Sonntag, 27. Februar 2011

Mike Sigman Workshop in Bremen - März 2011

Mike Sigman hat über 45 Jahre Erfahrung in den Kampfkünsten. In den letzen
20 Jahren hat er sich darauf konzentriert, die Körper-Mechanik der internen
Künsten (z.B. Tai Chi, Ba Gua, Xing Yi, Aikido) zu analysieren. Sein
besonderes Interesse gilt dabei der ungewöhnlichen Kraft, die die wirklichen
Könner dieser Künste demonstrieren. Er unterrichtet eine Methode, die
grundlegenden Prinzipien der internen Kraft (internal strength) zu verstehen
und Trainingsmethoden, um diese zu entwickeln, unabhängig von der
Stilrichtung.


Mike wohnt in Colorado (U.S.A). Er hat seine "internal strength workshops"
weltweit gehalten und viele Zeitschriftenartikel verfasst. Er ist
Administrator der QiJin Liste, eines Internetforums, das sich der Analyse
dieser internen Kraft widmet und ist darüberhinaus auch in verschiedenen
anderen Internetforen aktiv.

Mike Sigman kommt im März 2011 nach Bremen:

Sa., 12. und So., 13 März 2011,
jeweils von 10:00 bis ca. 17:00 Uhr

Ort des Seminars ist das Aikido-Zen e.V. Dojo direkt im Viertel mit sehr
guter Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel. Die Inhalte vom
Sonntag bauen logisch auf denen vom Samstag auf, deswegen setzt die
Teilnahme am Sonntag die am Samstag voraus.

Kosten: 130 Euro für beide Tage, 70 Euro für nur den Samstag.
Übernachtung im Dojo ist möglich, es gibt aber auch verschiedene Hotels oder
Hostel in Bremen.

Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt. Um einen Platz zu reservieren, ist
eine Anzahlung von 20 Euro erforderlich.

Für Details zur Registrierung, Übernachtung etc. bitte eine e-mail



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Dienstag, 22. Februar 2011

Basistexte der Heki Schule

Die verdienten Kyudoka Manfred Speidel und Roland Pohl haben die finale Version der "Basistexte der Heki Schule" veröffentlicht.
Diese Zusammenstellung von Manfred Speidel und Roland Pohl vom Februar 2011 basiert auf den niedergeschriebenen Hassetsu und den Zeichnungen von Prof. Genshiro Inagaki, 9. Dan Hanshi, anlässlich des ersten Kyudoseminars 1969 in Hamburg, übersetzt von Manfred Speidel, sowie der Bildertafel „Das Bogenschießen nach den Regeln der Kyudo-Schule HEKI RYU INSAI HA“, 1991, übersetzt von Hans Gundermann.


Dieser Text darf für Lehr- und Studienzwecke kopiert und weitergegeben werden.


Das PDF kann hier gelesen werden: Basistexte



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Montag, 21. Februar 2011

Die hingebungsvollsten Kyudo-Schützen Japans

Dank einem Hinweis von Hans habe ich den Blog von "Mr. Mudan", "The KyudoProject Blog!" gefunden. Als kleiner Nachtrag zum Thema ambitioniertes Outdoor Training sei hier auf den Artikel "The most dedicated archers in Japan!" verwiesen.


Die Herrschaften sind wirklich ganz harte Leute. Da wird das ganze Jahr geschodden, auch wenn der Schnee meterhoch liegt.

Zum Artikel Kyudo im Schnee.




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Freitag, 18. Februar 2011

Nachtrag und Addendum zu: "Outdoor Dojo" und "Kurikara und Tanren Uchi"

Hier noch einige Links und Verweise zu meinen Artikeln: Outdoor Dojo und Kurikara und Tanren Uchi

Zum einen ein wirklich interessanter Film mit O-Sensei, ein echtes Zeitdokument:


Auch auf der Seite eines meiner meistgeliebten Blogs "Life for a Sword" gibt es da einen interessanten Artikel mit sehr schönen alten Filmen. Im Artikel und in den Filmen kommt man schnell darauf, dass die tollen Design-Bokken und das ganze kultivierte "Dojotum" Unfug sind. Die Welt ist größer als der Perimeter eines geschlossenen Raumes.

Kyushu 九州 – Wo die wilden Kerle wohnen


Hier sieht man Tanren Uchi in faszinierenden Bildern!!!

Die Welt existiert draußen, in "The Big Blue Room". Vergesst das ritualisierte, standardisierte Hallen-Budo.


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Donnerstag, 17. Februar 2011

Warum der Spruch „nicht brechen, nicht verbiegen, und gut schneiden“?

Feststellung der Zerstörungskraft und Schärfe

Eine Schneide die Knochen durchtrennt aber auch Fleisch schneidet

Ein Schneidwerkzeug mit einer spitzwinkligen Schneide ist scharf, ein stumpfer Winkel der Schneide ist aber stabiler. So bestimmt die Balance zwischen Schärfe und Stablität den Verwendungs-zweck eines Schneidwerkzeugs. Der Winkel der Schneide eines scharfen katana misst etwa 30°, der eines sog. „yanagiba-hôchô-Küchenmessers“ (柳葉包丁) um die 20°, und der eines nata-Haumessers (鉈) etwa 35°. Das yanagiba-hôchô besitzt die Schärfe um Fleisch zu durchschneiden, und ein nata die Stabilität um – wie der Name schon sagt – Holz in Stücke zu hauen. Sprich man kann mit einem yanagiba-hôchô kein Feuerholz spalten und mit einer nata kein sashimi zubereiten.
Das vom Krieger zur Rüstung getragene tachi wurde dazu verwendet, um durch einen Helm oder eine Rüstung zu schlagen. Es gab zwar wie beim modernen kenpô auch Stoßtechniken oder Techniken die Arterien zu treffen, doch Hauptziel war es wahrscheinlich, Knochen zu durchtrennen. Wenn man sich nun diesen Zweck vor Augen hält, musste – wenn wir das vorhergehende Beispiel des yanagi-hôchô und der nata heranziehen – ein gebrauchsfähiges Schwert eher wie letztere gestaltet sein, um für das durchtrennen bzw. –brechen genügend Stablität zu besitzen. Nun, eine solche Schneide ist aber nicht effektiv für den weichen, Fettgewebe enthaltenden Bereich der Bauchgegend. Hier wäre eine Schneide im Sinne eines yanagiba-hôchô besser geeignet.


