Freitag, 30. Juli 2010

Warum schneiden wir dahin wo wir hinschneiden? Atemi (当て身 oder 当身)

Einer meiner Lehrer, ein wirklich alter Recke mit jahrzehntelanger Karate und Iaido Erfahrung (Muso Shinden Ryu und Katori Shinden Ryu) der auch Kumitachi unterrichtet, unterwies uns auch im Atemi (当て身 oder 当身, wörtlich: Körpertreffer), der Kunst, den Angreifer durch Druck, Schlag oder Stoß auf lebenswichtige Nervenpunkte des menschlichen Körpers zu lähmen bzw. aktionsunfähig zu machen.
Es gibt rund 250 verschiedene empfindliche Stellen am menschlichen Körper. Die Wirkung der Schläge reicht von harmlosem Schmerz, der den Gegner zur Aufgabe zwingt, bis hin zu den 69 kritischen Punkten die als gefährlich eingestuft werden, weil sie zu Bewusstlosigkeit, Lähmung oder Tod führen können. Bei diesen Punkten handelt es sich um Nervenzentren (Meridiane), lebenswichtige Organe oder Ansammlungen von Blutgefäßen. Die Nervendruckpunkte finden ihre Anwendung in verschiedenen Kampfkünsten, Kampfsport- und Selbstverteidigungsarten wie zum Beispiel im Hap Ki Do, Aikido, Jiu Jitsu oder speziell Dim Mak. Natürlich sind dies auch Punkte die sich beim Kampf mit dem Schwert als vitale Trefferzonen anbieten.

Eine Liste der kritischen Punkte findet sich hier: Liste

Wenn also in den Kata auf bestimmte Punkte gezielt wird, wie zum Beispiel in der ZNKR Kata Mai auf den Punkt an der Schläfe, im Augenwinkel, dann ist dieser Schnitt auch mit einem Bokken tödlich. Wichtig ist es sich der Energie des Gegners zu bedienen und seine verwundbaren Punkte zu kennen.





Wie alles zwei Seiten hat, so sind auch die Atemi eigentlich Meridiane, Nervenenden und Nervenbahnen, die sowohl zum heilen als auch zum töten dienen.
Viele alte Budo-Schulen unterrichten die Kunst der Wiederbelebung durch Massage vitaler Körperstellen Kyusho (急所) die oft auch Angriffspunkte (Atemi) sind. In der Vorbereitung zum Training werden diese Punkte oft stimuliert um den Körper auf den Kampf vorzubereiten.

Eine wunderbare Erläuterung der Kyusho findet sich in dem Buch "Zen in den Kampfkünsten Japans". Ein wunderbares Buch, das ich jedem empfehlen kann der ernsthaft die Kampfkünste studiert.


Zen in den Kampfkünsten Japans
Gebundene Ausgabe
189 Seiten
Kristkeitz Verlag
ISBN-10: 3921508045
ISBN-13: 978-3921508046
EUR 14,95

Aus diesem Wissen entwickelte sich am Anfang des 20. Jahrhunderts Shiatsu (指圧) die japanische Heilmassage und Fingerdruck-Therapie. Die Techniken werden an Körperstellen ausgeübt, die oft auch mit den vitalen Punkten (Atemi) übereinstimmen.


Das Wissen um die Meridiane ist für jeden Kampfkünstler überaus wichtig. Nicht nur um den Kampf für sich zu entscheiden, sondern auch um zu helfen und zu heilen.

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