Sonntag, 31. Oktober 2010

Aktueller Nachtrag zu: Mich packt das blanke Grauen!

An diesem Wochenende wurde der Bundeslehrgang III des DIaiB in Bad Homburg abgehalten. Dort stellte sich die Frage der DIaiB das "deutsche Iai" oder das "Soejima-Sensei Iai" verbreitet erneut.

Beim Bundeslehrgang III wurde unter anderem auch Koryu geübt. Ansage der Kata und alle sollen machen. Kein durchsprechen, kein Zeigen der Kata durch den Übungsleiter (Name der Redaktion bekannt), einfach nur machen. Nun sind da aber auch mehrere Schüler von unterschiedlichen Lehrern anwesend. Die machen dann natürlich die Form so wie sie diese von ihrem Lehrer her kennen. Einer dieser Schüler (Name der Redaktion bekannt) hat aber dann vor versammelter Mannschaft vom Übungsleiter (ein Mensch mit deutlich entwicklungsfähiger Sozialkompetenz) sehr deutlich gesagt bekommen, dass Soejima Sensei diese Form so nicht zeigt, das würde dann nicht hier her gehören. Das sei von einem ANDEREN Lehrer.

OK, wenn der Übungsleiter die Form vorher gezeigt hätte mit dem Hinweis das so zu üben, in Ordnung. Aber er kann doch nicht erwarten, das jeder automatisch die Formen von Soejima-Sensei zeigt wenn man auf einen Bundeslehrgang fährt! Der deutsche Iaido Bund ist nicht das Sprachrohr für Soejima-Sensei!
Einige Teilnehmer waren daraufhin richtig sauer und werden ob solchen Verhaltens nicht mehr zu einer solchen Veranstaltung fahren. Aber ist das der Sinn der Sache ?? Steht dem Übungsleiter so etwas zu? Immerhin ist dieser Übungsleiter auch Mitglied im Komitee des DIaiB. Es war ja kein Vereinslehrgang des Übungsleiter sondern ein BUNDESLEHRGANG des DIaiB !!! Ein unmögliches Verhalten!!!!


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Mich packt das blanke Grauen! "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi"

Da fragt man sich, wie sich das Deutsche Iaido entwickeln soll, wenn interessante Punkte und Neuerungen nicht öffentlich einem breiten Publikum kund getan werden. Da findet im Jahre 2010 ein Lehrgang in Villingen statt, es wird anscheinen auch auf "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi" (Häh, was ist denn das??) eingegangen und es existiert scheinbar keine einzige deutschsprachige Seite im Internet die dieses Thema behandelt. Ganz zu schweigen von irgendwelchen Mitteilungen des Verbandes oder einem Artikel im Iaido Journal des DIaiB. Gut, das Seminar wird erwähnt, aber der Bericht ist so tiefgreifend wie ein Artikel im "Goldenen Blatt". Zumal diese "Neuerung" schon seit einigen Jahren bekannt sein sollte.

Ein Iaidoka aus England schreibt einen sehr interessanten und lesenswerten Artikel über das Seminar und über "Hikinuki und Ukenagashi ni Kaburi":
Villingen Seminar 2010 - The Hikinuki Armistice

Diese Seite wird von Andy Watson betrieben, der einigen sicherlich bekannt ist. Klar, auch hier ist es wieder einer der Schüler von Ishido Shizufumi, 8. Dan Hanshi, der uns zeigen muss, wie Engagement aussieht.

Andy Watson ist der Iaidoka der in Villingen Michael Moritz, den Präsidenten des DIaiB 2:1 besiegte. Dieses Ereignis wurde im Iaido Journal wie folgt kommentiert:
"Bemerkenswert war, dass unser Präsident Michael Moritz im Finale der godan dem Engländer Andy Watson nur knapp 2:1 unterlag."
Quelle: "Das Iaido Journal des Deutschen Iaido Bundes", Ausgabe 18, Oktober 2010

In dem oben genannten Artikel in seinem Blog bezieht Andy Watson auf einen älteren, ebenfalls sehr lesenswerten Beitrag auf der Seite der "British Kendo Association"

Jedem, der Englisch lesen kann seien diese Beiträge, ja der ganze Blog von Andy Watson, wärmstens ans Herz gelegt!!! Die Seite des DIaiB ist meiner Meinung nach eher "inhaltsleer" was Neuerungen und Informationen zur Technik des Iaido anbelangt. Lebendig ist anders!

Da frage ich mich, wann wird der Deutsche Iaido Bund (DIaiB) seinem in seiner Satzung erklärten Ziel gerecht?
§ 2 Zweck
(2) Der DIaiB verfolgt den Zweck, Landesverbände der Bundesrepublik Deutschland, die die japanische Schwertkampfkunst „Iaido“ fördern und/oder betreiben, und Iaido als Körper und Geisteskultur zu pflegen und zu fördern.
(3) Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind die Vermittlung von Iaido-Unterricht, die Durchführung eines geordneten Sportbetriebes unter den Mitgliedern und mit befreundeten und übergeordneten Verbänden, die Organisation von Lehrgängen und Prüfungen, die Durchführung von Wettkämpfen sowie die Verbreitung des Bekanntheitsgrades von Iaido durch Öffentlichkeitsarbeit.
Zitat aus: "Satzung des Deutscher Iaido Bund e.V."
Fragt sich, ob dies so interpretiert wird, dass die "wirkliche Arbeit" bei den Landesverbänden verbleibt oder ob dies die Aufgabe des DIaiB ist. Einige Landesverbände existieren auch eher als "Schatten in der Ferne". Wenn ich mir anschaue, wie viele der in meinem Blog genannten Themen im internationalen Iaido besprochen und diskutiert werden, aber in Deutschland teilweise überhaupt nicht gelehrt oder diskutiert werden, überkommt mich das blanke Entsetzen.
Kein Wunder, dass Deutschland im europäischen Iaido nicht mehr auf den vorderen Rängen mitspielt und immer weite rnach hinten rutscht. Einige wenige, aber sehr talentierte und ambitionierte Iaidoka seien hier explizit ausgenommen!

Liebe Iaidoka und Iaido Interessierte, Ihr seid das Deutsche Iaido! Nur wenn Ihr Druck auf Eure Übungsleiter, Eure Landesverbände und diese dann auf den DIaiB ausüben, wird sich auch etwas zum Besseren ändern. Dies bedarf Eurer Mitarbeit! Entweder Ihr konsumiert nur, ohne zu hinterfragen oder Ihr bringt Euch ein! Das hat in Deutschland schon einmal geklappt!

Der DIaiB sollte kein Verband "zur Förderung des Muso Shinden Ryu nach der Art von Sensei Soejima Manabu, 8. Dan Iaido Kyoshi" sein, sondern ein Verband zur Förderung des Iaido und zwar aller Richtungen, Schulen und Strömungen. Dazu gehört auch die Bekanntgabe und Verteilung von Neuerungen.
Die Neuerungen in der Kata Ushenagasi, die Drehung zum Gegner betreffend, wurden noch nicht einmal auf dem letzten Übungsleiterlehrgang gelehrt. Begründung: "Soejima Sensei hält diese Änderung nicht für wichtig!" Cool!

Ich befürchte fast, dass es im Moment nur noch das Ziel gibt, den DIaiB und somit das "offizielle deutsche Iaido" mit den "Deutschen Judo Bund" und so mit dem "Deutschen Olympischen Sportbund" zu verknüpfen. (Siehe: "Das Iaido Journal des Deutschen Iaido Bundes", Ausgabe 18, Oktober 2010) Die Kendoka kennen diese Diskussion, siehe: "Kendo vs. Kumdo 剣道" und "Korea - The Black Ships of Kendo - The Internationalisation of Kendo and the Olympic Problem"; Alexander Bennett, International Research Centre for Japanese Studies. Hatten wir alles schon mal!

Da wundert es nicht, dass die Vertreter einiger namhafter Stilrichtungen wie "Katori Shinto Ryu" und "Mugai Ryu", um nur einige zu nennen, garkein Interesse daran haben sich mit dem DIaiB zusammen zu tun.

Rainald Grebe bringt es auf den Punkt!


Also liebe Iaidoka, beginnt doch einfach mal damit, dass Ihr Eure Übungsleiter fragt, wann sie das letzte Mal als Schüler an einem Lehrgang teilgenommen haben. Dann fragt weiter, wann sie das letzte Mal in Japan waren um sich dort ausbilden zu lassen!

Fragt nach Neuerungen und Änderungen auf internationaler Ebene.

Ihr werdet sehen, die meisten der Antworten sind wie die unserer Politiker in den gängigen Talk Shows!

Auch Eure Übungsleiter sind Schüler, keine Funktionäre!

Einen guten Anfang gab es schon mal mit dem Sommerlehrgang in Berlin, der von Nori Furuichi Sensei, Iaido 8. Dan Kyoshi, Kendo 7. Dan Kyoshi abgehalten wurde. In Europa unterrichtet Nori Furuichi Sensei seit 1990 regelmäßig Iaido, vor allem mit vielen Lehrgängen in Italien und Belgien. Nun auch, seit der Gründung des „Shoushikai Berlin e.V.“ auch in Deutschland. Dieser Lehrgang wurde im August Abgehalten und führte endlich mal wieder einen anderen japanischen Meister nach Deutschland, der uns eine weitere, lebendige Facette des Iaido zeigen konnte. Der Shoushikai Berlin e.V. hat dem Deutschen Iaido damit einen großen Dienst erwiesen!

Wer sehen möchte, wie Nori Furuichi Sensei in Aktion aussieht:



Nächster Lehrgang mit einem "europäischen" Sensei: Oshugatsu Iaido Seminar mit René van Amersfoort in Düsseldorf

Die Hoffnung stirbt zuletzt!


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Samstag, 30. Oktober 2010

Tales of Old Japan

Dank meines alten Freundes und Trainingspartners "Fundoshi" wurde meine Aufmerksamkeit auf ein sehr faszinierendes Buch gelenkz. Tales of Old Japan, ein wahrer Schatz an Informationen und Wissen. Leider nur in Englischer Sprache erhältlich, aber das Lesen wert!

Tales of Old Japan ist eine, von Algernon Bertram Freeman-Mitford, Lord Redesdale, zusammengestellte Anthologie von Kurzgeschichten, die unter seinem Pseudonym AB Mitford veröffentlicht wurden. Diese Geschichten befassen sich mit den unterschiedlichen Aspekten des japanischen Lebens in den vergangenen Jahrhunderten. Das im Jahre 1871 geschrieben Buch ist immer noch eine hervorragende Einführung in die japanische Literatur und Kultur, die nicht zuletzt durch seine einfache Schreibweise und die vielen ergänzenden Hinweise des Autors. Weiterhin enthält das Buch Augenzeugenberichte des Autors von einigen ausgewählten japanischen Ritualen, angefangen beim Harakiri, über die Heirat bis zu Auswahl von Predigten. Dieses Buch hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die westliche Wahrnehmung der japanischen Geschichte, Kultur und Gesellschaft, vor allem wegen seines Berichts über eine weithin bekannte Geschichte über die Rache der 47 Samurai.

Algernon Bertram Mitford 1865 von Samuel Lawrence

Das Buch ist heute nur noch sehr selten antiquarisch erhältlich. Jedoch stellt das "Gutenberg Projekt" eine Online Ausgabe zur Verfügung.

Zwei der 47 Ronin
Quellen:
"Tales of Old Japan"
Online Ausgabe in HTML


Das Buch ist auch auf Deutsch erschienen, ein ordentliches, gebundenes Buch zu einem akzeptablen Preis. Jedoch ist die englische "originalausgabe" Ausgabe zu bevorzugen!

Deutsch:
Das alte Japan, Sagen, Mythen, Märchen, Bräuche
Algernon Bertram Mitford
Gebundene Ausgabe, 558 Seiten
Verlag: Anaconda
ISBN-10: 3866471432
ISBN-13: 978-3866471436

Englisch:
Tales of Old Japan: Folklore, Fairy Tales, Ghost Stories and Legends of the Samurai
A. B. Mitford
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Dover Pubn Inc.
ISBN-10: 0486440621
ISBN-13: 978-0486440620


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Freitag, 29. Oktober 2010

Jodo Seminar information - Vorankündigung

Das Kodokan Dojo Saarbrücken hält ein Jodo Seminar mit Louis Vitalis 7. Dan (Renshi) ab. Louis Vitalis ist ein sehr guter Lehrer, die Teilnahme wird wärmstens empfohlen!!



Samstag 26. März 2011 – 13:00 bis 17:00 h
Sonntag 27. März 2011 – 09:00 to 13:00 hrs
Teilnahmegebühr: € 30,00

Das Seminar findet statt in der Sporthalle des:

Ludwigs Gymnasium
Stengelstrasse 31
66117 Saarbrücke

Kontakt und Anmeldung:
Oldrich Becker
Torschlag 1
66740 Saarlouis-Fraulautern
Tel. +496831-5015127
fax. +496831-51015129
Email
Web-Page



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Donnerstag, 28. Oktober 2010

150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan

Japan und das damalige Preußen unterzeichneten am 24. Januar 1861 in Edo, dem jetztigem Tokyo, einen Freundschafts- und Handelsvertrag. Damit nahm der offizielle Austausch zwischen Japan und Deutschland seinen Anfang. Einige Jahre später wurde ein ähnlicher Vertrag mit den Mitgliedsstaaten des Norddeutschen Bundes abgeschlossen, der schließlich zu Beziehungen mit ganz Deutschland führte.

