Donnerstag, 31. Dezember 2015

明けましておめでとうございます




Werter Leser dieses Blog, ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes お正月 o-shōgatsu und ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2016, das Jahr des Affen (猴)!

明けましておめでとうございます

Wie jedes Jahr auch diesmal einige Informationen zu den astrologischen Deutungen, diesmal zum Feuer-Affen (丙申).

Das Jahr des Feuer-Affen beginnt am 8. Februar 2016 und endet am 27. Januar 2017 um dann vom Jahr des Feuer-Hahns abgelöst zu werden.

Der Feuer-Affe ist vital und erfinderisch, er ist der ungestümste aller Affen, eigensinnig und streitsüchtig.
Im Jahr des Affen werden wir schnell bemerken, dass wir nur dann vorankommen, wenn wir unsere Verbindungen und Beziehungen pflegen und nicht auf den Alleingang setzen. Flexibilität im Alltag bewährt sich und ist auch in der Partnerschaft gefragt.

In Politik und Kultur sollte man besonders auf Wahrhaftigkeit und nachhaltiges Verhalten setzen, denn sehr schnell kommen die Dinge doch ganz anders als vermutet.

Langeweile gehört in diesem Jahr der Vergangenheit an, denn das Jahr des Feuer-Affen wird uns auf Trab halten. Wie das chinesische Sternzeichen des Affen sowie seines besten Freundes, des Drachen, gehört Führungsstärke wieder zu den gewollten Eigenschaften, unbändige Energie und gleichzeitig sich von niemanden reinreden lassen zu wollen. Stark und fernab jeglicher Ängste den eigenen Lebensweg zu verfolgen. Gleichzeitig findet ein Wechsel der Elemente statt, das Element Holz, welches uns beständiges Wachstum und Wissenserwerb versprach, wird abgelöst durch das Element Feuer. Dieses befeuert unsere Leidenschaft, Kreativität aber auch Lebensfreude.

Damit fällt es uns wieder leichter, die eine oder andere Schwierigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit zu nehmen. Dinge die nicht funktionieren, lassen wir leichter los um uns voll und ganz auf erfolgversprechende Alternativen zu konzentrieren.

Das Jahreshoroskop 2016 verspricht insbesondere für die Ratte, den Drachen, die Schlange aber auch den Affen selbst ein wunderbares Jahr zu werden.

Vor zwölf Jahren und somit auch in einem Affen-Jahr ging im Februar 2014 Facebook online und veränderte unser soziales Miteinander grundlegend. In Deutschland gab es Demonstrationen rund um die Hartz4-Reformen und den damit einhergehenden, tiefgreifenden Veränderungen. Historisch betrachtet war das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA ebenfalls ein Affen-Jahr.


Sūn Wùkōng (孫悟空 / 孙悟空)
Der König der Affen





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Mittwoch, 14. Oktober 2015

Die Geschichte der Gummizwille - Gomu Yumi

Jeder, der sich beginnt für Kyudo zu interessieren, wird seit Jahrzehnten an der Gummizwille gequält. Noch vor nicht allzu langer Zeit und teilweise auch noch heute müssen Anfänger ihr "Durchhaltevermögen" dadurch beweisen, daß sie über Monate an der Gummizwille üben müssen, während um sie herum die anderen Übenden mit dem japanischen Bogen trainieren. Einige Trainer sind der Meinung, daß so die "Spreu vom Weizen" getrennt wird, da diejenigen die dies durchhalten, dann auch beim Kyudo bleiben. Nun ja, Sportdidaktik geht meiner Meinung nach anders, Motivation wird so auf jeden Fall nicht gefördert. Ich mag gar nicht daran denken, wie viele Talente aus diesem Grund der Kyudowelt verloren gegangen sind, weil die Interessierten keine Lust auf stupiden Drill und unkreatives Training hatten.

Eine Auswahl an Gomuyumi

Der Gomuyumi

Eine andere Bauart Gomuyumi

In den "alten Tagen" des Kyudo begann jeder Neuling sein Training an einem richtigen Bambusbogen, niemand wäre auf eine andere Idee gekommen. Die Einführung der Gummizwille ist eine recht neue Erscheinung. Nach dem 2. Weltkrieg war Übungsmaterial Mangelware und nicht für jeden Anfänger standen Bögen zur Verfügung. Die Entbehrungen der Nachkriegszeit haben teilweise sonderbare Blüten zu Tage gebracht. Auch die Variante der Heki Ryu Insai Ha, keine Tabi zu tragen und barfuss zu schießen, dürften auf diese Zeit des Mangels zurück zu führen sein. Inagai Genshiro hat damals einfach die Not zur Tugend gemacht. Es gab keine oder kaum Tabi, nur wenige konnten sich diesen Luxus leisten, also wurde einfach barfuss geschossen. Erkennbar ist das unter anderem auch daran das Bilder aus dieser Zeit die Kyudoka in Alltagskleidung bzw. einfacher Sportkleidung beim schiessen zeigen.

Aus dieser Not geboren lies sich am 26. Dezember 1952 Kōsaka Iwakyo, der Gründer der Firma Kōsaka Gummi (高坂ゴム店) die "Gummizwille" unter der Registriernummer "Akira 27-11.240" als Gebrauchsmuster eintragen. Kōsaka Iwakyo war ein begeisterter Bogenschütze und wollte den Mangel an Übungsgerät durch seine Erfindung beheben. Man muss sich vor Augen führen, daß zu dieser Zeit auch noch keine japanischen Bögen aus Fiberglas existierten und wenn sie existiert hätten auch diese zu teuer gewesen wären. Wir befanden uns in der Nachkriegszeit.

Webseite: Link

Webseite: Link

Kopie der Urkunde mit der das Gebrauchsmuster geschützt wurde.
Oben links sieht man Kōsaka Iwakyo.
Webseite: Link


Dieser Erfindung haben wir es zu verdanken, daß heute noch die meisten Anfänger mit dem Gomuyumi beginnen. Zum Glück gibt es aber auch Vereine, in denen die Anfänger sofort an den Bogen gelassen werden und dort entweder mit der "Heki-Unterrichtsmethodik" von Prof. Toshio Mori (Link zum PDF Dokument) oder auch gleich mit einem japanischen Schiesshandschuh - wie in alten Zeiten - im Kyudo unterrichtet werden. Diese Methoden des Anfängertrainings sind zugegebenermaßen für den oder die Trainer sehr fordernd und erfordern viel Aufmerksamkeit.

Ein Anfänger, der gleich am Bogen unterrichtet wird, verliert keine kostbare Zeit und erfährt sofort, wie die Dynamik des japanischen Bogens und das Verhalten des japanischen Schießhandschuh zusammen spielen.

Interessanterweise wurde das Thema Gomuyumi beim "3. Asia Oceania Kyudo Seminar" im Jahr 2014 in Nagoya von Usami-sensei thematisiert:
Uami-sensei bemerkte, dass "um wirklich Fortschritte zu erzielen man pro Monat mindestens 1.000 Pfeile schießen sollte, also zwischen 30-35 pro Tag. Dies ist notwendig, um zum einen die Muskeln aufzubauen und eine die Muskelerinnerung aufzubauen, damit diese wissen, was sie tun sollen." Nun, für einen Hanshi, der sein Leben dem Kyudo gewidmet hat, mag diese Aussage so stimmen. Aber der "normale" Mensch, der in Familie und Berufsleben verhaftet ist, kommt eher selten dazu, diese Schussfrequenz durchzuhalten. Also was tun?

Sensei sagte, daß man aber auch üben kann, wenn man nicht im Dojo ist. Dazu fragte er, wie viele von uns einen Gomuyumi hätten. Es stellte sich heraus, daß viele der Anwesenden einen besaßen, doch nur wenige ihn benutzten. Sensei erläuterte dann, daß auch die "Pfeile" zum Training zählten, die mit dem Gomuyumi abgeschossen werden. Damit können diejenigen, die nicht jeden Tag in den Dojo gehen können, trotzdem ihre 30-35 Pfeile pro Tag schießen . Jedoch, so betonte er, muss man den Gomuyumi auch auf die richtige Art und Weise einsetzen.
Dies führte zu einer interessanten Diskussion, was denn "die richtige Art und Weise" sei. Er hielt einen einfachen Gomuyumi hoch, "schoss" einmal damit und sagte "「これはだめ」" "Das ist nicht gut." Der Grund dafür ist, daß es gerade Anfängern zwar erlaubt, die Hassetsu zu üben, aber auch dafür sorgt, daß der Anfänger den Bogen viel zu fest greift. Ein folgenschwerer Fehler. Was es so folgenschwer macht, ist die Tatsache das Gewohnheiten sich schnell einschleifen und wenn sich eine schlechte Gewohnheit im Kyudo erst einmal eingeschliffen hat, man Jahrzehnte des Übens bedarf, um diese wieder los zu werden. Daher ist der Gomuyumi gerade für Anfänger schädlich. Aus diesem Grund hat er den Gomuyumi als Trainingsgerät aus seinem Dojo verbannt. "Es ist ausschließlich für fortgeschrittene Schüler geeignet, die auf Reisen im Hotel üben wollen."
Er ging dann sogar so weit, anzudeuten, das der Grund, warum viele Schützen heutzutage nicht schneller vorankommen, darin begründet ist, daß sie sich schlechte Angewohnheiten zu eigen gemacht haben, an denen sie dann Jahre arbeiten, um sie wieder los zu werden. Also sollte man zusehen, diese schlechten Angewohnheiten gar nicht erst aufzubauen. Als er mit Kyudo begann, vor dem 2. Weltkrieg, gab es keine Gomuyumi und die Anfänger schossen sofort mit Bambusbögen.
Danach zeigte Uami-sensei uns einige Übungen, die man mit dem Gomuyumi durchführen kann, um gute Gewohnheiten aufzubauen...

Zusammengefasst ist meines Erachtens der Gomuyumi ein Trainingswerkzeug für fortgeschrittene Schützen, aber auch ein Gerät zum Muskeltraining und Muskelaufbau, aber kein geeignetes Gerät zur Ausbildung von Anfängern solange es allein, ohne die gleichzeitige Ausbildung am japanischen Langbogen, benutzt wird. Zur gelegentlichen Veranschaulichung von Bewegungsabläufen kann es manchmal nützlich sein, das sollte aber die Ausnahme darstellen.



Quellen:
http://kousakagomu.la.coocan.jp/index.html

https://karamatsu.wordpress.com/2014/04/23/kyudo-notebook-nagoya-2014-3-muscles/





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Freitag, 24. Juli 2015

Ausstellung: DER GEIST DES BUDÔ - Die Geschichte der japanischen Kampfkünste

Vom 11. September - 14. November 2015 zeigt das Japanische Kulturinstitut in Köln die kleine aber feine Ausstellung: "DER GEIST DES BUDÔ - Die Geschichte der japanischen Kampfkünste".


Die Eröffnung findet am Freitag, 11. September 2015 um 19 Uhr statt.
Zur Eröffnung spricht Andreas Wolter, Bürgermeister der Stadt Köln. Es folgt eine Live-Performance der Kampfkunstschule Tenshinkai Dojo Köln (etwa 30 Minuten).

Japanische Kampfkünste wie Aikidô, Jûdô, Karate, Kendô, Kyûdô oder Sumô üben auch außerhalb Japans eine große Faszination aus und werden unter dem Oberbegriff Budô zusammengefasst („Weg der Krieger“). Das Ziel dieser populären Sportarten besteht vereinfacht gesagt darin, durch körperliches Training einen Ausgleich zwischen Körper und Geist zu schaffen.


Bevor in der Geschichte der Kampfkünste die innere Schulung des Übenden an Bedeutung gewann, standen über mehrere Jahrhunderte hinweg die Ausbildung der kämpferischen Techniken im Vordergrund, so dass bis ins 19. Jahrhundert hinein der Begriff Bujutsu („Kriegerische Fertigkeiten“) geläufig war.

Die Ausstellung aus dem Besitz der Japan Foundation gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der japanischen Kampfkünste vom 8. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Darüber hinaus illustrieren Originale und Repliken von Rüstungen, Helmen, Schwertmontur, Pfeilen und Bögen in eindrucksvoller Weise die Ästhetik und Kreativität der Kampfkünste. Schließlich wird durch die Vorstellung verschiedener Vereinigungen deutlich, in welcher Weise der Geist des Budô auch im heutigen Alltag der Japaner präsent ist.


Anschrift:
Japanisches Kulturinstitut
(The Japan Foundation)
Universitätsstraße 98
50674 Köln
Webseite: DER GEIST DES BUDÔ

Empfang
Tel. +49 (0) 2 21 / 94 05 58 0
Fax. + 49 (0) 2 21 / 94 05 58 9
Mail: JKI





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Sonntag, 19. Juli 2015

Die Macht des Bogens - Der Kalender 2016

Wenn man ein gutes, schön bebildertes Buch verlegt, was liegt näher als die Bilder für einen Kalender zu verwerten.

Die Bilder stammen aus dem wirklich empfehlenswerten Buch von Johannes Haubner "Die Macht des Bogens", das in keiner ernsthaften Sammlung fehlen sollte: Link


In diesem Fall ist es eine gut umgesetzte Idee und die Bilder sind es wert das ganze Jahr 2016 mit wechselnden Motiven an der Wand zu hängen. Die einzelnen Blätter eignen sich gerahmt zur späteren Verwendung als Raumschmuck.

Der Verlag Angela Hörnig hat mit diesem "Die Macht des Bogens - Der Kalender 2016" ein wirklich schönes Geschenk produziert. Ob man sich den Kalender selbst oder anderen schenken will bleibt dabei offen.

13 Blätter mit Ukiyo-e des 19. Jahrhunderts

Das Bogenschießen war und ist ein fester Bestandteil von Japans Kultur, Geschichte und Mythologie.
Die in diesem Kalender abgebildeten Triptychen - allesamt farbenprächtige, und ausdrucksstarke Holzschnitte aus dem 19. Jh., stammen aus dem Buch Die Macht des Bogens - Japanische Bogenschützen im Spiegel alter Holzschnitte - von Johannes Haubner.
Dort können die Geschichten zu diesen und 178 weiteren Holzschnitten zum Thema Pfeil und Bogen in Japan nachgelesen werden.

Daten:
Kalendarium 2016 mit Spiralbindung
13 Blätter mit Ukiyo-e des 19. Jahrhunderts
DIN A3 Querformat
Format: 42 x 30 cm
Preis: 24,90 EUR
Zu beziehen bei: Verlag Angela Hörnig



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Sonntag, 12. April 2015

The Way of Archery: A 1637 Chinese Military Training Manual

Diesmal kein Buch über eine der japanischen Kampf- oder Waffenkünste sondern eines der sehr raren modernen Werke über chinesisches Bogenschiessen.




Mein Freund Justin Ma hat dieses wunderschöne Werk zusammen mit seinem Freund Jie Tian verfasst.



Das Buch liefert eine detaillierte Einführung in die Kunst des traditionellen militärischen chinesischen Bogenschiessens. An vielen Stellen wird schnell deutlich, dass diese Kunst von China aus über Korea nach Japan wanderte und in den beiden Kulturen dann ihre eigene Ausprägung erfuhr. Das Buch erläutert die Grundlagen des Schiessens mit dem Daumenring, die korrekte Körperhaltung, Trainingsaufbau, Ausrüstung und wie man die Fallstricke umgeht die zu falschem Schiessen führen. Die Übersetzung aus dem Chinesischen ist mit neuen und alten original Illustrationen versehen und stellt auch den alten chinesischen Originaltext zur Verfügung wie er in dem 1637 erschienenen Werk von Gao Ying veröffentlicht wurde. Das alte Original hat Generationen von Bogenschützen in ganz Asien beeinflusst.





Die beiden Autoren sind selbst aktive Bogenschützen in der Kunst des chinesischen Bogenschiessens und haben unzählige Stunden und Tage mit dem Studium, dem Verständnis und der Übersetzung dieses alten Buches und dessen praktischer Umsetzung investiert.





Justin und Jie ist es gelungen ein wirklich wertvolles Standardwerk zum chinesischen Bogenschiessen zu veröffentlichen.


