Montag, 20. Oktober 2014

Kagami Biraki - 鏡開き & Zielspiele (Mato Asobi)

Der Name KAGAMI KIRAKI oder KAGAMI BIRAKI SHIKI, wörtl. "Öffnen des Spiegels" oder auch "Öffnen des Deckels" beschreibt einen alten Samurai-Brauch, der zu Beginn des neuen Jahres ausgeführt wird. Der Name KAGAMI BIRAKI entstand, weil zu den Neujahrsfeierlichkeiten vor dem Spiegel des Hausaltar MOCHI (Reiskuchen) und SAKE aufgestellt wurden, die man am letzten Tag der Feiertage dann vom Altar nahm und gemeinsam verzehrte. Damit war der zuvor durch die Weihegaben verdeckte Spiegel wieder "offen".


Die Zeremonie wird heutzutage nicht nur als Neujahrszeremonie sondern auch bei Hochzeiten, Sportveranstaltungen, Firmeneröffnungen und anderen relevanten Ereignissen durchgeführt.

Der im Altar aufgestellte Reiskuchen wurde zunächst mit einem Schwerthieb "getötet", bevor er direkt oder als Einlange in der OSHIROUKO (eine süße Neujahrssuppe aus AZUKI-Bohnen) verzehrt wurde. Die Anfänge dieser Zeremonie lassen sich bis in die KAMAKURA-Zeit zurückverfolgen, wobei der Zeitpunkt unterschiedlich gewählt wurde.


In der Samurai-Tradition wurden die Deckel der vor oder auf dem Altar abgestellten Sakefässer durch den Lehnsherren und seinen Heerführern aufgeschlagen. Alle Anwesenden tranken gemeinsam von diesem den Göttern geweihten Reiswein, um auf diese Weise ihr Treuegelöbnis zum Lehnsherrn zu erneuern und zu bekräftigen. Egal ob man nun das KAGAMI-BIRAKI mit Reiskuchen oder Sake feiert, stellt es immer eine Bitte für Harmonie und Glück dar. Der Deckel mit seiner runden Form ist ein Symbol von Harmonie.


Bis ca. 1632 war der 15. Januar der Beginn des neuen Jahres. Die Feierlichkeiten dauerten in der Regel fünf Tage, so dass das KAGAMI BIRAKI am 20. Januar zelebriert wurde. Da 1632 der TOKUGAWA-SHOGUN HIDETADA am 20. Januar 1632 verstarb, hielt man es für unangebracht, derartige Festlichkeiten an diesem Datum zu veranstalten und verlegte den Termin auf den 11. Januar. Es findet jedoch aus praktischen Erwägungen meistens am nächstliegenden Sonntag statt, um den Mitgliedern eines BUDOJO die Teilnahme zu ermöglichen. Im NIPPON-BUDOKAN - in der Nähe des Kaiserpalastes in Tokyo - wird das KAGAMI BIRAKI allerdings immer noch am 15. Januar durchgeführt, da dies ohnehin ein Feiertag ist (SEIJIN NO HI = Tag der Erwachsenenfeier). In der Begründung für den Erwachsenenfeiertag wird zwar darauf hingewiesen, das an diesem Tag zu Ende des 14. Jhd. das KAGAMI BIRAKI gefeiert wurde, aber letztendlich hat diese Tradition des SEIJIN NO HI zu dem heutigen Festtag, abgesehen vom Datum, keinen Bezug.


Das KAGAMI BIRAKI im NIPPON-BUDOKAN hat in jedem Jahr einen sehr ähnlichen Ablauf: KYUDO eröffnet den Reigen der Demonstrationen der BUDO-Disziplinen, die durch den Alljapanischen BUDO-Verband repräsentierten werden. Meistens werden diese Vorstellungen durch Spitzenlehrer der jeweiligen Disziplinen dargeboten. Diese Darbietungsfolge wird noch durch die Anfertigung einer Riesenkalligraphie oder der Zeremonie des Rüstungsanlegens (YOROI NO SHIKI) bereichert. Letztere Darbietung kommt einem historischen Umzug gleich. Etwa 30 bis 50 Personen legen dabei nach der "Feiertagspause" wieder ihre Rüstungen wieder an, treten in einem bestimmten, der TOKUGAWA-Hofsitte entsprechenden Arrangement auf und führen die Erneuerung des Treuegelöbnisses an Neujahr mit vielen Details nach. Nach dem gemeinsamen SAKE stößt die Gruppe dann gemeinsam ein markerschütterndes "BANZAI" aus, gewissermaßen als Einstimmung auf die Kämpfe des kommenden Jahres, bevor sie die Arena verlässt.

Im Anschluss an diese Darbietungen werden dann Ehrungen und Ordensverleihungen für verdiente Lehrer und Funktionäre durch die Vertreter der Ministerien und Verbände vorgenommen und man posiert ausdauernd für Erinnerungs- und Gruppenfotos.





Zielspiele - Mato Asobi

Zu besonderen Gelegenheiten, wie am Ende eines Trainingslagers, eines Wettkampfes oder aber zu Neujahr werden sogenannte MATO-ASOBI von den KYUDOKA veranstaltet. Die Zielspiele sind eine heitere Variante des Bogenschießens und sollen den Beteiligten vor allem Spaß machen.
Eröffnet werden die MATO-ASOBI gewöhnlich mit 4 Schüssen gegen das normale HOSHI-MATO und am Schluss steht meistens das Schießen gegen die Gold- und Silberscheiben. Dazwischen können in freier Reihenfolge und nach einem beliebigen Zählsystem die verschiedenen Zielscheiben für die Zielspiele benutzt werden.


Da beim MATO-ASOBI die Zählweise (Minuspunkte, verschieden hohe Zahlenwerte für Treffer und Nichttreffer) willkürlich durch die Teilnehmer festgelegt wird, kann es im Endergebnis - wenn man alle Schützen zusammenzählt - manche Überraschung geben.
In Japan spendet häufig jeder Teilnehmer wie beim Julklapp, ein kleines Geschenk, das er vor dem Wettkampf dem DOJO-Leiter übergibt. Dieser übernimmt am Ende des Wettkampfes dann auch die Verteilung.

1. KOHAKU - Weiß und Rot - 白赤的


Das MATO besteht aus einem Kreis von 45 cm Durchmesser, der vertikal je zur Hälfte in einen weißen und roten Halbkreis geteilt ist. Es wird in zwei Durchgängen mit jeweils 2 Pfeilen geschossen und dabei ist die rote Hälfte einmal links und einmal rechts.
2 Schützen schießen gleichzeitig überkreuz auf das MATO und zwar so, dass der vordere Schütze nur in das hintere Feld des MATO und der hintere Schütze nur in das vordere Feld des MATO schießen darf. Wird das MATO verfehlt, wird keine Wertung berechnet. Wird in das falsche Feld geschossen, so gibt es Minuspunkte. Das Treffen der richtigen Fläche wird mit hoher Punktzahl belohnt. Die Farbgebung bezieht sich auf die beiden japanischen Familien der HEIKE und der GENJI weshalb auch klar wird warum das Treffen der falschen Hälfte Minuspunkte gibt, man hätte dann nämlich seine eigenen Leute getroffen.


2. SHICHI-GO-SAN - 7-5-3 - 七五三
Bei diesem Zielspiel wird ein normales MATO von 36 cm Durchmesser benutzt, dessen Vorderfläche in 3 gleichgroße verschiedenfarbige Ringe eingeteilt ist. Der Innenring zählt 7, der Mittelring 5 und der Außenring 3 Punkte. Gegen diese Scheibe werden 4 Pfeile geschossen.


3. SAN-DAN-MATO - 三的


Wörtlich übersetzt "Drei-Schritt-MATO", denn es werden drei verschieden große HOSHI-MATO von 15 cm, 24 cm und 36 cm Durchmesser benutzt.
Gegen diese Anordnung von MATO wird im Zweierteam geschossen und jeder Schütze hat im ersten Durchgang 3 Pfeile zur Verfügung. Zuerst wird ein Pfeil gegen das größte der drei MATO geschossen. Trifft der Schütze, schießt der nächste Schütze gegen das nächst kleinere MATO und so fort. Die Zählweise ist dabei frei vereinbar. Werden im ersten Durchgang alle 3 MATO getroffen, ist dieses Spiel beendet. Werden die 3 MATO erst nach dem dritten oder vierten Durchgang getroffen, so zählen die Treffer bei jedem nachfolgenden Durchgang weniger als beim vorherigen.


4. AGARI MATO


Bei den AGARI MATO handelt es sich um mehrere, meist fünf HOSHI MATO unterschiedlicher, meist aufsteigender Größe (z.B. 45, 36, 24, 18 cm) die beieinander aufgehängt werden.



5. IWARI


IWARI bedeutet wörtlich "durch Schießen etwas zerteilen". Zerteilt wird hier eine quadratische, leicht zerbrechliche Holzplatte von 15 - 20cm Kantenlänge. Diese Platte steht mit der Spitze auf einem Stab, der in ca. 20 - 24 m Entfernung vom Schützen aufgestellt ist. Der Mittelpunkt der Scheibe muss sich in der Höhe der normalen Flugbahn befinden, wenn man den Schuss gegen das 28 m entfernte Ziel ausführt. Auf der Rückseitedes IWARI-MATO kann sich ein kleiner Papierbeutel, der mit Konfetti gefüllt ist, befinden. Wird das Ziel getroffen, zerplatzt der Beutel und eine bunte Konfettiwolke verteilt sich in alle Richtungen. Diese Variante wird aber nicht immer  verwendet.
Beim IWARI-MATO stehen jedem der Schützen normalerweise 2 Pfeile zur Verfügung.


6. Hasami-mono - 騎射挟物 / 騎射挿物


Beim HASAMI-MONO handelt es sich um 8-SUN große (24 cm), viereckige Bilder auf Zedernholzbrettchen, die man in das obere 1-SHAKU 2-SUN (36 cm) lange Stück eines Bambusstabes festklemmte. Die Bilder können Blätter, Blüten oder Muscheln nachempfunden sein.
Früher galt es sieben Stöcke auf einer Länge von 15 Metern zu schießen. Im Allgemeinen schoss man im HOSHA auf diese Ziele, früher gab es auch die Variante des KISHA HASAMI MONO und es wurde zu Pferd auf diese Ziele geschossen. Der Gebrauch von Fächern, gefalteten Papieren und Muscheln als Ziele ist wohl als Ursprung für den Brauch des Festklemmens der Holzplättchen auf die Bambusstangen anzusehen. Eine Steigerung dieses Zielspiels war in alten Zeiten nach dem Abschießen der Brettchen die Spitzen der Bambusstäbe abzuschießen.


7. TATE ICHI - YOKO ICHI


Der Name dieses Zielspiel leitet sich von der Schreibweise der Zahl "Eins" im Japanischen (ICHI) ab. Das Zeichen für "Eins" wird einmal senkrecht - TATE - und einmal waagerecht liegend - YOKO - als Strich gezeichnet. Das Ziel besteht aus einer Fläche von ca. 60 x 15 cm. Die Zahl wird entweder durch einen schwarzen 10 cm Ø Kreis in der Mitte, oder durch das Zahlzeichen (ein einfacher Strich) dargestellt, wobei das Ziel einmal senkrecht stehend und einmal liegend aufgestellt wird. Je Ziel stehen jedem Schützen 2 Pfeile für dieses Zielspiel zur Verfügung.


8. O-Mato


Das große MATO, das O-Mato, wird in unseren Breiten meist durch die farbigen Scheiben des olympischen Bogenschießens ersetzt. Die verschiedenen Ringe haben dabei entsprechende Punktwerte. Je Schütze werden 2 Pfeile gegen das O-MATO geschossen. Die große olympische Zielauflage hat einen Durchmesser von 122 cm. Das traditionelle O-Mato, das auch im Enteki benutzt wird hat einen Durchmesser von 158 cm. Die in Deutschland benutzte Enteki Zielauflage hat einen Durchmesser von 100 cm.





