Montag, 31. Dezember 2012

明けましておめでとうございます




Homemade Event Calendar des "Tsubaki Grand Shrine of America"  www.Tsubakishrine.org   

Werter Leser dieses Blog, ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes お正月 o-shōgatsu und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2013, das Jahr der (Wasser-) Schlange!


 明けましておめでとうございます 


Was man auch immer von Astrologie halten mag, hier einige Infos zum Jahr der Schlange:

Am 10. Februar 2013 beginnt das Jahr der (水 Wasser-) 蛇 Schlange und endet am 30. Januar 2014. Danach erwartet und im Jahr 2014 das Jahr des (木 Holz-) 馬 Pferdes.

Die Wasser-Schlange gilt in Asien als herausragend klug, logisch denkend und kreativ. Durch ihre Nähe zur Erde ist sie ein Symbol der Weiblichkeit und eine Verbindung zur weiblichen Gottheit. Sie gilt aber auch als undurchsichtig und listig, als ein Wesen, das nach Außen etwas anderes zeigt, als sich im Inneren verbirgt. Die Eigenschaften der Wasser-Schlange machen das Jahr 2013 zu einem guten Jahr für Geldangelegenheiten. Das gilt allerdings nicht für Glücksspiele und Spekulationen. Nur wer eine gut durchdachte Idee hat, entschlossen seinen Weg geht und sich unterwegs nicht verzettelt, nutzt die Einflüsse des Jahres richtig. Dann aber auch mit guten Chancen auf Erfolg.

Die undurchsichtige Art der Wasser-Schlange führt dazu, dass auch 2013 Konfrontationen und Disharmonien nicht ausgeschlossen werden können. Es ist ratsam, sich jetzt weniger auf sein Bauchgefühl zu verlassen, sondern analytisch und mit Verstand vorzugehen, um die Konflikte zu lösen. Es kann auch sein, dass die Konsequenzen aus Fehlern, die 2012, im Jahr des Drachen begangen wurden nun gezogen werden müssen. Auch hier gilt, dass ein kühler Kopf und klare Entscheidungen weiter führen, als überstürztes, intuitives Handeln.

Die Wasser-Schlange gilt in Asien als das weiseste der Tiere und ist ein guter Ratgeber im Umgang mit Konflikten.



Alle Bilder Copyright: "Tsubaki Grand Shrine of America"  www.Tsubakishrine.org  
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Sonntag, 23. Dezember 2012

Was ist Japanisches Bogenschiessen?

In seinem Buch "Shots in the Dark: Japan, Zen, and the West" beschreibt der Autor Shoji Yamada auf wenigen Seiten die Geschichte des Kyudo. Da ich immer wieder Gespräche und Diskussionen verfolgen darf in denen über die "ungebrochene historische Linie" der einen oder anderen Schule (Ryu-ha) diskutiert und gestritten wird möchte ich den Lesern meines Blog diesen Text in deutscher Übersetzung vorlegen (Seiten 57 - 61).
Bögen wurden schon in der Frühzeit als Jagdwaffen benutzt. Holzbögen und unzählige Pfeilspitzen aus Stein wurden in Fundstätten aus der Jōmon-Periode (von 10.000 v. Chr. bis etwa 300 v. Chr.) entdeckt, wie z.B. in San'nai Maruyama in der Präfektur Aomori.

Der japanische Bogen hat zwei hervorstechende Merkmale: Es ist ein Langbogen mit einer Länge von über zwei Metern und um damit zu schießen greift der Schütze den Bogen unterhalb der Mitte des Bogenstabes. Der Griffpunkt unterhalb der Bogenmitte ist einzigartig und wird sonst nirgendwo auf der Welt verwendet.


Auf einem als nationales Kulturgut eingestuften glockenförmigen Bronzeobjekt das auf die Yayoi-Periode (von etwa 300 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr.) datiert wird und in der Kagawa Präfektur ausgegraben wurde, ist eine Jagdszene dargestellt in der ein Jäger auf einen Hirsch zielt. Der Jäger greift den Bogen unterhalb der Mitte des Bogenstabes. Des weiteren wird in der bekannten chinesischen Weishu Chronik (Geschichte der Wei-Dynastie, geschrieben vor 287 n. Chr.) erwähnt das "Japanische Soldaten einen hölzernen Bogen benutzen der unten kurz und oben lang ist." Daraus können wir ableiten, dass die Japaner seit der Yayoi-Periode Bögen benutzt haben die unterhalb der Mitte gegriffen wurden.


