Freitag, 8. Januar 2010

Wie gewinne (überlebe) ich einen Schwertkampf?

Wenn man den vielen postapokalyptischen Filmen Glauben schenken will, werden wir irgendwann keine Munition mehr haben und wieder mit Schwertern kämpfen. Es besteht auch die Möglichkeit irgendwie in eine Fantasy Welt oder Paralleldimension zu geraten. Wie überleben wir dann ohne die Hilfe der Hollywoodstars? Nun, viele die sich länger mit der Kunst des Schwertkampfes auseinandersetzen können keine Filme a la "Star Wars", "Highlander" usw. mehr sehen ohne das kalte Grausen zu bekommen. Was da gezeigt wird hat oft nichts mit einem wirklichen Kampf zu tun, das ist reine Choreographie und schlimmstenfalls Rhythmische Sportgymnastik (es gibt Ausnahmen!).

Nun willst Du aber doch wissen, wie Du mit Deinem teuren scharfen Schwert im Falle eines Falles gegen die Horden des Bösen bestehen kannst. Das Lesen dieses Beitrags wird aus Dir keinen meisterhaften Schwertkämpfer machen. Dieser Artikel soll lediglich die Grundlagen der Fechtkunst erläutern. Die Feinheiten der Fechtkunst können nicht aus Büchern oder aus dem Internet erlernt werden. Nur durch konstantes, jahrelanges Training können die Fertigkeiten erlernt werden die einen in einer solchen Situation vielleicht überleben lassen. Davon einen Schwertkampf zu gewinnen wollen wir gar nicht reden! Stehst Du mehr als einem Gegner gegenüber, ist es klüger das Weite zu suchen. Rennen ist auch eine wichtige Fähigkeit des Schwertkämpfers.
Wer wirklich am Schwertkampf interessiert ist, muss sich unbedingt einen Lehrer und Gleichgesinnte suchen. Zum einen ist lernen in der Gruppe leichter und macht mehr Spaß, zum Anderen ist ein ausgebildeter Trainer unverzichtbar. Doch sei Dir: Eine solche Ausbildung dauert Jahre, sehr viele Jahre!!!



