Freitag, 26. Februar 2010

Ausgefallene Trainingsmethoden: Jikishin Kage Ryu und Geta (下駄).

Bereits erwähnt habe ich das schwere Suburito Bokken. Im Kenjutsu der Jikishin Kage Ryu wird zum Training der wohl schwerste Bokken überhaupt verwendet. Dieser Stil legt seinen Schwerpunkt unter anderem auf "Kokyu", der richtigen Koordination von Atmung und Bewegung. Dazu werden für das Suburi "kreuzbrechende", superschwere "Furibo Bokken" verwendet, die ein Gewicht von bis zu 100kg haben (das ist kein Witz!). Für das "normale Training wird ebenfalls ein sehr schweres Bokken benutz, das so um die 1,3 kg wiegt.
Die Arbeit mit solch einem "Furibo" ist nicht allein darauf ausgelegt die Muskulatur auszubilden und zu stärken, sondern die Koordination von Atmung und Bewegung zu trainieren. Nur mit Kraft allein wird man solch ein Bokken nicht bewegen können. Der Stil des Jikishin Kage Ryu war wegen seiner Zweckmäßigkeit und seiner modernen und effektiven Trainingsmethoden einer der am meisten praktizierte Kenjutsu Stile in der späten Edo-Zeit. Die beiden angesehenen Kämpfer Kenkichi Sakakibara und Otani Seiichiro übten und lehrten Jikishin Kage Ryu. Auch der Gründer des Daito Ryu Aiki Jiujutsu, Takeda Sokaku soll neben Ono-ha Itto Ryu auch intensiv diese Schule trainiert haben.



Eine weitere Besonderheit in dieser Schule ist das Training auf Geta (下駄). Geta sind die japanischen Holzsandalen, die zusammen mit traditioneller Kleidung getragen werden. Auf dem hölzernen Fußbett (台 dai, wörtlich: Stand) ist ein Riemen so befestigt, dass er, zwischen dem ersten und zweiten Zeh nach oben und von dort nach rechts und links unten geführt und so dem Fuß Halt im Fußbett verschafft. Das Fußbett selbst ruht auf einer meist zweigeteilten, ebenfalls hölzernen Sohle, die im Japanischen mit 歯 (ha, Zähne) bezeichnet werden. Durch die hohe Sohle sollen die Füße des Trägers vom Erdboden abgehoben und so vor Schlamm und Unrat geschützt werden, die früher auf den Straßen herumlagen.
Das Laufen mit diesen Geta verursachte früher das klackernde Geräusch, das heutzutage fast völlig aus dem Japanischen Leben verschwunden ist. Heute tragen nur noch Geisha und Sumo-Ringer in den unteren Ligen Geta. Die Einführung von Kanalisation und befestigten Straßen machte das Tragen dieses Schuhwerks unnötig. Jedoch sei hier kurz darauf hingewiesen, dass in der Orthopädie und Physiotherapie wieder auf Übungen mit Geta zurück gegriffen wird. Das Gehen mit den Geta hilft beim Aufbau muskulärer Dysbalancen und hilft in der Prävention den Hallux valgus abzuwenden. So wurde z.B. in Japan mit dem Aufkommen des „europäischen“ Schuhwerkes und der damit verbundenen Vernachlässigung der traditionellen „Geta“ eine Versechsfachung der Hallux-valgus-Fälle festgestellt.


Für das Training in Geta eignet sich die "Zweizahn-Geta" und die "Einzahn-Geta" (一本歯下駄). Während Geta im Allgemeinen über eine zweigeteilte Sohle verfügen, gibt es auch eine Variante mit nur einem einzigen Quersteg pro Schuh aufweist. Diese Geta sollen der Überlieferung nach von den Tengu getragen worden sein. Gerade heute erfreut sich dieses Modell neuer Beliebtheit im Wellness- und Chiropraktik-Bereich, da diese Geta-Variante dem Gleichgewichtssinn, der Körperbalance sowie den Beinmuskeln zuträglich sein soll. Auch ist diese einzahnige Variante die "Outdoor" Geta, denn eigenartigerweise ist man in schwierigem Gelände, im Wald und auf dem Feld mit dieser Geta schneller und bequemer unterwegs als mit der zweizahnigen, weshalb sie früher von Bauern bei der Arbeit getragen wurde.


Was nun das Training anbelangt, so wird während des gesamten Trainings einfach Geta getragen und es wird "ganz normal" trainiert. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es gar nicht so lange dauert, bis man auf den Geta sicher laufen und trainieren kann. Jedoch ist zu Anfang Vorsicht geboten, da Stürze bestimmt unvermeidlich sind. Deshalb sollte zu Beginn nur mit dem Bokken trainiert werden um Verletzungen zu vermeiden. Das Training auf Geta sensibilisiert die Füße, hilft den Gleichgewichtssinn zu fördern und die eigne Mitte zu stärken. Fußsohlen, Hüften, Knie und Sprunggelenke werden ausgebildet und vereint.

Im Japanischen gibt es eine Redensart: "Ein Kampf ist nicht beendet, bevor man nicht wieder die Geta anzieht."
Da ein schnelles, sicheres Laufen in Geta schwierig ist, und Holz auf vielen Untergründen rutscht, wurden in der Feudalzeit Japans die Geta von zwei Duellanten vor dem Kampf ausgezogen, und man kämpfte in Tabi oder barfuss. Erst wenn der Kampf eindeutig entschieden war, hatte man Zeit, wieder in die Geta zu steigen.

Einfache Geta gibt es unter anderem hier: http://www.japanwelt.de/geta/

1 Kommentar:

  1. Furibos mit 119 cm länge, sind ja so 1,5-2,3 kg. Baseballschläger mit 110 cm länge, haben oft auch so ein gewicht von 2-3 kg oder so. Die furibos mit 100 kg sind ja so oberschenkel dick, und 2 m lang oder mehr. Baseballschläger mit den selben maßen hätten dann warscheinlich ähnlich viel. (Oder mehr?)

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