Mittwoch, 16. Februar 2011

Kurikara und Tanren Uchi

Durch Zufall bin ich auf John Maki Evans gestoßen. Eigentlich war es ein Bild in dem er Kirioroshi, einen vertikalen Schnitt, ausführt. Auf diesem Bild ist der Schnitt in elf Phasen sehr eindrucksvoll dargestellt.

Kirioroshi. Foto: John Maki Evans

Dann habe ich auf seiner Webseite einige interessante Informationen gefunden. Danach war es ein kurzer Weg mit John persönlich in Kontakt zu treten.

John unterrichtet in seinem Dojo in London und hat ein sehr interessantes Buch publiziert:


Kurikara: The Sword and the Serpent
John Maki Evans
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Blue Snake Books, 2010
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1583942440
ISBN-13: 978-1583942444
ca. EUR 13,-
In Mikkyo - dem japanischen esoterischen Buddhismus - symbolisiert der Drache Kurikara die innere Energie die durch die Arbeit mit dem Schwert entwickelt wird. Kurikara ist eine Manifestation des kämpferischen und leidenschaftlichen Bodhisattva Fudo Myoo (japanisch für den „unerschütterlichen, klarsichtigen König“), der Schutzpatron der japanischen Asketen und Krieger, der mit seinem Schwert die Illusionen und materiellen Anhaftungen zerstört und trennt. Fudo Myoo kämpft mit seinem Schwert der Erkenntnis gegen die Unwissenheit und die daraus entspringende ungebändigte Gier. Dies führt zur Entwicklung einer inneren Energie, mit der man alle Hindernisse auf dem Weg zur geistigen Freiheit "verbrennen" kann.

"Kurikara: Das Schwert und die Schlange" behandelt die acht grundlegenden Prinzipien der Schwertkunst, die für alle japanischen Schwert Schulen gleich sind und betont die Entwicklung von Energie und Konzentration. John Evans beschreibt praktische Beispiele aus seiner langjährigen Erfahrung in der Schwertkunst. John war der erste ausländische Studenten der unter Nakamura Taisaburo Sensei http://www.battodo-fudokan.co.uk/nakamura/index.html trainieren durfte und beschreib wie die dort vermittelten Fertigkeiten systematisch durch Tanren (Übungen welche die "innere" und "äußere" Kraft verbinden) entwickelt werden können. Das Buch ist angefüllt mit nützlichen Anekdoten aus Johns Zeit in Japan sowie dem spirituellen Unterbau des Unterrichts.
Besonderes Augenmerk legt John auf "Tanren", das Training mit dem Bokken bei dem auf ein Ziel geschnitten wird. Tanren Uchi wird auch als "das Schmieden des Gesites" bezeichnet. Wenn man täglich rund 100 Wiederholungen dieser Übung macht, wird einem schnell klar was damit gemeint ist.


Tanren Uchi ist eine sehr traditionelle Trainingsmethode, die dabei hilft den ordnungsgemäßen Einsatz des gesamten Körpers beim Schneiden, besonders der Hüften, zu erlernen.


Autoreifen bekommt man bei gängigen Reifenhändlern umsonst. Zumindest habe ich meine da her (Pit-Stop). Aber bitte nicht im Grünen einfach abladen!


Einer der größten Vorteile des Tanren ist, dass man beim Schneiden eine sofortige kinästhetische Rückmeldungen durch das Bokken erhält. Wenn ein Schnitt falsch ausgeführt wurde, ist das Gefühl welches durch das Bokken übertragen wird völlig anders als bei einem korrekten Schnitt. Natürlich liegt auch gerade in dieser Rückmeldung eine Gefahr. Wenn man diese Art des Trainings ohne sachkundige Anleitung "wild" betreibt können sich die Bandscheibe oder die Gelenke schon mal melden und es können ernsthafte und dauerhafte Schäden auftreten.


Traditionell wurde Tanren Uchi nicht wie heutzutage mit einem Autoreifen ausgeführt, sondern mit einem Bündel aus grünen, frischen Zweigen (gerade jetzt im beginnenden Frühling) auf einem hölzernen Bock. Dies lässt sich auch heute noch auf einem Trainingsplatz im Freien einrichten.



Die Übungen lassen sich mit einem "normalen" Bokken oder auch mit einem deutlich dickeren und überschweren Bokken durchführen. Wer jedoch im Freien übt, der kann sich auch einfach einen Knüppel zurechtschnitzen und muss nicht groß Geld für teures Übungsgerät ausgeben. Diese Methode ist auch in Japan recht verbreitet. Um ein vernünftiges Tenouchi zu entwickeln gibt es nichts besseres als Tanren Uchi täglich mit 100 Wiederholungen auszuführen.

Uchikomi Ziele. Foto: John Maki Evans

Wer mehr über diese interessanten und nützlichen Trainingsmethoden lesen möchte, dem sei das Buch von John empfohlen.


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Kommentare:

  1. Moinmoin,

    diese Trainingsmethode mit dem Autoreifen hat Soejima Sensei auch schon auf dem DIaiB-Jahreshauptlehrgang 2008 in Steinbach empfohlen.

    Hat so etwas schon jemand nachgebaut und eingesetzt? Gibt es praktische Erfahrungswerte? Würde mich freuen, davon zuhören.

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Moritz, Hakushinkai Aachen e.V.

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  2. Ich habe es nachgebaut und etwas verändert. DIe Höhe des Autoreifens ist bei mir durch unterschiedlich hohe "Brettchen" variabel. Praktisch kann ich nur sagen, dass schlechte Technik sich sofort rächt indem die Rückmeldung in die Bandscheibe und die Hände geht.
    J.R.

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  3. Nachtrag:
    Die obere Abbildung des "Autoreifenhalters" ist nicht zu empfehlen. Dieses Konstrukt hat einen wunderbaren "Klangkörper" der die Lautstärke der Schläge deutlich verstärkt. Auch hier gilt, Rücksicht ist besser! Lieber die untere Konstruktion, die ich auch nachgebaut habe, verwenden. Die ist offen und hallt nicht so. Auch ein fester Sitz des Reifens in der Halterung sorgt für Geräuschdämpfung.
    J.R.

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