Historiker glauben das Pfeil und Bogen in der Yayoi-Periode an auch als Waffen benutzt wurden. Diese Feststellung basiert auf der Tatsache, das die in Yayoi Fundstätten entdeckten Pfeilspitzen deutlich größer waren als die in den Fundstätten aus der vorhergegangenen Jōmon-Periode entdeckten Pfeilspitzen und dort auch Skelette mit nachweislichen durch Pfeilspitzen verursachten Verletzungen entdeckt wurden. Im Laufe der Zeit wurden berühmte Bogenschützen auch in der Literatur verehrt, so wie Minamoto no Yorimasa (1106-1180) der ein mythisches Wesen namens Nue getötet haben soll und Minamoto no Tametomo (1139-1170) der einen überaus starken Bogen benutzt haben soll. Während des Genpei-Krieges (1180 - 1185) wurden Pfeil und Bogen vollständig in die Kriegsführung integriert.


Die organisierten Bogenschulen die bis in die heutige Zeit überlebten haben ihre Wurzeln in der Zeit des Onin-Krieges (1467 - 1477). In dieser Zeit lebte ein legendärer Bogenschütze namens Heki Danjo Masatsugu der seine Fertigkeiten in den Schlachten um Kyoto verfeinerte und danach angeblich durch die Provinzen zog und Bogenschiessen unterrichtete. Es gibt aber auch die Theorie das Heki Danjo eine fiktive Figur war. Die Gelehrten sind sich bis heute nicht einig ob solch eine Person wirklich jemals existierte.


Wie auch immer, Heki Danjo Masatsugu unterrichtete seine außerordentliche Bogenschiesstechnik vermutlich Yoshida Shigekata (1463-1543) und Yoshida Shigemasa (1485-1569), die Vater und Sohn waren. Seit der Zeit dieser Yoshidas kann die Tradition dieser Abstammungsline des Bogenschiessens historisch belegt werden. Die Schule die sie überlieferten ist bekannt als Heki Ryu (Heki Schule). Irgendwann spaltete sich die Schule in verschiedene Zweige (Ha) wie die Insai-Ha, die Sekka-Ha, die Dosetsu-Ha, die Sakon'emon-Ha, die Okura-Ha etc. Auch heute noch existieren in verschiedenen Teilen Japans einige dieser Schulen. Darüber hinaus gründete ein Shingon Buddhist namens Chikurin'bo Josei, der einen Tempel leitete der von der Yoshida Familie protegiert wurde und außerdem ein sehr geschickter Bogenschütze war, eine Schule die als Heki Ryu Chikurin Ha bekannt wurde. Obwohl der Name dieser Schule mit der Bezeichnung "Heki Ryu" beginnt, ist der allgemeine Konsens das sie keine direkte Verbindung zu Heki Danjo Masatsugu hat.


Neben den verschiedenen Zweigen der Heki Ryu existiert eine weitere berühmte Schule, bekannt als Ogasawara Ryu. Gegründet zu Beginn der Kamakura-Epoche (1192 - 1333) von Ogasawara Nagakiyo unterrichtet diese Schule Reitkunst, Bogenschiessen und Etikette. Sie ist spezialisiert auf die zeremonielle Benutzung von Pfeil und Bogen und auf berittenes Bogenschiessen, dem Yabusame. Die frühen Ogasawara Lehren gingen allerdings während der Murumachi-Epoche (1333 - 1573) verloren. In dieser Zeit teilte sich die Ogasawara Familie in unterschiedliche Linien so dass zu Beginn der Edo-Ära (1603 - 1867) mindestens fünf Clans, darunter regionale Herrscher (Daimio) den Nachnamen Ogasawara trugen. Tokugawa Yoshimune (1684 - 1751), der achte Tokugawa-Shogun sammelte Kyujutsu-Texte aus ganz Japan und befahl Ogasawara Heibei Tsuneharu (1666 - 1747), einem seiner Gefolgsleute und Berater (Hatamoto), diese Texte zu studieren und daraus die verlorenen Ogasawara Lehren des berittenen Bogenschiessens und Zeremonien der Vorgängerzeit wieder zu beleben. Auf diese Weise wurde Ogasawara Heibei Tsuneharu der Gründer der Ogasawara Ryu die heute in Tokyo existiert.
Rein technisch kann japanisches Bogenschiessen in zwei Kategorien unterteilt werden: Zeremonielles Bogenschiessen (Reisha) und militärisches Bogenschiessen (Busha). Zeremonielles Bogenschiessen beschäftigt sich mit den Ritualen und den wunderwirkenden Aspekten des Kyujutsu und man kann mit Fug und Recht behaupten das dies die Domäne der Ogasawara Ryu ist. Militärisches Bogenschiessen kann weiter in drei Kategorien unterteilt werden: Bogenschiessen zu Fuß (Hosha), berittenes Bogenschiessen (Kisha) und Tempelschiessen (Dosha).


