Implikationen dieser Art des „Hand Yoga“ auseinander zu setzen. Die Verbindung der Gesten, dem dabei auftretenden Körperempfinden und der Körperwahrnehmung und der damit assoziierten philosophischen und metaphysischen Konzepte verändern den Übenden.

Rin (臨)


Mantra an Tamonten: On baishiraman taya sowaka

Kyo (兵)


Mantra an Gozanze Yasha Myo-o: On isha naya in tara ya sowaka

Toh (闘)


Mantra an Jikokuten: On jireta rashi itara jiba ratano sowaka

Sha (者)


Mantra an Kongo Yasha Myo-o: On haya baishiraman taya sowaka

Kai (皆)


Mantra an Fudo Myo-o: On nomaku sanmanda basaradan kan

Jin (陣)


Mantra an Gundari Yasha Myo-o: On aga naya in maya sowaka

Retsu (列)


Mantra an Komokuten: On hirota ki shanoga jiba tai sowaka

Zai (在)


Mantra an Daiitoku Myo-o: On chirichi iba rotaya sowaka

Zen (前)


Mantra an Zochoten: On a ra ba sha no sowaka

Die vier mantra werden an bestimmte „Gottheiten“ gerichtet.
An die vier shitenno 四天王, die vier himmlischen Könige:
Kōmokuten 広目天 – König des Westens
Zōchōten 増長天 – König des Südens
Tamonten 多門天 – König des Nordens
Jikokuten 持国天 – König des Ostens

Sowie die fünf großen Könige des mystischen Wissens (Godai Myō-ō 五大明王)
Fudo Myo-o 不動明王, Mitte
Gozanze Yasha Myo-o 降三世明王, Osten
Gundari Yasha Myo-o 軍荼利明王, Süden
Daiitoku Myo-o 大威徳明王, Westen
Kongo Yasha Myo-o 金剛夜叉明王, Norden


Die mit dem kuji verwandte Praktik mit dem Finger oder mit einem Pinsel auf Papier neun Linien oder “Schnitte” – abwechselnd fünf horizontal und vier vertikal – in die Luft oder auf die Handfläche zu ziehen wird kiji-kiri (九字切り) genannt (neun Silben-Schnitte). Im japanischen Volksglauben und der damit verbundenen „Magie“ onmyodo werden diese neun Schnitte oft über einem Text oder einem Bild gezogen um so die Kontrolle über das dargestellte Objekt oder Konzept bzw. Bild zu erlangen. Ein Seemann der vor dem Ertrinken bzw. Untergehen geschützt werden möchte mag die Schnitte über dem kanji für „Meer“ oder „Wasser“ ziehen.
Natürlich können auch genji-mon oder andere Symbole wie z.B. archaische kanji benutzt werden.


Welche Vielzahl an Variationen sich bietet zeigt diese Abbildung:
Die 64 Arten das Symbol shou mit der Bedeutung „Langes Leben“ zu zeichnen.




Die neun Linien in der Zugfolge und der Zuordnung der mudra.



 Ein kanji auf das Muster gesetzt.


Normalerweise wird das to-in oder chiken-no Symbol mit dem rechten Zeigefinger auf die linke Handfläche gezeichnet und die neun Linien werden darüber gezogen und besiegelt den Spruch mit einem weiteren Symbol.
Oft wurde lediglich ein Strich gezogen und das wirklich gemeinte kanji nicht „offen“ gezeigt um so zu verhindern, das Fremde erfuhren welches Symbol man verwendet hatte. Lediglich im Moment des Ziehens wurde das kanji imaginiert und der Strich blieb als Schatten zurück.

Das Symbol der ehemaligen Kaiserlich Japanischen Armee wurde angeblich nach dem kuji Stern gestaltet.



