Montag, 30. August 2010

Weltmeister im Papierschneiden - "Haidong Gumdo"

Am Wochenende bin ich auf einen Artikel in meinem örtlichen "Einwurfblättchen" gestoßen:

Quelle: Erft Kurier Nr. 34, 29. August 2010

Worum handelt es sich hier? In meinen Beiträgen Alte Koreanische Kampfkunst und Tenugui (手拭い oder 手ぬぐい) und Schnitt-Test / Bruch-Test habe ich bereits auf "Haidong Gumdo" hingewiesen.

In der koreanischen Schwertkampfkunst „Haidong Gumdo“ bildet das Papierschneiden eine Unterdisziplin. Horst Hübertz aus Bedburger in NRW hat den Weltmeistertitel errungen, obwohl er erst seit eineinhalb Jahren diese Disziplin trainiert und noch einen "bunten Gürtel" trägt. Er trainiert bei Großmeister Chae Seung-Eun, in dessen Sportschule in Eschweiler. Jedoch sei erwähnt, dass Horst Hübertz einen langjährigen Tae Kwon Do Hintergrund beim TKD Bedburg hat, dem er auch vorsteht.
Die Wettkämpfe fanden, bereits zum fünften Mal, Ende Juli 2010 in Yongpyung, Südkorea statt. Horst Hübertz trat in zwei Disziplinen an: mit dem Holzschwert, dem „Mokgum“, im Papierschneiden und im „Individual Gumbub“.

In der Koreanischen Schwertkunst Haidong Gumdo wird mit unterschiedlichen Schwertern trainiert. Das „Mokgum“, ist ein etwa ein Meter langes Holzschwert. Das „Jingum“ hat eine sehr scharfe Metallklinge und wird in der Disziplin Bambusschneiden (Test-Cutting) genutzt. Das „Gagum“ ist ebenfalls aus Metall, hat aber eine stumpfe Klinge, ähnlich dem Iaito. Es gibt verschiedene Disziplinen, in denen auch Wettkämpfe und internationale Meisterschaften ausgetragen werden. Die koreanische Schwertkunst wird ohne Schutzbekleidung trainiert, was bedeutet, dass Disziplin, Kontrolle und Sicherheit oberste Priorität haben. Neben dem physischen Teil ist auch der philosophische Teil der Schwertkunst ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.

Im physischen Training des Haidong Gumdo werden sieben Disziplinen unterrichtet:

Sangsoo-Gumbup, die 12 Formen (Kata) bis zum 1. Dan:
Kibon Donjak, die Grundform, die zum eintrainieren und aufwärmen absolviert wird.
Sangsoo Gumbup's 1-12, die obligatorischen Formen (Kata) bis zum 1. Dan und die "Schwarzgurt-Formen"
Kyuk-Gum:
12 klar definierte Angriffs- und Abwehrformen, die jeweils mit Partner trainiert werden. Aus diesen Formen sowie Teilen der Sangsoo-Gumbup Formen werden für Wettkämpfe die Zweikämpfe zusammengestellt.
Papier-Schneiden:
Mit dem Holzschwert, später mit dem ungeschliffenen Schwert, muss Zeitungspapier mit einem sauberen Schnitt zerteilt werden. Dies ist eine Disziplin an der die Sauberkeit der Schnittführung sichtbar wird. Das Papier-Schneiden kann Bestandteil der Tests sein und ist ebenfalls eine Wettkampfsdisziplin.
Kerzentest:
Mit dem Holzschwert müssen Kerzen gelöscht werden, ohne diese zu berühren. Dieser Test ist Bestandteil jeder Gurtprüfung und zeigt Genauigkeit, Kontrolle und mentale Präsenz des Trainierenden. Anfangs wird nur eine Kerze gelöscht, mit höheren Graduierungen nimmt die Anzahl der mit einem Schnitt oder Schlag zu löschenden Kerzen zu.
Bambus-Schneiden:
Mit Hilfe des scharfen Schwertes, des Jing-Gum, müssen Bambusröhren mit einem Hieb in einem 45 Grad Winkel zerschnitten werden. Dies erfordert höchste mentale Präsenz, genaue Schnittführung und eine optimale Koordination.
Laufschule:
Die Laufschule ist ein Hilfsmittel, in der die Koordination zwischen dem Schneiden mit dem Schwert und dem Laufen geschult wird.
Sword-Dance:
Für Wettkämpfe oder Vorführungen können Gruppen ab 6 Personen eine Schwertkunst-Choreografie zu Musik vorführen. Genauigkeit, synchrone Bewegungsabläufe, der Fluss der Bewegungen und die Choreografie sind einige der Merkmale, die bewertet werden.