Der die Stärke und Schärfe verbessernde sori

Für die Beschreibung der Charakteristika eines japanischen Schwertes wird oft der Spruch „nicht brechen, nicht verbiegen, und gut schneiden“ (orezu, magarazu, yoku-kireru, 折れず、曲がらず、よく斬れる) verwendet. Um Stabilität – sprich „nicht brechen“ und „nicht verbiegen“ – mit Schärfe, d.h. „gut schneiden“, miteinander zu vereinbaren, dafür sorgt die Krümmung der Klinge (sori, 反り). Stangenförmige Gegenstände sind in Längsrichtung stabil, aber anfällig für seitliche Belastungen. Eßstäbchen zum Beispiel kann man ganz einfach in der Mitte durchbrechen, wenn man sie verbiegt, es ist aber nahezu unmöglich, sie mit der Hand in Längsrichtung zu zerdrücken oder durch Ziehen zu zerreißen. Genauso verhält es sich beim katana: Es ist stabil bei Stößen aber anfälliger bei seitlicher Krafteinwirkung wie dem Schneiden. Durch die Krümmung eines tachi oder uchigatana behält es zwar die gleiche Schnittkraft wie ein gerades chokutô, es verringert sich aber die Aufprallkraft, da die Schneide schräg auf das Ziel auftritt (siehe Abb. 1). Doch dies ist nicht die einzige Wirkung des sori, denn er ist ebenso wichtig für den Schnitt. Bei gleicher Schnittbewegung – gekrümmtes Schwert gegenüber einem geraden chokutô – erhöht er nämlich die „Schärfe“, d.h. die Schnittwirkung (siehe Abb. 2).


Abb. 1: Der Auftreffwinkel eines geraden chokutô und eines katana mit sori:
oberes Bild: Beim senkrechten Auftreffen der Schneide eines chokutô mit
der Kraft A ergibt sich die ebenfalls senkrecht entgegenwirkende Rückstoßkraft B.
unteres Bild: Die gekrümmte Klinge trifft schräg auf das Ziel auf, und so wird
die Rückstoßkraft B – bei gleicher Ausgangskraft A – gestreut. B = b1 + b2.
Die senkrecht zur Klinge wirkende Rückstoßkraft b1 ist somit geringer als sie bei
gleicher Kraft A bei einer geraden chokutô-Klinge wäre (B).

Abb. 2: Der Winkel der Schneide und der Schneidwinkel:
weißes Dreieck: Winkel der Schneide
gelbes Dreieck: der tatsächliche, spitzere Schneidwinkel
roter Pfeil: Schnittrichtung
Hier sieht man, dass der tatsächliche Schneidwinkel beim schrägen Auftreffen auf
das Ziel kleiner ist als der Winkel der Schneide, d.h. die „Schärfe“ erhöht sich.


Mit einer Kreisbewegung „ziehend schneiden“

Wie verhält es sich nun beim tatsächlichen Schwertkampf. Bei Abb. 3 wird mit dem Schwert aus der jôdan-Position vertikal heruntergeschlagen (kiri-oroshi, 斬り下ろし), und zwar wird dabei auf den Scheitel des Gegners gezielt. Je nach Technik gibt es natürlich verschiedenste Ausführung, dies kann aber quasi als die „Grundschnittform“ bezeichnet werden. Von dem Moment an wenn die Klinge auf dem Scheitel des Gegners auftrifft bis zum Endpunkt des Hiebs, vollzieht die Klinge eine gedachte Kreisbewegung mit Mittelpunkt in der linken Schulter. Zudem wird ab dem Auftreffen mit dem idealen Auftreffpunkt 3 sun (~ 9 cm) hinter der Schwertspitze bis zum finalen Stopp des Hiebs der Ellbogen abgewinkelt, sprich der Griff wird zum Körper gezogen. Somit verkleinert sich die gedachte Kreisbewegung.
Dies wird oft als „ziehen des Schwertes während dem Schneiden“ oder „gezogener Schnitt“ bezeichnet. Doch dieser „Ziehschnitt“ soll im Idealfall nicht bewußt, sondern automatisch ausgeführt werden. Bei der erwähnten Kreisbewegung legt die Schwertspitze eine längere Distanz zurück. Man sagt dazu auch „die Spitze läuft“ (kissaki ga hashiru, 切先が走る).
Abschließend kann man also sagen, dass das katana zwar eher einen Winkel der Schneide für Aufgaben einer nata besitzt, es aber durch den sori und das „Laufen der Spitze“ die effektive Schärfe eines yanagiba-hôchô erreicht.

Abb. 3: Die Kreisbahn beim vertikalen Schnitt (kiri-oroshi, 斬り下ろし:
Beim Hieb wird die Ziehkraft a2 aufgewendet. Rechts außen als Umriss die Überkopf-
Ausgangsposition des Hiebs. Der Pfeil zeigt die Position beim Auftreffen auf das Ziel,
d.h. es wird Stampfschritt (fumikomi-ashi, 踏み込み足) mit Absenkung des Körper-
schwerpunktes ausgeführt.
Man beachte die linke Hand: Ab dem Auftreffen vollzieht sich eine Kreisbewegung
mit Mittelpunkt in der linken Schulter, und durch Anwinkeln des Ellbogens im Verlauf
des Hiebs wird der Radius dieser Kreisbewegung verringert. Diesen gesamten Ablauf
nennt man „Ziehschnitt“ oder „gezogener Schnitt“.

Mein besonderer Dank gilt Markus Sesko, der diesen Text aus dem Japanischen wie immer sehr professionell und sachkundig übersetzt hat. Markus ist Mitglied des NIHONTO - Club und Fachautor vieler interessanter Bücher zum Thema der japanischen Klingen. Siehe: Neues Buch zum Thema „japanisches Schwert"





Quelle:
図説・日本武器集成—決定版 (歴史群像シリーズ) [単行本]
Amazon.jp
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Mittwoch, 16. Februar 2011

Kurikara und Tanren Uchi

Durch Zufall bin ich auf John Maki Evans gestoßen. Eigentlich war es ein Bild in dem er Kirioroshi, einen vertikalen Schnitt, ausführt. Auf diesem Bild ist der Schnitt in elf Phasen sehr eindrucksvoll dargestellt.

Kirioroshi. Foto: John Maki Evans

Dann habe ich auf seiner Webseite einige interessante Informationen gefunden. Danach war es ein kurzer Weg mit John persönlich in Kontakt zu treten.

John unterrichtet in seinem Dojo in London und hat ein sehr interessantes Buch publiziert:


Kurikara: The Sword and the Serpent
John Maki Evans
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Blue Snake Books, 2010
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1583942440
ISBN-13: 978-1583942444
ca. EUR 13,-
In Mikkyo - dem japanischen esoterischen Buddhismus - symbolisiert der Drache Kurikara die innere Energie die durch die Arbeit mit dem Schwert entwickelt wird. Kurikara ist eine Manifestation des kämpferischen und leidenschaftlichen Bodhisattva Fudo Myoo (japanisch für den „unerschütterlichen, klarsichtigen König“), der Schutzpatron der japanischen Asketen und Krieger, der mit seinem Schwert die Illusionen und materiellen Anhaftungen zerstört und trennt. Fudo Myoo kämpft mit seinem Schwert der Erkenntnis gegen die Unwissenheit und die daraus entspringende ungebändigte Gier. Dies führt zur Entwicklung einer inneren Energie, mit der man alle Hindernisse auf dem Weg zur geistigen Freiheit "verbrennen" kann.