Ein yari mit eingravierten kiji-kiri

Sonntag, 27. Dezember 2009

Genji-Mon und Koh-Do

Das japanische Buch Genji Monotagari (源氏物語,) „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, verfasst von der Hofdame Murasaki Shikibu (ca. 978–ca. 1014) besteht aus 54 Kapiteln. Diesen 54 Kapiteln werden Symbole zugeordnet die als genji-mon bezeichnet werden.
Die Samurai liebten seltene Düfte und Weihrauch. Es gehörte zum guten Ton an Duftspielen und Duftzeremonien teilzunehmen. Im Vergleich zur japanischen Teezeremonie ist der Weg des Weihrauchs kohdo im Westen weniger bekannt. Bei diesem Ritual werden mit Hilfe feiner Utensilien kostbare Duft- und Aromahölzer erhitzt. Der koh-do Meister und seine Gäste genießen gemeinsam den herrlichen Wohlgeruch und „lauschen dem Duft“. Deshalb werden die genji-mon auch als genji-koh bezeichnet.



Genjiko ist ein altes Spiel um Weihrauch zu genießen. Es ist interessant, dass nur wenige Japaner je von der japanischen Weihrauch Zeremonie kodo gehört haben, während sie gleichzeitig mit den genji-mon vertraut sind, die von den alten Weihrauchmeistern den einzelnen Kapiteln der "Geschichte vom Prinzen Genji" zugeordnet wurden, um das Weihrauchspiel "genji-ko" zu spielen. Genji-ko ist eines von mehreren "Duftspielen" die unter dem Namen "kumiko" zusammengefasst sind.
Die genji-mon tauchten auf den ukiyoe Holzschnitte der Edo-Zeit (1603-1867) auf und viele Menschen verbinden die genji-mon eher mit dem Kapitel der Genji-Geschichte als mit kodo.


 genji-mon 32, umegae, Pflaumenzweige


Kumiko sind die Duftspiele die während einer kodo Zeremonie gespielt werden. Diese Spiele sind eine unterhaltsame und vergnügliche Art und Weise die Freuden des Weihrauchs gemeinsam mit der Familie und Freunden zu erleben.
Es gibt unzählige Varianten kumiko zu genießen. Traditionelles kodo bestand aus dem Verbrennen von drei bis sechs Sorten frischem Aloeholz und gelegentlich auch Sandelholz.
Die Duftspiele bezogen sich oft auf saisonale Themen, auf Geschichte, klassische Literatur, waka-Dichtung, oder auf Reisen.
Im kodo wird der Begriff "dem Duft lauschen" verwendet und symbolisiert die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit die jedem Duftholz während der Zeremonie gezollt wird.
Die Idee bei allen Duftspielen Prozess des Lauschens auf jeden einzelnen Duft zu genießen. Es sind keine Wettbewerbe, sondern einfach nur Methoden die Düfte zu genießen und den eigenen Geruchssinn wieder zu erwecken. Es gibt im kodo weder Gewinner noch Verlierer, nur die schlichte Eleganz des Genießens feinen Weihrauch.

Es gibt zwei verschiedene traditionelle Schulen des koh-do:
  • shino, der strengere auf spirituelle Entwicklung ausgerichtete Weg
  • oie, die poetisch-spielerische Form, bei der gesellschaftliche Aspekte und dichterisches Empfinden im Vordergrund stehen.

Bei diesen Erkennungsspielen werden die genji-mon benutzt um die Duftfolge und Zuordnung aufzuschreiben.
Das Grundprinzip ist einfach und genial. Bei jedem Duft malt man einen senkrechten Strich. Düfte, von denen man meint sie wären gleich, verbindet man oben mit einem waagerechten Strich. Die Schreibrichtung ist wie in Japan üblich von rechts nach links.



Beispiel bei drei Düften:
Duft 1 und 3 sind gleich


Beispiel bei fünf Düften:
Duft 1 und 3 sind gleich.
Duft 2, 4 und 5 sind gleich.



In den Erkennungsspielen verbrannten die Teilnehmer Kombinationen von fünf Hauptdüften aus 25 verschiedenen Paketen Weihrauch, von denen jedes mit einem eindeutigen Symbol markiert war. In späteren Zeiten wurde die Anzahl der Päckchen auf 54 erhöht um den Kapiteln des Genji Monotagari gerecht zu werden. Jedes der genji-mon besteht aus fünf vertikalen Linien mit unterschiedlichen Anordnungen einer oder mehrerer horizontaler Verbindungslinien





Japanisches "Heftchen" in dem die Bedeutungen der einzelnen Sybole erklärt werden.

