Freitag, 22. Dezember 2017

#MeToo@Budo

#MeToo ist ein Hashtag das ab Oktober 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals Verbreitung in den sozialen Medien erfuhr, um Erfahrungen mit unangemessenem Verhalten – sexuelle Belästigung und Gewalt, aber nicht darauf beschränkt – zu teilen. 
Dieses Thema ist auch im (deutschen) Budo aktuell und wird meist totgeschwiegen. Die autoritäre Struktur in den meisten Budosportarten und -Vereinen fördert die Schweigekultur. Geschichten über das Verhalten japanischer Sensei in Japan gegenüber ihren Schülern werden hier gerne als Rechtfertigung für Fehlverhalten angeführt.

Eigentlich ist der Umgang mit diesem Thema jedoch schon gesetzlich geregelt, nämlich im Strafgesetzbuch (StGB), § 174 Sexueller Mißbrauch von Schutzbefohlenen.




Auch die Landessportbünde haben im Auftrag des DOSB eine Regelung dazu getroffen und fordern von allen Übungsleitern und Trainern ab Lizenzstufe-C eine Selbstverpflichtung, die bei jeder Lizenzverlängerung erneuert werden muss.

In dieser Selbstverpflichtung wird auf den Schutz von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonderer Wert gelegt. (Siehe dazu die Links am Ende des Artikels mit zwei Beispielen solcher Selbstverpflichtungen bzw. Ehrenkodizes).

„Wer genau soll jedoch im Folgenden als Jugendlicher bzw. junger Erwachsener gelten? Aus gesetzlicher Perspektive bestehen in diesem Zusammenhang eindeutige Altersabgrenzungen. Personen zwischen 14 und einschließlich 17 Jahren gelten demnach als Jugendliche, Personen ab 18 bis 27 Jahren werden hingegen als junge Volljährige bzw. junge Menschen angesehen (vgl. Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz 1990).“
Quelle:
Jugendliche und junge Erwachsene – eine Begriffsdefinition
Autor: Sarah Witzke

Es liegt also in den Händen der verantwortlichen Übungsleiter und Trainer, sowie auch in der Verantwortung aller Vereinsmitglieder und vor allem der Vereinsvorstände, derartiges Fehlverhalten auch im Budo zu benennen und als #MeeToo@Budo eine Stimme und Öffentlichkeit zu geben. Gerade für Vereinsvorstände können sich bei der Duldung solchen Verhaltens recht unangenehme rechtliche Konsequenzen ergeben.
Es kann nicht sein, dass im Budo die Verfeinerung der individuellen Persönlichkeit als hohes Ziel definiert wird, aber das Fehlverhalten von Übungsleitern oder Trainern sowie anderer Verantwortlicher geduldet wird.

Einige Stimmen und Quellen:

„Seit der bundesweiten Diskussion um sexuellen Missbrauch in Institutionen setzt sich der Sport verstärkt mit dieser Thematik auseinander. Die Verabschiedung der Erklärung „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport – Vorbeugen und Aufklären, Hinsehen und Handeln!“ bildete auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2010 den Auftakt.“






.