Dienstag, 15. Februar 2011

Outdoor Dojo

Viele Budobegeisterte haben leider nicht das Glück einen Dojo bzw. einen Trainingsraum in der Nähe ihres Wohnortes zu haben. Oft bietet auch die eigene Wohnung keine Möglichkeiten das Iaito oder Bokken zu schwingen ohne ernsthafte materielle Schäden anzurichten. Das muss aber kein Grund nicht zu üben. Es gibt durchaus Beispiele die zeigen, dass auch ohne "feste Behausung" ein effektives Training möglich und sogar angenehmer realisiert werden kann.


Der "River City Aikido" Verein aus Richmond, Virginia trainiert gezielt und das ganze Jahr über in der freien Natur. Ich danke Brian Hill Sensei für die Unterstützung.

O-Sensei Morihei Ueshiba trainierte viel in freier Natur.

Es gibt so viele Gründe dafür im freien zu trainieren. Man muss keine Rücksicht auf Wände und Einrichtungsgegenstände nehmen. Man kann mit einem Jo großflächig üben ohne Angst zu haben einen anderen Trainierenden zu verletzen.


Jedoch ist einer der wirklich ausschlaggebenden Gründe der, das dies eine irgendwie ursprünglichere, althergebrachte, ursprüngliche und archetypische Trainingsweise ist. Wenn man an all die Generationen von Menschen denkt, die bereits seit jahrtausenden vor uns die Kriegskünste unter freiem Himmel, in staubigen Lichtungen, umgeben von alten Bäumen geübt haben, so ist dies eine ganz anderes Szenerie als würde man in einer nach altem Schweiß und Bohnerwachs riechenden Turnhalle stehen. Nachdem der Film "Last Samurai" mit Tom Cruise in den Kinos lief, hatten Iaido und ähnliche Vereine einen immensen Zulauf. Dies nicht zuletzt wegen der wirklich ansprechenden Bilder der unter freiem Himmel übenden Krieger. Es soll mir keiner sagen, dass ihn das nicht angesprochen hat. Dieses archetypische Gefühl ist es, was viele im Budo suchen und leider nicht finden.



Es gibt eine Art genetisches Gedächtnis, dass unter diesen Umständen erwacht und einem sagt, dass es einen Grund dafür gibt genau so zu trainieren. Das erste Mal wenn man ein Schwert oder Bokken in Händen hält und in Richtung der aufgehenden Sonne schneidet, mit klopfendem Herzen vom harten Training, lässt einen fühlen, dass man mit einer alten Tradition verbunden ist.
Ein weiterer Grund für Outdoor-Training ist einfach draußen sein zu wollen. Wie viele Menschen gehen heute noch in die Natur und verbringen ihre Zeit im Freien? Dazu zähle ich nicht die Zeit auf einem Fahrrad oder Motorrad. Wir verbringen unsere Zeit isoliert von der wirklichen Welt und den Elementen.


Es macht einfach Spaß! Wenn wir uns daran erinnern, wie wir als Kinder eine oder zwei Stunden spielend im Regen verbrachten, Oder noch besser, spielend im Schnee!

Mike Smith, ein Kyudo Schüler & Lehrer
— er ist auch Besitzer des Trident Booksellers & Café
führt eine Kyudo Zeremonie im Kyudo Dojo in Boulder, Colorado vor.

Outdoor-Training gibt einem den Hardcore-Kampfkunst, Krieger Vorwand, um "nach draußen zu gehen und zu spielen!" Endlich mal wieder völlig eingesaut, nass, verschwitzt und schmutzig zu werden!
Viele Menschen gehen bei jedem Dreckswetter joggen, warum also nicht Kampfkunsttraining im Freien? Die Alternative ist joggen auf dem Laufband mit MP3-Player und Fernseher.

Die Gruppe von Brian Hill Sensei im Schnee

In Japan wurde schon immer im Freien trainiert. Besonders nach dem Krieg, als das Waffentraining durch die Besatzungsmacht verboten war trafen sich viele Budoka draußen vor den Dörfern oder Städten und übten im Freien, im Schutz kleiner Wäldchen, fernab der wachsamen Augen der Schergen von General MacArthur.

Sandalen gibt es u.a. bei Dick.
Dazu gibt es auch passende Socken.


Oder Waraji 草鞋 
oder
Tabi 足袋


Worauf jedoch beim Outdoor-Training geachtet werden sollte ist die richtige Kleidung.

Es gibt grundsätzlich zwei Richtungen, entweder man trägt NUR Funktionskleidung oder man trägt traditionelle Kleidung (mit oder ohne Funktionsunterwäsche). Baumwolle ist im Sommer O.K. Es gibt den alten Ratschlag sich in mehreren Schichten zu kleiden. Was man trägt kann man ablegen, was man nicht trägt kann man auch nicht ablegen, aber auch nicht wieder anziehen.


Schuhwerk ist ratsam. Dazu kann man entweder traditionelle Sandalen mit oder ohne Tabi tragen, Geta mit einem oder zwei Zähnen oder japanische Zimmermann-Tabi mit Gummisohle, die ich selbst bevorzuge (hier die Luxusvariante). Wenn man sich fast mal den kleinen Zeh gebrochen hat weil der Boden uneben war....


Kommt raus, spielen!





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