Sonntag, 31. Oktober 2010

Mich packt das blanke Grauen! "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi"

Da fragt man sich, wie sich das Deutsche Iaido entwickeln soll, wenn interessante Punkte und Neuerungen nicht öffentlich einem breiten Publikum kund getan werden. Da findet im Jahre 2010 ein Lehrgang in Villingen statt, es wird anscheinen auch auf "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi" (Häh, was ist denn das??) eingegangen und es existiert scheinbar keine einzige deutschsprachige Seite im Internet die dieses Thema behandelt. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Mitteilungen des Verbandes oder einem Artikel im Iaido Journal des DIaiB. Gut, das Seminar wird erwähnt, aber der Bericht ist so tiefgreifend wie ein Artikel im "Goldenen Blatt". Zumal diese "Neuerung" schon seit einigen Jahren bekannt sein sollte.

Ein Iaidoka aus England schreibt einen sehr interessanten und lesenswerten Artikel über das Seminar und über "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi":
Villingen Seminar 2010 - The Hikinuki Armistice

Diese Seite wird von Andy Watson betrieben, der einigen sicherlich bekannt ist. Klar, auch hier ist es wieder einer der Schüler von Ishido Shizufumi, 8. Dan Hanshi, der uns zeigen muss, wie Engagement aussieht.

Andy Watson ist der Iaidoka der in Villingen Michael Moritz, den Präsidenten des DIaiB 2:1 besiegte. Dieses Ereignis wurde im Iaido Journal wie folgt kommentiert:
"Bemerkenswert war, dass unser Präsident Michael Moritz im Finale der godan dem Engländer Andy Watson nur knapp 2:1 unterlag."
Quelle: "Das Iaido Journal des Deutschen Iaido Bundes", Ausgabe 18, Oktober 2010

In dem oben genannten Artikel in seinem Blog bezieht Andy Watson auf einen älteren, ebenfalls sehr lesenswerten Beitrag auf der Seite der "British Kendo Association"

Jedem, der Englisch lesen kann seien diese Beiträge, ja der ganze Blog von Andy Watson, wärmstens ans Herz gelegt!!! Die Seite des DIaiB ist meiner Meinung nach eher "inhaltsleer" was Neuerungen und Informationen zur Technik des Iaido anbelangt. Lebendig ist anders!

Da frage ich mich, wann wird der Deutsche Iaido Bund (DIaiB) seinem in seiner Satzung erklärten Ziel gerecht?
§ 2 Zweck
(2) Der DIaiB verfolgt den Zweck, Landesverbände der Bundesrepublik Deutschland, die die japanische Schwertkampfkunst „Iaido“ fördern und/oder betreiben, und Iaido als Körper und Geisteskultur zu pflegen und zu fördern.
(3) Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind die Vermittlung von Iaido-Unterricht, die Durchführung eines geordneten Sportbetriebes unter den Mitgliedern und mit befreundeten und übergeordneten Verbänden, die Organisation von Lehrgängen und Prüfungen, die Durchführung von Wettkämpfen sowie die Verbreitung des Bekanntheitsgrades von Iaido durch Öffentlichkeitsarbeit.
Zitat aus: "Satzung des Deutscher Iaido Bund e.V."
Fragt sich, ob dies so interpretiert wird, dass die "wirkliche Arbeit" bei den Landesverbänden verbleibt oder ob dies die Aufgabe des DIaiB ist. Einige Landesverbände existieren auch eher als "Schatten in der Ferne". Wenn ich mir anschaue, wie viele der in meinem Blog genannten Themen im internationalen Iaido besprochen und diskutiert werden, aber in Deutschland teilweise überhaupt nicht gelehrt oder diskutiert werden, überkommt mich das blanke Entsetzen.
Kein Wunder, dass Deutschland im europäischen Iaido nicht mehr auf den vorderen Rängen mitspielt und immer weite rnach hinten rutscht. Einige wenige, aber sehr talentierte und ambitionierte Iaidoka seien hier explizit ausgenommen!

Liebe Iaidoka und Iaido Interessierte, Ihr seid das Deutsche Iaido! Nur wenn Ihr Druck auf Eure Übungsleiter, Eure Landesverbände und diese dann auf den DIaiB ausüben, wird sich auch etwas zum Besseren ändern. Dies bedarf Eurer Mitarbeit! Entweder Ihr konsumiert nur, ohne zu hinterfragen oder Ihr bringt Euch ein! Das hat in Deutschland schon einmal geklappt!

Der DIaiB sollte kein Verband "zur Förderung des Muso Shinden Ryu nach der Art von Sensei Soejima Manabu, 8. Dan Iaido Kyoshi" sein, sondern ein Verband zur Förderung des Iaido und zwar aller Richtungen, Schulen und Strömungen. Dazu gehört auch die Bekanntgabe und Verteilung von Neuerungen.
Die Neuerungen in der Kata Ushenagasi, die Drehung zum Gegner betreffend, wurden noch nicht einmal auf dem letzten Übungsleiterlehrgang gelehrt. Begründung: "Soejima Sensei hält diese Änderung nicht für wichtig!" Cool!