Newspaper cutting (Haidong Gumdo 해동검도 海東劍道)

Haidong Gumdo paper cutting

2010 Budo Gala in Swiss(Haidong Gumdo)

Haidong Gumdo - Swiss TV: SSF Magazin

Donnerstag, 26. August 2010

1000 Jahre Genji Monogatari

Vom 27.8.2010 bis zum 19.9.2010 ist im EKO-Haus der Japanischen Kultur e.V. in Düsseldorf, die Ausstellung: „1000 Jahre Genji Monogatari – Die Geschichte vom Prinzen Genji“ mit japanischen Seidenreliefbildern aus der Werkstatt von Yoko Nakamura zu sehen.
Eintritt frei!


Im Jahr 2008 beging man in Japan ein Jubiläumsjahr anlässlich der Niederschrift des höfischen Romans Genji Monogatari [Die Geschichte vom Prinzen Genji] vor 1000 Jahren. Dieser als einer der ältesten Romane der Weltliteratur geltende Liebesroman zeichnet zugleich ein Porträt der Adelsgesellschaft im Japan der Heian–Zeit (794–1192) und wird traditionell der japanischen Hofdame Murasaki Shikibu zugeschrieben. Eine im Tempel Ryozan–ji in Kyōto gezeigte Ausstellung umfasste 54 oshie, Reliefbilder aus Seidenstoffen und Japanpapieren, deren einzelne Bildelemente mit Watte unterfüttert und dann zu einem Bild mit räumlicher Wirkung zusammengefügt werden. Dieser Bilderzyklus, der die 54 Kapitel des Romans darstellt, wurde von Yōko Nakamura und ihrer kunsthandwerklichen Gruppe Sainokai gefertigt. Die Szenen bieten nicht nur einen Einblick in das Leben am kaiserlichen Hof zu Beginn des 11. Jhs., sondern zeigen auch das hohe künstlerische Niveau und Geschick in ihren Arrangements und ihrer farblichen Gestaltung, mit der sich harmonisch eine Auswahl hochwertiger Stoffqualitäten, vorrangig Seide, verbindet.
Diese Ausstellung wurde ermöglicht durch ein großzügiges Sponsoring der DAIHATSU Deutschland GmbH.


Anschrift:
EKŌ-Haus der Japanischen Kultur e.V.
Brüggener Weg 6
40547 Düsseldorf
Tel: (0211) 577918-0
Fax: (0211) 577918-219
E-Mail: pool@eko-haus.de

Siehe auch: Genji-Mon und Koh-Do
 

Samstag, 21. August 2010

Diskussion: Wie führe ich ein japanisches „Schwert“?

In dem von mir schon oft zitierten und geschätzten Blog „Life for a Sword“ wird gerade die Frage: „Der Griff am Schwert“ diskutiert.

Die Frage die sich hier stellt ist: „Wie greife/führe ich ein japanisches Schwert?“ Da ich den Blog nicht kopieren mag, hier nur der Link auf das Thema: „Der Griff am Schwert“

Da ich zwei Kommentare dazu geschrieben habe, hier mein Input. Vielleicht und hoffentlich regt dieser Eintrag die Diskussion ja an und wir können gemeinsam einige Ideen und Anregungen – vielleicht sogar Antworten sammeln. Wie den regelmäßigen Lesern meines Blog bekannt, ist dies ja eines meiner Lieblingsthemen:
Link
Hallo Micha,
Danke für die Blumen zu meinem Blog; http://japancutters.blogspot.com/
Also Deine Beobachtung war mir auch schon lange eine bohrende Frage. Du hast die „Problematik“ sehr gut und detailliert dargestellt!
Ich hatte einige Male das Vergnügen in den alten Europäischen Schwertkünsten unterrichtet zu werden und dort ist die in den Videos gezeigte Variante die „normale. Du greifst das Schwert mit links am hintersten Griff. Dabei ist aber die rechte Hand NICHT die „Krafthand“ sonder die „Lenkhand. Wenn Du dies mit einem Langschwert a la Lichtenauer oder einem Langen Messer so ausführst wie auf dem „Samurai Spirit“ Video mit dem Shinai, wirst DU merken, dass ein wirklicher Kampf (im Sparring oder Kumi Tachi) nur wirklich mit dieser Technik zu führen bzw. zu gewinnen ist.
Die im „klassischen“ (deutschen/europäischen) Iaido gelehrten Techniken sind eher als Richtschnur und „zeremonielle“ Techniken zu werten. Aber ich bin der Meinung, dass ohne diese klassische Iaido Unterweisung ein sauberes Schneiden nicht möglich ist. Das ist eines meiner Lieblinsthemen, dass ich nicht aufhören kann zu betonen.
Vielleicht haben wir ja mal das Vergnügen dies in der Praxis gemeinsam zu üben oder zu demonstrieren. Würde mich sehr freuen. Vielleicht im Januar in Düsseldorf?? Oder such mal in YuoTube, u.a. bei den Videos zu Lichtenauer oder den von mir im Blog genannten klassischen europäischen DVDs. Immerhin ist Klingenkampf weltweit im Kern universell. Ist im Grunde wie beim Sex!
P.S.
Email Konversation wäre einfacher. Schick mal bitte Deine Emailadresse!
Beste Grüße!
Nitombo


