Dienstag, 17. August 2010

Bartitsu

Hinter dem ungewöhnlichen Namen "Bartitsu" verbirgt sich eine um 1900 in London gelehrte, eklektische 'Neue Kunst der Selbstverteidigung' der Londoner Oberklasse. Auch wenn Bartitsu für viele Selbstverteidigungssysteme des frühen 20. Jh. prägend war, geriet es jedoch recht schnell wieder in Vergessenheit. Im ausgehenden 20. Jh. fanden Sherlock-Holmes-Fans endlich Informationen darüber, was jenes Baritsu ist, mit dem Holmes laut Sir Arthur Conan Doyle den Angriff Prof. Moriarties abwehrte und daher nicht an den Reichenbachfällen in den Tod stürzte.


Als einer der ersten Europäer erlernte der britische Ingenieur Edward William Barton-Wright während eines beruflichen Aufenthalts in Japan die Kunst des Jiu-Jitsu. Als er 1898 nach London zurückkehrte er schuf er dann sein "Selbstverteidigungssystem für Gentlemen".
Barton-Wright holte die ersten Jiu-Jitsuka als Lehrer an seiner Bartitsu-Akademie nach Europa. Sehr viel seines Marketings (Demo-Kämpfe) baute auf dem 'neuen' Jiu-Jitsu auf. Dazu kombinierte er Jiu-Jitsu mit Techniken aus den zu dieser Zeit bekannten europäischen Kampfkünsten bzw. -sportarten.

Neben dem Jiu-Jitsu bilden Savate (französischer Fuß-Faustkampf) und Scientific Boxing (zeitgenössisches Amateur - Boxen in Großbritannien und den USA) sowie das für Selbstverteidigung optimierte La Canne (franz. Spazierstockfechten) des Schweizers Piere Vigny die Hauptsäulen des Bartitsu.

"Sport-La-Canne"

Auch wenn Barton-Wright "Bartitsu" als Selbstverteidigungssystem bezeichnete, so handelt es sich dabei, nicht zuletzt aufgrund seiner Komplexität, aus heutiger Sicht doch eher um eine Kampfkunst. Vielleicht wäre hier tatsächlich der widersprüchliche Begriff der Selbstverteidigungs-Kampfkunst angemessen.

Die Umsetzung, die sich nicht nur der kanonischen Techniken bedient, wird von der Bartitsu-Society als Neo-Bartitsu bezeichnet, da nicht bewiesen werden kann, dass diese Techniken Teil des Lehrplanes an der ursprünglichen Bartitsu Academy in London waren.

Im Sparring werden Box- und Jiu-Jitsu-Techniken kombiniert und nach und nach um Tritte aus dem Savate und um Stockkampftechniken ergänzt, so dass schließlich alle Teildisziplinen miteinander kombiniert werden.

Jede dieser Disziplinen hat ihre eigene Kampfdistanz. Die Kombination aus Stockkampf, Tritten, Box-, Hebel-, Wurf- und Nervenpunkttechniken ist ein sehr effektives Selbstverteidigungssystem - egal in welcher Distanz man sich befindet.

Auch eine interessante Seite: Selbstverteidigung mit Schirm oder Spazierstock

Kleiner Film - Seminar mit Stefan Dieke bei "Fearless Fitness in Foster City (San Francisco)"

Ab September bietet die "Alte Kampfkunst" in Wuppertal mittwochs ein regelmäßiges Bartitsu-Training an! Wahrscheinlich handelt es sich dabei um das erste regelmäßige Training in dieser Kampfkunst, das jemals in Deutschland angeboten wurde!

Ein zweitägiges Seminar: "Bartitsu- Selbstverteidigung für Gentlemen" findet am 9. und 10. Oktober 2010 in dem Räumen der Alten Kampfkunst unter der Leitung von Stefan Dieke statt.

Stefan Dieke ist einer der ganz wenigen "Wissenden" in der Szene der alten Fechtkünste. Er beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit den Fechttechniken in der Lichtenauer-Tradition und mit dem Rapierfechten nach Meyer sowie einigen anderen Techniken und Schulen. Außerdem hat er als studierter Historiker Zugang zu den alten Texten und kann diese im Original lesen und in unsere heutige Sprache umsetzen. Stefan Dieke gehört zu jener kleinen Gemeinde Fechtlehrer von internationalem Rang die aktiv an der Kunst arbeiten und forschen. Sogar Stephen Hand zitiert Stefan Dieke, wenn er seine Hypothesen belegen möchte, was einem Ritterschlag gleich kommt. Ich habe bei Stefan viel gelernt und respektiere ihn sehr.

Alte Kampfkunst
Stefan Dieke
Paradestr. 57 a
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