9. OGI NO MATO (Fächerscheibe)


Ein einfacher japanischer Papierfächer wird entweder an einer Schnur vom Dachbalken des Zielbereichs vor dem AZUCHI aufgehängt, oder aber wie beim IWARI-MATO auf einem Stock vor das AZUCHI aufgestellt. Der Fächer kann aber auch wie ein MATO am AZUCHI oder dem Pfeilfänger befestigt werden.
Jeder Schütze schiesst 2 Pfeile auf das Fächer-Ziel. Dieses Ziel geht auf eine berühmte Begebenheit aus den Kriegen der HEIKE gegen die GENJI zurück. In der Schlacht von DAN-NO-URA besiegten die MINAMOTO die TAIRA-Familie vernichtend und entschieden so den fünf Jahre andauernden GEMPEI-Krieg für sich und seine Familie die MINAMOTO (GENJI). Der Überlieferung nach soll sich in dieser letzten Schlacht bei YASHIMA aus der Menge der Kriegsdschunken ein kleines Boot gelöst haben, an dessen Mast eine der Hofdamen ihren Fächer aufgehängt hatte. Der Heerführer MINAMOTO YOSHITSUNE gab dem SAMURAI NASO NO YOICHI den Befehl den Fächer herunter zu schießen. Dieser schwang sich auf sein Pferd, ritt in das Meer und schoss auf den sich im Winde bewegenden, am durch den Seegang schwankenden Mast befestigten Fächer. Sein Können im Bogenschiessen war aber so groß, dass er den Fächer genau im Angelpunkt seiner Streben traf, so dass dieser in seine Bestandteile zersprang.


10. KIN-TEKI und GIN-TEKI - Gold- und Silberziel - 金 銀的


Ein MATO mit einem Durchmesser von 9 - 12 cm wird mit Gold- bzw. Silberpapier (Folie) bespannt. Je ein Gold- und Silber-MATO werden in der Höhe des normalen MATO-Mittelpunktes im Zielbereich befestigt. Im besten Falle soll das Licht die goldene bzw. silberne Oberfläche gut reflektieren. Oft werden in etwa dem Durchmesser des normalen MATO entsprechend grüne Zweige um dieses glänzende MATO herum befestigt. Jeder Schütze hat nur einen Schuss gegen das goldene MATO und gegen das silberne MATO. Wenn eines der MATO von einem Schützen getroffen wird, steht nur noch das andere MATO zur Verfügung. Die getroffene Scheibe steht nicht mehr als Ziel zur Verfügung. Dieses Zielspiel endet erst, wenn jedes der MATO von einem Pfeil getroffen wurde. Der Schütze der das MATO trifft darf es meist als Glücksbringer mit nachhause nehmen
Das Schiessen auf Gold und Silber ist meist das letzte Schiessspiel und beendet das MATO ASOBI.


11. Sternzeichen / E Mato



Zielscheiben mit Bildmotiven, wie man sie schon im alten China benutzte. Zu Neujahr wird meist gegen ein MATO geschossen auf dem das Tier aufgemalt ist das gemäß dem chinesischen Tierkreis das kommende, neue Jahr repräsentiert. Dem Schützen dem es gelingt in eines der Augen des Tiers zu schießen, soll im neue Jahr besonderes Glück verheißen sein. E-Mato ist der allgemeine Begriff und kann auch Motive aus Bildrollen oder andere Tier- und Pflanzendarstellungen beinhalten. Die Scheiben mit den Tierkreiszeichen sind beim Neujahrsschiessen besonders beliebt.


12. JOMA SHINJI - Dämonen austreiben 除魔神事



Traditionell gekleidete Bogenschützen in zwei Gruppen vom örtlichen Verein schießen Pfeile auf eine 165 cm große Zielscheibe in Form eines KASUMI-MATO in 27 Meter Entfernung. Auf der Rückseite des MATO ist das Schriftzeichen "ONI" 鬼 für Teufel geschrieben, wodurch beim Treffen des MATO das Böse ausgetrieben werden soll.
Die Besonderheit ist, dass das Schriftzeichen "ONI" auf dem Kopf steht und der erste, obere Strich, also das Horn des Dämons, nicht gezeichnet wird. Eine weitere Bedeutung des SHINJI Rituals ist "keine Konflikte in diesem Jahr".


