Mittwoch, 22. Dezember 2010

Katori Shinto Ryu Fußbewegungen "ashi-no-fumikata"

Da ist mal wieder ein schönes neues Buch auf dem Markt erschienen:


Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu Budo Kyohan
Die Kampfkunst-Lehrmethode des Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu
von Kikue Ito und Yoshio Sugino
Herausgeber: Izumi Mikami-Rott und Ulf Rott
ISBN: 978-3-8423-0682-0
Verlag: Books on Demand, Dezember 2010
Hardcover, 264 Seiten
EUR 34,90

Wirklich ein interessantes Buch mit schönen Erklärungen. Der Blog "Life for a Sword" hat bereits einen Artikel zu dem Buch gepostet, den ich nur empfehlen kann. Es ist geschafft…
Ganz besonders interessant fand ich ein kleines Kapitel in dem Buch: Shisei - 姿勢 [Körperhaltung]

Hier geht es um die unterschiedlichen Fußstellungen. Es ist schon eigenartig, dass gerade im Iaido und im Kendo die geschlossene, parallele Fußstellung gelehrt und praktiziert wird, wohingegen im Karate und vielen anderen Kampfkünsten die stabile T-Stellung mit geradem führenden Fuß und angewinkeltem hinteren Fuß gelehrt wird. Die Gründe und Hintergründe wurden bereits in einem anderen Blog-Artikel im Jahr 2008 ebenfalls bei "Life for a Sword" diskutiert:

Von der erzwungenen Natürlichkeit Man beachte besonders die Kommentare!

Wie in dem Artikel besprochen, ist eine gewisse "Natürlichkeit" auch bedingt durch die in der jeweiligen Zeit der Entstehung bedingte kulturelle Hintergründe, Moden und ästhetische Vorlieben. In dem o.g. Buch "Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu Budo Kyohan" schreibt der Autor auf Seite 95:

"Ken-jutsu (tachi-jutsu) - 万術(太刀術)
1. Kihon - 基本 [Grundlagen]
1.1. Shisei - 姿勢 [Körperhaltung]
Die Körperhaltung ist die Grundlage aller Dinge. Daher muss man korrekt, sehr sorgfältig und ohne Nachlässigkeit eine gute Körperhaltung [shisei] entwickeln; sowohl beim Hinsetzen als auch beim Vorwärts- und Rückwärtsgehen.
Es gibt viele verschiedene Körperhaltungen, wie z.B. beim Halten des Schwertes an der Körperseite [taito-no-shisei], beim Stehen, beim Gehen oder auch beim Halten des Schwertes in einer bestimmten Position und viele mehr.
Immer muss man den Nacken gerade halten, das Kinn zieht man etwas heran und schließt den Mund fest. Beide Schultern und die Ellenbogen sind entspannt. Der Rücken ist sauber gestreckt. Man nimmt Kraft in den Unterbauch und muss immer auf seine Mitte konzentriert sein. Man muss eine den Umständen angepasste Körperhaltung haben.
In der stehenden Körperhaltung kann man ganz natürlich in shizentai [自然 韓] stehen. Oder man geht mit dem rechten Fuß einen Schritt nach vom in hanmi [半身 - Halbkörperhaltung] und nimmt migi-hanmi-no-kamae ein. Genauso gelangt man, wenn man mit dem linken Fuß nach vom geht, in hidari-hanmi-no-kamae.
Wenn man die Schritte mit den Füßen macht, steht man zunächst in shizentai, dabei sind die Fersen 1 bis 2 sun [ca. 3 - 6 cm] voneinander entfernt. Die Fußspitzen sind angemessen nach außen geöffnet. In hanmi-Stellung ist der vordere Fuß geradeaus nach vom ausgerichtet und der hintere Fuß wird geöffnet aufgesetzt. Wenn der Schritt [mata - zwischen den Oberschenkeln] weit geöffnet wird, dann sind die Füße in der gleichen Haltung, wie in shizentai, dabei sind die Fußspitzen angemessen weit nach außen geöffnet. Wenn die Fußspitzen nicht angemessen weit geöffnet sind, dann wird der Körper instabil und kann leicht nach links, rechts, vorne oder hinten aus dem Gleichgewicht kommen."

Die Fußbewegungen [ashi-no-fumikata]


Neben dem Katori Shinto Ryu gibt es noch eine weitere Schule die auf "natürlich ablaufende Bewegungen" Wert legt, nämlich die des Hojo der Jikishinkage Ryu. Wobei ich hier aber auch fairerweise sagen muss, dass viele der heute unterrichteten Iaido Varianten nicht für den "wirklichen" Kampf sondern für die Körperertüchtigung gelehrt wurden und in der Nachkriegszeit einige "Glättungen" erfahren haben.

Nach dem Studium dieses wirklich interessanten Buches kann ich nur wieder sagen, dass es wirklich schade ist, dass sich in den Anfängen des Iaido / Iaijutsu die ursprünglich hier in Deutschland in den 70er Jahren gelehrte Iaido-Schule des Katori Shinto Ryu nicht durchsetzte und dann das Muso Shinden Ryu die "Oberhand" gewann. Aber das ist eine andere Geschichte und wird demnächst in einem sehr umfangreichen Artikel über die "Geschichte des Iaido in Deutschland" detailliert beleuchtet werden.


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