Sonntag, 27. Januar 2013

Bauanleitung für den weichen Handschuh für das Kazuya / Koshiya

Ich hatte bereits in einem früheren Artikel über den weichen Handschuh gesprochen (Kazuya mae & Teki(yo) mae). Hier ist nun eine Erweiterung notwendig, da der dort gezeigte und besprochene weiche Handschuh, der "Wabo" oder auch "Waboshi" ist eher für das Mato-Schießen, besonders für das Enteki-Schießen geeignet. Ken Kurosu Sensei benutzt ebenfalls verschiedene weiche Handschuhe je nach Schießart. Siehe seinen Blog Eintrag hier und hier).


Für das Kazuya / Koshiya wird ein Handschuh verwendet der eher wie ein ganz normaler Lederhandschuh wirkt. Die einzige Verstärkung ist in der Daumengrube ein kleiner Lederflicken, dort wo die Sehne anliegt. Da die Sehne bei diesen Schießarten nicht so weit hinten liegt wie beim "normalen" Kyudo, sondern weiter vorne wie beim Schießen mit einem Daumenring, liegt auch dieser Flicken weiter vorne.


Solche Handschuhe zu kaufen ist recht schwer wenn nicht unmöglich für jemanden der kein Japanisch spricht oder die richtigen Kontakte hat. Daher ist selber machen die Lösung. Unsere Italienischen Freunde die "Makkaroni Samuarai"  haben ihre Ausrüstung ebenfalls selbst hergestellt und haben mich, wie auch unsere Ungarischen Freunde mit Rat und Tat unterstützt. Weitere Unterstützung kam durch Ratschläge von Ken Kurosu und Makinori Matsuo.








Um einen solchen weichen Handschuh herzustellen muss leider ein Unterhandschuh aus Stoff geopfert werden der als Vorlage für das Schnittmuster dient. Den aufgetrennten Unterhandschuh an den Nähten auftrennen, bügeln und dann auf ein Stück Papier legen das deutlich größer ist als der aufgetrennte Handschuh.



Auf der Abbildung ist deutlich zu sehen, das die Form der Schablone für den Lederzuschnitt am Armstück andere Dimensionen aufweist als der Unterhandschuh. Die Stulpe des weichen Schießhandschuhs sollte viel höher den Arm hinauf reichen und auch weite rum den Arm herum gehen. Auf alten Bildern von Inagaki sensei sieht man, das er auch einen sehr hoch reichenden Handschuh benutzte.
Wenn man eine Schablone erstellt hat die einem zusagt ist es eine gute Idee zuerst einen Probehandschuh zu nähen. Ich habe mir dazu ein nagelneues Fensterleder aus Ziegenhaut bei ebay bestellt und zuerst aus diesem Leder einen Probehandschuh genäht um ein Gefühl für die Form und die Dimensionen zu bekommen. So ein Fensterleder kostet etwa EUR 10,- und ist sein Geld wert. Eine 2-dimensionale Vorlage gibt später im genähten Zustand eine doch andere 3-dimensionale Form.




Wenn man dann seine endgültige Form und das Schnittmuster erarbeitet hat geht es an den Zuschnitt des Leders.

Ich habe mir ebenfalls bei ebay eine Hirschlederhaut, sämisch gegerbt, in der Größe 130 cm x 70 cm, Stärke 1,0 - 1,4 mm gekauft. Daraus kann man locker drei Handschuhe machen. Das Leder sollte aber nicht dünner als 1.2 mm sein. Meine Haut kostete mich EUR 70,-


Eine gute Idee ist es, die Nähte vor dem Vernähen mit Lederkleber zusammen zu kleben. Das Leder lässt sich dann einfacher nähen. Eine gute Nähmaschine mit Ledernadeln und wenn man das Geld ausgeben will, einem Nähfuß mit Spezialbeschichtung damit er besser rutscht (geht aber auch ohne) ist das Werkzeug der Wahl.





Wenn die Form vernäht ist müssen die Applikationen angebracht werden. Zuerst das Band, welches so lang sein sollte, das es um den Daumen und mindestens zweimal um das Handgelenk gewickelt werden kann. Eine Führung für das Band ist eine Variante (die ich gewählt habe) oder ein Schlitz um das Band frühzeitig heraus zu führen (die italienische Variante). Dann noch die Verstärkung durch das Lederflicken in der Daumengrube anbringen (das ist Handarbeit) und der Handschuh ist fertig. Leichte Formveränderungen an der Stulpe lassen sich nun noch im Zuschnitt mit der Schere vornehmen. Ein kleiner Abnäher in Höhe des Mittelfingers unterstützt die Form deutlich.










Aufwand ohne Gedankenschmalz und Planung etwa 3-4 Stunden entspanntes arbeiten. Es lässt sich so natürlich auch ein vier oder fünf Finger Handschuh herstellen.

Besonders auf die Schnürung sollte geachtet werden.

Grazie per il disegno Carlo!!
Für die Sicherheitsfanatiker noch ein Hinweis: Das Kazuya mae (Schnell und viel schießen), das im Hekikiza geschossen wird ist eine unbedenkliche Schießart. Hier werden eigentlich stumpfe Spitzen benutz, sogenannte Blunts. Es kann aber auch mit normalen Mato-Spitzen geschossen werden. Es besteht keine Gefahr für den Pfeilfänger oder das Fangnetz.
Man sollte nie vergessen, das Kazuya und Koshiya im Mokuroku behandelt werden zu den fünf Gosha gehören und geübt werden sollten. In anderen (auch europäischen) Ländern werden diese "exotischen" Schießarten auch fleißig geübt. Hervorgetan haben sich hier Italien, Ungarn, aber auch Amerika und natürlich Japan.

Die fünf Gosha sind:
  • Makiwara mae: Schießen auf eine Strohrolle (Makiwara) in etwa 2 m Entfernung. 
  • Mato mae: Schießen auf der Standarddistanz von 28m bzw. 60 m (Enteki).
  • Teki mae: Kriegsschiessen .
  • Kazuya mae: Viel und schnell schießen (ca. 10 Pfeile pro Minute).
  • Toshi ya mae: Weitschießen.





Copyright einiger der Bilder und der Zeichnung u.a. bei Carlo Brogghi, Italien.
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