Sonntag, 3. Januar 2010

Historisches Tameshigiri

Heute ist tameshigiri ein Teil der Nihontô Künste, ausgeführt an tatami omote Matten die einen menschlichen Körper bzw. Körperteile simulieren sollen. Im alten Japan wurden hierzu menschliche Körper benutzt, sehr selten auch lebende Menschen, jedoch meistens Körper exekutierter Verbrecher. Der Test diente als Qualitätstest für die Schwertklinge und das Ergebnis wurde meistens auf der Angel der Klinge vermerkt. Er wurde auch nur ein Mal durchgeführt. Die alten japanischen Schwerttests hatten nichts mit den heute durchgeführten Schnittests zu tun. Heute geht es meist um den Schnitt und nicht darum die Qualität einer Klinge zu bestimmen. Die Ergebnisse solcher Tests finden sich manchmal auf der nakago des getesteten Schwertes wieder, weshalb es nützlich ist die Terminologie zu verstehen wie auch einige Kenntnis der Verfahren und Praktiken um die Inschriften zu verstehen. Es gab verschiedene tameshigiri Systeme die in unterschiedlichen Epochen und in unterschiedlichen Gegenden angewandt wurden. Jede mit ihrer eigenen Terminologie. Das hier vorgestellte System ist das der Familie Yamada, die Schwerttester für die Tokugawa Shogune waren.

Viele der hier vorgestellten Informationen stammen aus dem Buch 'Sword and Same' von Henri L. Joly & Inada Hogitaro (1913).





In der folgenden Liste sind die Schnitte, die an der Leiche vorgenommen wurden nach abnehmendem Schwierigkeitsgrad aufgeführt.





Aus Sand aufgeschütteter dodan.

Auszug aus 'Sword and Same' von Henri L. Joly & Inada Hogitaro, 1913. Protokoll eines Tameshigiri.
"...Die Leichen die bei den Tests Verwendung finden, werden auf Verlangen von Okoshi no mono Bugyō von Machibugyô geliefert. Am Tag des Tests werden zwei Dodan errichtet, der Sitz (kenshiba) des Prüfers ist eine einzelne dünne Matte, der Boden zwischen kenshiba und tameshiba ist mit Sand bestreut und auf ihm stehen Yamada Asayemon und sein Gefolge (tedai, Deshi)... "
"...Zu einem bestimmten Zeitpunkt, wenn die Hinrichtung (Shioki) durchgeführt wurde, kehren die Beamten in ihre Amtsräume zurück, während die Leichen mit ihren Köpfen auf dem Tameshiba liegen. Dann erscheinen Honami der Schwertsexperte und seine Schüler sowie die Tachiai Okachi Metsuke (der Inspektor)..."
"...Der Okoshi no mono Bugyō (Gouverneur) erscheint später und wird vom Metsuke am Eingang des Sensakusho (Prüferbüro) empfangen. Wenn alles bereit ist, wird vom Wächter eine Ankündigung gemacht. Alle versammeln sich beim Kenshiba, gemeinsam mit dem Okoshi no mono Bugyō und seinen Assistenten, der den Ondôgu bako (Schatulle mit den Klingen) trägt. Der Okachi Metsuke sitzt auf der Seite des Tameshiba, zusammen mit dem Gefängniswärter (damals Ishide Tatewaki), dem Okobito Metsuke, Uchiyaku, Yamada Asayemon und seinen Helfern, die in Noshime Asakamishimo (schwarzer Kimono mit einem Band oder Streifen am Rand der Ärmel und dem Bund) gekleidet sind, die anderen tragen Asakamishimo. Der Eingang ist von Machikata Toshiyori Dôshin, Roya Uchiyaku Dôshin bewacht, die Öffentlichkeit hat keinen Zutritt. Das Haupttor ist ebenfalls von zwei Roya Dôshin bewacht..."




Für den Schnittest wurde die Kinge in einen besonderen Griff, dem kiri tsuka montiert.
Sie wurde dort mit den Keilen und dem mekugi fixiert.


"...Der Leichnam wird dann unter der Anleitung von Yamada Asayemon von zwei hinin auf dem Dodan ausgerichtet. Ein Mann händigt Asayemon die zu prüfende Klinge (ha awase) aus, der hebt sie zum Gruß an seine Stirn und befestigt sie in der Kiri Tsuka, dann zieht er den oberen Teil (Kataginu) seiner Kamishimo und seines Kimono aus, schaut zum Dodan und legt die Rückseite (mune) der Klinge auf die Leiche und hält die Tsuka mit der rechten Hand, mit der linken berührt er den Boden und begrüßt die Prüfer. Dann steht er auf, ergreift das Schwert mit beiden Händen und hebt es hoch über den Kopf (die Klinge fast senkrecht nach unten) und wenn alle seine Muskeln gespannt sind, schneidet er die Leiche mit dem Ausruf (yah!). Die Hinin entfernen die Leiche, Okoshi no mono Bugyō und die anderen Beamten prüft den Dodan und kehren dann auf ihre Plätze zurück. Anschließend verfasst Asayemon einen schriftlichen Bericht über den Zustand der Klinge..."



1 Kommentar:

  1. endlich mal historische zeichnungen zum thema tameshigiri!!! sehr gut!!! danke!!!

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