Die genji-mon finden also Verwendung im kodo und sie werden auch als Verzierung verwendet, z.B. auf tsuba oder kimono . Was hat es damit auf sich?
Zu Zeiten der Samurai wurden der Lebensstiel und das Verhalten vom sozialen Status diktiert. Somit war unter anderem auch die Kleidung von der Tradition bestimmt. In einer kollektivistischen Gesellschaft wie dieser, mag der Wunsch nach Individualismus wie wir ihn heute kennen wahrscheinlich gar nicht existiert haben. Stattdessen drückte der Krieger seine Individualität in der Verschönerung seiner Rüstung, des Schwertes oder der Kleidung aus, indem er ein tsuba mit einem bestimmten genji-mon darauf wählte.

Zwei tsuba mit genji-mon aus je vier Linien

Der Träger des tsuba war stark mit den Idealen des auf dem tsuba dargestellten genji-mon verbunden. Um dies zu verstehen hier eine kurze Zusammenfassung des Kapitel 33 der Geschichte vom Prinzen Genji:
Es wird die Geschichte des kranken Kaiser Suzaku erzählt, der sein Ende nahen sieht. Der Kaiser hat eine Tochter, die als die „Dritte Tochter“ bezeichnet wird. Sie ist unverheiratet und würde so nach dem Tod ihres Vaters ohne einen angemessenen Ehemann in den wirtschaftlichen Ruin geraten. Diese Situation lässt den Kaiser nach Prinz Genji rufen. Der Kaiser weiß von Genjis Ruf als Frauenheld, sieht jedoch darüber hinweg, da Genji auch den Ruf hat sich um die Frauen die in seinem Leben eine Rolle spielen zu kümmern.
Das Grundthema in diesem Kapitel ist Selbstlosigkeit. Die eigene Hingabe zum Wohle anderer. Das Muster auf seinem tsuba erinnerte den Samurai an seine Rolle in der Gesellschaft und drückte seine Ideale aus. Gleichzeitig drückt der Samurai mit der Wahl eines oder mehrerer genji-mon auch seine Verbindung zu den anderen dem Symbol zugeordneten Aspekten aus. Jedes Symbol ist nicht nur mit einem Kapitel des Buches assoziiert sondern auch mit einem Duftstoff, der mit einer Pflanze oder einem Holz in Verbindung steht. Auch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Duft einer der stärksten und archaischsten Auslöser in unserem Gehirn ist. Jeder Duft löst Assoziationen und Gefühle in uns aus, die wir nicht steuern können.


Räucherstäbchenhalter in der Form eines Pfeil-Köchers mit dem genji-mon 29, miyuki

Die genji-mon eignen sich natürlich auch hervorragend zur Verschlüsselung von Botschaften und sie wurden auch in den esoterischen Überlieferungen und Praktiken Japans verwendet. Hier werden die genji-mon die aus fünf Strichen bestehen gemeinsam mit den zwanzig ähnlichen Symbolen die aus vier Strichen bestehen und mit den acht Trigrammen, die das Grundgerüst der 64 Hexagramme des I Ging bilden, benutzt.



Die Geschichte vom Prinzen Genji wurde in mehr als 200 Sprachen übersetzt. Leider basiert die Deutsche Ausgabe von Herlitschka auf der Übersetzung einer Übersetzung ist daher zum einen nicht vollständig und auch nicht authentisch.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Tameshigiri - Teil 3: Technik ist alles!

Um sauber und sicher zu schneiden sind die Grundsätze wie hasuji (Schnittwinkel), tachisuji (Schwertschwungwinkel, die Bahn, die das Schwert beim Schwingen beschreibt) tenouchi (Griffhaltung) zu erlernen und zu beachten.
Tameshigiri hat nichts mit Kraft zu tun!
Wer es nicht glaubt mag sich mal dieses Video in Ruhe ansehen. Da fliegt nichts umher:


Falsche Technik erkennt man selbst sofort daran, dass man einen starken Widerstand beim Schnitt verspürt und das abgetrennte Stück durch die Gegend fliegt. Je weiter es fliegt, desto mehr hat man falsch gemacht.
Bei richtiger Technik geht die Klinge praktisch ohne größeren Widerstand selbst durch dicke Matten hindurch und das abgetrennte Stück bleibt im Idealfall sogar auf der Rolle stehen, ansonsten „hüpft“ es kurz hoch und fällt dann direkt an der Rolle herunter zu Boden.
Ganz wichtig ist es, sich zu vergegenwärtigen, dass die Klinge nachdem sie den Schnitt begonnen hat und durch das Ziel hindurch schneidet, seinen Schnittwinkel nicht mehr verändern kann. Die Schnittbahn kann innerhalb des Schnittziels nicht mehr verändert werden. Jeder Versuch dies zu tun, sei es bewusst oder durch schlechte Technik, endet unweigerlich mit einer verbogenen Klinge, einer gebrochenen Klinge oder bestenfalls mit einer Klinge die im Ziel stecken bleibt. Wie damals im Physikunterricht: Eintrittswinkel gleich Austrittswinkel!!



Geschnitten wird mit der monouchi, dem oberen drittel der Schneide. Die leichte Biegung der Klinge, und die Bewegung der Arme sorgt dafür, dass der Schnitt ganz von allein ausgeführt wird. Es muss ein Schnitt sein, kein Hacken. Dazu werden, nachdem das Schwert erhoben wurde und die Schnittbewegung beginnt, das Handgelenk und auch der Ellenbogen gestreckt und die Kraft wird in die kissaki übertragen. Es hilft sich vorzustellen, man wolle eine Angel auswerfen und die Kraftline zeigt dabei über die Klingenspitze hinaus. Um wirklich sauber zu schneiden hilft es auch, sich vorzustellen, dass man ein weitaus größeres Ziel schneidet als vor einem steht. Wenn also eine Matte auf dem Ständer steht, sollte man sich vorstellen drei Matten zu schneiden. Dadurch wird der Schnittwinkel sauberer.
Beim Schnitt, der bereits mit dem Ausholen beginnt, sollen die Schultern nicht gehoben werden! Es werden lediglich die Arme gehoben. Neben der Fehlhaltung der Arme und Hände sind oft ein falscher Stand und ein schwaches Becken der Grund für schwache Schnitte. Das Kraftzentrum ist im Becken, zwei Finger unter dem Bauchnabel. Das Becken muss gerade und fest sein. Der Stand muss sicher und fest sein.

Die folgenden vier Fälle sind Beispiele dafür, dass zu viel Druck auf die Klinge ausgeübt wird, was möglicherweise zum Verbiegen, Verdrehen oder Reißen der Klinge führen kann. tenouchi, tachisuji und hasuji haben alle eine starke Beziehung zueinander.
Wenn das tenouchi schlecht ist, dann ist das tachisuji falsch. Wenn das tachisuji schlecht ist, dann wird das hasuji dies nicht ausgleichen. Einer der Schlüssel für erfolgreiches Schneiden ist das Verriegeln der Handgelenke. Die Handgelenke sollten sich nicht biegen oder sich verdrehen und wenn die Handgelenke oder der Griff schwach sind, werden die Handgelenke entriegelt.
  1. nagare: Das tachisuji und das hasuji sind beide gekrümmt (nicht gerade).
  2. yoko naguri: Die Klinge des Schwertes zeigt zur Seite und folglich trifft die stumpfe Seite das Ziel.
  3. hirauchi: Die Seite der Klinge trifft das Ziel. Bei harten Materialien wie z.B. Bambus, rutscht die Klinge von der Oberfläche des Ziels ab.
  4. tateiri: Die Klinge stoppt in der Mitte des Ziels.

 Zu guter letzt noch ein Ratschlag von Maestro Ramon Martinez, einem begnateten Fechtmeister:

Übe langsam und Du lernst schnell!
Übe schnell und Du lernst langsam!

In der Ruhe liegt wie immer auch hier die Kraft!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Stahlklingen

Ein Katana das zum Cutting benutzt wird sollte unbedingt eine Stahlklinge besitzen. Doch welcher Stahl ist geeignet?

Alle Katana hergestellt aus so genanntem 'Stainless Steel', also rostfreiem Stahl sind nur dazu geeignet an der Wand zu hängen. Stainless Steel (SS) ist nicht nur unauthentisch, sondern kann auch gefährlich werden. SS Klingen brechen leicht und zerplatzen wie Glas in scharfe Bruchstücke. Also Finger weg von Stainless Steel Klingen!!!
Für das „Cutting“ sind ausschließlich Kohlenstoffstahl (auch Karbonstahl), gefaltete Klingen, Damaszener und Federstahl Klingen geeignet. Zu empfehlen sind Klingen aus 1095, VG-10, 1086, ASSAB K-120C (auch Swedish Powdered Steel genannt).