Einige interessante Hintergründe fimdem sich unter anderem auf diesen Seitem:

Deutsch-Japanische Beziehungen

Japanisch-Deutsche Gesellschaft

Homepage de JDG



Weitere Infos auf der Homepage zu "150 Jahre Freundschaft"

Auf oben genannter Seite finden sich auf ein Veranstaltungskalender zu Veranstaltungen in Japan und Deutschland die im Rahmen dieses Jubiläums abgehalten werden.


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Samstag, 23. Oktober 2010

Nordrhein-Westfälische Kyudo-Meisterschaften 2010

Am 28.11.2010 finden in Erkrath die Nordrhein-Westfälische Kyudo-Meisterschaften 2010 statt.

Schützen sind herzlich willkommen!

Informationen und Kontakt: Kyudo-Neandertal

Anmelden über Facebook 





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Freitag, 22. Oktober 2010

Munewari 胸わり im Iaido

Der Begriff Munewari 胸わり dürfte den meisten Kyudoka bekannt sein. Er beschreibt das "Öffnen der Brust" (Munewari) im Hanare (Lösen des Pfeils). Dr. Johannes Haubner hat dazu ein sehr interessantes PDF erstellt, das in zwei Versionen im Netz herumschwirrt:
Munewari1
Munewari2

Der Begriff Munewari sollte nicht mit dem ebenfalls im Kyudo, speziell in der Heki Ryu Insai Ha verwendeten Begriff "Tai no Warikomi" (たい のわりこみ) - den Brustkorb öffnen/teilen - verwechselt werden. Das Tai no Warikomi ist eine Körperverschiebung nach vorne, wobei im Abschuss (Hanare) die Mitte des Oberkörpers schnell und scharf nach vorne bewegt wird und die beiden Hände nach hinten springen. Dies erzeugt eine stärkere Abschußkraft im Hanare.


Ein altes Video zum Tai no Warikomi findet sich hier: Link
Das Video zeigt einen Schützen am SSanjusangendo in Kyoto

Was hat das nun mit Iaido zu tun?

Im Iaido kommt jede Bewegung aus dem Hara/Unterbauch, dem 'Gravitationszentrum' des menschlichen Körpers, etwa drei Finger unter dem Bauchnabel. Bei jeder Bewegung sollte das Hara nach vorne und leicht nach unten gedrückt werden, während man die Brust öffnet (Munewari).
Siehe dazu auch: "Die physikalischen und physiologischen Grundlagen des Schwertkampfes". Viele Iaidoka öffnen nicht die Brust und schieben die Schulterblätter nicht zueinander. Vielmehr sieht man häufig ein nach vorne Schieben der rechten Schulter. Jedoch ist der Schnitt kraftvoller, wenn die Brust geöffnet wird und die Schulterlinie gerade und parallel zum Becken bleibt.

Im Kyudo sind die "drei Kreuze" (Sanjujumonji) in der zweiten Stufe der Grundform (Dozokuri - Hassetsu) besonders zu beachten.

"Die drei Kreuze" (Sanjujumonji)

1. Kreuz: Boden und vertikale Körpermitte
2. Kreuz: Becken und vertikale Körpermitte
3. Kreuz: Schultern und vertikale Körpermitte

Alle horizontalen Linien stehen im rechten Winkel zu den vertikalen Linien.
Dies gilt auch beim Iaido, wobei hier auch die "Draufsicht" auf den Iaidoka Beachtung finden sollte. Es sollte also keine Schulter nach vorne geschoben werden.

Im Iaido sehen die Kreuze dann so aus:

Im Stehen ergibt sich das vom Kyudo bekannte Bild auch im Iaido.


Im Knien (Seiza) ist ebenfalls auf die Kreuze, aber in einer anderen Räumlichkeit, zu achten.

Die Kreuze werden "immer" eingehalten, die Harmonie und Symmetrie werden nicht unterbrochen, das wäre ineffektive Technik! Unglücklicherweise sieht man dergleichen auch bei "älteren" und "erfahrenen" Übungsleitern von Zeit zu Zeit.

Bei der Ausführung der Kata sind folgende Punkte zu beachten:
  • Alle Bewegungen kommen aus dem Hara, alle Bewegungen und Schnitte sollten von dort kommen.
  • Drücke das Hara nach vorne und die Brust und den Rücken gerade und leicht nach hinten geneigt.
  • Bewege Dich langsam.
  • Setze nur wenig Kraft ein.
  • Machen große Bewegungen.
  • Alle Bewegungen sollen natürlich und fließend ausgeführt werden.
  • Am Ende des Schnittes, muss das Schwert leicht und natürlich zum eigenen Körper hin gezogen werden.
  • Kata lassen sich leichter schnell als langsam ausführen. Daher sollten sie immer langsam und korrekt ausgeführt werden.
  • Kan ken no metsuke (unfokusierter Blick, "in die Ferne blicken"): Man muss alles im Blick haben und nicht nur auf den Gegner fixiert sein.
  • Jede Aktion im Iaido sollte sich so anfühlen als würde man schneiden.
  • Achte darauf langsam zu gehen und mache große, kreisförmige Bewegungen.
  • Alle Bewegungen mit dem Schwert werden im "Jo Ha Kyu" http://japancutters.blogspot.com/2010/10/jo-ha-kyu.html ausgeführt.
  • Beginne jede Kata sehr langsam. Steigere Dich allmählich und beginne "Jo Ha Kyu" einzusetzen, aber ohne zu viel Kraft und ohne die Geschwindigkeit zu erhöhen.
  • Geh langsam und bewege Dich kontinuierlich, ohne zu verweilen.
  • Führe immer die ganze Kata aus, nicht nur Teile.
  • Bleibe beweglich und geschmeidig.
  • Übe mit einem sehr leichten Bokken, bis Du Deine Bewegungen und Kata sehr sauber ausführst. Dann erst wechsle zu einem Iaito und später zu einem Shinken.
  • Wechsle immer wieder zum Bokken, übe nicht nur mit dem Iaito.
P.S.
Man sollte das Munewari des Kyudo nicht mit dem in der japanischen Tätowierkunst, dem Irezume, der Yakuza verwendeten Begriff "Munewari" verwechseln.
Yakuza verwenden gerne großflächige Tätowierungen als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Yakuza-Clan. Die Tätowierungen bedecken oft fast den ganzen Körper. Es galt als ein Zeichen von Stärke sich tätowieren zu lassen, da so eine solche Prozedur bis zu 100 Stunden dauern kann. Man unterscheidet bestimmte Techniken und Stile:
  • Munewari - Tätowierung vom Nacken zum Knöchel und geteilt auf der Brust.
  • Donburi - Tätowierung vom Nacken zu den Knöcheln, jedoch nicht in der Brust unterbrochen.
  • Gaku - Tätowierung an den Armen, Rücken und an den Beinen
  • Nuki - Tätowierung nur auf dem Rücken
  • Kaina - Tätowierung von den Schultern zur Brust

Munewari - Tätowierung

Oder hier: "Munewari Blog"
und hier auch: "Japan-Blog"

Solche Tätowierungen haben dann aber auch Folgen:


Schild vor einem japanischen Sentō (Badehaus),
das tätowierten Menschen (Yakuza) den Zutritt verwehrt.
Das gilt dann auch für tätowierte Ausländer.

