Samstag, 17. Juli 2010

Imagination hilft...

Wenn ich mit dem Katana einen "sauberen" Schnitt machen will - und darum geht es ja schließlich - hapert es im Suburi-Training und in den Kata immer wieder an der Umsetzung. Ich glaube dies ist darauf zurück zu führen, daß die Vorstellung nicht richtig transportiert wird.
Wir schneiden mit dem Katana mit dem vorderen Drittel Teil der Klinge, der Mono-Uchi.
Dazu ist eine Bewegung auszuführen, die sich am ehesten mit dem Auswerfen einer Angelrute vergleichen läßt. Wenn ich mir vorstelle, mein Katana (Iaito) sei eine Angelrute an der eine Schnur (wie lang die auch immer seien mag) befestigt ist und am Ende der Schnur ist der Haken mit den Gewichten und dem Köder, dann projiziere ich das "Ende" meiner Bewegung in weite Ferne und nicht auf das "Ziel" des Schnittes. Dabei wird die Bewegung gleichzeitig geschmeidiger und fließender. Belohnt wird dieser "korrekte" Schnitt dann mit dem wunderbaren Pfeifen der Klinge.


Leider sind viele der im Umlauf befindlichen "Klingen" mit einer Bo-Hi ("Blutrinne") ausgestattet, die selbst bei einem schlechten Schnitt die Klinge pfeifen läßt. Als ich vor einiger Zeit ein Katana mit einer deutlich gebogeneren Klinge, also mit einer stärkeren Zori (Krümmung) bekam, wunderte ich mich, warum die Klinge so selten pfiff. Meine alte Klinge hatte eine sehr kleinere Zori und pfiff (fast) immer.
Nach einigen Wochen der Übung und der Anwendung der "Angel-Technik" pfiff die neue Klinge nun auch. Ergo: Meine Technik war zuvor schlecht!
Manchmal glaube ich, daß diese andauernd pfeifenden Klingen den Übenden in dem Glauben lassen gute Schnitte auszuführen. Was aber oft gar nicht der Fall ist. Daher sollte man sich nicht zu sehr auf den "Ton" verlassen, da dieser nicht immer ein Garant für einen sauberen Schnitt ist.

Wer einmal die Faszination der Bewegung einer meisterhaft ausgeworfenen Angel beim Fliegenfischen sehen und genießen will, dem sei der Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluß" (A River Runs Through It) nahe gelegt. Das erinnert an gute Klingenarbeit.


Im Kyudo gibt es eine Imaginationsübung die dabei hilft den Pfeil sicher ins Ziel zu befördern. Natürlich hängt auch hier alles sehr stark von der richtigen Technik ab! Man muß sich vorstellen dreidimensional zu schießen und den Pfeil um die ganze Erde zu schicken.

Dazu gehört natürlich auch eine gute bis perfekte Technik die dazu führt, daß man den Bogen nicht nur vor und zurück, sondern auch noch nach links und rechts und nach oben und unten bewegt. Ein altes Sprichwort sagt, man sollte die Schultern mit dem Pfeil berühren.

Copyright© 1998: Dan and Jackie DeProspero

Oder wie mein Sempai (先輩) Johannes es auszudrücken pflegte:
"Wenn Du den Bogen voll gespannt hast, der Pfeil auf das Ziel gerichtet ist, bevor du abschießt, dann stell dir vor: Zaiteki (der Pfeil existiert im Ziel).
Der Peil ist so lang, das er um die Welt reicht und die Spitze dir den rechten Ellenbogen kitzelt."



Imagination ist alles!

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