Freitag, 22. Oktober 2010

Munewari 胸わり im Iaido

Der Begriff Munewari 胸わり dürfte den meisten Kyudoka bekannt sein. Er beschreibt das "Öffnen der Brust" (Munewari) im Hanare (Lösen des Pfeils). Dr. Johannes Haubner hat dazu ein sehr interessantes PDF erstellt, das in zwei Versionen im Netz herumschwirrt:
Munewari1
Munewari2

Der Begriff Munewari sollte nicht mit dem ebenfalls im Kyudo, speziell in der Heki Ryu Insai Ha verwendeten Begriff "Tai no Warikomi" (たい のわりこみ) - den Brustkorb öffnen/teilen - verwechselt werden. Das Tai no Warikomi ist eine Körperverschiebung nach vorne, wobei im Abschuss (Hanare) die Mitte des Oberkörpers schnell und scharf nach vorne bewegt wird und die beiden Hände nach hinten springen. Dies erzeugt eine stärkere Abschußkraft im Hanare.


Ein altes Video zum Tai no Warikomi findet sich hier: Link
Das Video zeigt einen Schützen am SSanjusangendo in Kyoto

Was hat das nun mit Iaido zu tun?

Im Iaido kommt jede Bewegung aus dem Hara/Unterbauch, dem 'Gravitationszentrum' des menschlichen Körpers, etwa drei Finger unter dem Bauchnabel. Bei jeder Bewegung sollte das Hara nach vorne und leicht nach unten gedrückt werden, während man die Brust öffnet (Munewari).
Siehe dazu auch: "Die physikalischen und physiologischen Grundlagen des Schwertkampfes". Viele Iaidoka öffnen nicht die Brust und schieben die Schulterblätter nicht zueinander. Vielmehr sieht man häufig ein nach vorne Schieben der rechten Schulter. Jedoch ist der Schnitt kraftvoller, wenn die Brust geöffnet wird und die Schulterlinie gerade und parallel zum Becken bleibt.

Im Kyudo sind die "drei Kreuze" (Sanjujumonji) in der zweiten Stufe der Grundform (Dozokuri - Hassetsu) besonders zu beachten.

"Die drei Kreuze" (Sanjujumonji)

1. Kreuz: Boden und vertikale Körpermitte
2. Kreuz: Becken und vertikale Körpermitte
3. Kreuz: Schultern und vertikale Körpermitte

Alle horizontalen Linien stehen im rechten Winkel zu den vertikalen Linien.
Dies gilt auch beim Iaido, wobei hier auch die "Draufsicht" auf den Iaidoka Beachtung finden sollte. Es sollte also keine Schulter nach vorne geschoben werden.

Im Iaido sehen die Kreuze dann so aus:

Im Stehen ergibt sich das vom Kyudo bekannte Bild auch im Iaido.


Im Knien (Seiza) ist ebenfalls auf die Kreuze, aber in einer anderen Räumlichkeit, zu achten.

Die Kreuze werden "immer" eingehalten, die Harmonie und Symmetrie werden nicht unterbrochen, das wäre ineffektive Technik! Unglücklicherweise sieht man dergleichen auch bei "älteren" und "erfahrenen" Übungsleitern von Zeit zu Zeit.

Bei der Ausführung der Kata sind folgende Punkte zu beachten:
  • Alle Bewegungen kommen aus dem Hara, alle Bewegungen und Schnitte sollten von dort kommen.
  • Drücke das Hara nach vorne und die Brust und den Rücken gerade und leicht nach hinten geneigt.
  • Bewege Dich langsam.
  • Setze nur wenig Kraft ein.
  • Machen große Bewegungen.
  • Alle Bewegungen sollen natürlich und fließend ausgeführt werden.
  • Am Ende des Schnittes, muss das Schwert leicht und natürlich zum eigenen Körper hin gezogen werden.
  • Kata lassen sich leichter schnell als langsam ausführen. Daher sollten sie immer langsam und korrekt ausgeführt werden.
  • Kan ken no metsuke (unfokusierter Blick, "in die Ferne blicken"): Man muss alles im Blick haben und nicht nur auf den Gegner fixiert sein.
  • Jede Aktion im Iaido sollte sich so anfühlen als würde man schneiden.
  • Achte darauf langsam zu gehen und mache große, kreisförmige Bewegungen.
  • Alle Bewegungen mit dem Schwert werden im "Jo Ha Kyu" http://japancutters.blogspot.com/2010/10/jo-ha-kyu.html ausgeführt.
  • Beginne jede Kata sehr langsam. Steigere Dich allmählich und beginne "Jo Ha Kyu" einzusetzen, aber ohne zu viel Kraft und ohne die Geschwindigkeit zu erhöhen.
  • Geh langsam und bewege Dich kontinuierlich, ohne zu verweilen.
  • Führe immer die ganze Kata aus, nicht nur Teile.
  • Bleibe beweglich und geschmeidig.
  • Übe mit einem sehr leichten Bokken, bis Du Deine Bewegungen und Kata sehr sauber ausführst. Dann erst wechsle zu einem Iaito und später zu einem Shinken.
  • Wechsle immer wieder zum Bokken, übe nicht nur mit dem Iaito.
P.S.
Man sollte das Munewari des Kyudo nicht mit dem in der japanischen Tätowierkunst, dem Irezume, der Yakuza verwendeten Begriff "Munewari" verwechseln.
Yakuza verwenden gerne großflächige Tätowierungen als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Yakuza-Clan. Die Tätowierungen bedecken oft fast den ganzen Körper. Es galt als ein Zeichen von Stärke sich tätowieren zu lassen, da so eine solche Prozedur bis zu 100 Stunden dauern kann. Man unterscheidet bestimmte Techniken und Stile:
  • Munewari - Tätowierung vom Nacken zum Knöchel und geteilt auf der Brust.
  • Donburi - Tätowierung vom Nacken zu den Knöcheln, jedoch nicht in der Brust unterbrochen.
  • Gaku - Tätowierung an den Armen, Rücken und an den Beinen
  • Nuki - Tätowierung nur auf dem Rücken
  • Kaina - Tätowierung von den Schultern zur Brust

Munewari - Tätowierung

Oder hier: "Munewari Blog"
und hier auch: "Japan-Blog"

Solche Tätowierungen haben dann aber auch Folgen:


Schild vor einem japanischen Sentō (Badehaus),
das tätowierten Menschen (Yakuza) den Zutritt verwehrt.
Das gilt dann auch für tätowierte Ausländer.

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