Montag, 6. September 2010

Keine Angst vor Prüfungen!

Diese Betrachtung bezieht sich speziell auf das Iaido, ist aber auch auf jede andere Budokunst abbildbar. Zweck dieser Darstellung ist es, den Prüflingen die Angst vor der Prüfung zu nehmen. Der Prüfling sollte davon ausgehen, dass sich jeder Prüfer darüber freut, wenn ein Prüfling besteht. Es ist Unsinn anzunehmen, das ein Prüfer Freude daran hat einen Prüfling durchfallen zu lassen.

Prüfungen, Prüfer und Prüflinge sind in einem Zusammenhang mit Wettkampfteilnehmern, Wettkampfrichtern, Übungsleitern und dem normalen, alltäglichen Training im Dojo zu sehen. Die Übungsleiter im Dojo haben die Aufgabe wichtige Dinge im Iai der Schüler zu entwickeln und zu fördern. Dies geschieht auch auf den im Laufe des Jahres angebotenen Lehrgängen. Andere Übungsleiter können einem manchmal die Augen öffnen, indem sie Sachverhalte anders schildern oder vorführen. Also: Zu so vielen verschiedenen Lehrgängen bei so vielen unterschiedlichen Lehrern wie möglich gehen.

Prüfer und Wettkampfrichter haben diese Dinge zu bewerten. Sie tragen damit eine große Verantwortung, da sie dafür Sorge tragen müssen, dass das Iai möglichst umfassend verstanden und begriffen wird. Eine Beschränkung dessen, was in einer Prüfung bewertet wird, ist nicht sinnvoll. Achtet man zum Beispiel nur auf Technik oder nur auf Etikette oder Zeremonielles und das bei allen Graduierungen, führt dies im Verständnis des Iai zu einer Verarmung und Sinnentleerung des im Lauf von einigen Jahrhunderten von den Meistern entwickelten Iaido. Dies ist ebenso schädlich wie eine zu nette, zu freundliche Bewertung des Prüflings. All dies würde dazu führen, dass die Übenden nur noch das für den Erfolg Notwendige tun, nach dem Motto „Was muss ich machen, um in einem Wettkampf zu bestehen, was, um mich mit der nächst höheren Graduierung schmücken zu können?“




Die Prüfer haben die Aufgabe, durch konsequentes Einhalten von Qualitätsmaßstäben und -standards in der Beurteilung der Prüflinge den Übenden und Übungsleitern ein umfassendes Training des Iai abzuverlangen, um so die Qualität des heute geübten Iai auf einem möglichst hohen Niveau für die Zukunft zu erhalten.

Was macht der Prüfling bei einer Prüfung?

  1. Zum Vorführungsplatz gehen
  2. Angrüßen zur Kamisa (Fahne, höchste Stelle im Raum)
  3. Abknien in Seiza
  4. Angrüßen zum Schwert
  5. Einstecken des Schwertes in den Obi
  6. Vorführung von 5 Techniken
  7. Abknien in Seiza
  8. Herausnehmen des Schwertes aus dein Obi
  9. Abgrüßen des Schwertes
  10. Aufstehen
  11. Abgrüßen zur Kamisa
  12. Abgang

Die Anforderungen an die Prüflinge bei den Prüfungen des Deutschen Iaido Bund (DIaiB) sind in etwa diese. Es ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, die aktuellen Anforderungen auf den Seiten des DIaiB http://www.diaib.de/diaib_deutscher_iaido_bund_regelungen.html nachzulesen. Andere Organisationen haben auch derartige Quellen. Beim Kyudo z.B. hier: Regelwerk

Man sollte diese Schriften wirklich genau lesen!

Grundsätzlich sind die Anforderungen so zusammen zu fassen:

5 aufsteigende Kata ZNKR-Iaido, freie Auswahl, ohne Zeitbegrenzung
  • Vollständiges und korrektes Reiho. Hierzu gehören auch die Kleidung und das Auftreten
  • Anzahl und Reihenfolge der Kata. Enthält das Prüfungsprogramm Koryu, werden diese zuerst gezeigt.
  • Die Darbietung des Prüfungsprogramms.
  • Bei den Dan-Prüfungen, Form und Inhalt der Prüfungsfragen.
a) Kyu-Prüfung

Der Prüfling kennt den Ablauf der Prüfung und macht diesen und die in aufsteigender Reihenfolge gezeigten Techniken ebenfalls vom Ablauf her richtig. Die Kata sind verfügbar und die Haltung ist halbwegs stabil

b) 1. Dan-Prüfung - Shodan

Die wichtigsten Punkte sind:
Te No Uchi und Sayabiki
Weiterhin wichtig sind die Körperhaltung und die Stellung von Hüfte und Füßen.
Die Haltung ist halbwegs sicher und stabil.
Die Bewegungen und die Richtung des Katana sollen stimmen.
Eine gute äußere Form, durch ein gutes Zusammenwirken von Händen und Körper führt zu einem guten Schnitt. Die Kata werden somit gekonnt.