"Kurikara: Das Schwert und die Schlange" behandelt die acht grundlegenden Prinzipien der Schwertkunst, die für alle japanischen Schwert Schulen gleich sind und betont die Entwicklung von Energie und Konzentration. John Evans beschreibt praktische Beispiele aus seiner langjährigen Erfahrung in der Schwertkunst. John war der erste ausländische Studenten der unter Nakamura Taisaburo Sensei http://www.battodo-fudokan.co.uk/nakamura/index.html trainieren durfte und beschreib wie die dort vermittelten Fertigkeiten systematisch durch Tanren (Übungen welche die "innere" und "äußere" Kraft verbinden) entwickelt werden können. Das Buch ist angefüllt mit nützlichen Anekdoten aus Johns Zeit in Japan sowie dem spirituellen Unterbau des Unterrichts.
Besonderes Augenmerk legt John auf "Tanren", das Training mit dem Bokken bei dem auf ein Ziel geschnitten wird. Tanren Uchi wird auch als "das Schmieden des Gesites" bezeichnet. Wenn man täglich rund 100 Wiederholungen dieser Übung macht, wird einem schnell klar was damit gemeint ist.


Tanren Uchi ist eine sehr traditionelle Trainingsmethode, die dabei hilft den ordnungsgemäßen Einsatz des gesamten Körpers beim Schneiden, besonders der Hüften, zu erlernen.


Autoreifen bekommt man bei gängigen Reifenhändlern umsonst. Zumindest habe ich meine da her (Pit-Stop). Aber bitte nicht im Grünen einfach abladen!


Einer der größten Vorteile des Tanren ist, dass man beim Schneiden eine sofortige kinästhetische Rückmeldungen durch das Bokken erhält. Wenn ein Schnitt falsch ausgeführt wurde, ist das Gefühl welches durch das Bokken übertragen wird völlig anders als bei einem korrekten Schnitt. Natürlich liegt auch gerade in dieser Rückmeldung eine Gefahr. Wenn man diese Art des Trainings ohne sachkundige Anleitung "wild" betreibt können sich die Bandscheibe oder die Gelenke schon mal melden und es können ernsthafte und dauerhafte Schäden auftreten.


Traditionell wurde Tanren Uchi nicht wie heutzutage mit einem Autoreifen ausgeführt, sondern mit einem Bündel aus grünen, frischen Zweigen (gerade jetzt im beginnenden Frühling) auf einem hölzernen Bock. Dies lässt sich auch heute noch auf einem Trainingsplatz im Freien einrichten.



Die Übungen lassen sich mit einem "normalen" Bokken oder auch mit einem deutlich dickeren und überschweren Bokken durchführen. Wer jedoch im Freien übt, der kann sich auch einfach einen Knüppel zurechtschnitzen und muss nicht groß Geld für teures Übungsgerät ausgeben. Diese Methode ist auch in Japan recht verbreitet. Um ein vernünftiges Tenouchi zu entwickeln gibt es nichts besseres als Tanren Uchi täglich mit 100 Wiederholungen auszuführen.

Uchikomi Ziele. Foto: John Maki Evans

Wer mehr über diese interessanten und nützlichen Trainingsmethoden lesen möchte, dem sei das Buch von John empfohlen.


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Dienstag, 15. Februar 2011

Outdoor Dojo

Viele Budobegeisterte haben leider nicht das Glück einen Dojo bzw. einen Trainingsraum in der Nähe ihres Wohnortes zu haben. Oft bietet auch die eigene Wohnung keine Möglichkeiten das Iaito oder Bokken zu schwingen ohne ernsthafte materielle Schäden anzurichten. Das muss aber kein Grund nicht zu üben. Es gibt durchaus Beispiele die zeigen, dass auch ohne "feste Behausung" ein effektives Training möglich und sogar angenehmer realisiert werden kann.


Der "River City Aikido" Verein aus Richmond, Virginia trainiert gezielt und das ganze Jahr über in der freien Natur. Ich danke Brian Hill Sensei für die Unterstützung.

O-Sensei Morihei Ueshiba trainierte viel in freier Natur.

Es gibt so viele Gründe dafür im freien zu trainieren. Man muss keine Rücksicht auf Wände und Einrichtungsgegenstände nehmen. Man kann mit einem Jo großflächig üben ohne Angst zu haben einen anderen Trainierenden zu verletzen.


Jedoch ist einer der wirklich ausschlaggebenden Gründe der, das dies eine irgendwie ursprünglichere, althergebrachte, ursprüngliche und archetypische Trainingsweise ist. Wenn man an all die Generationen von Menschen denkt, die bereits seit jahrtausenden vor uns die Kriegskünste unter freiem Himmel, in staubigen Lichtungen, umgeben von alten Bäumen geübt haben, so ist dies eine ganz anderes Szenerie als würde man in einer nach altem Schweiß und Bohnerwachs riechenden Turnhalle stehen. Nachdem der Film "Last Samurai" mit Tom Cruise in den Kinos lief, hatten Iaido und ähnliche Vereine einen immensen Zulauf. Dies nicht zuletzt wegen der wirklich ansprechenden Bilder der unter freiem Himmel übenden Krieger. Es soll mir keiner sagen, dass ihn das nicht angesprochen hat. Dieses archetypische Gefühl ist es, was viele im Budo suchen und leider nicht finden.



Es gibt eine Art genetisches Gedächtnis, dass unter diesen Umständen erwacht und einem sagt, dass es einen Grund dafür gibt genau so zu trainieren. Das erste Mal wenn man ein Schwert oder Bokken in Händen hält und in Richtung der aufgehenden Sonne schneidet, mit klopfendem Herzen vom harten Training, lässt einen fühlen, dass man mit einer alten Tradition verbunden ist.
Ein weiterer Grund für Outdoor-Training ist einfach draußen sein zu wollen. Wie viele Menschen gehen heute noch in die Natur und verbringen ihre Zeit im Freien? Dazu zähle ich nicht die Zeit auf einem Fahrrad oder Motorrad. Wir verbringen unsere Zeit isoliert von der wirklichen Welt und den Elementen.


Es macht einfach Spaß! Wenn wir uns daran erinnern, wie wir als Kinder eine oder zwei Stunden spielend im Regen verbrachten, Oder noch besser, spielend im Schnee!

Mike Smith, ein Kyudo Schüler & Lehrer
— er ist auch Besitzer des Trident Booksellers & Café
führt eine Kyudo Zeremonie im Kyudo Dojo in Boulder, Colorado vor.

Outdoor-Training gibt einem den Hardcore-Kampfkunst, Krieger Vorwand, um "nach draußen zu gehen und zu spielen!" Endlich mal wieder völlig eingesaut, nass, verschwitzt und schmutzig zu werden!
Viele Menschen gehen bei jedem Dreckswetter joggen, warum also nicht Kampfkunsttraining im Freien? Die Alternative ist joggen auf dem Laufband mit MP3-Player und Fernseher.

Die Gruppe von Brian Hill Sensei im Schnee

In Japan wurde schon immer im Freien trainiert. Besonders nach dem Krieg, als das Waffentraining durch die Besatzungsmacht verboten war trafen sich viele Budoka draußen vor den Dörfern oder Städten und übten im Freien, im Schutz kleiner Wäldchen, fernab der wachsamen Augen der Schergen von General MacArthur.

Sandalen gibt es u.a. bei Dick.
Dazu gibt es auch passende Socken.