Nachtrag:
Ich hatte mal in grauer Vorzeit das Vergnügen einen sinnvollen handwerklichen Beruf zu erlernen. Wenn mit einem Hammer arbeite und diesen in der Art des klassischen Iado griff (so dass hinter der hinter der Hand noch ein Stück des Stiels herausschaute, pflegte mein Lehrmeister in den ersten Monaten immer zu sagen: „Ah, der Stiel ist zu lang, soll ich das Stück, dass Du nicht brauchst abschneiden, dann sparen wir Material?“
Soll heißen, wenn ich eine Tsuka von 27 cm habe und nur 21 cm benutze, warum habe ich das Geld für die anderen Zentimeter ausgegeben???
Was wir heute im Iaido machen hat nichts, aber auch gar nichts mit Kampf zu tun. Das ist „zeremonielle Schwertkunst“, die aber unbedingt notwenig für die korrekte Ausbildung ist!!!
In der Diskussion sind sich Micha („Life for a Sword“) und ich uns im Kern einig:
„Iaido ist wirklich mittlerweile „nur“ eine zeremonielle Schwertkunst. Viele praktizieren Iaido so praktizieren so, dass man dabei einschlafen könnte. Auch wenn der Gegner nur imaginär ist, fehlt die richtige Einstellung, es fehlt der Kern des Iaido. Iaido wird von vielen so wie Zazen praktiziert, nur beim Zazen sitz man ruhig auf einer Stelle.“
Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen unter Euch der dazu was beizutragen hat!?

Iaido Event in Budapest, Ungarn

Die „All Japan Kendo Federation“ hat Yamasaki Masahiro, 8. Dan Hanshi (Mitglied des ZNKR Technical Commitee) für einen Iaido Herbst-Event nach Ungarn berufen.


Masahiro Yamasaki - Iaido Hanshi 8. Dan, Kendo Kyoshi 7. Dan (Shizuoka, Japan).
All Japan Kendo Federation Iaido Committee Member;
Muso Jikiden Eishin Ryu (Tosa Eishin Ryu).

Der Event besteht aus zwei Teilen:
  1. Iaido Seminar für Dojo-Leiter sowie 3. Dan und höhere Graduierungen. Vom 29. September bis 1. Oktober. Das erste Training beginnt am Mittwochabend. Maximale Teilnehmerzahl 25 Personen.
  2. Zen Ken Wochenendseminar und Dan-Prüfung bis Shodan am 2. & 3. Oktober 2010.
Wen Ihr daran interessiert seid, Eure Qualitäten als Lehrer und Trainer zu verbessern, oder nur Euer eigenes Iai aufpolieren wollt, ist dies ein Event den Ihr nicht versäumen solltet!
Das Dojo-Leiter Seminar ist auf 25 Teilnehmer limitiert, damit sich auch wirklich jeder der Aufmerksamkeit des Lehrers sicher sein kann. Er zuerst kommt malt zuerst!

Organisation:
Hunor Mihalik
General Secretary
Magyar Kendo, Iaido és Jodo Szövetség
Hungarian Kendo, Iaido & Jodo Federation
Dob u. 80 I.12.
Budapest 1073
Hungary
www.kendo.hu
www.iaido.hu
www.jodo.hu

Mittwoch, 18. August 2010

Neues Buch zum Thema „japanisches Schwert"

Endlich mal wieder ein Lichtblick auf dem deutschen Büchermarkt in Bezug auf die Japanische Schwertkunst!

