Sonntag, 11. Dezember 2011

Ogasawara-Ryu Kusajishi 草鹿式 Shiki

Diese traditionelle Variante der Hitotsu Mato Sharei (eine Zeremonie bei der alle Schützen auf ein gemeinsames Ziel schießen) für fünf Personen wird im Freien durchgeführt. Die Teilnehmer tragen schwere Brokat Gewändern mit sehr großen und langen Ärmeln, zwei Schwerter im Obi, Hüte und schwere Geta die an Clogs oder holländische Holzschuhe erinnern. Die verwendet Pfeile haben stumpft hölzerne Spitzen und werden im zeremoniellen, Reisha-Stil gehalten.
Das Ziel ist die Attrappe eines jungen Reh bzw. Hirsch, das in einem Rahmen aufgehängt ist. Dieses Ziel wird "Gras-Hirsch" Kusajishi (草鹿式) genannt. Der für das Ziel Verantwortliche trägt einen Stab mit einem Kopf aus weißem Papierstreifen mit dem er die Treffer anzeigt. Älter Schützen sitzen zur Linken des Ziels und teilen dem Schützen durch Zurufen mit ob der Schuss gut oder schlecht war oder rufen den Schützen zum Ziel um ihm weitere Einzelheiten mitzuteilen. Ein guter Treffer ist einer, bei dem der Pfeil den Schulterbereich des Hirsches trifft und der Pfeil dann in einer geraden Linie zurück springt. Die Distanz die der Pfeil zurück springt wird mit einem Bogen gemessen um so die Qualität des Treffers anzuzeigen.

Diese Zeremonie soll in ihrer Urform weit über 1000 Jahre alt sein. Es wird aber auch berichtet, das im Jahr 1194 Minamoto no Yoritomo, der Gründer des Kamakura-Shogunats, wegen der mangelhaften Fähigkeiten und Leistungen seiner Männer bei der Hirschjagd am Fuße des Fuji-san ein Ziel aus Hirschleder aufstellen ließ. Er befahl seinen Männern auf dieses Ziel zu schießen, damit sie ihre Fertigkeiten verbesserten. Das Ziel wurde aus einem Rehfell gemacht, das mit Gras oder Stroh gefüllt wurde. Dieses Ziel wurde ursprünglich von Bogenschützen zu Pferd als auch zu Fuß beschossen, heutzutage wird diese Schiessübung nur noch zu Fuß von den Mitgliedern der Ogasawara Ryū durchgeführt. Es existiert jedoch auch eine etwas veränderte Form dieses Gras-Hirsch Ziels das von der Heki-Ryu verwendet wurde. Hier ist der Hirsch nicht von der Seite dargestellt, sonder von vorne, so dass der Hirsch den Schützen direkt anschaut.

Eine Heki Ryu Kusajishi, in Form eines frontal aufgehängten Hirsches
im Gegensatz zur üblichen Ogasawara Ryu "Seitenansicht". 
Vor jedem Schützen befindet sich ein kleiner Erdhügel. In diesen Erdhaufen werden kleine Stöckchen gesteckt. Wenn der Schütze einen Treffer gemacht hat, steckt er einen Stock in den Sand. Der Gewinner ist dann der Schütze mit den meisten Stöckchen in seinem Erdhaufen. Jeder Schütze hat einen Assistenten, was dazu führt dass an einer solchen Zeremonie bis zu 20 Personen beteiligt sein können.


Der heute verwendete Gras-Hirsch trägt in seiner traditionellen Form 24 weiße Punkte. Die japanischen Beschriftungen auf dem Bild betreffen die Körperteile und nicht die Bedeutung der Punkte.

Die Punkte auf dem Fell haben folgende Bedeutungen:
  • Die sieben oberen Punkte repräsentieren die ‘nanayōsei’, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Venus, Jupiter und Saturn. Diese "Sterne" geben in Japan (wie auch in vielen anderen Kulturen) den sieben Tagen der Woche ihre Namen. 
  • Die vier Punkte links repräsentieren die vier Himmelsrichtungen: Norden, Süden, Osten und Westen. 
  • Die acht Punkte die das mittlere 4-sun (12cm) ‘yachū’ umgeben entsprechen die vier Himmelsrichtungen plus den vier Nebenhimmelsrichtungen; Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten. 
  • Die vier Punkte rechts repräsentieren den vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. 
Wenn man die Bedeutungen der Punkte und die Art und Weise der Zeremonie betrachtet erscheit es verständlich, dass diese Zeremonie in ihre Urform eine Shinto-Zeremonie war, die schon lange vor der angeblichen Einführung durch Minamoto no Yoritomo existiert haben muss und einen eher religiösen, esoterischen Hintergrund hatte als heute. Denkbar ist auch, das dieses Ritual in der Frühzeit der Beginn der Hirschjagd-Saison war und die Jäger ihre Fertigkeit demonstrierten.

Das Ritual wird jedes Jahr im Oktober im Yasukuni Schrein, Kudan, Chiyoda-ku, in Tokyo durchgeführt.

Einige schöne Videos zum Kusajishi 草鹿式 Shiki 







 .

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen