Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wunderbare Schwerter - Ein Blick über den Tellerrand

Jedem der sich für authentische und benutzbare Schwerter interessiert möchte ich die Produkte von Albion näher bringen. Leider finden sich bei Albion (noch) keine japanischen Klingen im Angebot, jedoch sind alle von Albion angebotenen Schwerter wärmstens zu empfehlen!


Ich besitze selbst einige Albion Klingen. Die scharfen Klingen sind ausnahmslos alle "schnitttesttauglich". Mit den Klingen der Next Generation Linie habe ich viele erfolgreiche Schnittests durchgeführt. Die Übungsklingen der Maestro Linie haben mir beim Training der Europäischen Schwertkunst immer gute Dienste geleistet.

Albion bietet fünf verschiedene Produktreihen:
  • Museum Line Swords: Anspruchsvolle Neuschöpfungen der wichtigsten Original Schwerter aus Museumssammlungen
  • Next Generation Swords: Authentische, handgefertigte und voll funktionsfähige Schwerter, auf der Grundlage von Museumsforschungen
  • Squire Line Swords: Erschwingliche Schwerter für den Anfänger und den Reenactor
  • Maestro Line Swords: Historische Sparring Schwerter für westlichen Kampfkünstler und für Stage Combat
  • Skirmish Line Swords: Sparring Schwerter für historisches Reenactment und für Stage Combat

Albion Europe ist die europäische Dependace der amerikanischen Schwertmanufaktur Albion Swords und wird mit viel Liebe und Hingabe von Søren Niedziella in Dänemark geführt. Damit hat der Kunde den Vorteil seine Wahre in Europa nach europäischem Recht zu erwerben und der lästige Ärger mit dem Zoll entfällt.


Die Ziele bei der Herstellung der Schwerter sind bei Albion mehr als das Streben nach reiner optischer Ähnlichkeit zu historischen Waffen. Albions Bestreben ist es, nicht nur die optischen Aspekte der Originale in einem hohen Maß an Präzision zu reproduzieren, sondern auch Schwerter zu machen, die sich wie die Originale führen und benutzen lassen. Für jeden, der das Privileg genossen hat, ein altes Schwert zu halten, ist das “Gefühl” eines originalen Schwertes unverkennbar – ein Gefühl, das man in Repliken von heute kaum findet.


Der Begriff “Replik” wird häufig für Doppelgänger verwendet, die manchmal nur mit mäßiger oder geringer Authentizität gemacht werden. Deshalb nennt Albion seine Produkte lieber “Neuschöpfungen” statt “Repliken”, da sie mehr sind als nur etwas, das lediglich so aussieht. Um dies zu erreichen, muss man versteckte Aspekte sorgfältig untersuchen, die man nur durch persönliche Erfahrung mit historischen Originalen entdeckt, was sich in einer anspruchsvollen Dokumentation niederschlägt.

Albions Produktreihen basieren auf jahrelanger Arbeit des Schwertschmiedes Peter Johnsson, der Originalschwerter in Museen und privaten Sammlungen in ganz Europa untersucht, dokumentiert und analysiert hat. Johnsson konnte nicht nur die Schwerter in den Dauerausstellungen dokumentieren und in die Hand nehmen, er hatte auch Zutritt zu den verborgenen Schätzen in Magazinen, die nur wenige zu sehen bekommen.
Aufgrund seiner Ausbildung zum Grafikdesigner, hat Johnsson ein Auge für Details und erfasst sowohl den ästhetischen Charakter des Originals als auch Aspekte wie Massenverteilung und dynamisches Gleichgewicht bis hin zu Details wie allmähliche Veränderungen entlang der Klinge in Volumen, Querschnittsgeometrie und Schneidenwinkel.

Diese Einsichten und gesammelten Daten waren wichtig für Albions Fähigkeit, die ”Neuschöpfung” eines Schwertes zu kreieren – eine Restauration des Stücks wie an dem Tag, an dem es neu war: glänzend scharf, kraftvoll in seiner Präsenz, mit einem beweglichen und ansprechenden Gleichgewicht.

Ein Schwert ist auf den ersten Blick ein einfaches, jedoch sehr komplexes Instrument, das sich aus der Zeit in der das erste Bronzeschwert gegossen wurde entwickelte und sich dramatisch veränderte als erstmals ein Stück Stahl zu einer Klinge geschmiedet wurde.
Ein Prozess, der sich über Jahrtausende verfeinert hat, eine Kunst, die vom Meister an den Lehrling weitergegeben wurde. Diese Kunst ist uns heutzutage zum Großteil verloren gegangen, doch wir können durch Studieren der Objekte, die uns die Zeit hinterlassen hat, eine Menge lernen. Wenn wir diese Leistungen der alten Meister sorgfältig betrachten, können wir nicht nur die Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit erkennen, durch die sie erschaffen wurden, sondern auch die Gedanken erahnen, die in ihre Herstellung einflossen.