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Sonntag, 17. Oktober 2010

Nachtrag zu: Ausstellung: Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China

Da das Museum Ludwig zu der zugegebenermaßen recht kleinen Sonderausstellung "Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China" keinen Katalog herausgegeben hat, sei hier auf eine sehr interessante und sehenswerte Seite verwiesen:


"Old Photos of Japan". Die Seite zeigt Fotos von Japan zwischen den 1860er und 1930er Jahre. Im Jahre 1854 öffnete Japan nach 200 Jahren zum ersten Mal seine Türen für die Außenwelt. Dies brachte eine wirklich erstaunliche Verwandlung in Gang. Wie das Schicksal es wollte, war gerade die Fotografie erfunden worden. Wie das alte Japan verschwand und ein neues geboren wurde, wurde durch Fotographien dokumentiert.

Diese Seite ist ein Fenster in die japanische Vergangenheit! Die Texte der Seite sind in Niederländisch, Englisch und Japanisch wählbar. Die Bilderrechte können auch erworben werden.

Link: Old Photos of Japan

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Freitag, 15. Oktober 2010

Yukio Mishima 三島 由紀夫

Eine der umstrittensten Persönlichkeiten der japanischen Literatur, Politik und des Budo war Yukio Mishima (三島 由紀夫), * 14. Januar 1925 in Tokio als Hiraoka Kimitake (平岡 公威); † 25. November 1970 ebenda.



Yukio Mishima war ein großer Freund des Kenjutsu, speziell der harten Kampftechniken.



Auf YouTube findet sich eines der seltenen Filmdokumente (9 Minuten 10 Sekunden) in dem Yukio Mishima ein Interview auf Englisch gibt.



Ein weiteres Interview mit Yukio Mishima aus dem Jahr 1969, ebenfalls in Englisch.



Ein anderes Filmdokument in Japanisch mit Englischen Untertiteln. Hier bekommt man durch seine "wirkliche" Sprache einen interessanten Eindruck seiner Persönlichkeit.


Yukio Mishima polarisierte schon damals und tut es mit seinen Aussagen auch heute noch.
Yukio Mishima ist in Japan sehr bekannten und wird fast kultisch verehrt. Er galt als Protagonist eines „schönen, sexy“ Faschismus. 1970 scheiterte er mit einem Putschversuch „zur Verteidigung des Kaisers“, mit dem er das Rad der Zeit und die Entwicklung Japans auf die Verhältnisse vor 1945 zurück drehen wollte. Assistiert von seinem Liebhaber war Mishima, der bekennend homosexuell war, im Jahr 1970 der letzte überlieferte Japaner der "öffentlich" Selbstmord durch Seppuku beging. Auch wenn dieser Selbstmord ein eher tragisches Ende nahm.

Unter ZEIT Online findet sich ein interessanter Artikel: "Sterben ist Kultur - Porträt des japanischen Exzentrikers, Selbstmörders und Dichters Yukio Mishima"

Mein Lieblingswerk von ihm ist "Tod im Hochsommer", in dem er sehr exakt den gemeinsamen Selbstmord eines jungen Soldaten und seiner Frau beschreibt. Die Geschichte erschien 1965 unter dem Titel "Patriotism" (Originaltitel: Yûkoku) als 30 Minütiger Kurzfilm, unter der Regie von Yukio Mishima. Eine Beschreibung findet sich auf Japankino.


Tod im Hochsommer - Erzählungen
Yukio Mishima
Gebundene Ausgabe: 301 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH (Dezember 1984)
ISBN-10: 3498092804
ISBN-13: 978-3498092801
Gebraucht bei Amazon


Das Leben von Yukio Mishima wurde im Jahr 1985 von Paul Schrader, dem Regisseur von "American Gigolo" unter dem Titel "MISHIMA - EIN LEBEN IN VIER KAPITELN" verfilmt.

Szene aus dem Film: Mishima - Ein Leben in vier Kapiteln


Mishima - Ein Leben in vier Kapiteln
USA/J
Originaltitel: Mishima
Regie: Paul Schrader
Länge: 115 Min. FSK: 16
Ken Ogata - Yukio Mishima
Kenji Sawada - Osamu
Yasosuke Bando - Mizoguchi
Toshiyuki Nagashima - Isao
Masayuki Shionoya - Morita

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Donnerstag, 14. Oktober 2010

Ausstellung: Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China

Meisterwerke aus der Fotografischen Sammlung. Die neue Galerie für die Fotografie
In Köln im Museum Ludwig (das ist das neben dem Hauptbahnhof) findet seit Juni eine Fotoausstellung mit historischen Aufnahmen aus China und Japan vom Ende des 19. Jahrhunderts statt. Darunter sind nicht nur Bilder europäischer Reisender, sondern auch solche von japanischen Fotografen, die versucht haben, die durch den westlichen Einfluss langsam verschwindende traditionelle japanische Kultur wenigstens im Bild zu dokumentieren.
In der Ausstellung werden Fotografien der europäischen Pioniere Felice Beato und John Thomson sowie der frühen japanischen Fotografen Hikoma Ueno und Kimbei Kusakabe gezeigt, neben den kostbar aufgemachten Reisealben, in denen die Fotografien für den Verkauf präsentiert wurden.
In der gemeinsamen Ausstellung von Fotografien aus Japan und China erhält der Besucher faszinierende Einblicke in die ‚virtuellen' Welten der fremden Kulturen, die trotz der geographischen Nähe ganz unterschiedlich dargestellt wurden. Gleichzeitig kann in der Betrachtung dieser originalen Fotografien die enorme westliche Faszination an japanischen und chinesischen Lebenswelten nachvollzogen werden, die nicht zuletzt maßgeblich die gesamte Kunst um 1900 beeinflusst hat.


Ausstellungsdauer: 11.06.2010 bis 09.01.2011

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon +49-221-221-26165
Telefax +49-221-221-24114
E-Mail

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage): 10 - 18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 - 22 Uhr
Montags geschlossen.

Eintritt:
Eintrittskarten sind den ganzen Tag gültig und berechtigen zum Eintritt in die Sammlungsräume und in alle Sonderausstellungen.