Die physikalischen Eigenschaften eines Stahls hängen von seinen Inhaltsstoffen ab.

Kohlenstoff
Kohlenstoff ist das wichtigste und zugleich einflussreichste Element. Mit steigendem Kohlenstoffgehalt erhöhen sich zum einen Festigkeit und Härtbarkeit des Stahls. Stahl ist übrigens ab 0,5% Kohlenstoffgehalt überhaupt erst härtbar. Andererseits wird die Dehnbarkeit, Bearbeitbarkeit und Schmiedbarkeit des Stahls durch spanende Methoden herabgesetzt.

Chrom
Chrom macht Stahl öl- bzw. lufthärtbar und steigert die Zugfestigkeit. Ab ca. 14% Chrom-Anteil gilt ein Stahl als korrosionsbeständig, also rostträge.

Mangan
Mangan deoxidiert und erhöht die Härtbarkeit, die Streckgrenze und die Festigkeit. Außerdem verbessert es die Schmiedbarkeit.

Molybdän
Das Element Molybdän verbessert die Härtbarkeit, fördert die Feinkornbildung, erweitert die Streckgrenze und erhöht die Festigkeit. Molybdän ist ein starker Karbidbinder.

Nickel
Nickel wirkt sich auf die Festigkeit aus. Zusammen mit Chrom sorgt Nickel für eine gute Durchhärtung und schützt vor Rost und Zunder.

Phosphor
Phosphor befindet sich im unbehandelten Roheisen. Da er bei der Umwandlung zu Stahl eher schadet als nutzt wird versucht seinen Anteil so gering wie möglich zu halten.

Silizium
Silizium erhöht die Festigkeit und die Verschleißfestigkeit sowie die Elastizität. Mögliche Beeinträchtigung bei der Formbarkeit setzen dem Silizium-Gehalt im Stahl aber Grenzen.

Schwefel
Schwefel befindet sich im unbehandelten Roheisen. Da er bei der Umwandlung zu Stahl eher schadet als nutzt wird versucht seinen Anteil so gering wie möglich zu halten.

Wolfram
Wolfram sorgt für extrem harte Karbide und wirkt sich auf die Zähigkeit aus.

Vanadium
Vanadium ist ein starker Karbidbilder und verfeinert das Korn des Stahles.

Einige Stahlsorten und deren Eigenschaften

Federstahl
Federstahl ist ein Kohlenstoffstahl. Federstahl weist einen hohen Silizium-Anteil aus, hat aber auch noch andere Legierungsbestandteile. Wichtig ist, eine möglichst gleichmäßige Verteilung des Kohlenstoffs zu erreichen.
Federstahl ist ein Stahl, der im Vergleich zu anderen Stählen stark federnde Eigenschaften besitzt. Es gibt viele Anwendungen von Federstahl, z. B. sind die Federn in Fahrwerken von Kraftfahrzeugen aus Federstahl hergestellt, aber auch die kleine Feder, die die Wäscheklammern zusammendrückt.
Ein Werkstück aus Federstahl kann bis zu einem durch den Werkstoff bestimmten Maß verbogen werden, um danach ohne bleibende Verformung elastisch in den Ausgangszustand zurückzukehren. Die Werkstoffeigenschaft, die das ermöglicht, ist die Elastizität.




Kohlenstoffstahl (auch Karbonstahl), gefaltete Klingen, Damaszener
Im frühen Japan hat man in Ermangelung von technischen Verfahren zur Legierungsherstellung und zur nachträglichen Härtung mit der Technik des Faltens von Stahl gearbeitet. Durch das wechselweise Aushämmern und Zusammenlegen von ausgehämmerten Schichten konnten Werkstücke mit der gewünschten Kohlenstoffverteilung hergestellt werden. Dieser Prozess ist aufwändige und langwierige Handarbeit. Diese Technik wird auch heute noch in Japan traditionell genutzt, um Messer und Schwerter wie z. B. das Katana der Samurai herzustellen.
Gefaltete Klingen weisen eine sehr hohe Festigkeit bei gleichzeitiger Elastizität auf. Man bezeichnet gefaltete Klingen auch als Damastklinge (Damaszenerstahl / Damaszener Klinge), wobei die Herstellung einer traditionellen Damastklinge im Detail ein wenig von der Schmiedekunst der japanischen Schwertschmiedemeister ein wenig abweicht. Kohlenstoffstahl ist meist nicht rostfrei und muss entsprechend gepflegt werden. Karbonstahl hat einen hohen Kohlenstoffanteil und ist nie rostfrei.



