Dienstag, 27. April 2010

Japanische Sitzpositionen

In den verschiedenen japanischen Kampfkünsten werden unterschiedliche Sitzhaltungen eingenommen. Einige davon sind für westliche Gelenke recht schwierig über längere Zeit einzunehmen. Ein Rat den ich Anfängern immer wieder gerne gebe ist der, das Üben der Sitzhaltung mit dem Fernsehen zu verbinden. Viele sehen täglich die eine oder andere Sendung regelmäßig. Sei es die Tageschau für 15 Minuten oder eine Soap für ca. 45 Minuten. Wenn man diese Zeit in der zu übenden Sitzhaltung verbringt und seiner Lieblingssendung folgt, wird man schon sehr bald eine Verbesserung bemerken. Und seien wir doch mal ehrlich, 15 Minuten pro Tag sind doch wirklich von jedem zu schaffen.


Agura (胡座) "fremder, Barbaren Sitz" ist der im Westen bekannte Schneidersitz. Agura ist eine durchaus erlaubte und bequeme Sitzhaltung.

Tatehiza (立膝) - "aufrecht stehendes Knie, Kniestand." Bevor Seiza "modern" wurde, war Tatehiza die übliche Sitzhaltung. Angeblich soll dies die entspannte Sitzhaltung der Samurai gewesen sein, da dies die einzige Haltung ist, die einem in voller Rüstung gekleideten Samurai etwas Entspannung bietet.
Tate (立)- senkrecht, aufrecht; Hiza (膝) – Knie

Seiza (正座, ursprünglich: 正坐, "richtig sitzen,“ ist die traditionelle japanische Sitzhaltung, bei der man kniend auf den Fersen sitzt, den Rücken gerade aufgerichtet. Die Seiza-Sitzhaltung kann für Ungeübte nach einer Weile recht schmerzhaft werden.

Seiza

Kiza (跪座) "kniend sitzen.“ Hier sitzt man – anstatt wie beim Seiza die rechten über die linken Zehen, nach hinten zeigend zu legen und mit dem Spann auf dem Boden − auf den Fußballen, so dass die Zehen nach vorne zeigen und das Gesäß auf den Fersen ruht; die Fußsohlen sind senkrecht und zeigen nach hinten. Durch die höhere Anspannung und Einsatzbereitschaft der Füße war dieser Sitz vor allem wichtig für Samurai in Bezug auf ihre Kampfbereitschaft, aber auch um diese und allgemeine eine hohe Aufmerksamkeit demonstrativ bzw. zeremoniell zu zeigen.
Eine Variante von Kiza ist Hanza, eine halbsitzende Wartestellung in der man auf dem Hacken eines Beines (wie in Hiza) sitzt, während das andere Bein aufrecht steht, die Hände ruhen auf den Knien.

Hanza

Seiza ist eher eine „bequeme“ Sitzhaltung. Bei formellen Anlässen wird im Kiza gesessen, d.h. mit aufgestellten Füßen. In manchen japanischen Kampfkünsten ist Seiza und Kiza ein Teil der zeremoniellen Abläufe, beispielsweise beim Iaido oder Kyudo.
Ansonsten gelten sowohl für Seiza als auch Kiza folgende Punkte, wobei Variationen vom jeweiligen Anlass und Verwendung (z.B. Kampfkunst) abhängig sind.

  • Männer lassen ca. eine bis zwei faustbreiten Abstand zwischen den Knien, Frauen halten keinen Abstand
  • Kopf, Hals und Wirbelsäule aufrecht haltend
  • Brust und Schultern entspannt
  • das Gewicht liegt zentral im unteren Bauchbereich
  • Augen geradeaus
  • der Mund bleibt geschlossen (solange er nicht benutzt wird)
  • Finger liegen entspannt zusammen

Iaigoshi (居合い腰) "aus der Hocke." Diese Stellung ist ähnlich Kiza, nur dass die Knie den Boden nicht berühren. Im Iaigoshi ist eine solide tiefe Haltung wichtig für die Stabilität. Wenn die Haltung zu tief ist, ist man nicht beweglich genug. Wenn sie nicht tief genug ist, ist sie instabil.

  • Füße schulterbreit auseinander
  • Mit dem rechten Fuß nach vorne und mit dem linken Fuß nach hinten
  • Der Abstand zwischen dem vorderen und dem hinteren Fuß entspricht der eigenen Fußlänge
  • gerader, aufrechter Rücken
  • Bauch nicht rausdrücken (nicht nach hinten beugen)
  • Schultern bleiben unten und zeigen nach hinten
  • Schwerpunkt auf den Zehen
  • 70% des Gewichts auf dem vorderen Bein
  • Das vordere Knie soweit beugen, bis die Zehen nicht mehr zu sehen sind
Iaigoshi

Fudoza no Kamae (ふどざのかまえ) bedeutet "unerschütterlicher Sitz" und stammt ursprünglich aus China. Fudoza war bei den japanischen Samurai sehr beliebt und wurde in der Regel innerhalb von Festungsanlagen oder aber während Schlachten eingenommen, da diese Haltung im Gegensatz zu den übrigen als einzige ein rasches Aufstehen ermöglicht. Um diese Haltung einzunehmen, dreht man sich aus der natürlichen Stellung (Shizen No Kamae, die natürliche, stehende Position des Menschen.) geringfügig nach rechts und setzt mit dem linken Bein leicht zurück. Dabei kniet man derart ab, dass der Fußballen des linken Beines auf dem Boden aufgestellt ist. Nun legt man die rechte Fußsohle an die Innenseite des linken Knies und kniet vollständig ab, wobei man auf dem linken angewinkelten Bein (Fußsohle) sitzt. Dabei ruhen die Hände die ganze Zeit über auf den Oberschenkeln.

Fudoza

Shizen


Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von "Bujinkan Paris".
Ich danke ganz besonders Jean François Beaudart.

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