Ich befürchte fast, dass es im Moment nur noch das Ziel gibt, den DIaiB und somit das "offizielle deutsche Iaido" mit den "Deutschen Judo Bund" und so mit dem "Deutschen Olympischen Sportbund" zu verknüpfen. (Siehe: "Das Iaido Journal des Deutschen Iaido Bundes", Ausgabe 18, Oktober 2010) Die Kendoka kennen diese Diskussion, siehe: "Kendo vs. Kumdo 剣道" und "Korea - The Black Ships of Kendo - The Internationalisation of Kendo and the Olympic Problem"; Alexander Bennett, International Research Centre for Japanese Studies. Hatten wir alles schon mal!

Da wundert es nicht, dass die Vertreter einiger namhafter Stilrichtungen wie "Katori Shinto Ryu" und "Mugai Ryu", um nur einige zu nennen, garkein Interesse daran haben sich mit dem DIaiB zusammen zu tun.

Rainald Grebe bringt es auf den Punkt!


Also liebe Iaidoka, beginnt doch einfach mal damit, dass Ihr Eure Übungsleiter fragt, wann sie das letzte Mal als Schüler an einem Lehrgang teilgenommen haben. Dann fragt weiter, wann sie das letzte Mal in Japan waren um sich dort ausbilden zu lassen!

Fragt nach Neuerungen und Änderungen auf internationaler Ebene.

Ihr werdet sehen, die meisten der Antworten sind wie die unserer Politiker in den gängigen Talk Shows!

Auch Eure Übungsleiter sind Schüler, keine Funktionäre!

Einen guten Anfang gab es schon mal mit dem Sommerlehrgang in Berlin, der von Nori Furuichi Sensei, Iaido 8. Dan Kyoshi, Kendo 7. Dan Kyoshi abgehalten wurde. In Europa unterrichtet Nori Furuichi Sensei seit 1990 regelmäßig Iaido, vor allem mit vielen Lehrgängen in Italien und Belgien. Nun auch, seit der Gründung des „Shoushikai Berlin e.V.“ auch in Deutschland. Dieser Lehrgang wurde im August Abgehalten und führte endlich mal wieder einen anderen japanischen Meister nach Deutschland, der uns eine weitere, lebendige Facette des Iaido zeigen konnte. Der Shoushikai Berlin e.V. hat dem Deutschen Iaido damit einen großen Dienst erwiesen!

Wer sehen möchte, wie Nori Furuichi Sensei in Aktion aussieht:



Nächster Lehrgang mit einem "europäischen" Sensei: Oshugatsu Iaido Seminar mit René van Amersfoort in Düsseldorf

Die Hoffnung stirbt zuletzt!


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Kommentare:

  1. Ich finde es super, wenn auch mal unangenehme Sachen zur Diskussion gestellt werden ... und nicht tot geschwiegen!!!
    Denn nur so bewegt sich auch etwas und alles bleibt lebendig.

    Was meint Ihr Anderen denn dazu ???

    Alles Liebe, Andrea Röder

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  2. Die von Dir oben beschriebenen Konzepte sind nicht wirklich neu. Soweit ich mich entsinne wurde auf dem JHL 2008 von Soejima-Sensei gerade hierauf besonders Wert gelegt. Dies wurde auch im Iaido-Journal Oktober 2008 schriftlich "fixiert". Wie auch Andy Watson schreibt, handelt es sich um ein "allgemeines Prinzip", ähnlich vielleicht dem Schneiden mit links. Aus dem Grund muss meines Erachtens nicht auf dem Lehrgang explizit darauf eingegangen werden, nur weil es zufällig vorher auf einem anderen Lehrgang thematisiert wurde.
    Außerdem, wenn Dir etwas fehlt beim Zeigen einer Form (aus den Niederungen der Mu- bis Shodane habe ich erkannt, dass vermehrt Morotetsuki geübt wurde, warum fragst Du dann nicht den Übungsleiter zu Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi? Ich habe bisher auf jede Frage Antwort bekommen und der betreffende Übungsleiter ist dann ggf. auch so ehrlich zu sagen, wenn er etwas nicht weiß.

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  3. tct1312 hat Recht. Das Konzept wurde 2008 auf dem JHL gezeigt, ich war dabei. (Es stimmt, die Änderungen stehen im Iaido Journal 14, Oktober 2008, eine rühmliche Ausnahme, habe ich vergessen zu erwähnen - Schane übe rmein Haupt!!) Auch hat er Recht wenn es darum geht einfach den ÜL zu fragen, genau das habe ich in meinem Artikel angeregt. Jedoch sind leider nicht alle ÜL bereit und willens solche Fragen zu akzeptieren und leider auch nicht dabei fehlendes Wissen einzugestehen. Es gibt Ausnahmen! Aber es geht nicht darum dass ich frage. Ich kann das, was ist mit denen die es nicht können. Vielleicht weil sie garnicht wissen was sie fragen sollen??
    Information sollte nicht zur Suchepflicht werden!

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