13. KUSAJISHI SHIKAI - Gras-Hirsch 草鹿式


Das KUSAJISHI SHIKAI ist eine traditionelle Variante der HITOTSU MATO SHAREI (eine Zeremonie bei der alle Schützen auf ein gemeinsames Ziel schießen) für je fünf Schützen gleichzeitig. Der für das Ziel Verantwortliche trägt einen Stab mit einem Kopf aus weißem Papierstreifen mit dem er die Treffer anzeigt. Ein guter Treffer ist einer, bei dem der Pfeil den Schulterbereich des Hirsches trifft. Es gibt zwei verschiedene Versionen des Gras-Hirsch, eine stellt den Hirsch von der Seite dar, eine andere frontal von vorne.


Der heute verwendete Gras-Hirsch zeigt das Tier von der Seite. Es trägt in seiner traditionellen Form 24 weiße Punkte.


Die Punkte auf dem Fell haben folgende Bedeutungen:
  • Die sieben oberen Punkte repräsentieren die ‘NANAYŌSEI’, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Venus, Jupiter und Saturn. Diese "Sterne" geben in Japan (wie auch in vielen anderen Kulturen) den sieben Tagen der Woche ihre Namen.
  • Die vier Punkte links repräsentieren die vier Himmelsrichtungen: Norden, Süden, Osten und Westen.
  • Die acht Punkte die das mittlere 4-sun (12 cm) ‘YACHŪ’ umgeben entsprechen die vier Himmelsrichtungen plus den vier Nebenhimmelsrichtungen; Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten.
  • Die vier Punkte rechts repräsentieren den vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.




14. Helmschiessen


Man kann beim Helmschießen keine bestimmte Größe angeben, es waren eben alte Helme, die nicht unbedingt vorher von Helden der Schlachtfelder getragen wurden. Bis in die 60er Jahre war es noch ein Neujahrsbrauch durch harte Gegenstände zu schießen (Stahlplatten) - die letzte Kunde war der Schuss durch eine Bratpfanne.


In der Schwertkunst wird das KABUTOWARI praktiziert, das Helmspalten.


Da originale japanische Helme schwer zu bekommen und sind auch zu teuer für derartige Schiessspiele sind bietet sich die Variante des Schiessens auf eine Gugelhupfform an.



15. Kamon Mato - 家紋的


Hier werden KAMON, japanische „Familienzeichen“ als Ziele verwendet. Dabei wurde in alten Zeiten symbolisch auf die "Namen" feindlichen Familien geschossen. Es gibt aber auch einige "neutrale" KAMON die als Ziele dienten. KAMON können auch Präfektur- und Gemeindewappen darstellen.



16. ITCH-NI-SAN-MATO - 1-2-3 MATO


Ein MATO mit 36 cm Durchmesser oder auch ein etwas größeres MATO wird in drei Teile unterteilt. Jedes Drittel zählt beim Treffer 1, 2 oder 3 Punkte.


17. KASEN - Feuerpfeile 火箭


Geschossen wird meist in Rüstung mit dem BO HIYA, einem speziellen Feuerpfeil. Dies ist eher ein Schiessspiel für draußen auf dem freien Feld im Dunkeln. Auch ist dabei keine Wertung möglich, es geht dabei eher darum die bösen Geister zu vertreiben.
 




18. HIKIME - Schiessen mit dem Flötenpfeil


Wie auch das schießen mit dem Feuerpfeil ist das HIKIME, das zeremonielles Schießen mit einem Flötenpfeil, dem KABURAYA 鏑矢 (z. B. zur Einweihung eines Hauses, zur Geburt eines Kindes oder zum Neujahr etc.), eher ein rituelles Schiessen zum Vertreiben der bösen Geister und auch hier ist eine Wertung eher schwer möglich.




