Sonntag, 21. März 2010

Gogyo Setsu 五行 说 ín den Kamae 構え

Das Gogyo Setsu (五行 说), die Theorie der fünf Elemente, stammt ursprünglich aus China und ist dort als Wu Xing (五行) bekannt. Es wird dort verwendet, um Beziehungen zwischen verschiedenen Elementen in Bereichen wie Astrologie, der traditionellen Medizin und der Kunst zu beschreiben. Es wird aber auch verwendet, um die Zyklen der Natur zu beschreiben, wie z.B. den Wechsel der Jahreszeiten. Die Reihenfolge der Elemente ist natürlich zyklisch und nicht linear, umfasst jedoch lineare Kontraste zwischen den Punkten des gesamten Zyklus. Auch dient es dazu, die Kampfkunst zu erklären.

Das Gogyo Setsu besteht aus den folgenden Konzepten:
  • Holz (木)
  • Feuer (火)
  • Erde (土)
  • Metal (金)
  • Wasser (水)
In dieser Sequenz erzeugt ein Element das folgende, weshalb dies der Nährungszyklus genannt wird:
  • Holz ist der Brennstoff für das Feuer
  • Feuer erzeugt Erde (Asche)
  • Erde enthält Metall
  • Metall enthält Wasser (Kondensation)
  • Wasser nährt Holz (Bäume)
Jedoch:
  • Holz (Bäume) spaltet die Erde
  • Feuer schmilzt Metall
  • Erde saugt Wasser auf
  • Metal (Werkzeuge) hackt Holz
  • Wasser löscht Feuer
Im traditionellen Schwertkampf wird das Gogyo Setsu verwendet, um die fünf grundlegenden Kamae und die Beziehungen zwischen ihnen zu beschreiben.

Diese fünf Kamae, die zusammen als die Gogyo no Kamae (五行 の 構え) bezeichnet werden, können durch folgendes Muster erklärt werden:

Daraus folgt:
  • Hasso ist stark gegen Gedan
  • Jodan ist stark gegen Wakikamae
  • Gedan ist stark gegen Chudan
  • Wakikame ist stark gegen Hasso
  • Chudan ist stark gegen Jodan
Ich bin bereits in meinem Beitrag vom 18. Februar 2010 "Kamae 構え" auf das Thema eingegangen. Hier schrieb ich:
"In gewisser Weise laden die Kamae der alten Schulen (Koryu) den Gegner tatsächlich zum Angriff ein. Sie sind Köder, tödliche Fallen."
Sowie:
"Diese Erkenntnis ist in fast allen Kampfkünsten verbreitet. Auch in den Huten der klassischen Europäischen Fecht- und Schwertkampfkünste findet sich diese Strategie wieder. Die Hut (auch Lager oder Leger) ist eine Grund- bzw. Ausgangsstellung im europäischen Fechten. Die Relevanz der richtigen Huten und dem entsprechenden Bruch gegen diese sieht man allein dadurch, dass dem "Brechen" der Huten viel Aufmerksamkeit in den historischen Manuskripten beigemessen wird. Auch wenn sie in diesen Manuskripten nicht als einzelne Kapitel erscheinen, so sind sie dennoch ein Bestandteil sehr vieler beschriebener Techniken. Unter dem Brechen einer Hut versteht man, dass man den Gegner dazu veranlasst die Grundstellung zu verlassen. Allgemein gelten folgende Regeln:
  • Hut Ochs - Bruch durch Krumphau
  • Hut vom Tag - Bruch durch Zwerchhau
  • Hut Pflug - Bruch durch Schielhau
  • Hut Alber - Bruch durch Scheitelhau"
Auch hier ähneln sich die Denkweisen und Erkenntnisse der Schwertkampfkunst im Westen und im Osten.

In den Kendo Kata ist dieses Muster sehr schön ersichtlich:
  • In Kata 4 (Yonhon-me), Shidachi beginnt in Wakikamae und Uchidachi beginnt in Hasso.
  • In Kata 5 (Gohon-me), Shidachi beginnt in Chudan und Uchidachi beginnt in Jodan.
  • In Kata 6 (Roppon-me), Shidachi beginnt in Gedan und Uchidachi beginnt in Chudan.
Das Muster, das sich aus dem Gogyo Setsu ergibt ist nicht der Grund hinter der Kamae, sondern eine traditionelle Art und Weise das Universum wahr zu nehmen, die als Gedächtnisstütze für die Bedeutung der Kamae angewandt wird. Jedoch lassen sich aus dieser Sichtweise auch noch andere Aspekte der Kamae aus dem jeweils zugeordneten "Element" ableiten.
So ist Chudan die ausgewogenste Kamae in Bezug auf Angriff und Verteidigung (Wasser ändert seine Form, um in ein Gefäß zu passen). Jodan ist eine aggressive Kamae (Feuer verzehrt und breitet sich aus). Gedan ist eine geerdete, defensive Kamae (die Erde nährt und schützt die jungen Pflanzen). Hasso erlaubt es einem, eine Antwort auf die Angriffe des Gegners zu entwickeln (Bäume wachsen und Blätter sprießen). Wakikamae verbirgt das Schwert vor dem Gegner (Metall ist in der Erde verborgen).

Zurück zu den Europäischen Schwertkünsten bietet sich hier die Vier-Elemente-Lehre an um als Gedächtnisstütze zu dienen. Nach dieser Lehre besteht alles Sein aus den vier Grundelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde.


Der Vergleich der Kamae mir den Huten ist nicht ganz so einfach wie er auf den ersten Blick erscheint, das die Huten keine statischen Stellungen sind sondern der Fechter sich durch diese Bewegungen hindurch bewegt und diese fließen, eine Veränderung in der Stellung des Gegners fordert eine Reaktion des Angreifers. Im Training werden auch sogenannte "Hutenläufe" durchgeführt. Entweder allein, indem man durch in der Bewegung von der einen in die andere Hut wechselt oder als Partnerübung, wo man auf die Hut des Trainingspartners mit der jeweils "brechenden" Hut antwortet und umgekehrt. Ein derartiger Hutenlauf ist auch mit den Kamae möglich.

John Clements führt in seinem bemerkenswerten Buch sowohl die fünf Ausgangsstellungen als auch die vierzehn wesentlichen Grundstellungen für den Kampf mit dem Langschwert auf.

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  • Ich danke Richard von Koredō – 是道 für seine erhellenden Hinweise zu diesem Thema!!
  • Quelle: John Clements: "MEDIEEVAL SWORDSMANSHIP"; Paladin Press, Boulder, Colorado, 1998 ISBN: 1-58160_004-6

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