Durch seine Forschungen hat Peter Johnsson entdeckt, dass alle Klingen, die er direkt untersucht hat, interessante Ähnlichkeiten in der Korrelation der Proportionen aufweisen. Das Arbeiten mit diesen Proportionsregeln, nicht nur das Vermessen einzelner Originale, ermöglicht es Albion, ein neues Schwert zu schaffen, das einem historischen Schwert desselben Typs wahrhaftig wie ein Bruder ähnelt.

Es ist bekannt, dass die Konstruktion im Mittelalter als schöne Kunst galt. Mächtige Burgen und erhabene Kathedralen quer durch Europa zeugen von der ausgeklügelten Anwendung harmonischer Proportionen. Nicht nur Ingenieure, sondern auch Handwerksmeister waren sich bewusst, wie die Schönheit der Form entscheidend für die Funktion ist. Dieselben Regeln für Proportionen, die man in der Architektur sehen kann, wurden auch beim Bau von Musikinstrumenten und seetüchtigen Schiffen angewandt. Die aufstrebende Kunst der Typographie im späten 15. Jahrhundert ist ein weiteres Beispiel dafür, in welch breitem Maß die Ideen von harmonischen Proportionen angewandt wurden. Wie man diese goldenen Regeln der Harmonie am besten umsetzt, mag oftmals der Kern des geheimen Wissens der Meister gewesen sein. Wir können das Ergebnis ihrer Einsichten und Fähigkeiten in den erhaltenen Arbeiten der Kunst und Architektur sehen. Doch interessanterweise scheint es so zu sein, dass die besten Schwert- und Messerschmiede diese Ideen schon ganz früh kannten und ebenfalls mit ihnen arbeiteten.

Peter Johnsson dokumentiert original Schwerter im Schwedischen Militärmuseum

Peter Johnssons Gedanken zu Schwertern
Ein Schwert ist ein Symbol vieler Dinge. Die Komplexität seiner Assoziationen vereinigt sich zu seiner symbolischen Kraft.


Wenn Sie ein gut gemachtes Schwert in der Hand halten, ist es schwierig, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Das Schwert repräsentiert ritterliche Ideale, doch es ist auch die Waffe, mit der Krieger Unschuldige erschlugen. Es ist ein bedeutendes Symbol für den kontinuierlichen Streit um Macht, um Gut und Böse. Es ist ein Zeichen sowohl für Sieg als auch für Niederlage. Das Schwert ist ein Werkzeug, welches einen Mann zum Helden oder zu einem sinnlosen Zerstörer machen kann.
Es braucht Wissen, ein Schwert zu machen, und es braucht Erfahrung zu wissen, wie man es führen muss. Häufig hat es Mächten gedient, die von Vorurteilen und Ignoranz geprägt waren. Für den modernen Menschen mag es ein Sich-zurück-Sehnen in längst vergangene Zeiten darstellen, von denen man glaubt, sie wären einfacher zu verstehen und zu greifen gewesen. Doch immer noch gilt, dass ein Schwert, das zunächst einmal nicht dazu angefertigt wurde, eine funktionsfähige Waffe zu sein, ein bloßer metallener Gegenstand ist – ohne jegliche Symbolkraft.




Ein Schwert darf in seiner praktischen Anwendung nicht versagen. Ein schlecht gemachtes Schwert ist eine sehr enttäuschende Sache, da schlampige, gedankenlose und nachlässige Handwerkskunst der eigentlichen Quelle seiner immanenten Kraft nicht gerecht werden. Zweck der Gestalt und der Abmessungen eines Schwertes ist es, demjenigen, der es führt, die Kontrolle über die dünne Linie seiner Schneide zu geben, hinter der es aufhört zu existieren. Die erforderliche Aufmerksamkeit und das Bewusstsein, wie die Gesamtgestalt die Bedingungen für die Details festlegt, und wie die Details zu Ergebnissen in der Leistung des kompletten Schwertes führen, ist eine inspirierende Notwendigkeit in seiner Anfertigung.




Das Schmieden eines Schwertes ist sowohl Freude als auch Herausforderung. Ein Schwert erfordert sorgfältige Überlegungen und Aufmerksamkeit auf Details, um zu seiner vollen Kraft geführt zu werden. Mich als Schmied erfüllt es mit Stolz wie auch Demut, danach zu streben, die spröde und elegante Einfachheit sowie das hohe Maß an Handwerkskunst original historischer Schwerter nachzuahmen.





Albion ist was "echte" gebrauchstüchtige Schwerter angeht, so ziemlich das Beste was der Markt an "Serien-Schwertern" zu bieten hat.
Was die Preise angeht, das Preis Leistungsverhältnis ist sehr gut. Zumindest wenn der Käufer ein Interesse daran hat ein Schwert in den historisch korrekten Maßen und der richtigen Gewichtung zu erwerben.
Der Vorteil bei Albion ist, das die Teile auch tatsächlich etwas mit den historischen Vorbildern zu tun haben und nicht irgendwelche Billigprodukte ohne Balance sind.

Kontakt:
Albion Europe ApS
"Republikken"
Vesterbrogade 24, 2
DK-1620 København V
Dänemark
Email
Web-Seite





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1 Kommentar:

  1. Toller Beitrag!
    Durfte selbst mal mit einem Albion schneiden und ich war hell auf begeistert!

    Absolut empfehlenswert!

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