19. TATE MATO - Setzschild-Schiessen - 盾的



Ein Setzschild "TATE" (盾), oder Palisadenschild, wurde von den "ASHIGARU" (足軽), den Infanteriesoldaten des mittelalterlichen Japan, bei Belagerungen oder in Feldschlachten verwendet. Die Schiessentfernung kann 28 Meter betragen, aber es werden auch andere Entfernungen geschossen. Manchmal werden in Reihen oder Strukturen aufgestellte "Schilder" benutzt um eine Schlacht darzustellen. Es bieten sich für diese Tate MATO Ethafoam-Platten als Ziele an.







Quellen:
- Diverse mündliche Unterweisungen europäischer und japanischer Lehrer unter Verwendung von eigenen Mitschriften.
- Zitate aus: "Kyudo - Die Kunst des japanischen Bogenschießens", F. F. Hoff, Weinmann Verlag, ISBN 3-87892-036-9



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Dienstag, 14. Oktober 2014

Alte Heki Ryu Texte - 日置の源流

Im Jahre 1981 entdeckte man in den Hinterlassenschaften eines Mitgliedes der YOSHIDA Familie, der aber selbst keinerlei Verbindung zum Bogenschiessen hatte, 82 alte Schriftrollen die frühe Niederschriften zu Themen der HEKI RYU INSAI HA beinhalteten.
Diese Schriftrollen wurden von von einigen ehemaligen Mitgliedern des Okayama University Kyûdô Club entziffert und bearbeitet und in modernes Japanisch übertragen. Das Ergebnis wurde 2005 in den beiden Bänden "HEKI NO GENRYU - 日置の源流" (Der Ursprung der Heki-Ryu) veröffentlicht.  Diese beiden Bücher sind in modernem aber trotzdem sehr schwer zu lesenden Japanisch verfasst.

Link zu den Büchern bei Amazon.jp :


Heki no Genryu - Band 1


Heki no Genryu - Band 2

Die Originalrollen wurden der OKAYAMA Universität übergeben. Die Inhalte der Rollen stammten aus dem späten 17. Jhd. und dem frühen 18. Jhd. und beinhalteten detaillierte Ausführungen als die bis dahin verfügbaren Texte. Bis zur Veröffentlichung des "HEKI NO GENRYU" bezog man sich ausschließlich auf ein Buch aus dem Jahre 1948 von TOKOYAMA KATSUIYATA HANSHI das ursprüngliche Kommentare und Informationen zur HEKI Schule (MOKUROKU) enthält, sowie ein weiteres Buch aus den 60er Jahren von URAKAMI SENSEI.


Von den 82 entdeckten Rollen beschäftigten sich allein 3 Rollen nur mit TAIHAI, was im gedruckten Buch einen Umfang von fast 40 Seiten ausmacht. Es ist bemerkenswert wie viel Wert in den alten Zeiten auf eine korrekte Überlieferung des TAIHAI der HEKI RYU INAI HA gelegt wurde. Besonders da gerade heute einige sogenannte "Hardliner" in Deutschland das TAIHAI eher gering schätzen. Wie heißt es doch so schön: "Kyudo beginnt mit Etikette und Kyudo endet mit Etikette."

Die Tatsache, dass die Rollen aus OKAYAMA stammten ist insofern von Bedeutung, das OKAYAMA der Ursprung der HEKI RYU INAI HA ist. INAGAKI SENSEI war der Schüler von URAKAMI SAKAE der ursprünglich aus Osaka stammte aber in Tokyo aufgewachsen war. Der Vater von URAKAMI SAKAE war URAKAMI NAOKI der das Bogenschiessen in OKAYAMA erlernte. Die dort ansässige OKAYAMA Linie der HEKI RYU entstammt der Familie YOSHIDA, den Gründern der HEKI RYU.


Einige Auszüge aus den Inhalten die wegen ihrer Bebilderung interessant sind. Wer will in einem Blog schon lange Texte lesen?

Die Abbildung zeigt wie in alten Zeiten ein KASUMI MATO angefertigt wurde. Interessant ist, das es sich scheinbar nicht um das heute in der HEKI RYU INAI HA verwendete KASUMI MATO handelt.