The Way of Archery: A 1637 Chinese Military Training Manual
von Jie Tian (Autor), Justin Ma (Autor)
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Schiffer Pub Co; Februar 2015
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0764347918
ISBN-13: 978-0764347917
Größe: 2,5 x 24,1 x 21,6 cm



Bitte beachtet, das man solche Bücher immer direkt beim Verlag bestellen sollte damit dieser auch weiterhin in die Lage versetzt wird solche wunderschönen Werke zu publizieren. Der Kauf bei Amazon wirft für Autor und Verlag leider so wenig ab das keiner davon leben kann außer Amazon selbst!

Email-Link zu Justin und Jie um das Buch direkt zu bestellen: Bestellung

Link zum Europäischen Distributor für Bestellungen aus der EU: Link

Link zur Homepage (auch hier kann man direkt aus den USA bestellen): TheWayofArchery


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Freitag, 13. Februar 2015

Zielen - Futametsukai (二目使い)


FUTAME TSUKAI:  二目使い (Futa - me - tsukai : beide - Augen - benutzen).

Vogeljagd
Im KYUDO wird sehr viel Wert auf das korrekte Zielen gelegt. Ja ein Pfeil der nicht mit der korrekten Zieltechnik abgeschossen wurde und das Ziel trifft wird im Wettkampf nicht als korrekter Treffer gewertet. Nun ist KYUDO wie es heute geübt wird eine deutlich andere "Kunst" als das was in den alten Zeiten vom Samurai auf dem Schlachtfeld praktiziert wurde oder vom japanischen Bogenjäger in Wald und Flur praktiziert wurde. Der KYUDOKA steht lange im vollen Auszug, steigert seine Energie und zielt bewusst um sein Ziel zu treffen. Der Anspruch ist der einer "Kunst" die zur Persönlichkeitsbildung führt wie es in den DO-Künsten üblich ist.

Eine ganz andere Sache ist aber das Schießen im Kampf oder auf der Jagd (ich meine hier die Pirschjagd, nicht die Hinrichtung von Tieren aus einem sicheren Hochsitz!). In diesen Situationen ist ein Zielen wie im geschützten DOJO nicht möglich und führt sicher auch eher zum schnellen Ableben des Schützen.

Wie also zielten diese "alten Japaner" beim Bogenschiessen?

In seinem Buch "Kyudo – Der Weg des Bogens, Die Kunst des traditionellen Japanischen Bogenschießens" schreibt Luigi Genzini:
Es ist nicht möglich diese Ebene zu erreichen, ohne zuvor die Technik des Zielens erlernt zu haben. FUTAMETSUKAI (FUTAMEZKAI) bedeutet, das Ziel nur durch hinschauen zu treffen, ohne zu zielen. Jede Hand führt seine Aufgabe so aus, wie sie es sollte und der Pfeil wird das Zentrum treffen. Man muss höher gehen, um das Zentrum nur durch hinschauen zum MATO (FUTAMETSUKAI) zu treffen. Es muss ein gutes NOBIAI vorhanden sein, also ein gutes arbeiten des Geistes. Nicht Zielen
Um MU zu erreichen, müssen Sie in der Lage sein das Zentrum mit NOBIAI zu treffen, nur indem sie zum Ziel schauen, ohne zu zielen.Der Weg ist sehr schwierig, und FUTAMETSUKAI ist nicht MU.
  • Die Ausdehnung des Geistes kann nicht stattfinden, wenn die linke und die rechte Hand ihre Aufgaben nicht korrekt erfüllen.
  • Der rechte Geist ist mit TENOUCHI und NOBAI verbunden.
  • Wir müssen einmal das Ziel anschauen, wenn wir zweimal hinschauen, beschneiden wir unseren Geist.
  • Der Geist wird erst dann kommen, nachdem wir die Technik und das Zielen so gut beherrschen, dass wir fähig sind, sie vollständig zu vergessen.

Luigi hat viele Jahre mit Inagaki Sensei trainiert und lange mit ihm in Japan und Italien zusammen gelebt. Es ist interessant zu erwähnen, das der Begriff " FUTAMETSUKAI " nirgendwo anders in der außerjapanischen KYUDO-Literatur vorkommt.