Edelstahl
Edelstahl ist ein Sammelbegriff für diejenigen Stahlsorten, die in einer besonderen Verfahrensweise (Sekundärmetallurgie) erschmolzen wurden, hohen Reinheitsgrad besitzen und gleichmäßig auf die vorgesehene Wärmebehandlung reagieren. Nach der chemischen Zusammensetzung ist zwischen unlegiertem (Stahlgruppennummern 10-18) und legiertem (Stahlgruppennummern 20-89) Edelstahl zu unterscheiden (DIN EN 10 020). Entsprechend ihrem Einsatzzweck unterteilt man in Bau-, Maschinenbau-, Behälter-, Werkzeug-, Schnellarbeits-, Wälzlagerstähle. Oder man charakterisiert sie durch ihre Eigenschaften: chemisch beständige, nichtrostende, hitzebeständige, hochwarmfeste, schweißgeeignete Stähle, Stähle mit besonderen physikalischen oder magnetischen Eigenschaften oder besonderer Streckgrenze.



Japanischer Messerstahl
Zwei japanische Stahlbezeichnungen sind Ao Gami (青紙, japanisch: Blaupapierstahl) und Shiro Gami (白紙, japanisch: Weißpapierstahl) - sie werden nach der Farbe des Verpackungspapiers benannt. Beide sind nicht rostfrei.
Der Ao-Gami-Stahl ist ein niedriglegierter japanischer Kohlenstoffstahl. Er hat einen Gehalt von über 1 % Kohlenstoff, und korrekt gehärtet eine Gebrauchshärte von 64 bis 66 HRC. Bei korrekter Wärmebehandlung verfügt dieser Werkstoff über ein Gefüge mit feinem Carbid und feinstem Martensit. Das verleiht ihm das Potential zu sehr hoher Schärfe, leichter Schärfbarkeit und Schneidhaltigkeit. Aufgrund des Wolframgehaltes ist er verschleißfester als der Shiro Gami- Stahl. Analyse der Nebenbestandteile in Prozent: C = 1,2; Si = 0,1; Mn = 0,2; Cr = 0,3; W = 1,1; P < 0,025; S < 0,004. Diese Legierung kommt der deutschen Legierung 1.2414 (120W4) am nächsten.
Der Shiro Gami ist ein unlegierter, japanischer Kohlenstoffstahl. Bei korrekter Wärmebehandlung verfügt auch dieser Werkstoff über ein Gefüge mit feinem Carbid und feinstem Martensit. Er hat ebenso Potential zu sehr hoher Schärfe, leichter Schärfbarkeit und Schneidhaltigkeit. Die Gebrauchshärte liegt zwischen 63 und 65HRC. Analyse der Nebenbestandteile in Prozent: C = 1,1−1,2; Si = 0,1−0,2; P < 0,025; S < 0,004. Damit entspricht dieser Stahl recht gut der deutschen Legierung 1.1545 (105W1)
Da beide Legierungstypen keine nennenswerten Mengen an Chrom beinhalten, verfügen sie auch nicht über entsprechende Korrosionsbeständigkeit, wie dies zum Beispiel bei den Legierungen der Deutschen Klingenindustrie der Fall ist. Diese Werkstoffe eignen sich daher besonders für feinste schneidhaltige Schneiden hochwertiger Schneidwaren. Die Stähle sind in der Lage bei entsprechender Wärmebehandlung auch feine scharfe Schneidenwinkeln von 15-25° sicher zur Verfügung zu stellen. Trotz großer Härte und Verschleißfestigkeit lassen sich beide Stähle leicht schärfen.

