Dienstag, 14. Oktober 2014

Alte Heki Ryu Texte - 日置の源流

Im Jahre 1981 entdeckte man in den Hinterlassenschaften eines Mitgliedes der YOSHIDA Familie, der aber selbst keinerlei Verbindung zum Bogenschiessen hatte, 82 alte Schriftrollen die frühe Niederschriften zu Themen der HEKI RYU INSAI HA beinhalteten.
Diese Schriftrollen wurden von von einigen ehemaligen Mitgliedern des Okayama University Kyûdô Club entziffert und bearbeitet und in modernes Japanisch übertragen. Das Ergebnis wurde 2005 in den beiden Bänden "HEKI NO GENRYU - 日置の源流" (Der Ursprung der Heki-Ryu) veröffentlicht.  Diese beiden Bücher sind in modernem aber trotzdem sehr schwer zu lesenden Japanisch verfasst.

Link zu den Büchern bei Amazon.jp :


Heki no Genryu - Band 1


Heki no Genryu - Band 2

Die Originalrollen wurden der OKAYAMA Universität übergeben. Die Inhalte der Rollen stammten aus dem späten 17. Jhd. und dem frühen 18. Jhd. und beinhalteten detaillierte Ausführungen als die bis dahin verfügbaren Texte. Bis zur Veröffentlichung des "HEKI NO GENRYU" bezog man sich ausschließlich auf ein Buch aus dem Jahre 1948 von TOKOYAMA KATSUIYATA HANSHI das ursprüngliche Kommentare und Informationen zur HEKI Schule (MOKUROKU) enthält, sowie ein weiteres Buch aus den 60er Jahren von URAKAMI SENSEI.


Von den 82 entdeckten Rollen beschäftigten sich allein 3 Rollen nur mit TAIHAI, was im gedruckten Buch einen Umfang von fast 40 Seiten ausmacht. Es ist bemerkenswert wie viel Wert in den alten Zeiten auf eine korrekte Überlieferung des TAIHAI der HEKI RYU INAI HA gelegt wurde. Besonders da gerade heute einige sogenannte "Hardliner" in Deutschland das TAIHAI eher gering schätzen. Wie heißt es doch so schön: "Kyudo beginnt mit Etikette und Kyudo endet mit Etikette."

Die Tatsache, dass die Rollen aus OKAYAMA stammten ist insofern von Bedeutung, das OKAYAMA der Ursprung der HEKI RYU INAI HA ist. INAGAKI SENSEI war der Schüler von URAKAMI SAKAE der ursprünglich aus Osaka stammte aber in Tokyo aufgewachsen war. Der Vater von URAKAMI SAKAE war URAKAMI NAOKI der das Bogenschiessen in OKAYAMA erlernte. Die dort ansässige OKAYAMA Linie der HEKI RYU entstammt der Familie YOSHIDA, den Gründern der HEKI RYU.


Einige Auszüge aus den Inhalten die wegen ihrer Bebilderung interessant sind. Wer will in einem Blog schon lange Texte lesen?

Die Abbildung zeigt wie in alten Zeiten ein KASUMI MATO angefertigt wurde. Interessant ist, das es sich scheinbar nicht um das heute in der HEKI RYU INAI HA verwendete KASUMI MATO handelt.


Eine grobe Übersetzung:
  1. Die Oberfläche des Ziels nehmen und der Länge nach falten.
  2. Eine Seite davon zwei mal Falten.
  3. Die dritte Falte bildet den weißen Kreis.
  4. Den weißen Kreis in drei Teile teilen.
  5. Einen Teil weit nach Außen gehen. (Also ein drittel des weißen Kreises)
  6. Das dann schwarz machen.
  7. Den Abschnitt zwischen der Kante des Schwarzen Kreises bis zum Rand in drei Teile teilen.
  8. Der erste Punkt von innen wird die Außenseite des zweiten Kreises.
  9. Den Abstand zwischen Außenseite des ersten Kreises und der Linie des Zweiten Kreises in drei Teile Teilen.
  10. Von der Mitte aus die zweite Markierung ist die Innenseite des zweiten schwarzen Kreises.
  11. Die Länge von der Außenseite des zweiten Kreises bis zum Rand wieder in drei Teile teilen, das äußere Drittel ist der dritte schwarze Kreis. 
  12. Fertig.