In einem Gespräch mit Gavino Fenu erwähnte Luigi einmal:
"Du weißt, das ich über viele Jahre die Möglichkeit hatte mit Inagaki Sensei persönlich zu trainieren. In einer dieser gemeinsamen Trainingseinheiten im Waseda DOJO erzählte Inagaki Sensei das er einmal, bevor er mit Onuma Sensei und einem anderen Sensei der damaligen Renmei (er hatte den Namen vergessen) zum Mittagessen ging, er einen westlichen Compound-Bogen geschenkt bekam.
Inagaki Sensei befragte daraufhin Luigi, von dem er wusste, das er sowohl westliches Bogenschiessen als auch die Bogenjagd ausübte, über das westliche Bogenschiesse. Der Compund-Bogen den er geschenkt bekam hatte ein Visir, daher fragte er Luigi ob er mit dem Visir geschossen habe.Luigi antwortete: "Natürlich nicht!" Ingakai sagte daraufhin: "Du hast also FUTAMETSUKAI gemacht!" Luigi war überrascht, denn er hatte diesen Begriff zuvor nie gehört und er bat um dessen Erklärung.Inagaki erklärte daraufhin, das FUTAMETSUKAI das natürliche Zielen mit beiden Augen sei, bei dem der Schütze lediglich auf das Ziel schaut ohne eine Zieltechnik anzuwenden.Luigi, neugierig geworden, fragte daraufhin: "Wie kann man diese Technik erlernen?"Inagaki antwortete: "Nur durch korrektes Schiessen und die Anwendung der korrekten Zieltechnik über eine lange Zeit und viele Pfeile hinweg, führt einen schrittweise zum natürlichen Zielen und somit zum FUTAMETSUKAI. Übe einfach weiter korrektes Schießen."
Jedem der Erfahrung im sogenannten "traditionellen Bogenschießen" bzw. dem "instinktiven Bogenschießen" hat kommt diese Erklärung bekannt vor.

Die Begriffe traditionelles Bogenschießen und instinktives Bogenschießen werden häufig synonym gebraucht und bezeichnen das Bogenschießen ohne Bogenvisiere oder andere technische Zusatzausstattung am Bogen. Die Bezeichnung "traditionelles Bogenschießen" bezieht sich auf die Bauweise von Pfeil und Bogen, die sich häufig an historische Vorbilder anlehnt. Es werden dabei auch Zielhilfen wie das STRINGWALKING oder FACEWALKING angewendet. Dagegen bezieht sich die Bezeichnung "instinktives Bogenschießen" auf die instinktive Schießtechnik und oft sind auf Bogenturnieren, auf denen "instinktiv" geschossen wird, sogar Schießtechniken wie das STRINGWALKING oder FACEWALKING  nicht erlaubt. Andererseits kann auch mit technisch hoch entwickelten modernen Bögen, wie dem Compound-Bogen, instinktiv geschossen werden.
Während das bekanntere Sportbogenschießen nach den Regeln der FITA, wie es bei den Olympische Spielen ausgeübt wird, relativ eng reglementiert und standardisiert ist, gibt es im traditionellen Bogenschießen eine große Vielfalt an unterschiedlichen Bauarten der Bögen, Pfeile und Sehnen und an Ausübungsvarianten. Diese Form des Bogenschießens hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen.

Instinktives Schießen
Es wird auf bewusstes Zielen unter Hilfestellung (etwa der Pfeilspitze) verzichtet. Der Pfeil und der Bogen werden nur durch Erfahrungswerte, welche durch Training im Unterbewusstsein gespeichert wurden, aufs Ziel gerichtet. Die Konzentration des Schützen liegt dabei auf einem möglichst kleinen Punkt im Ziel, den man treffen möchte. Diese Art des Schießens wird gerne mit dem Werfen eines Steins verglichen, bei dem man ja auch nicht wirklich zielt, sondern nach der eigenen Intuition die Richtung des Steines bestimmt.