Samstag, 19. Dezember 2009

Video des aktuellen Senbongiri Rekords

Mitschnitt des im November 2008 aufgestellten aktuellen Senbongiri Rekords von Aaron McCloud. 1000 Schnitte in 33 Minuten und 34 Sekunden. 

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tameshigiri - Teil 2: Schnittziele, Schnittmuster & Schnitt-Kata

Um die Tatami Rollen für das Schneiden vorzubereiten, werden diese nach dem Rollen entweder mit Gummibändern oder mit Bindfaden mindestens an drei Stellen fixiert. Einmal in der Mitte und dann jeweils ca. 15 cm vom Rand entfernt. 

Betont sei hier, das ein zu langes Einweichen der Matten dazu führt, dass diese zu weich werden und mit einem realen Schnitttest nichts mehr zu tun haben! Wenn die Rollen abgetropft sind werden sie auf den Holzzapfen aufgespießt. Dafür eignen sich ca. 20 cm lange Buchenholz-Rundstäbe mit 16 mm  Durchmesser aus dem Baumarkt. Diese werden mit einem speziellen Anspitzer angespitzt und dann in die Ständer gesteckt. Dazu wurde in den Ständer eine Bohrung von 18 mm Durchmesser und 7 cm Tiefe angebracht. Die Matten werden dann auf die Zapfen gesteckt.


(Anspitzer für Rundstäbe, erhältlich bei der Firma: DICK GmbH, 94526 Metten)
 Als Ziele eignen sich die zuvor beschriebenen einfach gerollten Tatami Omote oder aber auch spezielle Ziele wie z.B. ein O-Makiwara, eine besonders dicke Rolle aus zwei bis 6 Matten die überlappend zusammen gerollt werden. Auch ein „Tombo“ Ziel ist sinnvoll. Dazu wird ein Drittel der Matte abgeschnitten und wie bei einem „T“ auf das obere Ende gelegt. Die Kunst ist es hier erst en einen Arm des „T“ und dann den anderen Arm abzuschneiden, ohne dass der Querträger herunterfällt.

Es gibt einige klassische Schnittmuster, die hier dargestellt sind. Natürlich lassen sich in der Kata-Arbeit auch Stiche und senkrechte Schnitte einbauen. Auch sollten die Ziele so platziert werden, dass damit mehrere Gegner simuliert werden.

1. Stufe:







2. Stufe:



 

 

3. Stufe:


 
 
 

Ein schönes Beispiel für eine sehr schnelle und spektakuläre Technik ist in diesem Video zu sehen:



In diesem Video sind einige sehr schnelle und dynamische Formen zu sehen, die aus der Koreanischen Kampfkunst „Haidong Gumdo“ stammt. Diese Kampfkunst erscheint deutlich zeitgemäßer und spektakulärer als das traditionelle japanische Tameshigiri. Jedoch haben beide ihre Vor- und Nachteile und sprechen unterschiedliche Geschmäcker an. Einige der komplizierten Formen beinhalten multiple Schnitte, wie beim Misu Gaeshi, dem berühmten diagonalen Aufwärtsschnitt nach rechts, gefolgt von einem horizontalen Schnitt darüber, der ausgeführt wird bevor das Ziel herunterfällt.

Auf eine bemerkenswerte Entwicklung möchte ich an dieser Stelle noch eingehen:
"BACKYARD CUTTING", ein Begriff der Aus den USA stammt und die „Hinterhof Cutter“ beschreibt. Die inoffizielle „Bibel“ dieser „Kunst“ findet sich hier als frei verfügbares PDF eBook: http://www.sword-buyers-guide.com/support-files/ebook-backyard-cutting.pdf


Das „Backyard Cutting“ hat natürlich nichts mehr mit dem traditionellen japanischen Tameshigiri zu tun, sollte aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Man sollte immer über den Tellerrand schauen, lernen kann man von jedermann!

Hier noch ein Video des aktuellen Senbongiri Rekordhalters Aaron McCloud:



Das Interview zum Video findet sich hier (englisch):
http://www.pnwlocalnews.com/kitsap/bir/news/35092559.html

Einen Bericht von Russell McCartney über seinen Weltrekord im Jahre 2000 (englisch) findet sich hier: http://www.ishiyamaryu.com/senbongiri.php

Es ist interessant die Artikel miteinander zu vergleichen!