Sehr interessant ist die Darstellung des historischen Schiessplatzes. In den alten Zeiten gab es keine überdachten und luxuriösen DOJO wie heute. Geschossen wurde auf ein MATO das an einem einzelnen Erdhügel in variabler Höhe angebracht war. Diese Art des AZUCHI wird auch heute noch in sehr traditionellen DOJO benutzt. Von Fall zu Fall wurden dann mehrere MATO verschiedenster Art eng beieinander gehängt bzw. gestellt.


Der Schiessplatz war unter freiem Himmel und geschossen wurde im Kniestand, im Sitzen oder im Stehen.

Einige interessante Fotoserien solcher traditionellen Schiessplätze finden sich hier: LINK





Quelle:
"HEKI NO GENRYU - 日置の源流" (Der Ursprung der Heki-Ryu), Herausgegeben von ehemaligen Mitgliedern des Okayama University Kyûdô Club (Jap. Text) in zwei Bänden.

Band 1
ISBN-10: 490135177X 
ISBN-13: 978-4901351775

Band 2 
ISBN-10: 4903447677 
ISBN-13: 978-4903447674




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1 Kommentar:

  1. Auch hier freue mich wenn wirkliche Fachleute sich zu meinen Posts äußern und Kommentare und Korrekturen posten. Mein Dank geht auch hier an Thomas B. nach Berlin, Deine Anmerkungen sollten auch hier nicht fehlen:

    Anmerkung:
    Heki no Genryu ist eine umfangreiche und wertvolle Quelle, die dort abgedruckten Schriften stammen allerdings nicht aus Okayama! Sie wurden zwar in einem Ort gefunden, der im heutigen Okayama-Ken liegt. Auf dem Boden dieser Präfektur befanden sich seinerzeit aber u.a. die Daimyate Bizen (Okayama-Han) und Bitchû (Ashimori-Han). Das letztere liegt westlicher und ist Fundort der Schriften.
    Inhaltlich stammt natürlich vieles aus Okayama, wo der Ashimori-Zweig der Familie Yoshida seine genealogische Herkunft hat; aber auch aus Edo, soweit es z.B. um die Darstellungen zu Taihai geht. Das wurde ja am Hof des Shôgun überhaupt erst in die Heki-Tô-Ryû eingeführt. Kopien dieser Unterlagen und Hinzufügungen gab es dann zum Teil auch erst in Bizen und Bitchû.
    Ein Teil der Taihai-Ausführungen enthält "nur" Kleider- oder Verfahrensvorschriften außerhalb des eigentlichen Taihai.

    Danke, nur durch die Mitarbeit kompetenter und/oder aufmerksamer Leser wird ein Blog lebendig!

    Heki no Genryu ist eine umfangreiche und wertvolle Quelle, die dort abgedruckten Schriften stammen allerdings nicht aus Okayama! Sie wurden zwar in einem Ort gefunden, der im heutigen Okayama-Ken liegt. Auf dem Boden dieser Präfektur befanden sich seinerzeit aber u.a. die Daimyate Bizen (Okayama-Han) und Bitchû (Ashimori-Han). Das letztere liegt westlicher und ist Fundort der Schriften.
    Inhaltlich stammt natürlich vieles aus Okayama, wo der Ashimori-Zweig der Familie Yoshida seine genealogische Herkunft hat; aber auch aus Edo, soweit es z.B. um die Darstellungen zu Taihai geht. Das wurde ja am Hof des Shôgun überhaupt erst in die Heki-Tô-Ryû eingeführt. Kopien dieser Unterlagen und Hinzufügungen gab es dann zum Teil auch erst in Bizen und Bitchû.
    Ein Teil der Taihai-Ausführungen enthält "nur" Kleider- oder Verfahrensvorschriften außerhalb des eigentlichen Taihai.

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