Oder Waraji 草鞋 
oder
Tabi 足袋


Worauf jedoch beim Outdoor-Training geachtet werden sollte ist die richtige Kleidung.

Es gibt grundsätzlich zwei Richtungen, entweder man trägt NUR Funktionskleidung oder man trägt traditionelle Kleidung (mit oder ohne Funktionsunterwäsche). Baumwolle ist im Sommer O.K. Es gibt den alten Ratschlag sich in mehreren Schichten zu kleiden. Was man trägt kann man ablegen, was man nicht trägt kann man auch nicht ablegen, aber auch nicht wieder anziehen.


Schuhwerk ist ratsam. Dazu kann man entweder traditionelle Sandalen mit oder ohne Tabi tragen, Geta mit einem oder zwei Zähnen oder japanische Zimmermann-Tabi mit Gummisohle, die ich selbst bevorzuge (hier die Luxusvariante). Wenn man sich fast mal den kleinen Zeh gebrochen hat weil der Boden uneben war....


Kommt raus, spielen!





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Ein weiteres beeindruckenden Iaido Seminar, diesmal im Syubukan Dojo Oberhausen (Englisch)

Wieder hielt hielt René van Amersfoort ein Iaido Seminar in Deutschland ab, diesmal in Oberhausen.
Anbei der Artikel in englischer Sprache (Verfasser sind unsere Niederländischen Freunde), der erneut sehr schön beschreibt, wie ein didaktisch durchdachtes und nach modernen Lehrmethodiken durchgeführtes Iaido Seminar aussehen sollte.

Jeder Leser der nun endgültig auf den Geschmack gekommen ist ein eyquisit geführtes Seminar zu besuchen, kann ich nur das Iaido Seminar mit Jock Hopson & René van Amersfoort am Freitag, 11. März bis Sonntag, 13. März im "Löwen Dojo" in Braunschweig empfehlen!!!



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IAIDO IN OBERHAUSEN ORGANIZED BY DOJO SYUBUKAN

Saturday and Sunday 12 and 13 February 2011 dojo Syubukan led by Thomas Machozcek organized an iaido seminar with René van Amersfoort 7th dan iaido renshi. Approximately 25 students attended coming from Braunschweig (Löwen Dojo), Düsseldorf (Hakushinkai Dojo), Bremen, Dortmund, Hamburg, België and The Netherlands. Actually the main group are the same students seeing each other regularly at these seminars, keeping their iaido keiko continuously active and at the same time learning new things. Yes, learning new things is a must at seminars. New things that the students and their teachers can take back with them to their own dojos to research further and deeper. Especially for sandan, yondan, godan and runner ups for rokudan it’s important to learn new things and to change old habits. Sometimes it’s very difficult to change your own iaido, because the issue at a higher level is all about small, very small points. Which are so difficult to at first understand and secondly to implement in your training during and after these seminars. How to learn to use calmness in your iaido or how to learn to bring energy through your hands on the hilt into the point of the sword? That are two examples which needs extreme caution at a higher level. Thus need continuously tuition by a experienced iaido teacher. Everybody uses the sword during executing of kata. But although the movements externally look all the same, internally there are many differences in skill. So many differences that it takes a life time or even more to gain control over your own swordmanship. Just as it takes time in daily life to put something on the map and to keep it on the map, like the GASOMETER in Oberhausen ☺.

THE MOON IN THE GASOMETER - OBERHAUSEN

How do you gain control? That’s a mutual polishing between teacher and students. It’s a mutual benefit. Both learn during the process. That’s why it’s of no real importance to have a video of your teacher from ten years ago. Of course it has a historical value and it’s your iaido memory, but because of the ongoing learning process, students as well as the teacher should develop during their lifetime (keiko) training. A teacher needs students and students need an experienced teacher. Experienced in skill and teachings methods. The experienced teacher also must be able to teach students: FIGHTING SPIRIT. That means that the teacher must have experience himself in competition and vigorous training. To bring the students during the years into a fighting spirit mode is only possible if the students visit the dojo or the seminars very regularly and the teacher provides within the given lessons the elements necessary to reach this fighting spirit mode. One method is trying to fight as hard as possible lacking all other things such as calmness, technical points, balance and correctness. This sounds strange but to gain a certain more higher feeling of fighting deep inside, you have to step out of your own circle of daily routine. If you can’t rise your level of movements and heathen up inside to be ready for a fight, then you aren’t able to visualize your imaginary opponent (KASSO TEKI) during the fight. Bring your heartbeat above 180. Feel how your body and mind react and what kind of influences this has on the executing of your iaido techniques. Thus on you taking decisions during your fight. Decisions where your life depends on. Of course don’t use this training method all the time, but after a few kata executed in this way, try to come back into correctness and calmness etcetera but with an extra load called FIGHTING SPIRIT. For some students this is very difficult to do, that’s why they need constant tuition by a experienced teacher. Training on the sharpness of the edge!


After quite many basic exercises with a focus on ENZAN NO METSUKE and RHYTHM we learned that most of the students still find it difficult to use their eyes correctly and to observe seriously. Actually the teacher has to remind the students to use those skills over and over again, until it’s a common thing to do for them. Basic exercises construct the fundament on which experienced iaido skills are built on. Without understanding of the iaido techniques there is only copying. Without knowing how and where to look consciously, there is only unconsciously copying. Hollow iaido instead of nice - with inner techniques filled - iaido. Like you bought a Bounty chocaltebar expecting fine chocolate with a filling of tasteful coconut, but instead there is only the chocolate shell without the coconut.

From basics we went one time through the ZNKR seitei iaido gata (12 kata). Then we stayed for a long time at ipponme MAE. What we did this time, was that the teacher wasn’t showing so many kata classical, but the students were told to do this. During the ENBU (demonstration) of the students, the teacher used the students to correct their iaido on the spot at the same time heighten the ENZAN NO METSUKE and the OBSERVATIONAL SKILLS of the students looking at this type of ‘master class’. Because every student is different in skills, physics, rhythm and coordination etcetera, this type of teaching provides the class an enormous amount of points to think about and to correct and to be absorbed.
At the end of the day the students brains where almost overcooked because of the load of information. That’s also a skill: to be able to remember the given correction points during seminars. It’s learning all the way. It’s not a holiday. It’s not training one day only on two or three points. That would be good sometimes, but training too much repeatedly single techniques without profound skills is like repeating the wrong techniques over and over again, and in that way killing the correctness.

We also repeated the seven main points of MAE:
  • Is there enough SAYABIKI
  • Is the tip of the sword during FURIKABURI taken up high with a feeling of pointing to somebody who stands left diagonally behind you
  • Is the tip of the sword when above the head not under horizontal
  • Is the cutting – KIRIOROSHI - done without hesitation (is furikaburi and kirioroshi done in one rhythm)
  • Is the tip of the sword after kirioroshi slightly below horizontal
  • Is the CHIBURI executed correctly and
  • Is the NOTO executed correctly
We not only repeated them in a practical manner, but also repeatedly rehearsed it theoretically by letting different students of different levels repeating the points loudly and classically.