Vorteile:
  • Möglichkeit, bewegliche Ziele zu treffen
  • Schnellere Schussabfolge
  • Entfernung zum Ziel muss nicht bekannt sein
  • Schießen in der Dämmerung ist möglich
  • Eine Kreuzdominanz (z.B. Rechtshänder mit Augendominanz des linken Auges) ist ohne Auswirkung auf den Schützen

Nachteile:
  • Schnelle Erfolge sind nicht möglich, ein langes Training ist erforderlich


Beim “Instinktiven Schießen“ benutzt der Bogenschütze lediglich seine Hand-Auge-Körper Koordination und sein unterbewusstes Gedächtnis um seinen Pfeil ins Ziel zu lenken. Mit anderen Worten, der Schütze schießt seinen Pfeil auf den Punkt, den er konzentriert anschaut, ohne dabei die Entfernung zu diesem Punkt bewusst zu schätzen und ohne dabei Hilfsmittel wie ein Visier oder Referenzpunkte zu benutzen.

Im Fazit ist also das FUTAMETSUKAI nichts anderes als die durch langes und korrektes trainieren der korrekten Ziel- und Schiesstechnik erworbene Fertigkeit der Hand-Auge-Körper Koordination und des unterbewusstes Gedächtnisses um seinen Pfeil in dass Ziel zu lenken.

Wie wichtig diese Fertigkeit in bestimmten Situationen war (und sicher auch immer noch ist) mag die Diskussion des Begriffs AIBIKI zeigen, der in der HEKI Schule ebenfalls von großer Bedeutung ist.


AIBIKI 相引
Es wird berichtet das Inagaki Sensei sich in seiner Jugend in den Wäldern der Situation des AIBIKI gestellt hat. Bei der Jagd mit Pfeil und Bogen, in der Wildnis, bei der Begegnung mit Bär und Wildschwein findet man die Erfahrung des "AIBIKI", des plötzlichen Gegenüber mit dem Tod (Feindberührung).
AIBIKI ist die Situation auf Leben und Tod, deren Bewältigung ohne Angst ist die Wurzel des BUDO.

Das "AIBIKI NO OSHIE" ist die "Lehre des aufeinander Schiessens", des "gegeneinander Spannens", des "Krümmen des Bogens".

Dieses Konzept wird auch im 7. der HIKA Gedichte der HEKI Schule beschrieben:

7. IN ALLEN SITUATIONEN FLIESSEND SCHIESSEN

MONOAI NO
HAYAKI ITE TO WA
NANI O IU
KOKORO SHIZUMARU
HITO O IU NARI

Einen Schützen,
der ohne Zögern schießt.
Wie nennt man ihn?
Wir sagen,
ein Mensch mit ruhigem Herzen.

Das bedeutet, wenn zwei Schützen aufeinander zielen, so wird der sicherere Schütze, derjenige mit dem schnelleren Abschuss, eine größere Überlebenschance haben bzw. gewinnen.
Der Schütze lässt sich durch nichts ablenken. Er kann seine präzise Technik entfalten und besitzt eine starke psychische Kraft.
Für die Situation in der Schlacht benutzt man das Bild "Eine Brücke überqueren". Wenn der Schütze den Bogen spannt. ist es. als würde er eine schmale Brücke überqueren, die sich in 100 Meter Höhe über einem Tal erstreckt. Würde sein Herz mit dem im Tal fließenden Wasser "wegschwimmen", d.h., wenn man das unter ihm fließende Wasser und die große Höhe Furcht erzeugen würden, würde er sofort abstürzen. Sein Herz darf sich nicht ablenken lassen.