Erwachsene: 10,00 € ermäßigt: 7,00 € (Kinder unter 14 Jahren, Schüler, Studenten, Auszubildende, Wehr- und Ersatzdienstleistende gegen Vorlage eines gültigen Ausweises, InhaberInnen des Köln-Passes)
Familien: 20,00 €
Eintritt frei für Kinder unter 6 Jahre
Gruppen (ab 20 Personen): 7,50 € pro Person
Schulklassen sowie die begleitenden LehrerInnen: Eintritt frei in die Sammlung 4,00 € pro Schüler/Lehrer im Sonderausstellungsbereich

Am ersten Donnerstag im Monat gilt ab 17 Uhr ein um 50 Prozent reduzierter Eintrittspreis für die Sammlung und alle Sonderausstellungen von 5,00 € (ermäßigt: 3,50 €).

An diesen Abenden bieten wir jeweils ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Film, Lesungen, Künstlergesprächen und vielem mehr!

Audioguides: Gebühr von 3,- € für Dauer- und Sonderausstellungen. Kostenfrei von der Homepage des Museums auf PC und IPod herunterzuladen.

Homepage

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Dienstag, 12. Oktober 2010

-Jutsu 術 oder -Do 道

Dem am Budo Interessierten, speziell dem der sich für die Schwertkünste interessiert, eröffnet sich eine verwirrende Vielfalt von begriffen. Der Hauptunterschied ist zumeist in der Endung der Bezeichnungen zu finden. -Jutsu oder -Do.


Die Wandlung vom -Jutsu zum -Do begann bereits in der Edo-Zeit (1603 - 1868). Durch das Ende der jahrhundertelangen Kriege und Kämpfe wurden die meisten Samurai arbeitslos und es war nötig die freien Energien dieser hoch trainierten Kämpfer zu kanalisieren. Viele der heute so hoch geschätzten "Wege" oder -Do gehen auf diese Periode zurück. Die kämpferischen Aspekte mussten in "geistige" transformiert werden um den nunmehr nicht dem Krieg zugewandten Samurai zu beschäftigen und um zu erziehen. Es ging unter anderem auch um das Einhalten und die Durchsetzung des Gewaltmonopol des Staates.

Flagge der Shinsengumi

 Das Verbot in der Öffentlichkeit das Schwert zu tragen und zu benutzen, ausgesprochen durch Kaiser Meiji im Jahre 1867, bewirkte am Ende das Verschwinden der jahrhundertealten Budotraditionen. Auch hier ging es ganz besonders um die Wahrung des Gewaltmonopols des Staates, was aus den Erfahrungen der niedergeschlagenen Aufstände (Sonnō jōi, Shinsengumi 1860, Mito-Rebellion 1864, Boshin-Krieg 1868/69, Satsuma-Rebellion 1877) resultierte. Nach einer erneuten Blüte, unter dem Eindruck das japanischen Nationalismus, der Expansion (Japanisch-Chinesischer Krieg 1894-1895, Russisch-Japanischer Krieg 1904-1905) und des zweiten Weltkrieges mit seinem Ende 1946, verschwanden die kriegerischen -Jutsu Budokünste fast vollkommen in der Versenkung der Geschichte.
Zuerst von der amerikanischen Besatzungsmacht nach dem 2. Weltkrieg verboten, vollzog sich im Japan der 50er und 60er Jahre eine Öffnung der Kampfkünste, nachdem die amerikanische Militärregierung unter General Douglas McArthur 1951 die Regierung an Japan übertrug. Viele Disziplinen gaben sich die Endung "-Do" anstelle des bislang vorherrschenden "-Jutsu". Damit sollten die geistigen Aspekte der Übung nun höher bewertet werden als die reine Technik. Auch wäre sonst von der Besatzungsmacht die Erlaubnis diese Künste wieder offiziell unterrichten und praktizieren zu dürfen nicht erteilt worden. Es ging nicht wirklich um den Übergang vom kriegerischen zum geistigen Aspekt sondern darum einen "Weg" zu finden die Künste wieder aufleben zu lassen und offiziell praktizieren zu dürfen. Viele der alten Schulen mussten bis dahin im Verborgenen geübt werden. Ganz einfach gesprochen ist -Do eine deutlich modernere Variante der alten Schulen in einem neuen Marketingkonzept.

Meiji-tennō, 1873

Nach Aufhebung des Budo-Verbotes und die Erneuerung der inneren Disziplin am Anfang der 50er Jahre tauchen zwei Theorien auf, die eine kurze Zeit konträr gegenüberstanden. Die erste Theorie, getragen von den Künstlern und Sammlern japanischer Waffen, besagte, dass das Schwert nicht mehr benutzt werden sollte, sondern in den Museen des Landes einer breiten Öffentlichkeit als Objekt der traditionellen Kunst Japans zugänglich gemacht werden sollte. Die zweite Theorie, formuliert von einer Minderheit begeisterter Anhänger des Budo und deren Lehrern, besagt, dass die primäre Funktion des japanischen Schwertes das Schneiden und das Stechen ist. Es gilt hierbei die Tradition zu wahren, sich mit der Moderne zu verbinden, ohne dabei die ursprüngliche Philosophie aufzugeben und das Praktizieren das Battodo zu einer sportlichen Übung verkümmern zu lassen, wie das in vielen anderen Budo-Disziplinen der Fall war und ist.

Shōwa-tennō (昭和天皇) - Kaiser Hirohito, 1928

Einen wichtigen Beitrag zur internationalen Verbreitung einzelner Disziplinen erbrachten neu entstandene Verbände. Die ZNKR (Zen Nihon Kendo Renmei / Alljapanischer Kendo Verband) ist z.B. zuständig für die Belange des: Kendo, Iaido, Jodo und Naginatado.

General Douglas MacArthur

Heute steht der Interessierte vor einer Vielzahl missverständlich benutzter Begriffe:

Iaido 居合道 „Weg des Schwertziehens“. Die Besonderheit liegt darin, dass das Schwert so gezogen wird, dass es noch während des Ziehens als Waffe eingesetzt werden kann. Im Iaidō spiegelt sich die Zen-Philosophie wider. Man kämpft nicht gegen einen echten Gegner, sondern man „spiegelt“ sich selbst. Man versucht seine eigenen Fähigkeiten zu meistern und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Iaijutsu 居合術 "Technik des Schwertziehens". Bezeichnet das Üben des Schwertziehens und der Schwertkunst für den Kampf. Iaijutsu wurde angewendet, wenn der Gegner unerwartet sein Schwert zog. Dabei war es lebensnotwendig, Techniken zu entwickeln, mit dem das eigene Schwert schneller gezogen werden konnte, um den ersten Schlag auszuführen. Die Techniken nach dem besagten ersten Schlag (Iai) gehören dann in das System des Kenjutsu. Zum Iaijutsu gehört dann wieder das korrekte Zurückstecken des Schwertes in einem Zug. Iaido und Kendo sind nicht zwei verschiedene Kampfkünste- es sind zwei Aspekte der Schwertkampfkunst.