Eine grobe Übersetzung:
  1. Die Oberfläche des Ziels nehmen und der Länge nach falten.
  2. Eine Seite davon zwei mal Falten.
  3. Die dritte Falte bildet den weißen Kreis.
  4. Den weißen Kreis in drei Teile teilen.
  5. Einen Teil weit nach Außen gehen. (Also ein drittel des weißen Kreises)
  6. Das dann schwarz machen.
  7. Den Abschnitt zwischen der Kante des Schwarzen Kreises bis zum Rand in drei Teile teilen.
  8. Der erste Punkt von innen wird die Außenseite des zweiten Kreises.
  9. Den Abstand zwischen Außenseite des ersten Kreises und der Linie des Zweiten Kreises in drei Teile Teilen.
  10. Von der Mitte aus die zweite Markierung ist die Innenseite des zweiten schwarzen Kreises.
  11. Die Länge von der Außenseite des zweiten Kreises bis zum Rand wieder in drei Teile teilen, das äußere Drittel ist der dritte schwarze Kreis. 
  12. Fertig.

Sehr interessant ist die Darstellung des historischen Schiessplatzes. In den alten Zeiten gab es keine überdachten und luxuriösen DOJO wie heute. Geschossen wurde auf ein MATO das an einem einzelnen Erdhügel in variabler Höhe angebracht war. Diese Art des AZUCHI wird auch heute noch in sehr traditionellen DOJO benutzt. Von Fall zu Fall wurden dann mehrere MATO verschiedenster Art eng beieinander gehängt bzw. gestellt.


Der Schiessplatz war unter freiem Himmel und geschossen wurde im Kniestand, im Sitzen oder im Stehen.

Einige interessante Fotoserien solcher traditionellen Schiessplätze finden sich hier: LINK





Quelle:
"HEKI NO GENRYU - 日置の源流" (Der Ursprung der Heki-Ryu), Herausgegeben von ehemaligen Mitgliedern des Okayama University Kyûdô Club (Jap. Text) in zwei Bänden.

Band 1
ISBN-10: 490135177X 
ISBN-13: 978-4901351775

Band 2 
ISBN-10: 4903447677 
ISBN-13: 978-4903447674




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Freitag, 10. Oktober 2014

Wir basteln uns MATO Ringe

Wenn man bedenkt, das ein standard MATO-Ring mit einen Durchmesser von 36 cm gut und gerne knapp EUR 20,- kostet ist eine günstigere Bezugsquelle durchaus erstrebenswert. Für Zielspiele und andere besondere Anlässe benötigt man im DOJO dann gelegentlich auch MATO-Ringe mit anderen Durchmessern als die üblichen 36 cm. Sogenannte AGARI MATO.

Um diese "günstig" zu bekommen bieten sich die Unterteile von asiatischen Bambusdämpfern an. Die Deckel sind leider nicht tief genug.


Nur das Unterteil ist brauchbar als MATO-Ring

Diese Unterteile von Bambusdämpfern bekommt man zwischen 1,20,- EUR für die kleinen und bis 6,- EUR für die großen im Asia-Großhandel. Folgende Größen sind üblich, können aber von Hersteller zu Hersteller etwas variieren:

  • ø 13cm außen, 5 Inch 
  • ø 15cm außen, 6 Inch 
  • ø 18cm außen, 7 Inch 
  • ø 20cm außen, 8 Inch 
  • ø 26cm außen, 10 Inch 
  • ø 30cm außen, 12 Inch 
  • ø 36cm außen, 15 Inch 
  • ø 53cm außen, 21 Inch 

Wenn man die Bambuswicklungen am Boden entfernt fallen die Einzelteile des Bodens heraus. Dann noch die inneren Ringe oben und unten etwas dünner machen indem man eine bis zwei Lagen des Bambusrings entfernt. Das Ganze glätten und die MATO-Auflagen aufkleben.




Einfach einen schwarzen Punkt in einem Grafikprogramm oder in Powerpoint ausdrucken und aufkleben. Fertig sind die MATO.
Der Durchmesser des schwarzen Punktes beträgt bei einem HOSHI MATO (星的 - „Stern-Mato“) 1/3 des Gesamtdurchmessers. Bei einem 18 cm MATO also 6 cm.

Fertige MATO in 13, 15, 18 und 26 cm ø 

Kostenaufwand ca. EUR 7,50





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