Die Mischung aus der Beschreibung des Schwertes, der Sage und der Überlieferung im Hintergrund und den aktuellen Fakten ist schon einmalig und sehr erhellend und lesenswert. Markus Sesko, Mitglied des NBTHK, hat mit diesem Buch ein Werk erschaffen, auf das die deutschsprachige Gemeinde der Liebhaber japanischen Stahls lange gewartet hat.

Dieses Buch ist absolut empfehlenswert!!!

Klappentext:
Dieses Werk hat es sich nun zum Ziel gemacht, dem Leser das japanische Schwert das nihontô (日本刀)  im Hinblick auf die Rolle, die es in der Kriegerkaste und in der japanischen Gesellschaft ganz allgemein gespielt hat (und als Kunstwerk teilweise noch heute spielt), näherzubringen. Als Mittel für diesen Ansatz dienen Legenden, Geschichten und Anekdoten über berühmte Schwerter und ihre Schmiede, eingebettet in eine Erläuterung der Hintergründe und weiterer relevanter Fakten, sodass der Leser am Ende ein schlüssiges Bild darüber erhält, welchen Stellenwert diese im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte Waffe über mehr als tausend Jahre in Japans Geschichte gespielt hat.
Geschichten rund ums japanische Schwert
Markus Sesko
Broschiert: 200 Seiten
Verlag: Books on Demand; April 2010
ISBN-10: 3839152712
ISBN-13: 978-3839152713
EUR 29,90

Dienstag, 17. August 2010

Bartitsu

Hinter dem ungewöhnlichen Namen "Bartitsu" verbirgt sich eine um 1900 in London gelehrte, eklektische 'Neue Kunst der Selbstverteidigung' der Londoner Oberklasse. Auch wenn Bartitsu für viele Selbstverteidigungssysteme des frühen 20. Jh. prägend war, geriet es jedoch recht schnell wieder in Vergessenheit. Im ausgehenden 20. Jh. fanden Sherlock-Holmes-Fans endlich Informationen darüber, was jenes Baritsu ist, mit dem Holmes laut Sir Arthur Conan Doyle den Angriff Prof. Moriarties abwehrte und daher nicht an den Reichenbachfällen in den Tod stürzte.


Als einer der ersten Europäer erlernte der britische Ingenieur Edward William Barton-Wright während eines beruflichen Aufenthalts in Japan die Kunst des Jiu-Jitsu. Als er 1898 nach London zurückkehrte er schuf er dann sein "Selbstverteidigungssystem für Gentlemen".
Barton-Wright holte die ersten Jiu-Jitsuka als Lehrer an seiner Bartitsu-Akademie nach Europa. Sehr viel seines Marketings (Demo-Kämpfe) baute auf dem 'neuen' Jiu-Jitsu auf. Dazu kombinierte er Jiu-Jitsu mit Techniken aus den zu dieser Zeit bekannten europäischen Kampfkünsten bzw. -sportarten.

Neben dem Jiu-Jitsu bilden Savate (französischer Fuß-Faustkampf) und Scientific Boxing (zeitgenössisches Amateur - Boxen in Großbritannien und den USA) sowie das für Selbstverteidigung optimierte La Canne (franz. Spazierstockfechten) des Schweizers Piere Vigny die Hauptsäulen des Bartitsu.

"Sport-La-Canne"

Auch wenn Barton-Wright "Bartitsu" als Selbstverteidigungssystem bezeichnete, so handelt es sich dabei, nicht zuletzt aufgrund seiner Komplexität, aus heutiger Sicht doch eher um eine Kampfkunst. Vielleicht wäre hier tatsächlich der widersprüchliche Begriff der Selbstverteidigungs-Kampfkunst angemessen.

Die Umsetzung, die sich nicht nur der kanonischen Techniken bedient, wird von der Bartitsu-Society als Neo-Bartitsu bezeichnet, da nicht bewiesen werden kann, dass diese Techniken Teil des Lehrplanes an der ursprünglichen Bartitsu Academy in London waren.

Im Sparring werden Box- und Jiu-Jitsu-Techniken kombiniert und nach und nach um Tritte aus dem Savate und um Stockkampftechniken ergänzt, so dass schließlich alle Teildisziplinen miteinander kombiniert werden.

Jede dieser Disziplinen hat ihre eigene Kampfdistanz. Die Kombination aus Stockkampf, Tritten, Box-, Hebel-, Wurf- und Nervenpunkttechniken ist ein sehr effektives Selbstverteidigungssystem - egal in welcher Distanz man sich befindet.