Battodo 抜刀道 "Der Weg mit dem Schwert zu schneiden".

Battōjutsu 抜刀術 „Kunst des Schwertziehens und Schneidens“. Das Ziehen und der erste Schnitt sind eine Bewegung sind. Bei entsprechender Ausführung des Bewegungsablaufes konnte der erste Schnitt auch schon tödlich sein. Das konzentriert den Zweikampf auf einen Moment, einen Schnitt. Daraus ist zu verstehen, dass die mentale Stärke des Samurai als kampfentscheidend angesehen wurde.

Kendō 剣道 „Schwert Weg“. Eine abgewandelte, moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes Kenjutsu wie ihn Samurai erlernten und lebten. Kendō, als Weg, verfolgt nicht nur die Techniken und Taktiken des Schwertkampfes, sondern auch die geistige Ausbildung des Menschen. Die Übenden sollen durch Kendō vor allem Charakterfestigkeit, Entschlossenheit und moralische Stärke erlangen.

Kenjutsu 剣術 „Schwert-Künste“. Oft als Oberbegriff für die traditionellen Schwertschulen Japans gehandhabt, aus denen sich unter anderem das moderne Kendō entwickelt hat. Praktizierende des Kenjutsu heißen Kenshi 剣士.

Auch der japanische Bogen unterlag dieser Entwicklung. Aus Kyujutsu 弓術, der „Bogen-Kunst“ wurde Kyudo 弓道, der „Bogen-Weg“.

Aus dem Vorhergehenden kann man entnehmen, dass, diesem Gedankengut folgend, so aus „Bujutsu“ „Budo“ wurde, der Weg der Kriegskunst, und aus „Iaijutsu“ „Iaido“ – der Weg, der Situation entsprechend (richtig) zu reagieren, nicht „der Weg, das Schwert schnell zu ziehen“, die landläufige Übersetzung von Iaido, sondern eben eine Kunst, die eine Entscheidung über richtig und falsch, über Leben und Tod, auch unter Einbeziehung der Tugenden des Bushido von eben diesen abhängig macht. Selbst in dem Wort „bu“ steckt diese Dualität: Das Schriftzeichen für „bu“ setzt sich zusammen aus „tomeru“ (=vermeiden) und „hoko“ (=Konflikt) und bedeutet nichts anderes als die „Vermeidung eines Konfliktes“ 
Quelle:
"Flashing Steel: Mastering Eishin-Ryu Swordsmanship",
Autoren: Shihan Shimabukuro & Leonard Pellman
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Blue Snake Books; Auflage: Überarbeitete Neuauflage: 2008
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1583941973

Ursprüngliche Originalausgabe:
Taschenbuch: 270 Seiten
Verlag: Frog Books, 1995
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1883319188
ISBN-13: 978-1883319182

Allerdings: Das Zeichen für „jutsu“ setzt sich aus „gehen“ und „Hirse“ zusammen und bedeutet so viel wie „in den Feldern umherirren, um dort seinen Weg wieder zu finden“. Es ist die Vorstufe des geistigen Weges. Und schließlich das Zeichen für „Do“: In einer anderen Schreibweise drückt es „jemanden leiten, eine Richtung geben“ aus, heute lesen wir es als „Weg“, das Zeichen schreibt sich aber mit dem Ideogramm von „Kopf“ (aus: Tamura Nobuyashi: Aikido, Wien 2006), es handelt sich bei der Wahl des Weges also um eine geistige Leistung, der Wegsuchende hat wieder die Wahl der Richtung, eine eigene Entscheidung. „Das Schwert in der Scheide“ war von Anfang an in den Kampfkünsten die richtige Entscheidung, wenn man die einzelnen Ideogramme der japanischen Schrift zu lesen versteht.
Quelle:
"Die Begrifflichkeit und Bedeutung von SAYA NO UCHI NO KACHI -
der Bezug zu Iaido im Besonderen und den japanischen Budokünsten im Allgemeinen." Ausarbeitung von Thomas Haumüller zum 4. Dan Iaido

Wie schon in meinem Beitrag "Kampfkunst und Zen 禅 (Buddhismus)" beschrieben, geht es zuerst einmal darum die Technik zu entwickeln und zu verinnerlichen. Hat man darin eine gewisse Meisterschaft entwickelt, ist man auf der Stufe auf der das -Do beginnen kann. Jedoch halte ich es für eine moderne, romantische Vorstellung esoterischer Gutmenschen zu glauben, dass man erst einmal -Do "macht" und dabei die Technik erlernt. Es mag funktionieren, aber man vergisst dabei allzu leicht, das die "Kunst" die man erlernt eine "Kampfkunst" ist und zum Schutz des eigenen Lebens und im Zweifelsfall zur Vernichtung des Gegners dient.

Im Iaido soll sich zum Beispiel die Zen-Philosophie widerspiegeln. Man kämpft nicht gegen einen echten Gegner, sondern man „spiegelt“ sich selbst. Man versucht seine eigenen Fähigkeiten zu meistern und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Das Ziel beim Iaido ist, sich auf die exakte und sichere Ausführung der Kata zu konzentrieren und die Einheit von Körper, Geist und Schwert zu entwickeln (Ki-Ken-Tai-Ichi). Ursprünglich wurden vielfältige Formen geübt, um körperlich jeder Gefechtssituation gewachsen zu sein und angemessen zu reagieren. Es wird gelehrt, dass die Meisterschaft erreicht wäre, wenn man eine Situation beherrscht – ohne das Schwert zu ziehen. Das erfordert die Entwicklung einer starken Persönlichkeit durch langjährige Übung.

Die Frage ist die sich dem Interessierten heute stellt ist: "Was will ich erreichen?" Möchte ich "Rhythmische Sportgymnastik mit einem Waffenimitat" üben und dabei das Gefühl haben mich in einem esoterisch/weltanschaulichen Hintergrund weiter zu entwickeln oder will ich eine Kampfkunst erlernen mit dem Hintergrund eine tödliche Waffe zu führen und mich dabei weiter zu entwickeln. Beides ist legitim und hat seinen Platz in unserer Gesellschaft.
Wir leben zum Glück in einer Welt in der tödliche Auseinandersetzungen mit Waffen eher eine seltene Ausnahme sind. Die Begründer der Kampfkünste lebten nicht in solch einer Welt. Ganz im Gegenteil.

