Sonntag, 13. Februar 2011

Der Schuss auf den Fächer

Eines der berühmtesten Ereignisse des japanisch Bogenschießens geschah während des Gempei-Krieges (1180–1185). Bei der Schlacht von Yashima zogen sich die Heike nach ihrer Niederlage auf ihre Boote bei Yashima zurück, die verfolgenden Genji wurden vom Meer gestoppt. Als die Heike in Ufernähe auf günstigen Wind warteten, hingen sie einen Fächer an den Mast eines der Schiffe und forderten die Genji auf, ihn herunterzuschießen.

 
Der General der Genji, Yoshitsune, schaute links und rechts auf seine Leute, ob nicht doch jemand darunter sei, der diesen Fächer herunterschießen könne. Das Boot schwankte bei dem stürmischen Wind und dem starken Seegang auf und ab. Das Treffen erforderte demnach allerhöchste Technik. Keiner seiner Leute meldete sich, jedoch gab es jemand unter den Offizieren, der Nasu no Yoichi mit den Worten vorschlug: „Dieser Mann schießt so meisterhaft, dass er auf der Jagd mit einem Pfeil drei Vögel gleichzeitig erlegt.“

Nasu no Yoichi Munetaka

Yoshitsune ließ Nasu no Yoichi Munetaka zu sich rufen und befahl ihm, den Fächer vom Bug des Schiffes herunterzuschießen. Obwohl Yoichi beharrlich ablehnte, befahl Yoshitsune ihm erneut, unter allen Umständen den Fächer abzuschießen. Getreu dieses strikten Befehls trieb Munetaka sein Pferd vom Ufer ins Meer hinein. Er ritt immer weiter, und als die Distanz nur noch 50 Schritt groß war, legte er in Ruhe einen Schwanenfederpfeil an und wandte seinen Blick zum Ziel.
Wie ein Blatt auf hoher See schwankte das Boot. Der Fächer, der auf der Stange am Bug steckte, hörte nicht auf, nach rechts und links, oben und unten zu schwanken. Wohl an dieser Stelle fasste sich Munetaka ein Herz und spannte den Bogen ganz auf. Am maximalen Punkt schoss er ab und der Pfeil zerschoss auf meisterliche Weise das Scharnier des Fächers, so dass dieser hoch in die Luft flog.
Diese Geschichte erzählt man sich seit alters her unter den Kriegern, und späteren Generationen wurde diese Geschichte als eine der berühmtesten Ereignisse des Gempei-Krieges überliefert.








Diese Leistung wird auch heute noch von einigen japanischen Bogenschützen angestrebt. Der Aufbau kann entweder wie in der historischen Überlieferung mit einem Boot mit Mast dargestellt werden, was aber den Verlust der Pfeile bedeutet oder durch einen Aufbau an Land.

Dazu wird in einer Distanz von 60 Metern zum Schützen ein Fächer in drei Metern Höhe befestigt.


Diese Art des Schiessens erinnert an die in Belgien, Frankreich und Teilen der Niederlande populäre Variante des traditionellen europäischen Bogenschiessens, dem Popinjay oder Papingo.

Bei dieser Variante wird vertikal nach oben auf eine Reihe von Federballen geschossen. Sie hat sich direkt von der Übung der auf den im Hafen vor Anker liegenden Schiffen stationierten Langbogenschützen entwickelt. Um in Übung zu bleiben während sie im Hafen lagen, wurden Vögel (normalerweise Eichelhäher oder Papageien) oder ersatzweise Federballen auf die Rahen und auf die Mastspitze gesetzt. Bei einer anderen Variante wurde dort wo der Platz zum Scheibenschießen fehlte, eine Fahnenstange horizontal aus der Kirchturmspitze herausgeführt. Das Treffen der oberen Ziele brachte die meisten Punkte. Die Ziele weiter unten brachten die wenigsten Punkte.



Diese Art des Schießens auf einen hohen Pfosten wird noch heute in England praktiziert. Ein hölzerner Papagei oder ein Hahn, der durch einen Zylinder von 5“ x 2“ (12.5x5cm) repräsentiert ist, wird an der Oberseite des Mastes oder des Pfostens gesetzt. Auf Querstreben darunter folgend 4 Hennen 4“ x 1.5“ (10x3.8cm), dann darunter die 24 Küken 2“ x 1“ (5x2.5cm). Alle sind mit Federnbeklebt. Treffer zählen 5 Punkte für den Hahn, 3 Punkte für jede Henne und 1 Punkt für jedes Küken. Sie müssen weg von ihrer Stange geschossen um zu zählen und wenn der Hahn von der Stange geschossen wurde, werden wieder alle zurück an ihren Platz gesetzt.

Popinjay ist in Nordfrankreich und im flämischsprachigen Belgien sehr populärer. Die Hauptstadt des Popinjay ist Brügge, wo es in den Außenbezirken einen alten Schussplatz gibt. Auch in Nordfrankreich ist Popinjay weit verbreitet, besonders in den Regionen Nord/Pas de Calais (Artois), wo die meisten Veranstaltungen zwischen Hazebrouck bis zum Südwesten von Lille stattfinden. Außerhalb von England benutzen die Anhänger dieser Art des Schießens keinen Langbogen sondern üblicherweise den Recurve-Bogen. Sogar recht kleine Gemeinden haben ihr eigenes „perche“ (Mast) von bis zu 85 Fuß (26m) Höhe.




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