Auch eine interessante Seite: Selbstverteidigung mit Schirm oder Spazierstock

Kleiner Film - Seminar mit Stefan Dieke bei "Fearless Fitness in Foster City (San Francisco)"

Ab September bietet die "Alte Kampfkunst" in Wuppertal mittwochs ein regelmäßiges Bartitsu-Training an! Wahrscheinlich handelt es sich dabei um das erste regelmäßige Training in dieser Kampfkunst, das jemals in Deutschland angeboten wurde!

Ein zweitägiges Seminar: "Bartitsu- Selbstverteidigung für Gentlemen" findet am 9. und 10. Oktober 2010 in dem Räumen der Alten Kampfkunst unter der Leitung von Stefan Dieke statt.

Stefan Dieke ist einer der ganz wenigen "Wissenden" in der Szene der alten Fechtkünste. Er beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit den Fechttechniken in der Lichtenauer-Tradition und mit dem Rapierfechten nach Meyer sowie einigen anderen Techniken und Schulen. Außerdem hat er als studierter Historiker Zugang zu den alten Texten und kann diese im Original lesen und in unsere heutige Sprache umsetzen. Stefan Dieke gehört zu jener kleinen Gemeinde Fechtlehrer von internationalem Rang die aktiv an der Kunst arbeiten und forschen. Sogar Stephen Hand zitiert Stefan Dieke, wenn er seine Hypothesen belegen möchte, was einem Ritterschlag gleich kommt. Ich habe bei Stefan viel gelernt und respektiere ihn sehr.

Alte Kampfkunst
Stefan Dieke
Paradestr. 57 a
42107 Wuppertal
Tel. 0202-5156680
Fax. 0202-5156678
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Montag, 16. August 2010

Manchmal ist es unerträglich.... "Schwert Werbung in den U.S.A."

Ich muss mal ganz dringen einen Blog-Beitrag los werden!

Mein Dank geht an Thorsten , den von mir hoch geschätzten "Tango-Papst", der mich auf diesen amerikanischen Werbespot der Firma "Cold Steel" aufmerksam gemacht hat.

Klar, ich befürworte und praktiziere "Tameshigiri" und "Back Yard Cutting", aber bei dem Werbespot ist mir doch erst mal die Spucke weg geblieben. Die Vernichtung von Lebensmitteln in diesem Ausmaß kann ich nicht unterstützen. Da hat irgendjemand nicht verstanden wie die Weltfunktioniert. Oder vielleicht doch und die Welt ist noch bescheuerter als ich immer dachte.

Aber was soll ich hier schwafeln, schaut Euch den Spot an und macht Euch selbst eine Meinung. Ich jedenfalls kann nur den Kopf schütteln.

Two Handed Great Sword

Sonntag, 15. August 2010

Suburi 素振り, Te no Uchi 手の内 & Schwertführung

Führe das Schwert in der Linken wie einen Regenschirm und greife es mit der Rechten wie ein Ei.

Wenn man schon Suburi macht, dann auch bitte mit der richtigen Technik. Um die richtigen Muskelgruppen zu trainieren nützt es wenig seinen Bokken (oder sein Iaito) wie eine Axt zu schwingen. Die linke Hand hält den Griff am hinteren Ende fest umschlossen und befördert das Bokken alleine über den Kopf. Die rechte Hand liegt dabei lediglich locker um das obere Ende des Griffes und bremst den Schlag vor dem "gedachten" Ziel ab. Dies auch, um das Gelenk der linken Hand zu entlasten. Die linke Hand schneidet und die rechte Hand führt. Dabei geht die Kraft allein von den kleinen Fingern der linken Hand aus. Das ist auch der Grund, warum jemand ohne kleine Finger nicht mehr vernünftig mit dem Schwert kämpfen kann.

Die linke Hand ist der Vorstellung nach die "kräftige Hand" und die rechte Hand ist die "Führungshand". Das bedeutet, dass man beim Schnitt am stärksten mit links zieht, während die rechte Hand dafür sorgt, dass das Schwert exakt geführt wird und nicht "flattert". Während des Schnittes wird die ganze Bewegung dadurch weiter stabilisiert, dass beide Hände eine Art "Wringbewegung ausführen. Diese Wringbewegung ist das sogenannte "Te no Uchi" (手の内) und wird bis zum Ende der Schnittbewegung ausgeführt.

Zu viel rechte Hand ist nicht Schneiden, sondern Holz hacken.
Beim Kendo sind die Partner die so trainieren sehr unbeliebt.

Suburi (素振り) sind sich wiederholende Bewegungs- bzw. Schnittübungen, die dazu dienen, die eigene Grundtechnik zu verbessern. Man kann ins Leere schneiden oder auf ein Ziel. Dies kann eine Stange, ein Makiwara, ein Baum oder eine Mülltonne sein. Ein Ziel ist sehr dienlich und meines Erachtens besser als der Schnitt ins Leere, der erst später wichtiger wird.
Es gibt ein altes Sprichwort das besagt, wenn man nicht mit einem richtigen Lehrer üben kann, 1000 Suburi jeden Tag dabei helfen ein guter Schwertkämpfer zu werden. Man sollte aber realistisch sein und die Übungseinheiten langsam steigern, da man sonst sehr schnell das Training abbrechen wird. Jedoch ist die Aussage "Jeden Tag" sehr ernst zu nehmen!

Wenn man nur für 100 Suburi pro Tag (und das dauert nur ca. 2 Minuten) Zeit hat, würde ich dazu raten, dass diese 100 Suburi nur mit der linken Hand ausgeführt werden. Die meisten Iaidoka und Kendoka haben in den ersten drei Jahren eine grundlegende Schwäche in der linken Hand. In den ersten 5 - 10 Jahren des Trainings sollte man niemals nur mit der rechten Hand Suburi trainieren! Linkshänder bilden hier eine Ausnahme, solange sie auch wirklich alles mit der linken Hand machen.


Man sollte beim Suburi auch ein wachsames Auge auf den Rückschwung haben. Ein Spiegel ist dabei sehr hilfreich. Trainiert man draußen, ist der eigene Schatten ein guter Indikator. Der Bokken sollte beim Rückschwung immer auf der selben Höhe stoppen. Suburi ist für Aufbau und die Formung der Muskeln des linken Armes und der Hand unabdingbar.

Man kann sich auch Übertrainieren, jedoch sind die meisten Menschen davon weit entfernt, dass man sich keine Sorgen zu machen braucht. Kendoka die sich auf die "All Japan Championships" vorbereiten machen jeden Tag regelmäßig 2000 - 3000 Suburi, zusätzlich zu ihrem regulären Dojo-Training. Wenn man eine vernünftige Anzahl, sagen wir zwischen 300 und 800 jeden Tag ausführen, dann besteht wenig Gefahr sich zu verletzen. Auch ist es hilfreich das Gewicht des Bokken oder Shinai oder Iaito beim Training zu variieren. Ich selbst übe (fast) täglich mit einem 2,5 kg Suburito (素振り刀).

Suburi ist eine einfache, sich wiederholende Bewegung!

Samstag, 14. August 2010

Kobudo Doku von NHK auf "Life for a Sword" - SAMURAI SPIRIT KOBUDO 古武道

Der bemerkensert gute Blog "Life for a Sword" hat die Links zu den neuen YouTube Videos der Dokumentation des japanischen TV-Senders NHK "SAMURAI SPIRIT KOBUDO 古武道" veröffentlicht.

Dieses Mal stehen die alten Kriegskünste  Japans "Kobudo" im Vordergrund.


Es ist eigentlich fast eine pure Doku über Suio ryu Iai Kempo, angereichert mit ein wenig Kashima Shinto ryu und einen Beitrag über Kono-sensei. Und das Schlußwort finde ich auch sehr passend.


Zum Blog: "Life for a Sword"



Wir sehen hier auch unseren alten "Freund"xx aus meinem Blog Beitag: "Budo Dokumentation aus Japan" wieder, der sich leider fälschlicherweise als "The Blue Eyed Samurai" bezrichnet.

Zu den Filmen auf YouTube:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6


Wirklich sehr sehenswert!

Sonntag, 8. August 2010

Außergewöhnliche Schnitte

Dieser kleine Film zeigt einen "jungen" Japaner, der mit seinem scharfen Katana sehr außergewöhnliche Dinge vollbringt!
Bei dieser Vorführung wird schnell deutlich, wo der Unterschied zwischen "rhythmischer Sportgymnastik" wie sie von vielen Iaidoka betrieben wird und wirklichem Schneiden liegt.
Nichts gegen Kata- und Kumitachi-Training, aber hier wird wirkliche Kunstfertigkeit mit der Klinge gezeigt. Besonders die letzte Sequenz erinnert an die legendäre Szene aus "Kill Bill I", in der "Hatori Hanzo" den Baseball wirft.


Mein Dank für den wunderbaren Link geht an "my amigo Pedro Julio".

Freitag, 6. August 2010

Phänomenal schöne Kenjutsu & Iaijutsu Bilder

Einer meiner Lieblings-Blogs: Koredō – 是道 hat einen Artikel über die "Kyoto Taikai 2010: Kenjutsu & Iaijutsu" veröffentlicht.



Artikel

Die Bilder sind von einer eigenen, faszinierenden Ästhetik.

Bilder oder hier: Bilder (alternativ)



Ich hoffe Ihr habt an den Bildern so viel Freude wie ich!

Montag, 2. August 2010

Ukenagashi 受流 Varianten, auch aus Europa

Wer kennt sie nicht, die wohl am meisten polarisierende der zwölf ZNKR-Kata: "Ukenagashi zu Ukenagashi 受流 (empfangen und (ab)fließen lassen / den Gegner abgleiten lassen)", man liebt sie oder man hasst sie.

Grundlegend funktioniert Ukenagashi so: Man sitzt im Seiza und wird plötzlich von links angegriffen. Man erhebt sich, zieht gleichzeitig (hört sich einfach an, ist es aber nicht!) und führt eine Abwehr in "Sen no Sen" (Angriff in exakt dem gleichen Moment der gegnerischen Aktion) mit dem Schwertrücken durch. Man wehrt überkopf einen senkrechten Schnitt ab, mit dem man angegriffen wird. Der Schnitt gleitet seitlich ab. Währenddessen dreht man sich seitlich aus der Angriffslinie heraus. Mit einem schnell folgenden beidhändigen Diagonalschnitt wird der Angreifer getötet.

Die verschiedenen japanischen Ukenagashi Varianten unterscheiden in der Stellung aus der sie ausgeführt werden. Es gibt Ukenagashi wie im ZNKR aus der sitzenden Position Seiza. In der dritten und höchsten Stufe des Musō Shinden Ryū "Okuden – 奥伝" (18. Kata) aus der stehenden Position Tachi Waza. Im Tachi Uchi no Kurai (3. Kata) ebenfalls aus der stehenden Position Tachi Waza.

Egal aus welcher Position wir beginnen, betrachten wir Ukenagashi ab dem Moment wo der angegriffene steht und den Schlag abwehrt.
Im "Zen Nihon Kendo Renmei Iai, Kommentar", Zweite Fassung im Jahre 1988, Dritte Fassung im Jahr 2000 (mit den Ergänzungen und Änderungen vom 26. Juli 2006) wird Ukenagashi wie folgt beschrieben:

Während man die Hüfte aufrichtet, den linken Fuß an die Innenseite des rechten Knies so aufsetzen, das die Fußspitze etwas zur Außenseite gedreht ist, das Katana nahe an der Brust vorbei Richtung vorn oberhalb des Kopfes. Gleichzeitig mit diesem Ziehen des Katana nach oben (nukiageru), aufstehen, den rechten Fuß an die Innenseite des linken Fußes setzen und so die gegnerische Klinge an die eigene Klinge abgleiten lassen.


Ist das Katana vorbeigeglitten, muss man die Schwertspitze mit vollem Schwung nach rechts oben drehen. Wenn man sich zum Gegner wendet, die linke Hand an den Griff legen und ohne das Katana zu stoppen den linken Fuß vom rechten Fuß (weg) nach hinten ziehen und gleichzeitig vom linken Schulteransatz an durch (das Kesa abwärtsführend schneiden).
Wenn man durch das Kesa abwärtsführend geschnitten hat, stoppt die linke Faust vor dem Bauchnabel. Die Schwertspitze ist im Verhältnis zur Waagerechten etwas tiefer und ein wenig links.
Beinarbeit im ZNKR Ukenagashi
Bild aus: "Sei Do Kai Iaido Manuals", Vol. III, 1994

Diese Art das Schwert zu ziehen wird als "Go Ha Nuki" bezeichnet. Ziehen als on man einen Daikon Rettich aus der Erde zieht.

Bild aus: "Sei Do Kai Iaido Manuals", Vol. III, 1994

Der verstorbene Sensei Sagawa Hakuo, 9. Dan Iaido Hanshi, 8. Dan Kendo Kyoshi
zeigt die ZNKR-Variante von Ukenagashi. Kata mit Partner.

Shigeyoshi Yamatsuta schreibt in seinem Buch Iaido Hongi (居合道本義). über die Okuden Variante von Ukenagashi:

Dein Feind nähert sich direkt von vorne und will Dich schneiden. Ziehe Dein Schwert diagonal nach rechts oben, während Du Deinen linken Fuß nach rechts drehst. Geh mit dem rechten Fuß nach vorne. Pariere das gegnerische Schwert.
Drehe Deinen linken Fuß, so dass er mit den Zehen zum Gegner zeigt. Lege die linke Hand an die Tsuka. Der linke und der rechte Fuß werden parallel gestellt und Du schneidest durch die Schulter des Gegners.
Je nach den Gegebenheiten kann es angebracht sein den Gegner in den Hals zu schneiden. In den klassischen Texten wird der Schnitt durch die Hüfte geführt.
Diese Form folgt dem gleichen Zweck wie Ryuto 流刀 (fließendes Schwert) in der Shoden 初伝 Form, jedoch unterscheidet sich die Standform dadurch, dass der Gegner direkt von vorne angreift.
Bild aus: "Sei Do Kai Iaido Manuals", Vol. V, 1994

Bild aus: "Sei Do Kai Iaido Manuals", Vol. V, 1994

Der verstorbene Sensei Sagawa Hakuo, 9. Dan Iaido Hanshi, 8. Dan Kendo Kyoshi
zeigt die Okuden-Variante von Ukenagashi. Solo-Kata


Der verstorbene Sensei Sagawa Hakuo, 9. Dan Iaido Hanshi, 8. Dan Kendo Kyoshi
zeigt die Okuden-Variante von Ukenagashi. Kata mit Partner.

Auf den DVDs "Langes Schwert Teil 1 nach Johannes Liechtenauer" und "Langes Messer Teil 1 nach Johannes Lecküchner" finden sich einige interessante Langschwerttechniken (auch mit dem "Langen Messer", dem "Dussack" und dem "Falchion" auszuführen), die Varianten zu Ukenagashi aus den ZNKR-Kata aufzeigen.

Es werden die Techniken "Verhängen" bzw. "Bogen" gezeigt.
Die Technik "Verhängen" stammt aus dem Fechtbuch von Joachim Meyer (1570).



Jedoch wurde diese Technik bereits hundert Jahre zuvor unter dem Namen "Bogen" in der Abhandlung von Johannes Lecküchner (auch Lebküchner; † 31. Dezember 1482) über das Messerfechten (zwei Werke von ca. 1478 und 1482) gelehrt.


Es ist also anzunehmen, dass diese für "Langes Messer", "Dussack" und "Falchion" gelehrten Techniken auch für das "Lange Schwert" angewendet wurden. Der große Unterschied zu den japanischen Varianten ist zum Teil die Benutzung der Parierstange der europäischen Schwerter die einige interessante Bindungsvarianten zulässt.

Einige europäische Beispiele:




Quellen:


Kim Taylor: "Sei Do Kai Iaido Manuals".
"Kim's Big Book of Iaido", Iaido Manuals, Vol.: I - V

Bestellen

Joachim Meyer: Gründtliche Beschreibung der freyen ritterlichen und Adelichen Kunst, Fechtbuch aus dem Jahr 1570
Universitätsbibliothek Lund, Gym, Meyer [msc. A.4:0 2].
Online Version


Johannes Lecküchner
Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod.Pal.Germ.430, (Entwurf der BSB Cgm 582), H 24. (zwei Werke von ca. 1478 und 1482).
Online Version 1
Online Version 2


Zen Nihon Kendo Renmei Iai, Kommentar, Zweite Fassung im Jahre 1988, Dritte Fassung im Jahr 2000.
Der ZNKR-Kommentar kann für 6,50 € zzgl. Versandkosten bei Titiaan Stuurmann per Mail (siehe Webseite des DIaiB) bestellt werden.
Dazu die im Download auf der DIaiB-Web-Seite erhältlichen Ergänzung zum ZNKR-Kommentar (Änderung vom 26. Juli 2006)


Yamatsuta Shigeyoshi (2005) (in Japanese with English translation).
Iaido Hongi (居合道本義). Tokyo: Airyudo (愛隆堂). ISBN 4-7502-0272-X.


DVD "Langes Messer Teil 1 nach Johannes Lecküchner"
Kampf mit dem Langen Messer bzw. dem einhändigen Schwert
Laufzeit ca. 150 Min.
EUR 29,90


DVD " Langes Schwert Teil 2 nach Johannes Liechtenauer und anderen Meistern"
Laufzeit ca. 85 Min.
EUR 19,90


Die DVDs sind Erhältlich bei:
dembach mediaworks
Adolf-Dembach-Str. 16
D-47829 Krefeld
Fon +49 (21 51) 76 37 0-30
Fax +49 (21 51) 76 37 0-40
kontakt@agilitas.tv
http://www.agilitas.tv