Sonntag, 28. März 2010

Kyudo: Die Leitbilder der Heki Ryu Insai Ha

Prof. Genshiro Inagaki, 9. Dan Hanshi (1911 – 1995) der erste japanische Bundestrainer im Deutschen Kyudo Bund war der offizielle Repräsentant des Kyudo der Heki Ryu Insai Ha in der Nachfolge des Schulgründers Heki Danjo Masatsugu (1443-1502). In Japan hatte er den ersten Lehrstuhl für Kyudo an der Waseda Universität Tokio inne.
Prof. Inagaki, der seit 1969 bis zu seinem Tod 1995 alljährlich zu Lehrgängen nach Deutschland, Österreich, Finnland und Italien kam, um das traditionelle japanische Bogenschießen der Heki Schule zu fördern, war den Kyudoka ein lebendiges Vorbild. Im hohen Alter von über 80 Jahren war er noch immer an Ausdauer, Treffsicherheit, in der Harmonie seines Bewegungsbildes und in seiner persönlichen Integrität allen jüngeren und erfahrenen Schützen überlegen.

Prof. Genshiro Inagaki, 9. Dan Hanshi (1911 – 1995)

Er vermittelte seinen Schülern sowohl ein unermüdliches Feilen an der exakten Kunst des Kyudo als auch zwei hauptsächliche Leitbilder. Diese Leitbilder beziehen sich auf die durch das Bogenschießen mögliche geistige Reife des Kyudo-Menschen („Jumi no Kokoro“).

Diese Leitbilder sind die zwei Seiten einer Medaille, die zusammen gehören. Die eine Seite bezieht sich auf die Aufgabe und das Ziel, das durch persönliche Bemühung erreicht werden soll. Die andere Seite ist das, was an uns als Auswirkung geschehen kann, wenn wir uns mit vollem, ernsthaftem Engagement um das Ziel bemühen.

Das erste Leitbild der Heki Ryu Insai Ha, ausgeführt von Eri Takase:


„Kan Chu Kyu“

„Dauerhaft durchschlagend treffen“

Alternativübersetzung:
„Dauerhaft das Zentrum durchbohren“

Das Leitbild „Kan Chu Kyu“ ist die Aufforderung an den Schützen: „Schieße mit Durchschlagskraft, strebe Treffsicherheit an, trainieren mit Ausdauer“. Das ist die aktive, die machbare Seite der Medaille.



Das zweite Leitbild der Heki Ryu Insai Ha, ausgeführt von Eri Takase:


„Ya o kakete hiki shiboruru wa oboyurozo
hanare dokini wa munen muso ni“

sinnbildlich übersetzt mit:

„Wenn Du den Pfeil eingelegt hast und im Ziehen der Sehne den Bogen mit aller Kraft zusammendrückst, kannst Du im Moment des denkfreien-bildlosen Abschießens (zum wahren Leben) erwachen.“

Das zweite Leitbild heißt: „Ya o kakete hiki shiboruru wa oboyurozo hanare dokini wa munen muso ni“ und kann sinnbildlich übersetzt werden mit: „Wenn Du den Pfeil eingelegt hast und im Ziehen der Sehne den Bogen mit aller Kraft zusammendrückst, kannst Du im Moment des denkfreien-bildlosen Abschießens (zum wahren Leben) erwachen.“ Das ist die passive Seite, die geschehen, jedoch nicht „gemacht“ werden kann.

Die Kalligraphien hat die Künstlerin als Auftragsarbeit des Autors ausgeführt.
Im Fall der zweiten Kalligraphie nach Rücksprache mit Prof. Toshio Mori, Universität Tsukuba, Deutscher Bundestrainer Heki-Ryu.
"Kan Chu Kyu", Tusche auf Papier, 30 x 21 cm.
„Ya o kakete hiki shiboruru wa oboyurozo hanare dokini wa munen muso ni“, Tusche auf Papier, 45 x 32 cm.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen