Samstag, 24. Juli 2010

Japanische Heulpfeile - Kaburaya 鏑矢 - selbst gebaut.

Das Projekt begann damit, dass ich bei einem Japanbesuch das Geschäft von Asahi Archery in Tokyo besuchte. Dort zeigte man mir einige wunderschöne Heulpfeile (Rübenpfeile), sogenannte Kaburaya 鏑矢, die mit Urushi lackiert waren.









Die Bilder zeigen dem sachkundigen Betrachter noch einige interessante Details.

Leider ward er Preis mit knapp € 400,- pro Stück astronomisch, wenn auch gerechtfertigt.

Ich entschloss mich daher, einige Rohmaterialien mitzunehmen und eine einfachere Variante selbst herzustellen. Ich erstand zwei unbehandelte Klangkörper, zwei Makiwara-Ya und zwei Pfeilspitzen aus Bronze.
Die Federn bekam ich von einem befreundeten Bogenbauer - Danke Ralf!!

Das Prinzip des Heulpfeils basiert auf dem er Flöte, die Luft bricht sich in der Öffnung und erzeugt im Klangkörper den Ton. Daher sind Form des Klangkörpers, Größe, Anzahl und Form der Öffnung(en) sowie das verwendete Material entscheidend für den Klang des fertigen Produkts.

Das Prinzip des Heulpfeils:


  • (A) Der Luftstrom bricht sich an den Kanten der Öffnungen.
  • (B) Metal Kappe zum Schutz des Pfeils.
  • (C) Die Wände des Klangkörpers.
  • (D) Der Pfeilschaft.
  • (E) Sehnenbindung zum versiegeln des Klangkörpers und zur Sicherung der Konstruktion.


Ein anderes Schema:



Ausgangsmaterial:



Es sollten am Ende zwei Pfeile - ein Haya und ein Otoya - mit jeweils unterschiedlichen Spitzen und unterschiedlich großer Befiederung herauskommen.

Als Vorlage dienten u.a. diese Bilder:





Das Vorbereiten der Befiederung war eine der anspruchsvollsten Arbeiten. Das Schleifen und Ausbrennen des Federkiels war entscheidend für die Haltbarkeit der Federn. Da ich seit fast dreißig Jahren auch traditionell Bogen schieße, hatte ich sowohl die Erfahrung als auch das notwendige Material und die Werkzeuge (Befiederungsgerät) für diese Arbeit.



Die Zeichnungen stammen aus dem kleinen Heftchen über Kyudo Geräte von Günther Ismer aus Köln. Ich kann dieses Werk nur jedem an Kyudo interessierten empfehlen!

Die fertigen Pfeile bedurften einer längeren Tunig-Zeit um einen schönen Ton zu erzeugen. Die Größe der Löcher im Pfeilkopf ist entscheidend für den entstehenden Ton.

Fertige Pfeile (zum Vergrößern anklicken):






Nun können sie pfeifen!

Heulpfeile wurden in Japan als Signalpfeile verwendet, um z.B. den beginn einer Schlacht oder Anweisungen der Heerführer zu signalisieren. Im shintoistischen Ritual sind sie unentbehrlich. Sie werden bei der Eröffnung eines Dojo, bei Richtfesten, Geburten, Todesritualen, Beerdigungen und Eheschließungen geschossen, sowie beim Neujahrsfest. Der "Schütze" ist in diesem Fall immer ein shintoistischer Priester oder ein hochgestellte Persönlichkeit (Sensei oder Soke).

Kabura-Ya in Aktion:

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