Especially for the higher grades attention was drawn to balance themselves during executing their techniques. Balance in combination with KI KEN TAI ITCHI. A soft and smooth approach was recommended and it was noticed by the teacher because of the reaction of the students that this approach is very difficult. Power is not needed. During the process of executing the techniques power is developed naturally. That’s more efficient than when students apply power in the wrong way. It’s a FINGERSPITZENGEFÜHL. It’s difficult, so it needs to be studied more.

Also special attention to USHIRO: the second seitei kata. Two types: basic (for beginners so up to sandan level) and advanced (sandan and higher). The difference is that the advanced type stresses to turn immediately without coming up first. Looking and keep on looking during turn is important to make the flow and stay smoothly. Then the teacher explained about FUMI KAI (not to execute it this way) and FUMI KOMI (correct way to execute in this kata). And holding the left knee into a steady position after the turn while executing nukiuchi.

Then on to executing many repetition of the standing UKENAGASHI exercise with one and two hands. During all three seitei kata also the way of executing the NOTO was looked at. Again being in balance, with your left and right arm is important. Without balance their can’t be a notion of keeping the centre. Especially for yondan level it’s of great importance how to control your centre by all means.


Slowly we went into KORYU and we trained quite a few forms of the OMORI RYU. With at the end focus on SHOHATTO and also on INYO SHINTAI. During the whole seminar there was a nice balance between technical approach and periods of hard work.

At a certain point we went silently into training whole OMORI RYU, whole HASEGAWA EISHIN RYU and whole SUWARI WAZA OKUDEN. A small group of experienced students went as a kind of example (enbu) into executing HAYA NUKI also ones with KATATE WAZA. This is only a training method to be used in the dojo after many years of practising the koryu kata. Again be sure first to make the fundament before moving on to higher skilled technical training.

To learn a nice rhythm four kata were choosen from the TACHI WAZA OKUDEN which were well and a long time trained. Especially the attention of the yondan and godan iaidoka was drawn to executing those kata with a nice flow, learning moving without stopping. Learning how to use the principles of KANKYU KYOJAKU meaning the relationship between slow and fast & strong and weak.

Literally KANKYU KYOJAKU means: slow (KAN), fast (KYU), strong (KYO) and weak (JAKU). During training of iaido kata it’s important to learn on which moments you have to move fast or slow and to learn which movements relaxed or at the contrary has to be executed strongly. Not all movements of an iaido kata must be executed as fast as possible or as strong as possible. KIRIOROSHI must be of course a strong movement, but CHIBURI must be executed very relaxed.

To learn the rhythm of a kata, TANAYA Sensei advised the following trainingmethod:
  • Start executing a kata in SLOW MOTION. Execute all movements as slow as possible. Repeat this approximately five times.
  • Then execute the same kata with MORE SPEED then normally necessary. All movements have to be executed as fast as possible maintaining the correctness of the movements. Repeat also this approximately five times.
  • At last execute the kata with the CORRECT RHYTHM with EMPHASIZING on FAST-SLOW and STRONG-WEAK.
Especially when you as a student has nobody in your dojo who can correct you, this trainingmethod mentioned above is an excellent way to learn yourself the rhythm of a kata and to learn how to understand the rhythm of a kata.

More at the end of the seminar we went through the whole ZNKR seitei kata (12 forms) again but this time with more explanation. After one break we started with a technical approach of executing nanahonme SANPO GIRI paying again much attention to KANKYU KYOJAKU.

During the seminar there were several demonstrations:
  • A KORYU JODO demonstration in which the CHUDAN serie was shown fully.
  • An UCHIDA RYU TANJO JUTSU demonstration (12 kata) was shown in which timing and coordination is important. TANJO JUTSU belongs to the so called FUZOKU BUDO (the techniques belonging to the curriculum of the SHINDO MUSO RYU JODO)

At the end of the seminar the students in several groups made some ENBU of a set of kata in which they could show the other students and the teacher what was learned during the seminar. You saw all performers do their utmost to show the points learned this weekend.
Also one student who is preparing for his yondan examination had to perform alone a set of five kata (one koryu and four seitei). His task was to keep the centre and keep his head straight up in the meanwhile using KANKYU KYOJAKU. A difficult task, that’s why the above mentioned trainingmethod is written down once again in order to be of help to this student. Gambatte kudasai.

When the iaido seminar was finished, there was one hour JODO given by the teacher to eight students. Again KANKYU KYOJAKU with special attention to relaxation was stressed.

At the end of the JODO lesson the organizer of the OBERHAUSEN seminar Thomas Machozcek had to execute the twelfth seitei jo gata RANAI several times with Marjan de Block, which gave some nice fights and a display of the right use of fighting spirit.
Although the distance could be better both students learned a lot of this way of training.


The iaido seminar was ended with a group photo. All students were exhausted and technically refreshed. For the teacher it’s nice to notice that when looking to the last two years many students improved because of their continuous training. This means hope for the future and thus a good development towards the challenges of a higher iaido examination. The coming three years the teacher will be focusing more and more on the higher grade students in order to help them to reach that higher level. Moving without stopping. Go with the flow. Until next time.

Dojo Kiryoku
February 2011



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Sonntag, 13. Februar 2011

Der Schuss auf den Fächer

Eines der berühmtesten Ereignisse des japanisch Bogenschießens geschah während des Gempei-Krieges (1180–1185). Bei der Schlacht von Yashima zogen sich die Heike nach ihrer Niederlage auf ihre Boote bei Yashima zurück, die verfolgenden Genji wurden vom Meer gestoppt. Als die Heike in Ufernähe auf günstigen Wind warteten, hingen sie einen Fächer an den Mast eines der Schiffe und forderten die Genji auf, ihn herunterzuschießen.

 
Der General der Genji, Yoshitsune, schaute links und rechts auf seine Leute, ob nicht doch jemand darunter sei, der diesen Fächer herunterschießen könne. Das Boot schwankte bei dem stürmischen Wind und dem starken Seegang auf und ab. Das Treffen erforderte demnach allerhöchste Technik. Keiner seiner Leute meldete sich, jedoch gab es jemand unter den Offizieren, der Nasu no Yoichi mit den Worten vorschlug: „Dieser Mann schießt so meisterhaft, dass er auf der Jagd mit einem Pfeil drei Vögel gleichzeitig erlegt.“

Nasu no Yoichi Munetaka

Yoshitsune ließ Nasu no Yoichi Munetaka zu sich rufen und befahl ihm, den Fächer vom Bug des Schiffes herunterzuschießen. Obwohl Yoichi beharrlich ablehnte, befahl Yoshitsune ihm erneut, unter allen Umständen den Fächer abzuschießen. Getreu dieses strikten Befehls trieb Munetaka sein Pferd vom Ufer ins Meer hinein. Er ritt immer weiter, und als die Distanz nur noch 50 Schritt groß war, legte er in Ruhe einen Schwanenfederpfeil an und wandte seinen Blick zum Ziel.
Wie ein Blatt auf hoher See schwankte das Boot. Der Fächer, der auf der Stange am Bug steckte, hörte nicht auf, nach rechts und links, oben und unten zu schwanken. Wohl an dieser Stelle fasste sich Munetaka ein Herz und spannte den Bogen ganz auf. Am maximalen Punkt schoss er ab und der Pfeil zerschoss auf meisterliche Weise das Scharnier des Fächers, so dass dieser hoch in die Luft flog.
Diese Geschichte erzählt man sich seit alters her unter den Kriegern, und späteren Generationen wurde diese Geschichte als eine der berühmtesten Ereignisse des Gempei-Krieges überliefert.








