Dienstag, 22. November 2011

Zen-Kyudo - Hirokazu Kosaka - Der Mann mit der Maske

Rick Beal, ein befreundeter Kyudoka aus South Pasadena, Kalifornien, hat mir einige Bilder zur Verfügung gestellt die eine hier in Europa nahezu unbekannte Variante des rituellen Kyudo, gepaart mit buddistisch-shintoistischer Ritualistik und künstlerischer Performance verbindet. Vorgeführt wird diese Art des "Zen-Bogenschiessens" von Hirokazu Kosaka.

Geboren 1948 in Wakayama, Japan, lebt und arbeitet der "multidisziplinäre" Künstler Hirokazu Kosaka heute in Los Angeles, wo er als Visual Arts Director im "Japanese American Cultural and Community Center" tätig ist. Als Student an Chouinard Art Institute, wo er 1970 mit einem Bachelor of Fine Arts in Malerei abschloss, begann Kosaka die Kunst der Performance zu erforschen. Bereits als junger Künstler begann er  auch östliche Traditionen in seine Kunst einzubeziehen. Darunter Zeichnung der jahrhundertealten Tradition des Nô und des Kabuki, sein Wissen über die experimentelle Kunst der japanischen Gutai Gruppe, sowie seine eigenen Erfahrungen mit buddhistischen Gesängen und Zen-Bogenschießen.

Rick Beal

Im Jahr 1973 kehrte Kosaka nach Japan zurück, wo er drei Monate lang an einer Performance arbeitete um dann zur traditionellen 1000-Meilen Zen Pilgerreise, die auch als "Die 88 Tempel" bekannt ist, aufbrach. Nach Abschluss dieser spirituellen Pilgerreise blieb Kosaka in einem buddhistischen Kloster und wurde als buddhistischen Shigon Priester geweiht. Später kehrte er nach Los Angeles zurück, wo er begann übergroße, prozess-orientierte Kunstwerke zu erschaffen, die auf den Grundlagen basieren die er als Priester erlernte.

Heute ist Kosaka für seine großformatigen, performativen Aufführungen bekannt, die oft den öffentlichen Raum als Plattform für Tanz, Performance und bildende Kunst nutzen.

Die folgenden Bilder stammen aus dem Jahr 2008 wo Kosaka sie "Forest of Words" Ausstellung einweihte. "A Forest of Words" war eine Serie von Vorlesungen über den Ursprung und die Herkunft einiger Chinesischer Schriftzeichen. Diese Vorlesungen wurden von Kosaka Sensei und einem weiteren Lehrer aus Kyoto gehalten. Die großformatige Kalligraphie im Hintergrund wurde von Kosaka während dieser Performance erstellt und dann im Hintergrund aufgehängt um so den Rahmen für Rick Beals "Sharei" zu schaffen. Die Kalligraphie wurde am Tag nach der Vorführung von Kosaka wieder übermalt.

Ideogram of “Tree” and “Forest”
created by Hirokazu Kosaka
(Courtesy of Japanese American Cultural and Community Center)

Die Art von Kyudo die unter Kosaka Sensei gelehrt und praktiziert wird kann als eine Form der Kunst betrachtet werden. Sehr oft wird bei dieser Makiwara Sharei ein mit Konfetti gefülltes Papierkissen verwendet das vor dem Makiwara platziert wird dann "explodiert" wenn der Pfeil es durchschlägt.










Einige sehr interessante Filmbeiträge mit Kyudo-Sharei von Hirokazu Kosaka finden sich auf YouTube, wo die Filme auch herunter geladen werden können.



IMA - Indianapolis Museum of Art http://www.imamuseum.org/ Kyudo Zeremonie: Wiedereröffnung der Asiatischen Galerien des IMA Hirokazu Kosaka führt Hatsuya (der erste Pfeil) vorm eine Zen-Kyudo Zeremonie.
Link zum Film





Ein Portrait über Hirokazu Kosaka, von Julian Goldberger. Aus der Serie: "World Festival of Sacred Music" [Arts and Music]
Link zum Film



Warum trägt Hirokazu Kosaka eine Maske? 

Obwohl die Maske heute von Kosaka Sensei wie auch von Rick Beal bei den Sharei Zeremonien getragen wird, wurde sie früher nur bei den "verborgenen" Zeremonien und auch dort nur von einigen wenigen getragen. Der Ursprung des Tragens diese Maske stammt aus dem alten Japan und auch dort nur bei sehr wichtigen und esoterischen Zeremonien. Heutzutage haben einige wenige, wie Kosaka Sensei, sich dazu entschlossen diese Zeremonien der Öffentlichkeit zugänglich zumachen. Dies basiert auf der Aussage, dass es keine esoterische oder exoterische Lehre gibt, sondern nur eine Lehre die frei zugänglich für alle ist. Das Tragend er Maske basiert auf alte schamanistische Opferrituale aus denen sich dann später der Shintoismus entwickelte. Dies ist auch die Grundlage des "Kyu-Do" oder "Yumi no Michi". "Yumi no Michi" bezieht sich auf Reinigungsrituale mit Pfeil und Bogen, wie sie heute unter anderem noch bei der Geburt eines Kindes, dem Hausbau oder der Einweihung eines Dojo etc.  durchgeführt werden.

Der Zweck der Maske war es, nicht auf die Opfergaben zu atmen, da menschliche Ausscheidungen jede Art, einschließlich des Atems, als verunreinigend betrachtet wurden.
Der Gebrauch der Maske wurde später durch zwei weitere Strömungen bewahrt und weiter geführt:
Kukai / Kobo Daishi, der Gründer der buddhistische Shingon Schule verwendete die Maske für esoterische Opferrituale. Noch heute, wenn die Mönche den steinernen Kukai "füttern" tragen sie manchmal solche Masken.
Die andere Strömung die solche Masken bei esoterischen Opferungen trägt, ist die Ogasawara Familie, vor allem bei ihren Teezeremonien für die Kami oder den Kaiser.

Quellen: 
zen archery  
Nanka Kyudo Kai
Kiko(u)
Zen Man Walking









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1 Kommentar:

  1. Sehr verdienstvoll sowohl von Rick Jyozen Beal und von Jörg, uns diese Inhalte zugänglich zu machen. So wie man die Räucherstäbchen beim Anzünden nicht auspustet, damit diese Opfer an die Kami nicht durch den menschlichen Atem verunreinigt werden, so soll diese Maske schützen.
    Mir hat vor 3 Wochen ein Tempelherr in Kyoto, der für seine geschnitzten Holzmasken (vorwiegend für Noh-Darstellungen) erklärt, beim zeremoniellen Kyudo trage man zuweilen Masken, um deutlich zu machen, daß nicht das Individuum hier den Pfeil fliegen lässt, sondern die Kyudozeremonie unpersönlich die Szene füllt. Analog Ta Da, absichtloses Geschenk ans Universum; nicht um etwas zu erlangen oder zu bewirken, sondern damit "Schenken" im Universum geschieht oder eben auch "Kyudo" ohne etwas dafür zurückzubekommen.

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