Mittwoch, 10. Februar 2010

Tattoos und Japanische Kampfkunst

Ich habe gerade einen sehr interessanten Blog-Eintrag bei „Tokyo Total“ zum Thema „Unsinnige Tattoos in Schriftzeichen“ http://tokio-total.de/?p=529 gelesen. Eines tolles Thema, dass immer wieder zur Erheiterung beiträgt. Leider nicht bei den Betroffenen. ☺
Gerade in der Kampfkunst Szene sehe ich auf Lehrgängen und in den Dojos immer wieder Menschen die mit asiatischen Schriftzeichen auf dem Körper herumlaufen. Nichts gegen Tattoos, aber wer auch immer sich mit der Japanischen Kultur auseinandersetzt sollte wissen wie der Japaner (so es den Japaner überhaupt gibt) zu Tattos steht. Tätowiert ist bzw. war in Japan den Yakuza (ヤクザ oder やくざ ) oder jemand der zur Halbwelt gehört vorbehalten. Dazu zählten früher Prostituierte, Feuerwehrmänner und Wanderarbeiter. Ab ca. 1720 wurde das sichtbare Tätowieren von Kriminellen zur offiziellen Bestrafung und ersetzte die damals gängige Praxis der Amputation der Nase und der Ohren. Im Jahre 1870 wurde diese Praxis von der Meji Regierung wieder abgeschafft. In ihrem Streben sich der westlichen Zivilisation anzupassen, hatte die kaiserliche Meiji Regierung das Tätowieren als Relikt einer barbarischen Zeit gänzlich verboten.
Seitdem der Konfuzianismus und der Buddhismus Einfluss auf die japanische Kultur haben, rufen Tattoos für die Mehrheit des japanischen Volkes negative Assoziationen hervor. In den Augen eines durchschnittlichen Japaners ist ein Tattoo ein Markenzeichen für Yakuza oder ein Macho Symbol für Mitglieder der unteren Schichten. Die Minderheit der jungen Japaner, die heute Tattoos als „trendy“ ansehen, tendieren eher zu kleineren Tattoo nach westlichem Vorbild, an einer Stellewo es nicht sofort ins Auge fällt.
In sehr vielen Onsen(温泉) ist tätowierten Menschen der Zutritt nicht gestattet, da man so die Halbwelt der Yakuza fern halten möchte. Aber es gibt einen interessanten Bericht, in der ein ganzkörper tätowierter Mann demonstrativ in einem Onsen unter dem Schild saß, auf dem zu lesen war, dass Menschen mit Tätowierungen der Zutritt zum Onsen verboten sei. Niemand sprach ihn an, er war ja auch Japaner. Einem Gaijin (外人) kann umgekehrt passieren, dass die anwesenden Japaner den Onsen ganz einfach verlassen und er ein recht einsames Bad nimmt. Gerade Menschen mit großflächigen sichtbaren Tattoos werden eher gemieden. Ja es soll schon vorgekommen sein, dass sich Taxifahrer weigerten einen stark tätowierten Gaijin mitzunehmen oder dass dieser in einem Restaurant nicht bedient wurde. Es macht schon einen Unterschied ob man Japaner ist oder Gaijin. Den Langnasen verzeiht man soetwas schon eher, die wissen sich eh nicht zu benehmen und haben keine Kultur.
Jedoch sehen auch viele Japanische Sensei tätowierte Schüler eher mit Skepsis, wenn nicht sogar mit Widerwillen. Auch sollen bei internationalen Prüfungen und Wettbewerben die japanischen Seinsei die tätowierten Prüflinge bzw. Teilnehmer schon mal „schlechter“ bewertet haben. Weiter oben wird die Luft halt etwas dünner. Nun wollen viele der tätowierten Kampfkünstler nicht nach Japan reisen und somit sind obige Überlegungen für diese Gruppe auch völlig nutzlos. Wer jedoch nach Japan reist, sollte sich darüber bewusst sein, dass er Gast in einem fremden Kulturkreis ist und sich an die dortigen Gepflogenheiten halten und versuchen die Gefühle seiner Gastgeber nicht zu verletzen.
Eine andere interessante Anekdote kommt aus der Deutschen Kyudo Scene. Ein deutscher Kyudoka dem an der rechten Hand durch einen Arbeitsunfall der kleine Finger fehlte, bestellte in Japan einen neuen maßgefertigten Kake (Schiesshandschuh). Dazu legte er seine Hand auf einen Kopierer und schickte diesen Printout nach Japan. Normalerweise dauert die Anfertigung eines maßgefertigten Schiesshandschuhs in Japan einige Monate. Dieser Kyudoka soll seinen Handschuh in weniger als einem Monata geliefert bekommen haben. Es geht die Mähr, dass der japanische Handschuhhersteller ob des Fehlens des kleinen Fingers so beeindruckt war, dass er besonders hurtig gearbeitet hat. Er soll den Auftraggeber für einen Yakuza gehalten haben. Ob die Geschichte so stimmt weiß ich nicht, ist aber eine nette Geschichte und sollte nicht unerwähnt bleiben.
Sehen wir es aber einmal entspannt, solange jemand glücklich mit seinen Tattoos ist, soll er bitteschön machen was er will. Noch leben wir in einem recht freien Land und hier kann jeder so tätowiert sein wie er mag! Nur sollte man sich vielleicht nicht durch „fehlerhafte“ Schriftzeichen unfreiwillig zum Affen manchen. Aber auch das steht jedem in unserer Gesellschaft völlig frei!
Einige weiterführende Informationen: http://www.embjapan.de/sachbucher/alles-uber-japanische-tatowierungen-14.html

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