Erklärung HIKA 7, aus: "Kyûdô - Lehre der Heki Ryû Insai Ha" von Manfred Speidel:
MONOAI heißt "bestimmt", "sicher", "ohne Zögern". Ein Schütze muss so üben, als sei er auf der Hut. Wenn er auf einen Feind stößt, muss er ohne zögern Schlag auf Schlag handeln und schießen können, oder auf der Jagd Schüsse schnell aufeinander folgen lassen. Er muss fließend, ohne nachlässig zu sein , den Bogen ziehen und abschießen können.Ein solcher Schütze ist ein Mensch mit ruhigem Herzen. "Ruhiges Herz" bedeutet, das es ihm in einer problematischen Situation gelingt, Geist und Körper zu kontrollieren. Auch beim Wettkampf kann eine solche Situation eintreten. Nervosität und Angst muss man lernen zu überwinden. Und umgekehrt, um die Nervosität zu beherrschen, darf man beim normalen Training nicht einfach drauflos schießen, sondern soll die Kontrolle über das eigene Bewusstsein üben.
Anmerkung von Ken Kurosu:
Voraussetzung ist, viele Jahre geübt zu haben, um dann vor dem Gegner nicht zurückzuschrecken.
Ein Angsthase hat kein Recht einen Bogen zu halten, egal wie gut er als Schütze sein mag. Ein ängstlicher Schütze "beschmutzt" den Bogen.
Mit dem Üben des Bogens muss auch das Herz stark werden.




Quellen:
"Kyûdô - Lehre der Heki Ryû Insai Ha" von Manfred Speidel.
"Kyudo – Der Weg des Bogens, Die Kunst des traditionellen Japanischen Bogenschießens" von Luigi Genzini.
Zanshin, Das deutsche Kyudo Magazin, Ausgabe: 1/2011
Wikipedia
Zitate aus Texten von: R. Blacky Schwarz
Farbbilder: Jagdszene von Toyohara Chikanobu, 1897, Tokyo Metro Library.





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Donnerstag, 22. Januar 2015

Buch Neuerscheinung: KYUDO JOTATSU - FÜR FORTSCHRITTE IM EIGENEN KYUDO von Toshio Mori


Neuerscheinung!

Heute erschienen und nach jahrelanger Arbeit endlich bereit zur Auslieferung ist dieses Buch gegenwärtig das detailreichste Lehrbuch der in Deutschland und Europa weit verbreiteten „Heki Ryu Insai Schule“ des Kyudo.


Das Buch ist durch seine detaillierten Fotoabfolgen leicht verständlich und eignet sich sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Kyudoka. Dem Anfänger wird der systematische Weg zum Erlernen des Japanischen Bogenschießens Kyudo gezeigt und ergänzt somit das praktische Training. Es wird nicht nur auf die formale und korrekte Schießtechnik eingegangen, sondern auch auf die Pflege und das Anlegen der Ausrüstung und Kleidung. Dem Fortgeschrittenen ist dieses Buch ein unersetzlicher Ratgeber „für die Verbesserung des eigenen Kyudo“, wie es der japanische Begriff „Jotatsu“ beschreibt. Als Nachschlagewerk im Dojo ist es genauso wertvoll wie zur Korrekturhilfe für das eigene Training.





Prof. Toshio Mori lehrt in nahezu ununterbrochener Folge in der 17. Generation das Wissen der Heki Ryu Insai Schule, einer alten Schule für das Japanische Bogenschießen, an der Universität Tsukuba in Japan. Er unterrichtet in Deutschland als Bundestrainer.





Sein Lehrer, Prof. Inagaki Sensei, 9. Dan Hanshi, war von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 1995 Betreuer und Trainer der deutschen Kyudoschützen. Im Jahre 1971 erhielt er die erste japanische Professur für Kyudo an der staatlichen Tokyo Pädagogischen Universität, die er bis 1976 in Tokyo und anschließend bis 1981 in Tsukuba fortführte. Noch zu Lebzeiten wurde Inagaki Sensei der 9. Dan verliehen.

 • ISBN 978-3-929588-20-0
• 188 Seiten, 4-farbig
• Format 24,6 x 28,6 x 1 cm
• Flexibel Gebunden
• 39,90 € zzgl. Versand
• Verlag J.R. Ruther
• Email Link
• Webseite: www.ruther-verlag.de



Das Buch ist nicht bei Amazon erhältlich!




 Die japanische Originalausgabe:
Kyudo Jotatsu Book
(wörtlich: Kyudo-Vervollkommnungsbuch,
sinngemäß: Das Buch zur Verbesserung des eigenen Kyudo)
Prof. Toshio Mori 2005; 176 Seiten; Seibido-Verlag, Tokyo 
ISBN 4-415-03021-1

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