    1. Der Körper, besonders der Unterkörper soll etwas Stabilität aufweisen.
    2. Die Fußstellung ist annähernd in der richtigen Richtung.
    3. Korrekte Ausführung der Techniken.
          a) Richtige Schnittlinienführung (Hasuji)
          b) Gerade abwärts führend schneiden
          c) Richtung, Winkel


c) 2. Dan-Prüfung - Nidan

Die Körperhaltung ist stabiler und klarer.
Die Klinge zeigt schon eine gewisse Lebendigkeit.
Fluss und Bezug der einzelnen Schnitte (Waza no Reukei) und die Schärfe im Schnitt sind erkennbar.
Die Spannung soll nicht abbrechen.
Die Techniken sind halbwegs verbunden.

    1. Der Körper befindet sich im Gleichgewicht und die Hüfte ist ruhig.
    2. Technik (waza)
          a. Die Verbindung der Technik wird besser.
          b. Die Schwertkraft / -energie bildet sich aus, kommt etwas nach „außen“.
          c. Das Tenouchi wird besser.
          d. Der Kleidungsstil wird besser.


Weitere Anforderungen und Inhalte sind auf der Seite des DIaiB zu finden: Regelungen


Im Jahr 2008 wurden die Prüflinge nach einer solchen Matrix bewertet:



Es hilft, zu wissen was von einem verlangt wird. Es hilft auch zu wissen was man üben sollte um die Prüfung bestehen zu können. Auch ist es ratsam an den vor den Prüfungen angebotenen Lehrgängen teil zu nehmen. Meist unterrichten dort auch die Menschen die Euch danach prüfen. Man kann dann sehen, auf was Wert gelegt wird und wie es gewünscht ist und die Prüfer lernen Euch kennen. Es gibt immer noch eine menschliche Komponente. Bedenkt bitte auch, dass EUer Verhalten vor und nach der Prüfung in die Bewertung mit einfließen kann. Ein beherrschtes und respektvolles Verhalten kann nicht schaden.

Ich selbst und einige meiner Mitstreiter erstellen sich vor einer Prüfung - und damit meine ich gleich nach der letzten Prüfung - eine Art Checkliste. In dieser Liste sind alle Anforderungen und Beschreibungen der Kata enthalten die ich bei der Prüfung zeigen will. Quellen sind die "Rote Bibel", die Prüfungsordnung des DIaiB, eigene Aufzeichnungen meiner Schwächen, Stärken und der Korrekturen meiner Übungsleiter. Bei und nach jedem Training werden Notizen gemacht und zuhause aufgearbeitet. Diese Inhalte fließen in die Checkliste ein.

"Ganbatte Kudasai!"

Kommentare:

  1. Ein sehr guter Artikel.

    OK alle Posts sind super.

    Vielleicht wäre es nicht schlecht beim letzten Post einen Zusatz anzubringen, dass ab 2011 bei DiaiB Prüfungen ab 1. Dan die 5 ZNKR Katas vorgegeben werden.

    MFG

    Blacky

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  2. Na das sind ja mal ganz "tolle" Neuigkeiten. "Alle 5 Kata werden vorgegeben". Ob sich der DIaiB damit bei seinen Mitgliedern beliebt macht?? Frage mich wie viele der heute graduierten Iaidoka da wären wo sie sind, wenn das schon immer so gewesen wäre.

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  3. Laut Newsletter des DiaiB folgen die den Anforderungen der EKF.

    Naja es wird halt überall Europäisiert ;)

    Zitat:

    "Ab 2011 werden auch bei den Prüfungen zum shodan bis sandan vom jeweiligen Prüfungsgremium fünf Formen aus dem ZNKR-Iaido vorgegeben. Wir folgen damit einer Vorgabe der EKF/FIK."

    MFG

    Blacky

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