Samstag, 31. März 2012

Kazuya mae & Teki(yo) mae

Neben dem Makiwara-, dem Mato- und dem Enteki-Schiessen bietet gerade die Heki Ryu Insai Ha als eine Koryu die ihre Wurzen im Kriegsschiessen hat noch andere Arten des Schiessens. Diese Arten werden in Deutschland leider nicht sehr oft praktiziert oder gezeigt und schon gar nicht gelehrt. In anderen Europäischen Ländern sieht es da ganz anders aus. Besonders unsere Italienischen Freunde haben mit den "Makkaroni Samurai" eine sehr eindrucksvolle Truppe aufgestellt. In Deutschland sind wie immer politische und ideologische Gründe schuld daran dass diese Art des Schiessens nicht offiziell gelehrt und selten Praktiziert wird. Aber es gibt "verborgene" Zirkel die es trotzdem tun und sich mit den anderen internationalen Gruppen und den Japanischen Sensei darüber austauschen. Wir leben nun einmal im 21. Jahrhundert und Unterdrückung und Zensur sind Auslaufmodelle. Den Sozialen Netzwerken sei Dank!


Zu den anderen Arten des Schiessens gehören unter anderem das:

Kazuya mae: Viel und schnell schießen, ca. 10 Pfeile pro Minute, auf den noch weit entfernten Feind. Die Technik der linken Hand und die Phasen sind die Gleichen wie beim Teki(yo)-Mae, die rechte Hand dreht sich nicht und Torikake wird mit 4 Fingern gemacht. Es wird ein ein weicher Schießhandschuh ohne Daumeneinlage verwendet.
Diese Disziplin wird häufig als Einleitung und Vorbereitung zum Teki(yo) mae geübt.

Teki(yo) mae: Das Schießen auf dem Schlachtfeld. Nur weit Fortgeschrittne üben diese Disziplin, eine Rüstung tragend und dem Feind (in Form eines Setzschildes als Ziel) gegenüberstehend. Es ist besonders auf Timing und Abstand zu achten, da mit scharfen Klingenspitzen geschossen wird und die Sicherheit der Einzelnen in der Gruppe, wie auch der Umgebung gewährleistet sein muss! Hier besteht das Schießen nur aus 3 Phasen: Yugamae, Sanbun no Ni und Nobiai. Die Technik verzichtet auf das Yugaeri und das Uchiokoshi. Es werden Pfeile mit Kriegsspitzen und ein weicher Schießhandschuh ohne Daumeneinlage verwendet.

In beiden Techniken wird mit einem lautem und deutlich hörbarem Kiai (Kriegsschrei) abgeschossen.

Das Torikake, das Fassen der Sehne mit der rechten Hand, ist bei diesen beiden Techniken deutlich anders als beim "normalen" Mato mae schießen .

Das Torikake wird gewöhnlich entweder mit drei oder mit vier Fingern ausgeführt. Dabei ist in jedem Fall darauf zu achten, dass das Kreuz welches sich aus Daumen und Sehne bildet bis zum Lösen des Pfeils unverändert bleibt.
Wenn man wie beim Kazuya Mae mit vier Fingern greift berührt der Ringfinger den Daumen während der Zeigefinger, der den Daumen nicht berührt, Kontakt mit dem Pfeil hat. Der Mittelfinger liegt über Zeige- und Ringfinger. Die Finger liegen alle sehr eng beieinander und entsprechen so dem Tenouchi der linken Hand.


Das Torikake für Mato Mae ist das drei Finger Torikake. In diesem Fall liegen Zeige- und Mittelfinger nebeneinander auf dem Daumen. Die anderen beiden Finger sind eingeklappt.

Ein weicher Schießhandschuh (Wabo) ohne Daumeneinlage.

Beim Kazuya Mae wird ein weicher Handschuh (Wabo) getragen. Dieser Handschuh hat keinen starren Daumen (innere Holzform) wie der normalerweise im Kyudo benutzte Kake. Auch liegt hier die Sehne auch nicht in einer Sehnengrube (Tsuru Michi) sonder weiter vorne in der Beuge zwischen dem dritten und zweiten Fingerglied. Beim Kyudo Kake mit starrem Daumen liegt die Sehne heiter hinten im Bereich zwischen erstem Fingerglied und Mittelhandknochen.

Drei Finger Torikake.

Vier Finger Torikake.

In den meisten asiatischen Bogenkulturen wird mit dem Daumenring geschossen. Die heute im Kyudo verwendeten Schiesstechniken und der Schiesshandschuh mit Sehnenkerbe erinnern deutlich daran wo diese Art des Bogenschiessens seine Wurzeln hat.

Der Daumenring und seine Benutzung.

Übung macht den Meister. Es gibt ein altes Sprichwort: "Man braucht einen Tag um sich an neue Pfeile zu gewöhnen, drei Tage um sich an einen neuen Bogen zu gewöhnen und drei Jahre für den Kake".

Das Ziel für Kazuya mae und für Teki(yo) mae
soll ein Setzschild darstellen.


Ein Setzschild "Tate" (盾), oder Palisadenschild, wurde von den "Ashigaru" (足軽) bei Belagerungen oder in Feldschlachten verwendet. Die Schiessentfernung kann 28 Meter betragen, aber es werden auch andere Entfernungen geschossen. Manchmal in Reihen oder Strukturen aufgestellte "Schilder" um eine Schlacht darzustellen.




Inagaki Sensei beim Kriegsschiessen Teki(yo) mae in voller Rüstung in seinem Garten.











Unsere italienischen Heki-Freunde sind beim Kriesgsschießen besonders aktiv und haben in Bezug auf das Können, die Sachkunde und die liebevoll zusammen gestellte Ausrüstung die Messlatte recht hoch gehangen. Man sieht ihnen an, dass sie mit viel Spaß bei der Sache sind.

Die "Makkaroni Samurai" haben ein recht
originelles Wappen entwickelt.
EIne sehr eindrucksvolle Vorführung.







Quellen:
  • やさしく教える弓道教本, 稲垣源四郎/著, 出版社名: 東京書店, 出版年月:1997年6月, ISBNコード:978-4-88574-622-2, (4-88574-622-1).
  • Fotos und Informationen aus dem Privatarchiv von Carlo Broggi; Mailand, Italien.
  • Die Samurai der Sengoku-Zeit 1: Anatomie einer Samurai-Armee im 16. und 17. Jahrhundert; Till Weber, Rolf Fuhrmann; Verlag: Zeughaus / Berliner Zinnfiguren; 2009; ISBN-10: 3938447400, ISBN-13: 978-3938447406.
  • Kyudo - Die Kunst des japanischen Bogenschießens; Feliks F. Hoff; Verlag: Weinmann; ISBN-10: 3878920369, ISBN-13: 978-3878920366.
  • Casa Zen - Scuola delle quattro Foglie; Gozzuolo, Mantua, Italien: Link 
  • Rofur Flags; Rolf Fuhrmann: Link
  • Privatarchiv des Autors.
  • Fotos von Rita Ruther.







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