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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Interessante Samurai Bücher

Die Samurai der Sengoku-Zeit 1: Anatomie einer Samurai-Armee im 16. und 17. Jahrhundert
Till Weber, Rolf Fuhrman
Verlag: Zeughaus / Berliner Zinnfiguren (4. August 2009)
ISBN-13: 978-3938447406
Preis: 19,95 EUR

In der in westlichen Sprachen über Samurai und ihre Armeen zur Glanzzeit im 16. und frühen 17. Jahrhundert vorliegenden Literatur fehlt bis jetzt eine detaillierte Analyse der Armeen als solche - wie waren sie zusammengesetzt, welche Hierarchien gab es, welche Rolle spielten die Krieger verschiedener Waffengattungen und worin bestanden eigentlich die Unterschiede zum europäischen Kriegswesen? Wie funktionierten diese am Ende bis zu und teilweise über 100.000 Mann starken Armeen, welche Taktiken kannten sie und zuletzt - für Figurensammler interessant - wo stand jeder einzelne Samurai in der Schlachtordnung? Das auf zwei Bände angelegte Werk beruht weitgehend auf der Auswertung japanischer Quellen und japanischsprachiger Sekundärliteratur.
Durchgehend farbig illustriert, viele farbige Zeichnungen. 56 Seiten plus 8 Seiten als Ausklapptafeln.


Die Samurai der Sengoku-Zeit 2: Burgen/Befestigungen - Belagerungen/Artillerie - Heraldik und Farben
Till Weber, Rolf Fuhrman
Verlag: Zeughaus / Berliner Zinnfiguren (4. August 2009)
Preis: 19,95 EUR

Der Erscheinungstermin ist voraussichtlich am 31.12.2010.


Die eleganten, mehrstöckigen Haupttürme japanischer Burgen, umgeben von gewaltigen Festungsanlagen, sind weithin als Symbole der Herrschaft von Samurai bekannt. Tatsächlich aber entstanden die ersten dieser tenshutaku erst ganz am Ende der Sengoku-Zeit. Die meisten Fortifikationen waren aus Holz gebaut, hatten Erdwälle und Gräben, und nutzten geschickt die natürliche Umgebung aus.
Der zweite Band der Reihe wird diese älteren Anlagen wie auch Festungen, die von großen Belagerungen betroffen waren wie Takamatsu 1582, Fushimi und Ueda 1600 und Osaka 1614/15, vorstellen. Das Buch erläutert die ausgeklügelten Belagerungstechniken, Gegenmaßnahmen sowie das japanische Artilleriewesen der Zeit.
Ein zweiter Schwerpunkt beschäftigt sich mit der komplexen Heraldik führender wie auch weniger bekannter Samuraifamilien der Sengokuzeit, mit vielen farbigen Beispielen.
Auch für die Heraldiker, aber ebenso für Figurensammler und –bemaler wichtig, geht es im dritten Teil weiterhin um eine Einführung in die Welt traditioneller japanischer Textilmuster und Farben, ihre Verwendung, die Herstellungsweise im vorindustriellen Zeitalter sowie ihre spezielle Symbolik.
Durchgehend farbig illustriert, Paperback. 56 Seiten.




Samuraikrieger: Waffen- und Kampftechnik der japanischen Krieger 1200-1877
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Motorbuch Verlag; Auflage: 1., 1. Aufl. 2009 (30. September 2009)
ISBN-13: 978-3613306325
Preis: 29,90 EUR

Dieser faszinierende Band bereichert die Samurai-Literatur um eine ganz besondere Facette: Stand bisher die Philosophie oder die Ausrüstung im Mittelpunkt der Darstellungen, so geht es hier um das Kriegshandwerk der legendären Krieger. In detailliert abgestuften Zeichnungen werden die raffinierten Kampftechniken und Kampfstellungen gezeigt. Es wird gezeigt wie man mit einem japanischen Bogen schießt und einem Katana-Langschwert kämpft, die Pike führt und eine Arkebuse abfeuert. Noch nie wurden Taktik und Kampf der Samurai so kenntnisreich und detailliert dargestellt und beschrieben wie in diesem brillant bebilderten Band.

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Montag, 4. Oktober 2010

"jo-ha-kyu" (序 破 急)

Vielen Iaidoka ist der Begriff des "jo-ha-kyu" (序 破 急) mehr oder weniger unbekannt. Leider wird dieses Thema auch von nahezu keinem Sensei in Deutschland gelehrt. Daher soll hier das Konzept des "jo-ha-kyu", wie es sich in den Iaido Kata ausdrückt beschrieben werden.

Jo-ha-kyu ist ein alter Begriff, der ursprünglich aus dem Nō-Theater (能) stammt. Er erschien erstmals im 14. Jahrhundert in den Schriften des Meisters Zeami Motokyo, der ihn benutzte, um die Entwicklung der Story und der Handlung im Noh Theater zu beschreiben. In den Bereichen Theater, Musik und Literatur beschreibt der Begriff jo-ha-kyu oberflächlich ausgedrückt die Idee von Anfang, Mitte und Ende.


Die Schriftzeichen mit denen jo-ha-kyu geschrieben wird liefern jedoch weitaus tiefere Bedeutungen als die drei einfachen Worte "Anfang, Mitte, Ende". Während "JO" (序), üblicherweise "Anfang, Einleitung, Vorwort" bedeutet, haben "HA" (破) und "KYU" (急) viel weiter reichende Bedeutungen. "HA" wird wenn es alleine steht "yaburu" gelesen, was "zerreißen, zerbrechen, abbrechen" bedeutet. "KYU" bedeutet "dringend, plötzlich, schnell, eilig." Diese Bedeutungen für "HA" und "KYU" geben ein ganz anderes Gefühl der Idee von "jo-ha-kyu" als lediglich "Anfang, Mitte, Ende." Kombiniert man diese Bedeutungen mit der Grundidee von "Anfang, Mitte, Ende", so ergibt dies ein Gefühl von Anspannung oder Druck der sich aufbaut, bis die Spannung sich in der finalen Aktion Raum bricht, also jene Auflösung, die zum Ende führt.


Betrachtet man die Kata Ipponme "Mae" (前 )in diesem Licht, ergibt dies einen interessanten Einblick in die Struktur der Kata, wie sie im ZNKR Seitei praktiziert wird. Die Kata beginnt, indem der Iaidoka friedlich im Seiza sitzt, als er sich dessen bewusst wird, dass der neben ihm sitzende die Absicht hegt ihn anzugreifen und er langsam beginnt seine Waffe zu ziehen um den Angriff zuvor zu kommen. Während dieser Zeit steigt die Anspannung, während der Iaidoka sich immer mehr dem Punkt nähert sein Schwert zu ziehen und sein Gegener das gleiche macht. Dies ist eindeutig "JO", der Anfang, der in Richtung der Aktion führt. "HA" tritt in dem Moment auf, wenn die Spannung sich in der Aktion manifestiert, wenn die Kissaki die Saya verlässt. In diesem Augenblick ist "JO" vorbei, hat den Anfang ist beendet.