Diese Leistung wird auch heute noch von einigen japanischen Bogenschützen angestrebt. Der Aufbau kann entweder wie in der historischen Überlieferung mit einem Boot mit Mast dargestellt werden, was aber den Verlust der Pfeile bedeutet oder durch einen Aufbau an Land.

Dazu wird in einer Distanz von 60 Metern zum Schützen ein Fächer in drei Metern Höhe befestigt.


Diese Art des Schiessens erinnert an die in Belgien, Frankreich und Teilen der Niederlande populäre Variante des traditionellen europäischen Bogenschiessens, dem Popinjay oder Papingo.

Bei dieser Variante wird vertikal nach oben auf eine Reihe von Federballen geschossen. Sie hat sich direkt von der Übung der auf den im Hafen vor Anker liegenden Schiffen stationierten Langbogenschützen entwickelt. Um in Übung zu bleiben während sie im Hafen lagen, wurden Vögel (normalerweise Eichelhäher oder Papageien) oder ersatzweise Federballen auf die Rahen und auf die Mastspitze gesetzt. Bei einer anderen Variante wurde dort wo der Platz zum Scheibenschießen fehlte, eine Fahnenstange horizontal aus der Kirchturmspitze herausgeführt. Das Treffen der oberen Ziele brachte die meisten Punkte. Die Ziele weiter unten brachten die wenigsten Punkte.



Diese Art des Schießens auf einen hohen Pfosten wird noch heute in England praktiziert. Ein hölzerner Papagei oder ein Hahn, der durch einen Zylinder von 5“ x 2“ (12.5x5cm) repräsentiert ist, wird an der Oberseite des Mastes oder des Pfostens gesetzt. Auf Querstreben darunter folgend 4 Hennen 4“ x 1.5“ (10x3.8cm), dann darunter die 24 Küken 2“ x 1“ (5x2.5cm). Alle sind mit Federnbeklebt. Treffer zählen 5 Punkte für den Hahn, 3 Punkte für jede Henne und 1 Punkt für jedes Küken. Sie müssen weg von ihrer Stange geschossen um zu zählen und wenn der Hahn von der Stange geschossen wurde, werden wieder alle zurück an ihren Platz gesetzt.

Popinjay ist in Nordfrankreich und im flämischsprachigen Belgien sehr populärer. Die Hauptstadt des Popinjay ist Brügge, wo es in den Außenbezirken einen alten Schussplatz gibt. Auch in Nordfrankreich ist Popinjay weit verbreitet, besonders in den Regionen Nord/Pas de Calais (Artois), wo die meisten Veranstaltungen zwischen Hazebrouck bis zum Südwesten von Lille stattfinden. Außerhalb von England benutzen die Anhänger dieser Art des Schießens keinen Langbogen sondern üblicherweise den Recurve-Bogen. Sogar recht kleine Gemeinden haben ihr eigenes „perche“ (Mast) von bis zu 85 Fuß (26m) Höhe.




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Montag, 7. Februar 2011

Bericht vom "Tachi Uchi no Kurai Lehrgang (Kata mit Bokken)" in Düsseldorf

Am Wochenende 5./6. Februar 2011 wurde vom Hakushinkai Düsseldorf das jährliche " Tachi Uchi no Kurai 太刀打之位" Seminar abgehalten. Im Hakushinkai Düsseldorf e.V. wird seid 1988 Iaido gelehrt.
Unter der sachkundigen Leitung von Horst Ehrhardt Sensei und der Unterstützung von Udo Schneeweiß Sensei wurden zwei Tage lang die zehn Tachi Uchi no Kurai Katas, der Platzwechsel und die dazu notwendigen Koordinationsübungen trainiert.


Die Kumitachi Kata, zu denen auch Tachi Uchi no Kurai 太刀打之位 gehört, sind eine Sammlung von Partnerübungen. Sie dienen vor allem der Übung der Schwertbewegungen, zur Verbesserung der Koordination, des Timings und des Abstands, sie sind kein Kampftraining! Die Eindeutigkeit der Impulse und Gegenbewegungen, die Wachheit der Partner und die Genauigkeit der Bewegungen stehen bei den Übungen im Vordergrund.
Zu Beginn wird langsam geübt und nach einiger Zeit können die Abläufe dann sehr schnell werden. Das Ziel ist es, mit den Bewegungen des Partners zu "verschmelzen". Kumitachi ist ein wichtiger Bestandteil des Musō Shinden Ryū, wie auch einiger anderer alter Schulen. Konzentration, Geistesschärfe, Überwindung von Angst und das Verständnis von Distanz sind einige der Dinge, die während des Kumitachi gefördert werden, aber auch das Verständnis von Raum und Zeit und der eigenen Position innerhalb dieser Koordinaten werden ausgebildet. Das Verständnis für die eigene Mittelachse, der eigenen Position und des Timings sind ausschlaggebend für das Gewinnen eines Kampfes. Daher sollte Kumitachi auch nicht mit Anfängern geübt werden. In den einzelnen Stufen werden wie im wirklichen Kampf auch, oft verschiedene Techniken wie "Daito gegen Tachi bzw. Shoto" oder auch Jujutsu und Kenjutsu Techniken miteinander verbunden.
In den Tachi Uchi no Kurai Kata gibt es eigentlich keine Festlegung auf Lehrer (Uchidachi - 打太刀) und Schüler (Shidachi - 受太刀), da nach einigen zuvor vereinbarten Wiederholungen die "Rollen" getauscht werden und nach jeder Kata die Trainierenden entgegen dem Uhrzeigersinn jeweils einen Platz weiter nach rechts rücken. So wird gewährleistet, das nicht immer die selben Partner miteinander trainieren. Jedoch stehen die "Lehrer" (höher Graduierten) zu Beginn auf der Kamiza-Seite, weshalb die letzte Form, die eigentlich keine wirkliche Kata ist, auch "Platzwechsel" heißt. Beim "Platzwechsel" wird in einer kontrollierten Kampfform der Platz wenn nötig so gewechselt, so dass am Ende der Übung der höher graduierte wieder auf der Kamiza-Seite steht, das vermeidet am Ende der Übung unkontrolliertes herumlaufen.
Der Lehrer führt grundsätzlich immer den ersten Schlag aus und bietet aus der Überlegenheit heraus Öffnungen an und kontrolliert das Geschehen. Der Schüler führt immer den letzten Schlag aus, der ihn dann zum „Sieger“ deklariert. Der Lehrer "verliert" immer, "schenkt sich" dem Schüler. Es kommt bei den Kata aber nicht auf das „Gewinnen“ an, sondern auf eine möglichst saubere und flüssige Ausführung der Techniken. Auch hier gilt: "Übe langsam, lerne schnell. Übe schnell, lerne langsam!"
Tachi Uchi no Kurai 太刀打之位
(10 Kata stehend Daito gehen Daito)
  1. Deai 出合 erste Begegnung
  2. Tsukekomi 附込 Vorteil ziehen
  3. Ukenagashi 請流 empfangen und abfließen lassen
  4. Ukekomi 請込 empfangen und reingehen
  5. Tsukikage 月影 Mondschatten
  6. Suigetsutō 水月刀 Stich in den Solarplexus
  7. Zetsumyoken 絶妙剣 vortreffliches Schwert (unvergleichliches Schwert)
  8. Dokumyoken 独妙剣 Schwert von einzigartiger Pracht (wundersames Schwert)
  9. Shinmyoken 心明剣 das Schwert des klaren Geistes
  10. Uchikomi 打込 Kampf um das Zentrum
  11. Platzwechsel
Bevor jedoch mit den Kumitachi Formen begonnen werden kann muss das Gefühl für den Abstand und die Kontrolle des Bokken trainiert werden. Dazu werden vor jedem Kumitachi-Training einige spezielle Übungen ausgeführt.
Begonnen wird meist mit den "18 Schnitten":

