Sonntag, 24. Januar 2010

Kampfkunst und Zen 禅 (Buddhismus)

Immer wieder höre ich Aussagen wie: "Iaido ist Zen mit dem Schwert" oder "Kyudo ist Zen mit Pfeil und Bogen". Kurz und Knapp kann ich da nur antworten: "Zen ist Zen, Iaido ist Iaido und Kyudo ist Kyudo", so wie auch alle anderen japanischen ästhetischen Künste und Kampfkünste sind was sie sind. Sicherlich hat der Buddhismus, insbesondere Zen diese Künste beeinflusst und auch andersherum haben diese Künste Zen beeinflusst. Jedoch schließe ich mich der Aussage von Professor Toshio Mori von der Universität Tsukuba in Japan, Deutscher Bundestrainer Heki-Ryu, an. Prof Mori legte im Rahmen einer Fragestunde bei einem Lehrgang im Jahre 2001 in Wien seine Auffassung dar.
(Siehe: http://www.kyudo.at/hp_alt/artikel/kyudo-zen.htm)



Kurz zusammengefasst legt Prof. Mori, wie auch viele andere Sensei der japanischen Kampfkünste, den Schwerpunkt auf die Technik. Diese steht im Zentrum. Dies bedeutet nicht, dass es in den Kampfkünsten keine Bezüge zu Zen gäbe, diese gibt es. Aber um den Zustand des Zen zu verstehen muss zuerst die Technik in hohem Maße verstanden und gemeistert werden.

Johannes Ibel schreibt in seiner Abhandlung "Die Argumente von Prof. Yamada, Eine Kurzfassung" (Eine Antwort auf Eugen Herriegels Werk "Zen in der Kunst des Bogenschiessens".
Siehe: http://www.gungfu.de/aikido/herrigel.html):
"Die allgemeine Idee, dass der Zen-Buddhismus "die Religion der Samurai" gewesen sei, ist jedenfalls historisch falsch, egal wie passend sie im nachhinein wirken mag. Wie die Mehrheit der Bevölkerung sonst auch, waren die Bushi sehr viel mehr anderen buddhistischen Sekten zugeneigt, etwa dem esoterischen Shingon-Buddhismus oder der Lehre vom reinen Land. Das bedeutet trotzdem nicht, dass Kyudo (oder irgend eine andere Kampfkunst) nicht als Zen-inspirierte Übung verstanden werden kann, da sozusagen alles (inklusive Stillesitzen, Kloputzen oder Geschirr spülen) als eine solche Übung dienen kann. Eine traditionelle Auffassung oder "bessere" Kampfkunst ist das allerdings nicht."

Weiter bei Mori: "Es gibt Lehrer in Japan, die Behaupten, ohne tiefe Kenntnis der japanischen Kultur, Religion wie Shinto oder Buddhismus, könne man Kyudo (die Kampfkünste) nicht verstehen. Ich glaube das nicht."
"Am Anfang beschäftigt man sich nur mit der Technik, aber je mehr man übt, um so eher weiß man, dass es nicht nur um die Technik geht, sondern wie Bewusstsein sein soll, um alles kontrollieren zu können. Am Anfang mache ich die Dinge so, später so und schließlich so ... die Technik kann man mit der Zeit automatisch können. Was aber später der Schwerpunkt ist, sind die Gedanken, welche Gedanken man sich bei der Technik in seinem Kopf macht. Der Fokus wechselt mit der Zeit vom Körper zum Kopf (Bewusstsein). Dann wird das Bewusstsein klar. Deswegen heißt es seit alters her, dass die Übung der Technik zugleich die Übung des Bewusstseins ist."




Buddhismus und Zen üben gerade heute eine große Faszination auf die Menschen im Westen aus. Viele behaupten sogar Buddhisten zu sein bzw. führen asiatische Künste aus in der Auffassung dabei buddhistisch tätig zu sein. Nun, mag jeder glücklich werden wie er mag, aber dadurch wird eine bestimmte Tätigkeit nicht automatisch zu Zen oder Buddhismus.

Ich bin der Meinung jeder der sich mit den Kampfkünsten auseinander setzt sollte auch den Shinto 神道, den "Weg der Götter" nicht vergessen. Immerhin wird Shinto in Japan seit Jahrtausenden praktiziert und eine "Religion" die alles als lebendig und beseelt betrachtet ist mir von Grund auf sympathisch (das lehrt Demut und Respekt!). Gelegentlich kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Kami 神 der in meiner Klinge wohnt seine eigene Meinung zu meinen Übungen hat! Vor allem sollte man das Leben nicht zu dogmatisch betrachten und Spaß und Freude daran haben, es ist kurz genug!


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