Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die vier Ebenen des Zanshin

Der britische Iaidoka Andy Watson hat in seinem Blog SHUGYUO einen interessanten Artikel gepostet, den ich dem deutschsprachigen Publikum (in freier Übersetzung) nicht vorenthalten möchte. Der Bericht schildert eine Begebenheit auf dem "Eindhoven Sommerseminar 2010".

Die vier Ebenen des Zanshin (zur Originalfassung)

... Sensei fuhr fort zu beschreiben wie die verschiedenen Ebenen des Zanshin Körper und Geist beeinflussen. In der Reihenfolge ihrer Tiefe sind dies:
1. Sekka no Kurai - Der Körper wie ein Fels.
2. Tsuyu no Kurai - Der Regen tropft von einem Blatt.
3. Bonsho no Kurai - Das Echo des Klangs der buddhistischen Glocke.
4. Hei no Kurai - Der Furz, der nicht gehört werden kann.

Die letzte sorgte natürlich für allgemeines Gelächter!

Um ihre Bedeutung zu erläutern beschreibe ich, wie sie zu Kirioroshi (Schnitt nach unten hin) in Beziehung stehen und weise den Leser auf das Interview mit Ogura Sensei hin, in dem man noch einige Details findet. Die Quelle kann mit Google gefunden werden:

1. Sekka no Kurai - Der Körper wie ein Fels - Dies bezieht sich auf einen Funken der entsteht wenn Felsen aneinander geschlagen werden. Dies bedeutet, dass die tatsächliche Ausführung der Schnitte unverzüglich, und ohne Vorwarnung zu geschehnen hat.
2. Tsuyu no Kurai - Die Regen tropft von einem Blatt - Dies beschreibt wie man den Schnitt aufbaut, genau so wie sich ein Wassertropfen allmählich an der Spitze eines Blattes sammelt und wie die Schwerkraft dann schließlich die Viskosität überwindet und der Tropfen fällt.
3. Bonsho no Kurai - Das Echo des Klangs der buddhistischen Glocke - Dieser beschreibt die Nachwirkung des Schnittes - keine Bewegung, kein Zeichen einer Aktion oder einer Absicht, nur das leise, tiefe Echo des Geschehenen.
4. Hei no Kurai - Der Furz, der nicht gehört werden kann - ich würde vorschlagen, dass damit gemeint ist, dass ohne Vorwarnung oder Anzeichen, die Menschen um einen herum tot zu Boden fallen. Obwohl es sich lustig anhört, basiert dieser Satz wohl auf einem Reim. Er fasst die vorherigen drei in so zusammen, dass er alle Gegner ohne erkennbare Bewegung oder Anstrengung tötrm kann.

Die ersten drei (von denen ich annehme, dass sie die klassischen Ebenen darstellen) sind natürlich nicht in der Reihenfolge des Ablaufs aufgelistet. Das heißt, dass zuerst Tsuyu in der Vorbereitung des Schnitts, dann Sekka, wenn der Schnitt ausgeführt wurde und dann Bonsho als das Zanshin nachdem der Schnitt ausgeführt wurde stattfinden. Die Reihenfolge beruht glaube auf dem Niveau der praktischen Erfahrung, nach der Reihenfolge in der sie üblicherweise gelernt werden
Zuerst lernt man schnell zu schneiden, mit Kraftaufwand und Geschwindigkeit, aber letztlich bedeutet gute Technik, dass natürliche Schnelligkeit und Kraft ohne großen Kraftaufwand auskommen. Das ist Sekka no Kurai.

Man lernt man wie man Johakyu (siehe hier und hier) entwickelt, was zu einem Schnitt führt, den ein Gegner nicht abwehren, dem er nicht ausweichen oder den er nicht kontern kann. Das eigene Taisabaki, die Balance, Ashisabaki (Fussarbeit), Ma-ai und Merihari(*) sind maßgeblich an der Entwicklung des Aufbaus beteiligt.

Schließlich der unbewegte und entfesselte körperliche und geistige Zustand nach dem Schnitt, der wie der Nachhall einer Glocke empfunden werden kann, langsam verklingen, wenn der Moment des niederstrecken des Gegners zur Vergangenheit wird. Das ist es, was wir unter dem Wort Zanshin verstehen.

Der erste Teil des Artikels ist im original hier zu finden: The Four Levels of Zanshin



Zanshin wird viel zu oft vernachlässigt, schade!

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*Merihai: Merihari (メリハリ, 減り張り, めり張り) wird im Kendo und im Iaido verwendet um zu erklären wie man nicht nur eine Vielzahl von Techniken anwendet, sondern sich völlig auf das festlegt was man tut. Mach keine halben Sachen. Beweg Dich entweder schnell oder langsam, aber wusele nicht wirr irgendwo dazwischen herum. Wenn es stark gemacht werden muss, mach es stark, wenn es sanft gemacht werden muss, mach es sanft. Merihari ist das was Dich davon abhält auf eingefahren Wegen zu wandeln.

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1 Kommentar:

  1. Ogura Sensei Artikel: http://social-issues.org/community/node/255

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