Den Begriff "HA" zu benutzen um diesen Übergang zu beschreiben scheint besonders geeignet für eine Kata in der Anfang und Mitte im Charakter der Bewegungen so unterschiedlich sind und die Transformation so abrupt geschieht, dass es sich tatsächlich anfühlt, als würde etwas zerrissen. In Mae muss der Iaidoka diese Entwicklung dadurch zum Ausdruck bringen, dass er den Gegner (Teki 敵) mit dem Druck seines Metsuke (beim Metsuke wird das ganze Bewusstsein auf den Gegner gerichtet) und dem bewussten Ziehen des Schwertes unter Druck setzt. Kombiniert mit der Wirkung des Ergreifen des Schwertes und dem Vorwärtsdrängen, übt diese Aktion Druck auf den Gegner aus, seine Absicht anzugreifen aufzugeben. Wenn es klar ist, dass der Gegner nicht aufgeben wird, also ohne Zweifel angreifen wird, ergreift der Iaidoka die Initiative, indem er die Situation mit einem Angriff auf die Augen des Gegners beherrscht. Dieser Schnitt verhindert den Angriff, hindert den Gegner sein Schwert zu ziehen und treibt ihn zurück. Der Gegner ist aus dem Gleichgewicht gebracht und befindet sich in einer Position, aus der er weder sein Schwert ziehen noch sich anderweitig effektiv bewegen kann.

Von dem Moment an wo die Kissaki die Saya verlässt, befinden wir uns in der Mitte der Kata, dem "HA". Nach dem Nukiuchi, das den Gegner zurück drängt und aus dem Gleichgewicht bringt, drängt der Iaidoka voran, übt weiterhin Druck auf den Gegner aus und lässt ihm keine Möglichkeit, sich für seinen ursprünglich geplanten Angriff zu sammeln. Die Spannung, die begann, als der Iaidoka wahrnahm, dass der Gegner die Absicht hegte anzugreifen wurde durch den Präventivschlag nicht gelöst, sondern sogar noch erhöht. Wenn der Iaidoka vorandrängt, den Gegner durch den Druck seines Angriffs weiter zurück treibt, erhebt er sein Schwert über den Kopf.

Dies bringt uns zu den letzten Teil der Handlung, was man in der westlichen Literatur den Höhepunkt nennen könnte. Die Iaidoka ist im "KYU" angekommen. Das Ende der Kata ist das letzte "Kirioroshi" (senkrechter Schnitt abwärts). Der Gegner wurde zurückgetrieben und in diesem Moment wo er offen ist, beendet der Iaidoka die Aktion. Dieses Kirioroshi muss kraftvoll sein, ausgeführt mit all der Energie und Spannung, die in den "JO" und "KYU" Abschnitten der Kata aufgebaut wurden. Dies ist der Höhepunkt der gesamten Kata. Alles in der Kata strebt auf diesem Punkt zu, mit der Energie und der Absicht des Iaidoka die keine andere Auflösung zulässt, nachdem der Gegner sich dazu entschlossen hatte anzugreifen.

Nach dem "KYU" ist die Kata noch nicht beendet, aber die Spannung und der Druck wurden gelöst. Die Iaidoka kann nun nicht zulassen unaufmerksam zu werden, nur weil seine Gegner besiegt wurde. Er muss aber Zanshin beibehalten, Wachsamkeit, bis die Bedingungen sich ändern und die Kata wirklich beendet ist.

Es gibt die Vorstellung, dass jeder Teil von jo-ha-kyu wiederum seine eigenes jo-ha-kyu hat. Obwohl diese Idee sehr interessant ist, würde eine Betrachtung dieser Tiefe den Rahmen dieses Textes sprengen.
Das Konzept von jo-ha-kyu zeigt deutlich, dass die Ausführung der Kata nicht nur einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat, sondern auch wie sich diese Abschnitte entwickeln und der Übergang von Abschnitt zu Abschnitt vonstatten geht. In der ZNKR Kata Ipponme "Mae" sehen wir jo-ha-kyu in der Entwicklung und Wirkung der Kata. "JO" ist die friedliche Eröffnung und der Aufbau von Spannung und Bewegung bis zum Zeitpunkt des Nukiuchi, an dieser Stelle beginnt "HA". Dies ist die Mitte und sie beginnt mit Schnitt der die Ruhe beendet und die von Anfang an aufgebaute Spannung löst. Kyu ist das rasche Beenden der Aktion und somit der Kata, was schließlich den Konflikt beendet.

Jeder Iaidoka der die höheren Graduierungen anstrebt sollte seine Kata - alle Kata - auf diese Art untersuchen und sich darüber im Klaren sein wie das Konzept "jo-ha-kyu" auf die einzelnen Kata anwendbar ist. Zumindest für die zwölf ZNKR Kata sollte dies gemacht werden und dann natürlich für die Koryu Kata die in der Prüfung gezeugt werden soll.


In seinem aktuellen Blog Beitrag schrieb Richard Stonell auf [ kenshi247.net]:
"Nukitsuke und Nukiuchi sind verschieden. "Tsuke" bedeutet, dass man handeln um einem gegnerischen Angriff zuvorzukommen, bevor dieser überhaupt begonnen hat. Andererseits bedeutet Nukiuchi, einen Gegner mit einem Schnitt niederzustrecken. Ohne ein Verständnis des Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen, wird Deine Fechtkunst unwirksam sein."
      Kamimoto Eiichi Sensei, Iaido 9. Dan Hanshi, Kendo Hanshi 8. Dan


Diese kurze Erklärung unterstreicht und verdeutlicht einen wichtigen Punkt über Iai (insbesondere bezüglich Muso Shinden Ryu, Muso Jikiden Eishin Ryu und ZNKR IAI). Es handelt sich hier um einen einfachen linguistischen Fakt, doch auch wenn man Japanisch spricht, übersieht man ihn leicht.


Kamimoto Sensei stellt eindeutig fest, dass Nukitsuke (抜 打) nicht nur die Handlung, das Schwert zu ziehen und den Gegner zu schneiden ist. Vielmehr ist es die Anwendung (付ける) der das Schwert zu ziehen (抜く) um einen Gegner zu kontrollieren. Genau so unterscheidet sich Nukitsuke davon einfach das Schwert zu ziehen und zu schneiden.


Im Kendo will man den Gegner kontrollieren und nicht nur auf ihn einschlagen. Es scheint logisch, dass ist das gleiche Konzept auch für das Iaido wesentlich ist. Nach Kamimoto Sensei ist dieses "zuvorzukommen" eines Angriffs und die Kontrolle des Gegners ist Teil dessen was Nukitsuke definiert - das so genannte "Leben des IAI" (居合 の 生命). Daraus folgt, dass ein Verständnis der oben beschrieben Unterscheidung für ein effektives Iaido unerlässlich ist.
Dieser Beitrag ist unter dem Hintergrund von "jo-ha-kyu" besonders interessant. Lieber Leser und Iaidoka, versuch doch mal die Kata Nukiuchi auf das "jo-ha-kyu" anzuwenden!


jo-ha-kyu
Ein gutes Rezept für eine Präsentation: "ein überraschend jähes Ende".


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