Sonntag, 19. Dezember 2010

Hojo / Chozen-ji

Kashima Shinden Jikishinkage-ryū, auch einfach nur Jikishinkage ryu 直心影流 genannt, ist das Bujutstu das im Chozen-Ji International Zen Dojo auf Hawaii gelehrt wird.


Jikishinkage Ryu Hojo (kurz "Hojo" genannt) ist eine Form des Kenjutsu und beinhaltet sowohl körperliche als auch geistige Schulung. Hojo versteht sich als „Schule der Gelassenheit“ und lehrt, in schwierigen oder gefährlichen Situationen seine innere Ruhe, die Kraft der Mitte, zu bewahren.
Hojo, ca. 1300 gegründet, übernimmt nur die grundsätzlichen, natürlich ablaufenden Bewegungen und bedeutet wörtlich übersetzt "Naturgesetz".

Omori Sogen Roshi



Beim Hojo wird mit speziellen Holzschwertern (Hojo-Bokken) geübt und es wird keine Schutzkleidung getragen. Primär geht es nicht um stark oder schwach oder um Sieg oder Niederlage. Wichtig ist nur der natürliche Bewegungsablauf, der sich aus bestimmten Fussbewegungen/Schritten (Unpo) herleitet und von einer speziellen Bauchatmung (Aun-Atmung) begleitet wird. Im Hojo gibt es keinen Wettkampf, vielmehr ist Hojo eine energiereiche und kommunikative Zusammenarbeit zweier Menschen, die sich im Rhythmus der vier Jahreszeiten begegnen. Hojo ist ein intensiver Dialog zwischen zwei Partnern, der über die Bewegung, nicht über das Wort geführt wird, und gleichzeitig ist es ein harmonischer Bewegungsablauf, der sehr meditativ wirken kann. Die Übungsform durchwandert vom Frühling bis zum Winter alle Jahreszeiten, was sich in unterschiedlichen Bewegungen und Tempi, vor allem aber in unterschiedlicher Atemarbeit ausdrückt. Die Atmung steht dabei als Spannungs- und Rhythmus-Geber im Mittelpunkt. Die Übung führt zu großer innerer Konzentration und ist trotz der darin vorhandenen Spannung sehr von Harmonie geprägt. Die Spannung wird jeweils durch einen entspannenden Schrei wieder gelöst.

Der von mir hoch geschätze Blog: "Life for a Sword" hat gerade einen sehr interessanten Beitrag mit einigen absolut einmaligen Videos der Jikishinkage ryu veröffentlicht. Wer einmal ein "Gefühl" dafür bekommen möchte um was es hier geht, der schaue bei "Life for a Sword - Ein Leben für die Schwertkunst" nach. Die Videos sind super und vermitteln einen intensiven Eindruck von den "naturgesetzlichen" Bewegunsschemata dieser Schule. Da kann ich endlich mal die Verbindung zwischen Zen und Kampfkunst erkennen und bewundere sie auch.


Der Daihonzan Chozem-i International Zen Dojo unterrichtet Zen und die damit verwandten Künste, speziell Kyudo und Hojo. Jedes Jahr werden verschiedenen Seminare im Dojo auf Hawaii angeboten. Die überaus faszinierende Athmosphäre des Dojo ist für jeden der seinen Geist entleeren und erfrischen will sehr zu empfehlen.


Nähere Informationen in der Broschüre

Zitat frei nach Jackson S. Morisawa aus: "The Secret of the Target":
Im Chozen-Ji ist Hojo die wichtigste Budoform, obwohl dort auch viele andere "Wege" praktiziert werden. Da heutzutage viele der Schüler bereits eine andere Art von Budo wie Aikido, Kyudo, Karate Do, Tae Kwon Do, Judo, Kendo, Tai Chi ausüben, dürfen sie an dem Budoweg ihrer Wahl festhalten. Allerdings sollte jeder Weg mit dem gleichen Ziel des Hojo gelehrt werden.
Das Ziel des Hojo ist es, alle Verhaltensweisen die man seit seiner Geburt erworben hat abzuschneiden, so dass man zur Buddha-Natur zurückgeben kann. Die Aufmerksamkeit wird auf das Kiai konzentriert, das die vier Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter nachbildet. Der Geist (Ki) und der Körper und arbeiten als eine Einheit (Shin Ki Roku (Chi) bei der Entwicklung des Tanden. Dieser Pfad ist in der Mitte, nicht leicht, nicht schwer, nicht befestigt, nicht frei. Im Hojo ahmt die Kata die Kiai der vier Jahreszeiten nach.
  1. Das erste Kiai ist "Haru" (Frühling). Es ist wie die aufgehende Sonne, die im Frühling mit Frische hervorbricht und seine Kraft wird verglichen mit dem Fallenlassen eines riesigen Felsblocks in eine 1000 Fuß tiefe Schlucht.
  2. Das Frühlings-Kiai bewegt sich nun in den Sommer. Es ist wie der brennende Sonne, die im Sommer alles versengt. Das zweite Kiai wird "Hageshii" (heftig, stark) genannt und die Bewegungen müssen mit Yuuki (Mut, Kühnheit) getan werden. Dieses Kiai ist unerschöpflich.
  3. Nun findet die Transformation in das Herbst-Kiai statt. Es ist wie die fallenden Blätter des Herbstes. Die vernichtende Kraft ist Sara Sara (geschmeidig und leicht). Alle alten Gewohnheiten werden abgeschnitten, indem der Blick nach innen gerichtet wird. Es wird direkt in das Zentrum des Egos geschnitten und die Existenz jedes Ziel wird vergessen. Man driftet in das Reich des Mushin (leerer Geist, wacher Geist), um im Einklang mit den unzähligen Veränderungen sein.
  4. Zuletzt kommt das Winter-Kiai. Die Technik muss nun Shizuka (Ruhe, Stille) sein. Der Wille schweigt, das Herz ist still, denn man erkennt das "ursprüngliche Selbst." Im Kyudo schießt man nicht mehr selbst auf das Ziel, der Geist schießt für einen. Der Pfeil verliert sich an das Ziel. Es ist die Vereinigung des Menschen mit Pfeil und Bogen, oder mit dem Schwert.


Der im Chozen-ji Kyudo ausgeübte Stil ist eine Kombination von Shomen-Stil und Rinzai Zen.

Tenzan (Fumio) Toyoda, im Chozen-ji Tempel, Hawaii

Tenzan Gensho Rokoji

Ein Filme aus YouTube zu Chozen-ji:


Meine Empfehlung: Kontakt aufnehmen und wenn möglich mindestens zwei bis drei Wochen dort trainieren und entspannen (meditieren)!! Es lohnt den Weg und die Zeit!!!

Quellen:


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1 Kommentar:

  1. Moin moin!

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Ich wusste ja garnicht, dass es so etwas schönes überhaupt gibt! Gehe ich recht in der Annahme, dass du schon einmal auf Hawaii gewesen bist?
    Weißt du ob es in Japan solch ähnliche Dojo gibt?

    Wirklich toll! Vielen Dank!

    Viele Grüße aus Bremen,
    Micha

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