Bogenschiessen zu Fuß bezieht sich auf die Art des Bogenschiessens die von Fußsoldaten auf dem Schlachtfeld angewandt wurde. Beim Bogenschiessen zu Fuß muss der Schütze sein Ziel exakt treffen und dabei so viel Kraft aufwenden um damit eine traditionelle japanische Rüstung auf eine Entfernung von etwa dreißig Metern, der optimalen Entfernung um den Gegner zu töten, zu durchbohren. Dies auch in der Hitze der Schlacht wenn das Überleben davon Abhängt. Das Training des Bogenschiessen zu Fuß zielt darauf ab eine extrem genaue, subtile Technik zu entwickeln und eine todesverachtende spirituelle Tapferkeit zu entwickeln. Die Heki Ryu Insai Ha ist eine der Schulen die sich auf Bogenschiessen zu Fuß spezialisiert hat.


Berittenes Bogenschiessen befasst sich mit der Technik des Schießens vom Rücken eines Pferdes aus. Berittenes Bogenschiessen beherrschte das Schlachtfeld lediglich von der Heian-Epoche (794–1185) bis einschließlich zur Kamakura-Epoche (1192–1333). Da dies so lange zurück liegt ist es unmöglich zu sagen wie berittenes Bogenschiessen auf dem Schlachtfeld wirklich aussah. Später gab es dann einen Sport namens Inuomono (Hundejagd) bei dem berittene Bogenschützen Hunde in einem kreisförmig abgezäunten Bereich jagten indem sie mit abgestumpften Pfeilen auf diese schossen. Berichte belegen, das dieser Sport bis zum Beginn der Meiji-Ära (1868–1912) ausgeübt wurde, heutzutage aber völlig verschwunden ist. Da auch hier wie beim berittenen Bogenschiessen auf dem Schlachtfeld die Überlieferung unterbrochen ist, ist es nahezu unmöglich wie Inuomono wirklich war.


Wenn man jedoch Texte über Inuomono und die Merkmale des heutigen Yabusame zu Rate zieht, scheint es, dass die Technik des berittenen Bogenschiessens darin bestanden das Pferd geschickt zu lenken so dass der Schütze dicht genug an das Ziel heran kommt um aus einem Abstand zu schießen leichter macht zu treffen. Infolgedessen konzentriert sich berittenes Bogenschiessen darauf wie man ein Pferd reitet während man einen Bogen führt und damit schießt. Obwohl beides Arten des Kyujutsu sind ist es offensichtlich das berittenes Bogenschiessen ein völlig anderes Gefühl vermittelt als das Bogenschiessen zu Fuß.


Schließlich gibt es noch das Tempelschiessen das sich ausschließlich auf einen Wettbewerb bezieht der Toshiya genannt wird. Beim Toshiya konkurrieren die Schützen darin wer die meisten Pfeile (Ya) über die gesamte Entfernung (Tosu) der Außenveranda des Sanjusangendo (Halle der 33 Nischen) des Rengeo-in-hon-do Tempels in Kyoto schießen kann wobei nur der Raum zwischen dem überhängenden Dachvorsprung des Tempels und der Veranda selbst, die eine Länge von 120 Metern Länge und eine Breite von fünf Metern misst, zur Verfügung steht. Für einen heutigen Menschen ist es schwer vorstellbar, aber während der Edo-Ära wurde Toshiya wütend ausgefochten und verschiedene feudale Domänen die ihr Prestige auf den Ausgang setzten, schickten ihre Schützen in den Wettkampf. Es gab verschiedene Arten von Wettkämpfen: Das Oyakazu bei dem die Bogenschützen vierundzwanzig Stunden lang ununterbrochen schossen um am Ende zu sehen wer die meisten Pfeile über die gesamte Länge der Veranda ins Ziel bringen konnte. Das Hyakusha-gake bei dem die Schützen einhundert Pfeile schossen und der Sieger derjenige war welcher die meisten Pfeile erfolgreich über die gesamte Länge der Veranda schießen konnte. Den Rekord beim Oyakazu wurde 1686 von einem Schützen namens Wasa Daihachiro aus der Gegend von Kishu (heute Wakayama Präfektur) aufgestellt der von insgesamt 13.053 geschossenen Pfeilen 8.133 über die gesamte Entfernung der Veranda ins Ziel brachte.