Die 18 Schnitte

Das Bokken wird (im Gegensatz zum ZNKR-Iai) horizontal an der linken Seite getragen.

Der Abstand der beiden Übenden zueinander ist „Issoku itto no maai“ ("Ein-Schritt / Ein-Schwert Abstand." Das ist der Abstand, von dem aus der Gegner mit einem Schritt getroffen werden kann, oder aber mit einem Schritt seinem Schlag ausgewichen werden kann.)

Gegenseitiges Verbeugen.

Beide ziehen ihre Schwerter unter gleichzeitigem Vorgehen mit dem rechten Bein, und nehmen Chudan no Kamae (mittlere Haltung, Tsuka etwa in Bauchnabelhöhe, die Spitze (Kensen) wird auf die Kehle des Gegners gerichtet) ein. Wobei sich die Klingen im oberen Drittel kreuzen.

Der (passiv) Übende hebt das Chudan no Kamae auf, bringt sein Schwert von unten seitlich über die rechte Schulter und geht in eine Waki no Kamae ähnliche Stellung.
Der (aktiv Übende) bleibt in Chudan no Kamae.
Hidari (links) und Migi (rechts) bezieht sich immer auf die Körperseite beim passiv Übenden, also dem Partner der „geschnitten“ wird.

Bei allen Schnitten gilt, dass der aktiv Übende bei Hidari das rechte Bein vorn stehen hat und bei Migi das linke Bein.

Beim zurückgleiten „Suri Ashi (gleitender Fuß - Bewegung) bleiben die Füße im gleichen Abstand zueinander.

Wird nun aus dieser Position Migi (also rechts beim Gegner) geschnitten, kommt das linke Bein nach vorne. Nach dem Schnitt wird so zurückgeglitten, daß beiden Füße wieder im gleichen Abstand zueinander sind.

Der erste Schnitt Shomen und der letzte Tsuki werden traditionell nicht mitgezählt, weshalb es 16 Schnitte und nicht 18 sind.
  1. Shomen - Senkrechter Schnitt zu Shomen.
  2. Hidari Men - Schnitt zur rechten Schläfe.
  3. Migi Men - Schnitt zur linken Schläfe.
  4. Hidari Kubi - Schnitt zur rechten oberen Halsseite.
  5. Migi Kubi - Schnitt zur linken oberen Halsseite.
  6. Hidari Yoko Kubi - Schnitt rechte Halsseite , waagerecht durch den Hals.
  7. Migi Yoko Kubi - Schnitt linke Halsseite waagerecht durch den Hals.
  8. Hidari Kesa Giri - Schnitt durch das Kesa.
    Von oben nach unten.
  9. Migi Kesa Giri - Schnitt durch das Kesa.
    Von oben nach unten.
  10. Hidari Yoko Kesa Giri - Schnitt durch das Kesa, gleicher Schnitt von unten nach oben zurück.
    Der rechte Fuß geht vor und es wird von oben nach unten durch das Kesa geschnitten. Dann kommt der linke Fuß in Höhe des rechten Fußes (parallel) und beim zurücksetzen des rechten Fußes wird von unten nach oben durch das Kesa geschnitten.
  11. Migi Yoko Kesa Giri (Migi Kiriage) - Schnitt durch das Kesa, gleicher Schnitt von unten nach oben zurück.
    Der linke Fuß geht vor und es wird von oben nach unten, durch das Kesa geschnitten. Dann kommt der rechte Fuß in Höhe des linken Fußes (parallel) und beim zurücksetzen des linken Fußes wird von unten nach oben durch das Kesa geschnitten.
    Ab hier geht der passiv Übende in Jodan no Kamae (obere Haltung). Die Klinge wird über dem Kopf gehalten, mit ca. 40 - 50 Grad nach hinten geneigter Spitze).
  12. Hidari Kote - Schnitt linkes Handgelenk.
  13. Migi Kote - Schnitt rechtes Handgelenk.
  14. Hidari Do - Schnitt unterhalb linken der Achsel des passiv Übenden.
  15. Migi Do - Schnitt unterhalb der rechten Achsel des passiv Übenden.
  16. Hidari Suihei Do - Waagerechter Schnitt unter dem Bauchnabel hindurch beginnend an(wie bei ZNKR Sogiri) der linken Seite des passiv Übenden.
  17. Migi Suihei Do - Waagerechter Schnitt unter dem Bauchnabel hindurch beginnend an(wie bei ZNKR Sogiri) der rechten Seite des passiv Übenden.
  18. Tsuki - In den Suigetsu (Plexus Solaris) mit Kiai und sofortiger Korrektur, durch den passiv Übenden.
Beide Übende gehen in Chudan no Kamae und kreuzen die Klingen. Beide führen Yoko Chiburi aus, dann Noto und Verbeugung.


Es wurde besonderes Augenmerk auf saubere und langsame Techniken sowie auf Sicherheit gelegt. Da im "normalen Trainingsbetrieb" wöchentlich Freitags Kumitachi geübt wird, waren die meisten der Teilnehmer mit den Abläufen vertraut. Aber auch die Gäste kamen schnell in die Abläufe hinein, da immer ein "erfahrener" Schüler als Partner zur Seite stand. Bei zwei Sensei und zehn Schülern war sicher gestellt, dass auch jede Korrektur sofort angebracht und überprüft werden konnte.
Es gab immer wieder Koordinations- und Schnittübungen um das sensorische Verständnis zu verstärken.
Da hier Bokken auf Bokken trifft ist es wichtig mit diesem Widerstand umgehen zu lernen. Auch müssen beide Partner lernen sowohl mit ihren Körperkräften als auch mit dem Druck des Bokken bewusst umzugehen. Dazu gehört natürlich auch das Einhalten des korrekten Reiho.
Gerade hier im Kumitachi, wo plötzlich ein physisch präsenter "Gegner" vorhanden ist, zeigen sich die "kleinen Macken" die beim Iaido-Training nicht so auffallen. Ja, die böse schief stehende Hüfte, kippt da jemand zur Seite,nach vorne oder nach hinten, sind die Hände und/oder Arme zu nahe am Körper oder zu weit davon entfernt... Es gab viel zu beobachten, zu erfahren und zu lernen.
Den Abschluss des letzten Tages bildete dann die Vorführung der einzelnen Kata durch die Teilnehmer. Hier war dann zu erkennen, dass auch die Teilnehmer die zum ersten Mal Kumitachi trainierten sehr viel dazu gelernt hatten.
Semme und Maai werden sich im regelmäßigen Iaido-Training deutlich verändert haben. Eine Erfahrung die keiner der Teilnehmer missen mochte.


Historie
Sowohl im Muso Shinden Ryu (MSR) wie auch im Muso Jikiden Eishin Ryu (MJER) gibt es zwei Kata-Reihen die "Tachi Uchi no Kurai" und "Tsumiai no Kurai" genannt werden. Beide Reihen bestehen aus je zehn Kata. In einigen von ihnen muss sich Shidachi verteidigen, indem er zieht und blockt oder einen Gegenangriff ausführt, während sich die Gegner in anderen Kata mit gezogenen Klingen gegenüber stehen.
Es gibt zwischen den beiden Ryuha ausgeprägte Unterschiede in der Durchführung. Die MJER Formen sind älter und mehr kampforientiert, während die MSR Formen, abgesehen von einigen technischen Feinheiten, den Fokus mehr auf die mental/psychologische Seite legen. Beide unterscheiden sich sehr stark von den Kendo Kata, was nicht überrascht, wenn man ihre Wurzeln betrachtet.
Die heute praktizierten Formen sind wahrscheinlich verhältnismäßig neuen Ursprungs. Vermutlich existierten ursprünglich viel mehr Formen, die auch Ju Jutsu Bestandteile enthielten. Die beiden Kata-Reihen des MSR sind ungefähr zweihundert Jahre alt, da sie bereits im Iai des MJER auftauchen. Sie werden "Tachi Uchi no Kurai" und "Tsumiai no Kurai" genannt und mit Partnern durchgeführt. "Tachi Uchi no Kurai" ist eine Reihe von zehn Standkata und "Tsumiai no Kurai" eine Reihe von zehn Sitzkata
Von der letzten Reihe der Sitztechniken "Tsumiai no Kurai" ist bekannt, dass sie von Oe Masamichi Shikei (1852-1927), dem 6. Meister des Tanimura Ha eingeführt wurden.
Das MSR kennt schließlich noch einen Satz von zehn Kata, der unter dem Namen "Dai Ken Dori" bekannt ist. Dieser Satz besteht aus sechs Tachi gegen Tachi und vier Kodachi gegen Tachi Kata.
In der Abstammungslinie des MSR von Nakayama Sensei finden sich ebenfalls einige Kumitachi Reihen, wobei es heutzutage sehr wenige Menschen gibt die sie noch ausüben. Zu den heute noch viel seltener ausgeführten Kumitachi Kata gehören neben "Tachi Uchi no Kurai 太刀打之位 " noch: Kurai dori 位取り, Tsume iai no kurai 詰居合之位, Daishō tsume 大小詰, Daishō tachi tsume 大小立詰, Tsume no kurai 詰之位, Daiken dori 大検取.


Weiterführende Informationen:

Link zu Artikel: Kumitachi - "Tachi Uchi no Kurai" & "Tsumeai no Kurai"

Einige Seiten aus einem japanischen Qriginal zu den MSR Varianten der "Tachi Uchi no Kurai" 太刀打之位 und "Tsume no kurai" 詰之位 Kata.

Link zu Artikel: Musō Shinden Ryū mit Kumitachi Kata

Hier gibt es Links zu zwei Mitschnitten eines Einführungslehrgangs in "Tachi Uchi no Kurai", aus dem Jahre 2007. Ausführende sind auch hier: Horst Erhard und Udo Schneeweiß vom Hakushinkai Düsseldorf:


Kontakt:
Hakushinkai Düsseldorf e.V.
Frank Willems
E-Mail: frank.wi@arcor.de
Telefon: 02182 - 5785506
Webseite

Das "Tachi Uchi no Kurai" Lehrgang wird jährlich durchgeführt. Auf Wunsch und bei ausreichender Teilnehmerzahl ist auch ein weiterer Termin möglich. Dies bedarf jedoch der Absprache.



Robert, Danke für Deine Hilfe!
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Donnerstag, 3. Februar 2011

Kreative Trainingsmethoden aus einem nicht mehr ganz neuen Buch

In der Februar Ausgabe des "Sword Buyers Digest" welcher von "Sword Buyers Guide.com" herausgegeben wird, wurde unter anderem auch das bereits vor langer Zeit (1998) erschienene Buch "THE MODERN SWORDSMAN - Realistic Training for Serious Self-Defense" von Fred Hutchinson besprochen. Nun ist Fred Hutchinson eine durchaus umstritte Person in der "Schwert Szene" und auch die Idee ein Schwert zur Selbstverteidigung zur benutzen ist heutzutage eher etwas ungewöhnlich und juristisch zweifelhaft.
Wie aber der Autor der Buchbesprechung lobend erwähnt, liegt der wahre Wert des Buches liegt in der Beschreibung der Trainingsmethoden, obwohl man zugeben muss, dass die Tipps zur Selbstverteidigung im ersten Kapitel äußerst unterhaltsam zu lesen sind.
Die Trainingsmethoden werden ausführlich in mehreren Kapiteln behandelt und sind eine wahre Goldgrube. Teilweise sind die Methoden recht unterhaltsam, wie z.B. die Verwendung eines aufgehängten Tischtennisballs, oder die "Seifenblasen-Methode".


Hier bläst ein Partner Seifenblasen in die Luft und der Trainierende versucht diese nacheinander exakt mit Schnitten oder Stichen, aber auch mit der Hand oder mit Tritten zu treffen.


THE MODERN SWORDSMAN - Realistic Training for Serious Self-Defense
Fred Hutchinson
Paperback, 80 Seiten
Verlag: Paladin Press (1998)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0873649958
ISBN-13: 978-0873649957
EUR 17,99


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Dienstag, 1. Februar 2011

Unglaubliche Grazie

In den Kommentaren zu einem englischsprachigen Artikel über Tameshihiri, der in Kürze hier in deutscher Übersetzung erscheinen wird, habe ich einige Links gefunden die ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten will.


Welch Grazie, ich habe lange nichts Vergleichbares gesehen! Leider erlaubt YouTube bei diesem Film die Einbettung nicht. Also bitte den Link anklicken. Es lohnt sich. Das ist übrigens koreanisches Haidong Gumdo.

Ganz anders hier, bei diesem koreanischen Schwerttanz:



Da können sich so einige hochgraduierte "Schwerttänzer" was von abgucken!

Aber wie so oft, ist es auch die Art der Darbietung. Bei Wettkämpfen und Prüfungen habe ich schon oft beobachten dürfen, dass eine elegante und ästhetische Lady viel eher Gnade in den Augen des Komitees findet. Verständlich, ich sehe auch lieber schöne Dinge!


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