Ein Schwertkampf hat nichts mit den Olympischen Spielen zu tun. Es geht nicht um Regeln, Formen und Schönheit. Es geht ausschließlich darum, unverletzt daraus hervor zu gehen. Es gibt keinen zweiten Platz! Deshalb benutze alle Deine "natürlichen" Waffen wie Hände, Füße, Fingernägel, Zähne oder spucke den Gegner an. Alles ist erlaubt. Nimm ihm die Waffe weg, benutze die Schwertscheide oder den Griff Deiner Waffe. Es gibt unendlich viele Variationen. Hier einige Hinweise:
  • Zieh Dein Schwert bevor Du angreifst oder angegriffen wirst. Es dauert länger ein Schwert zu ziehen als getroffen zu werden. Andererseits, kann das plötzliche Ziehen des Schwertes einen wirkungsvollen Überraschungsangriff darstellen. Besonders jemand der Iaido, Iaijutu oder Battodo trainiert, wird verstehen was ich damit meine.
  • Entspann Dich! Es ist durchaus verständlich im Kampf angespannt zu sein, jedoch solltest Du alles tun um cool zu bleiben. Entspann Deine Muskeln und Schultern, kontrolliere Deine Atmung. Wenn Du angespannt bist, kannst Du nicht schnell reagieren und das könnte fatale Folgen haben.
  • Balance ist wichtig! Halte Deinen Körper im Gleichgewicht, so dass Du treffen kannst ohne getroffen zu werden. Dies ist einer der wichtigsten Grundsätze der Kampfkunst! Halte Deine Beine schulterbreit und lass sie möglichst so weit auseinander. Deine Beine sollten niemals nahe beieinander stehen noch sollten sie voreinander oder überkreuz stehen. Halte Dein Schwert so, dass Du es leicht handhaben kannst. Beobachte die Bewegungen Deines Gegners und lerne zu erkennen, wann er angreift und nutze diese Momente für einen Gegenangriff. Sei flink! Wenn Du parierst, halte die Klinge nahe am Körper und streck Deine Arme nicht weit vom Körper weg. Versuch immer einen Gegenangriff aus der Attacke des Angreifers zu machen. Oder wie einer meiner Trainer einmal sagte: "Bring den Krieg zum Gegner". Die Fußarbeit und die korrekte Fußstellung sind der Schlüssel zur Balance. Je fester man steht und je mehr der Fußsohle den Boden berührt desto geerdeter ist man und umso mehr Kraft hat man im Angriff und in der Verteidigung. Um die Balance zu halten versuch mit den Füßen über den Boden zu gleiten anstatt die Füße zu heben und zu gehen. Halte Bodenkontakt. Nach vorne beugen und den Hacken heben verringert die Erdung ebenfalls. Deshalb achte gut darauf wie Du Deine Füße bewegst und wo Du sie platzierst, da Dein Gegner Dich sonst aus dem Gleichgewicht bringen kann. Halte Dich gerade und aufrecht und richte Deinen Brutkorb und Deine Hüften gerade und fest nach vorne, so dass auf alle Angriffe mit einer einfachen Drehung reagiert werden kann. Wenn der Oberkörper zur Seite gedreht ist, sind die Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt.
  • Analysiere die Situation. Listige Kämpfer sind sich immer der Vor- und Nachteile ihrer Umgebung gewahr und nutzen diese zu ihrem Vorteil. Aber auch die Möglichkeiten des Gegners müssen erkannt, analysiert und beachtet werden. Idealerweise sollte man sich schon vor dem Kampf mit der Umgebung und dem Gegner vertraut machen. Ist er unerschrocken oder zurückhaltend? Ist er erfahren oder ein Anfänger? Jeder hat eine Schwachstelle. Ein kleiner Gegner ist oft übermotiviert. Ein großer Gegner hat eine große Reichweite, entblößen aber oft ihre Beine. Es hat jedoch keine Sinn sich im Vorfeld einen Plan zu erarbeiten.
  • Greife vorsichtig an. Wenn Du leichtfertig angreifst, vor allem gegen einen ausgebildeten Kämpfer, so wird dieser nur warten bis Du von allein in sein Schwert rennst. Wenn Du bedacht angreifst, bist Du jederzeit in der Lage die Situation unter Kontrolle zu halten. Gleichzeitig ist dies Deine beste Verteidigung, die meistens im Ausweichen durch einen Schritt oder besser ein Gleiten zur Seite bestehen wird. Das wird Dich Schützen und gibt Dir irgendwann die Möglichkeit den optimalen Treffer zu landen.
  • Bau eine starke Verteidigung auf. Einen Block oder die Parade falsch auszuführen kann tödlich sein, also schütze Dich. Bring Dein Schwert in eine Position die vom mittleren oder besser unteren Teil Deines Torso zum Gesicht des Gegner zeigt. Diese Stellung erlaubt es Dir auf alle Angriffe schnell zu reagieren, ist aber auch ein guter Ausgangspunkt für eigene Angriffe.
  • Halte Deine Waffe bereit. Normalerweise sollte Dein Schwert angemessen weit vom Körper weg in Richtung der Kehle oder der Augen des Gegners zeigen. Dies ist eine Abwehr die den Gegner zwingt zuerst an Deiner Klinge vorbei oder hindurch zu gehen. Gleichzeitig schüchtert dies einen unerfahrenen Gegner leicht ein.
  • Achte darauf, dass Deine Ellenbogen nicht durchgedrückt sind und sich nahe am Körper befinden. Ein unerfahrener Kämpfer tendiert dazu seine Arme auszustrecken um den Gegner so weit von sich zu halten. Jedoch sind so die Möglichkeit schnell zuzustoßen oder schnell zu parieren beschränkt. Strecke Dein Schwert in Richtung Deines Gegners, nicht Deine Arme.
  • Die Redewendung "Miss zwei Mal bevor Du schneidest" drückt es sehr gut aus. In den meisten historisch überlieferten Fällen, war ein Schwertkampf mit dem ersten Hieb oder Stich beendet und dauerte meistens nicht länger als 30 Sekunden. Sei Dir Deiner Attacke daher sicher, denn wenn Du den Gegner verfehlst, wird Dein Gegner die Initiative übernehmen und die Angelegenheit mit einem tödlichen Streich beenden.
  • Suche und finde einen Abstand auf der Basis der Balance Deines und seines Schwertes. Wenn Du eine kürzere Klinge führst, geh näher heran und agiere innerhalb seiner Deckung. Ist Deine Klinge länger, kämpfe auf Distanz. Sind Eure Klingen ungefähr gleich lang, halte Dich in dem Abstand, in dem Du mit einem Schritt nach vorne angreifen kannst. Dein Abstand wird immer individuell sein, abhängig von Deiner Größe, der des Gegners, Klingenlänge, der Art des Schwertes und dem Kampfstiel. All dies beeinflusst den richtigen Abstand.
  • Bleib ruhig und zuversichtlich. Die innere und äußere Haltung kann einen Kampf genauso beeinflussen wie die Klinge selbst und sie ist ein effektives Strategem. Wenn Du nervös oder ängstlich bist, wird Dein Gegner vielleicht versuchen einen Vorteil aus Deinem fehlenden Selbstvertrauen zu ziehen und versuchen Dich dazu zu bringen einen tödlichen Fehler zu begehen. Besonnene Kämpfer verunsichern andere oft oder machen sie nervös. Du kannst aber auch Aggressivität zeigen und Deinen Gegner dadurch einschüchtern oder einfach vorgeben ängstlich und eingeschüchtert zu sein um Deinen Gegner so einzulullen und ihn zu einem Fehler zu verführen.
  • Am wichtigsten ist es, sobald der Kampf begonnen hat, den Fluss der Dinge zu erkennen und diese zu kontrollieren. Ein Kampf ist wie ein Tanz und hat seinen eigenen Rhythmus. Wenn Du diesen Rhythmus erkennst, kannst Du ihn beeinflussen. Dieses Konzept ist nur schwer zu transportieren und sollte mit einem Partner geübt werden. Lerne die Muster und den Fluss von einer Bewegung zur nächsten zu erkennen und dadurch Deinen Gegner zu lenken und zu kontrollieren. Dies bedarf jahrelanger Übung, ist aber, wenn man es beherrscht, schon der halbe Sieg.
  • Keine Schnörkel. Jede Bewegung oder Figur die nur des Effekt wegen gemacht wird ist nutzlos und gefährlich für einen selbst und dient keinem praktischen Zweck. Bewege Dich effektiv, dies ist kein Schaulaufen und niemand interessiert sich für elegante Bewegungen oder dafür, ob Du eine Gute Figur abgibst.
  • Ein Schwert ist nicht nur zum Schneiden da. Generationen von Kämpfern haben ihre Kämpfe mit einem finalen Stich für sich entschieden. Viele Anfänger tendieren dazu mit dem Schwert nur zu hauen oder zu schneiden. Die alten Römer sind ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Weltreich mit einem Schwert und einer Technik erobern kann, die auf Stechen basiert. Stechen kann man von oben, von unten, von der Seite und von vorn. Wenn die Klinge scharf ist, genügt oft ein Vorbeigleiten mit der Schneide um den Kampf zu entscheiden. Dazu sollte man sich über die menschliche Anatomie im klaren sein. Wo liegen Blutgefäße, Arterien, Lymphknoten, Reflexpunkte und -zonen. Wo blutet man schneller und stärker, wo empfindet man eher Schmerzen. Die Kunst des Fechtens wird nicht ohne Grund mit dem Schachspiel verglichen.
  • Schau über den Tellerrand. Die Betrachtung und das Studium anderer Schulen und Stiele bringt oft neue Einsichten. Wer immer nur mit dem Katana nach der Überlieferung japanischer Schulen übt, sollte auch einmal schauen, was z.B. ein Rapierfechter in der Spanischen oder der Italienischen Schule tut. Auch die Beobachtung der historischen europäischen Stiele ist lehrreich. Es gibt nicht nur eine Wahrheit.
Der beste Kampf ist der, der nie statt gefunden hat. Nun hör auf zu lesen und fang an zu trainieren!

So sehen Kämpfe nur im Film aus!

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