Tempelschiessen setzt meisterhafte Schusstechnik voraus die es dem Schützen erlaubt ohne zu ermüden sehr leichte Pfeile in einer niedrigen Flugbahn abzuschießen. Da die Pfeile keine Rüstung durchschlagen müssen unterscheidet sich die Technik wesentlich von der beim Schiessen zu Fuß oder beim berittenen Bogenschiessen verwendeten. Zudem war Tempelschiessen mehr Sport und Spektakel. Auch intellektuell unterscheidet es sich wesentlich vom Schiessen zu Fuß und dem berittenen Bogenschiessen welche auf der Erfahrung basierten dem Tod auf dem Schlachtfeld ins Auge zu schauen. In einigen Herrschaftsgebieten war Tempelschiessen daher auch mit der Begründung verboten, das es nichts anderes als ein Kriegsspiel sei. Trotzdem beteiligten sich sowohl die Heki Ryu Chikurin Ha und die Heki Ryu Sekka Ha ausgiebig an dieser Art Bogenschiesswettbewerb.


Die Länge der heutigen Kyudo Schiessanlage beträgt achtundzwanzig Meter von der Schusslinie bis zum Ziel. Diese Entfernung basiert auf der für Fußsoldaten optimalen Entfernung auf dem Schlachtfeld wodurch das Bogenschiessen zu Fuß im heutigen Kyudo weiter lebt. Berittenes Bogenschiessen lebt im Yabusame weiter. Tempelschiessen jedoch verschwand als am Ende des Tokugawa Shogunats die Wettbewerbe am Sanjusangendo nicht mehr durchgeführt wurden. Durch den Verlust dieses traditionellen Schiessplatzes müssen sich die Bogenschulen die auf Tempelschiessen spezialisiert waren in einem verwirrten und desolaten Zustand befunden haben.


Awa Kenzo, der Lehrer von Herriegel lernte das Kyujutsu bei zwei Lehrern, bei Kimura Tatsugoro von der Heki Ryu Sekka Ha und bei Honda Toshizane von der Bishu Chikurin Ha.

Rengeo-in-hon-do Tempel in Kyoto



Außenveranda des Sanjusangendo (Halle der 33 Nischen)
des Rengeo-in-hon-do Tempels in Kyoto

Mit der "Wiedergeburt" der Heki Ryu Insai Ha nach dem Zweiten Weltkrieg musste auch diese Schule einige Techniken wieder entdecken. Selbst der verstorbene Inagaki Sensei war gezwungen bei den Satsuma Heki Ryu die Kunst des Kriegsschießens in Rüstung wieder zu erlernen. Noch heute gehen Insai Ha Schützen nach Satsuma um dort die Feinheiten dieser speziellen Kunst zu erlernen.

Wie man sieht, haben die heute so gern als authentische Schulen und Wege beschriebenen Kyudo Ryu-ha auch viele Wandlungen und Entwicklungen durchlaufen. Selbst die Ogasawara Ryu musste sich neu erfinden.


Quelle:
Shots in the Dark: Japan, Zen, and the West
Autor: Shoji Yamada
Übersetzer: Earl Hartman
Verlag: Univ of Chicago Press; 2011
Sprache: Englisch
Gebunden: 290 Seiten
ISBN-10: 0226947653
ISBN-13: 978-0226947655

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Autors Shoji Yamada, bei dem ich mich hiermit herzlich bedanke. Mein Dank geht auch an Earl Hartmann für seine freundliche Unterstützung.

Danke Christian für die schönen Bilder.



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